Erneuerbare Energien in Indien – Kurzinterview mit Michael Wekezer

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Im Interview geht Herr Michael Wekezer auf den Erneuerbaren Energien Markt in Indien ein und gibt eine Prognose zur Frage ab, ob der Einstieg in Erneuerbare Energien in Indien für ausländische Investoren attraktiv ist. 

1. Herr Wekezer, wie kommt es Ihrer Einschätzung nach, dass in Indien die Erneuerbaren Energien so im Fokus stehen?

Indiens Wirtschaftswachstum, neue Technologien und eine Bevölkerungsdichte, die bereits bei über 1,3 Mrd. liegt, steigern den Energiebedarf des Landes. Außerdem ist eine flächendeckende Stromversorgung im Land nicht immer gegeben; tägliche Stromausfälle in vielen Teilen des Landes sind keine Seltenheit.

 

Um in der Zukunft sowohl mehr Energie zu produzieren, aber auch die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu reduzieren, setzt das Land zunehmend auf Erneuerbare Energien.

 

Die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen (Solarenergie, Windkraft, kleine Wasserkraft, Biomasse) steigt kontinuierlich an: von 18,2 Prozent in 2017 auf voraussichtlich 40 Prozent in 2030 – dies hat die indische Regierung im Rahmen des Pariser Klimaabkommens als Zielvorgabe akzeptiert. Indien zählt neben China, den USA und Japan zu den Topmärkten für Erneuerbare Energien.

 

2. Was macht Solarenergie im Vergleich zu den fossilen Energieträgern für Investoren so attraktiv?

Indien verfügt über eine beinahe unüberschaubare Vielzahl von Förderinstrumenten, die die Unionsregierung in Delhi wie auch die einzelnen Bundesstaaten anbieten. Die öffentliche Hand versucht primär die Nachfrageseite des Marktes zu stärken. Zusätzlich existieren aber auch Einspeisetarife und direkte Subventionen. Zudem gibt es zahlreiche Großinvestitionen aus dem Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit/Entwicklungshilfe.

 

Langfristig setzt Indien bei den Erneuerbaren auf Solarenergie als künftige Hauptenergiequelle. Der Grund ist darin zu finden, dass Solarenergie durch die klimatischen Bedingungen mit einer Sonneneinstrahlung von 4 bis 7 kWh/Tag (circa 5.000 Billionen kWh/Jahr) bei rund 300 Sonnentagen pro Jahr begünstigt wird.

 

Die Preise für Photovoltaik-Panele aus ausländischer, aber auch heimischer Produktion sinken kontinuierlich. Die Kosten für Solarstrom sinken, wodurch sich die Wettbewerbsfähigkeit von Solaranlagen stetig verbessert. Schon jetzt zeigt sich ein positiver Trend, der dem ambitionierten Plan Indiens zugutekommt: Solarstrom war im Jahr 2017 bereits teilweise günstiger als Kohlestrom.

 

3. Ein Beispiel: In welchen Bereichen werden Solaranlagen in Indien momentan eingesetzt?

Die Liste ist lang, um nur einige Beispiele zu nennen: Eines der weltweit größten Solarkraftwerke steht im südindischen Tamil Nadu und produziert dort mit einer Kapazität von bis zu 648 MW Strom. Ein noch größerer Solarpark mit einer Leistung von 750 MW entsteht im Norden des zentralindischen Bundesstaates Madhya Pradesh. Darüber hinaus wird einer der weltweit größten Windparks mit einer Kapazität von 1.000 MW im indischen Bundesstaat Gujarat erreichtet.

 

Der weltweit erste komplett mit Solarstrom betriebene Flughafen liegt in Kochi im südindischen Kerala.

 

Darüber hinaus sollen fast 7.000 Bahnhöfe im ganzen Land in den nächsten 5 Jahren durch Solarenergie mit Strom versorgt werden. Weitere 2.000 Bahnhöfe sind anvisiert.

 

Besonders aktuell sind die Entwicklungen im Bereich der Elektroautos, die bis 2030 die diesel- und benzinbetriebenen Kraftfahrzeuge in Indien ersetzen sollen.

 

Der Bereich der Aufdachanlagen ist in Indien noch komplett unterentwickelt, wird aber demnächst an Fahrt gewinnen, was vor dem Hintergrund der progressiven Stromtarife auch nicht verwundert. Gleiches gilt für Anlagen zur Sicherung des Eigenbedarfs von Industriebetrieben.

 

4. Das klingt überaus vielversprechend. Gibt es auch einen Haken?

Eine große Herausforderung stellen derzeit noch die mangelnden Speicherkapazitäten und Übertragungswege dar. Es mangelt an der notwendigen Anzahl von Hochspannungsleitungen, zudem machen Finanzierungsengpässe und zu wenig Fachpersonal den Ausbau der Erneuerbaren Energien schwierig. Der Kauf von Flächen, die für Infrastrukturprojekte notwendig sind, gestaltet sind häufig ebenfalls schwierig. Zudem ist die indische Verwaltung in vielen Fällen ineffizient und in der Herangehensweise sehr formalistisch.

 

5. Zum Abschluss bitte noch ein Fazit: Sind die Erneuerbaren Energien in Indien für den ausländischen Investor attraktiv?

Aufgrund der enormen Entwicklungsdynamik, struktureller Defizite und vor allem wegen der großen Nachfrage nach Strom, bietet der indische Energiemarkt eine lukrative Geschäftschance für ausländische Unternehmen.

 

Allerdings waren deutsche Unternehmen, vor allem in der Solarbranche, bislang bei der Gewinnung von Aufträgen bzw. bei der Einreichung von Angeboten für öffentliche Ausschreibungen wenig erfolgreich. Dies liegt vor allem daran, dass viele deutsche Unternehmen nicht auf den indischen Markt vorbereitet sind, sie eher teure Hightech-Produkte als angepasste, kostengünstige Technologien anbieten. So gehen sie bei Ausschreibungen bislang zu wenig auf die lokalen Anforderungen und Wünsche der Kunden ein. Auf dem lokalen Energiemarkt braucht Indien im Moment noch technisch anspruchslose Lösungen, robuste Kraftwerke zu niedrigen Kosten und mit einem geringen Wartungsaufwand.

 

Eine gute Vorbereitung für den Markteintritt ist daher unausweichlich. Sie beinhaltet sowohl die Auseinandersetzung mit den einschlägigen Förderinstrumenten als auch praktische Fragestellungen wie die Standortwahl, die mögliche Auswahl eines indischen Partners sowie die Beauftragung eines Beraters, der mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und der indischen Praxis vertraut ist. Auch zu diesem Zweck hat Rödl & Partner Ende 2017 den Trendreport Wachstumsländer Erneuerbare Energien veröffentlicht. Eine informative Lektüre über sechs Länder mit starkem Wachstumspotenzial in der EE-Branche.

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Michael Wekezer

Associate Partner, Niederlassungsleiter

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