Das Projekt Gaia-X – Eine Cloud für Europas Dateninfrastruktur

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veröffentlicht am 9. Juni 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten
 

Das Thema der Datenspeicherung ist nach wie vor bei Unternehmen mit Bedenken und Unsicherheiten behaftet. Die Angst vor Datenverlust oder -klau ist bei vielen groß. Auf europäischer Ebene ist derzeit ein Projekt im Gespräch, das Daten und Dienste zusammenführen und sie vertrauensvoll für europäische Unternehmen zugänglich machen soll. Ziel ist es, eine Dateninfrastruktur für europäische Staaten und Unter­nehmen zu erschaffen, die digitale Souveränität sicherstellt und Innovationen fördert. Abhängigkeiten von monopolähnlichen Konzernen wie Google, AWS, Microsoft oder Alibaba würden entschärft.

  

  

Wenn es um die Nutzung von Clouds geht, steht bei privaten Nutzern sowie  Unternehmen v. a. die Sicherheit und der Datenschutz an erster Stelle. Bei einem Großteil der Cloud-Anbieter befinden sich die Server in der Hoheit der USA oder China. Für deutsche und europäische Unternehmen ist das mit den Bedenken verbunden, dass die Daten  –  gerade in Bezug auf Datenschutz  –  nicht generell an deutsches oder europäisches Recht gebunden sind. Ein Großteil von ihnen würde es daher begrüßen, wenn es mehr Anbieter aus der EU gäbe, bei denen der Datenschutz entsprechenden Sicherheitsstandards bzw. anderen Zugriffsmechanismen unterliegt.


Ein Projekt für Europa: Die europäische Cloud

Die europäischen Staaten arbeiten auf vielen Wegen gemeinsam. Mit dem Projekt Gaia-X soll Europa eine eigene Cloud erhalten, die die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken, aber gleichzeitig auch mit einem hohen Maß an Sicherheit punkten soll. Ins Leben gerufen wurde Gaia-X vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Für die Befürworter des Projekts ist v. a. die Datensouveränität ein wichtiger Aspekt. Sie würde Europa vor andauernder Abhängigkeit schützen und dafür sorgen, dass die EU auf Dauer souverän im Bereich der Digitalisierung agieren kann. Mit einer eigenen Dateninfrastruktur soll gewährleistet werden, dass der Austausch von Daten und deren Verarbeitung transparent und vertrauensvoll vonstattengehen können. Zudem sollen mit Gaia-X Innovationen gefördert werden, die die Wettbewerbsfähigkeit der EU weltweit weiter stärkt.


Cloud Computing: Weg in die digitale Welt

Die Frage nach der „richtigen“ Cloud stellen sich viele Unternehmen. Ob Public, Private oder hybride Cloud-Modelle. Bei allen Modellen steht für die Nutzer insbesondere der Sicherheitsaspekt an erster Stelle; gefolgt von der Realisierbarkeit und Ausführung. Durch Cloud Computing wird die IT beim Weg in die Digitalisierung unterstützt und ggf. beschleunigt. Sie wird nicht nur flexibler, skalierbarer und effizienter, sondern schafft Freiheit für Prozessorientierung. Neben den einzelnen Prozessen und Services des Unternehmens müssen auch Schnittstellenprozesse und -systeme detailliert betrachtet werden. Für die Nutzung von Cloud-Services müssen Unternehmen lokal, regional oder global vernetzt sein, um die Services übergreifend nutzen zu können. Oftmals empfiehlt sich ein Mittelweg, d. h. eine Mischung aus Standardlösungen mit maßgeschneiderter Variante: bspw. dem Betrieb einer SAP-Core-Landschaft in der Private Cloud, ergänzt um Software-as-a-Service-Lösungen aus der Public Cloud. Beim Cloud-Computing müssen modernste IT-Security und Verschlüsselungen zum Einsatz kommen.


Leistungs- und wettbewerbsfähige Dateninfrastruktur

Gaia-X soll Sicherheit, Transparenz sowie die Vernetzung von dezentralen und zentrale Strukturen gewähr­leisten, basierend auf einem Open Source-Ansatz. Noch befinden sich die Planungen relativ am Anfang, allerdings ist der Zeitplan eng gestrickt. Bereits Ende 2020 (Planungshorizont vor Beginn der Covid-19-Krise) soll ein Proof of Concept entstehen. Neben Deutschland sind Frankreich sowie einige Großunternehmen bei der Planung des Projekts involviert. Weitere EU-Staaten haben bereits Interesse bekundet.

 
Gaia-X wird vorranging eine europäische Lösung darstellen, die neben Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit auch eine Plattform für europäische Innovationen bietet. Es soll aber auch international anschlussfähig sein, was bedeutet, dass außereuropäische Partner dem Projekt beitreten können  –  vorausgesetzt, sie teilen die Werte und Ziele der Europäischen Union, insbesondere die Datensouveränität und -verfügbarkeit.


Managed Services und Private Cloud

Unternehmen, die heute schon in Richtung Managed IT-Services und Private Cloud  –  weg vom Eigenbetrieb  –  unterwegs sind, werden von den Vorteilen des Gaia-X-Projekts profitieren. Mit fortschreitender Entwicklung werden die Anbieter dieser Services (z. B. die Rödl IT Operation GmbH) anstreben, am Gaia-X-Projekt zu partizipieren, um somit ihre Services als Teil der europäischen Cloud mit den dafür vorgesehenen über­greifenden Rahmenbedingungen anzubieten.

 
Monopolistische Abhängigkeiten sollen aufgelöst werden. Der Weg in die Cloud muss genauso transparent sein wie der Weg aus der Cloud, bzw. der Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern. Der Zugriff auf Daten durch staatliche Behörden muss klar im Sinne der Unternehmen geregelt sein.

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