365 Tage Donald Trump – Investitionsniveau, Handelspolitik und Wirtschaftsabkommen

veröffentlicht am 28. November 2017
 

Matthias Amberg antwortet   

 Seit etwa 1 Jahr ist Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Was hat sich seitdem verändert?

Die Polarisierung in den USA nimmt aufgrund der Unterschiede in vielen Lebensbereichen zu  –  insbesondere zwischen der großstädtischen und der ländlich bzw. kleinstädtisch geprägten Bevölkerung. Auf die US-Wirtschaft hat das aber bisher keine wesentlichen Auswirkungen. Für deutsche Investitionen gilt das Motto „Business as usual”.
 

Größere Gesetzesvorhaben hat die Trump-Administration bisher nicht abschließen können: Bei der Durchsetzung ihrer Agenda durch Verwaltungshandeln wird sie einer richterlichen Überprüfung unterzogen, so dass ein Durchregieren nur begrenzt möglich ist. Unsere Mandantschaft und auch wir selbst bemerken aber z.B. bei den Visa- und Einreiseformalitäten, dass Bundesbehörden härter durchgreifen und vorgehen.
 

Ihre Handlungsfähigkeit zeigt die Trump-Administration durch Aufheben bestehender und Erlass eigener Verwaltungsvorschriften, um Unternehmen mehr Spielraum zu deren freien wirtschaftlichen Entfaltung zu geben und Arbeitsplätze in den USA zu schaffen. Trumps Motto „America First” hat noch stärkeren Einfluss auf die Handelspolitik als bei vorherigen Administrationen.

 

 Wichtige Wirtschaftsabkommen werden in Frage gestellt und müssen bestenfalls nachverhandelt werden. Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Entwicklungen?

TPP ist gescheitert, TTIP liegt auf Eis und NAFTA wird auf Betreiben der Trump-Administration neu verhandelt. Hinzu kommt noch der härtere Einsatz handelspolitischer Schutzinstrumente, wie das aktuelle Vorgehen gegen den kanadischen Flugzeughersteller Bombardier durch zusätzliche Zölle zeigt. Die hieraus resultierende Unsicherheit ist auch nicht im Interesse der großen US-Firmen mit ihren in den NAFTA-Ländern verzweigten Lieferketten.
 
Diese Entwicklung in den USA als einem der wichtigsten Handels- und Geschäftspartner Deutschlands kann nachhaltige Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland haben. Die Bedeutung der deutschen Exporte in die USA ist allen bekannt. Aber auch die Geschäftsbeziehungen könnten beeinträchtigt werden. Deutlich mehr als 3.000 Unternehmen mit annähernd 700.000 meistens überdurchschnittlich gut bezahlten Beschäftigten in den USA werden mehrheitlich von deutschen Unternehmen geführt und schaffen oder sichern auch Arbeitsplätze in den Unternehmenszentralen und bei deren Dienstleistern. Das bietet aber auch Chancen, Einfluss auf die künftige Entwicklung zu nehmen. So ist bspw. parteiübergreifend in den USA, aber eben auch bei der Trump-Administration die duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild hoch angesehen und soll weiter ausgebaut werden.

  

 Ein starker Fokus in Trumps Außenhandelspolitik liegt auf Mexiko. Wie schätzen Sie das derzeitige amerikanisch-mexikanische Verhältnis ein?

Neben den gestiegenen allgemeinen politischen Spannungen aufgrund der Grenzsicherungs- und Abschiebepolitik haben die NAFTA-Neuverhandlungen das nachbarschaftliche Verhältnis deutlich eingetrübt. Dabei ist der Handel mit dem jeweiligen Nachbarn signifikant. Die USA sind bei Weitem der wichtigste Handelspartner für Mexiko, aber auch Mexiko ist als drittgrößter Handelspartner der USA von Bedeutung. Die NAFTA-Volkswirtschaften sind mit ihren Lieferketten und dem Handel landwirtschaftlicher Produkte stark miteinander verknüpft.
 

 Wie wird sich die globale Investitionslage unter Donald Trump entwickeln?

Bisher sehen wir keine negativen Auswirkungen in den USA, sondern ein weiter anhaltendes Investitionsinteresse ausländischer  –  insbesondere deutscher  –  Unternehmen. Eine Senkung der hohen Steuersätze und die zunehmend protektionistische US-Politik mögen Investitionen in den USA nach sich ziehen, um diesen interessanten Markt vor Ort bedienen zu können. Es bleibt abzuwarten, ob große US-Unternehmen mittels Steueränderungen dazu bewegt werden können, weite Teile der auf ca. 2,6 Bill. US-Dollar geschätzten Auslandsliquidität zu repatriieren und in den USA zu investieren.
  

 Welche Trends sehen Sie für die weitere Amtszeit von Donald Trump?

Bisher scheint ausschließlich die Unberechenbarkeit Donald Trumps berechenbar zu sein. Nichtsdestotrotz rechne ich neben den bereits angesprochenen Trends mit massiven Umschichtungen im Bundeshaushalt hin zu deutlich gesteigerten Infrastrukturinvestitionen und nochmals höheren Militärausgaben zu Lasten fast aller anderen Etats. Für deutsche Investoren wird die USA sicherlich weiterhin höchst interessant bleiben.
 

 Und zu guter Letzt: Welches Land, denken Sie, wird nächstes Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen?

Mit 100-prozentiger Sicherheit kann ich sagen, dass es bei der Weltmeisterschaft nicht „America First” heißen wird. Ich bin überzeugt, es wird unserer Nationalmannschaft gelingen, den Weltmeister-Titel zu verteidigen.
  
 

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