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Strukturelle Neuausrichtungen der Unternehmen als Konsequenz der Corona-Pandemie

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veröffentlicht am 27. März 2020 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 
Der neuartige Coronavirus (Covid-19) als Folge einer noch nie dagewesenen Situation stellt viele Unternehmen vor enormen Herausforderungen. Bereits jetzt leiden zahlrei­che Wirtschaftssubjekte und Branchen – wie Luftfahrt, Tourismus, Gastronomie, Hotel und andere Dienstleistungen – erheblich unter den Folgen der Ausbreitung des Virus. Aber auch im Logistikbereich sind Lieferverzögerungen aufgrund von Staus auf den Transportwegen, neu eingeführten Grenzkontrollen im EU-Raum oder Produktionseng­pässen bereits heute erkennbar.  

 

 

Die Entwicklungen haben dazu geführt, dass globale Lieferketten bereits unterbrochen sind. Automobilher­steller stoppen ihre Produktion oder schließen sogar Werke für eine bestimmte Zeit. Schließlich sind es neben den kleineren Unternehmen und Start-ups auch Unternehmen der Großindustrie, die bislang profitabel gewirtschaftet haben. Eine weitere Folge der Corona-Pandemie ist die bereits eingesetzte Kurzarbeit in manchen Unternehmen, bspw. in der LKW-Herstellung oder im Dienstleistungsbereich zum Schutz ihrer Mitarbeiter sowie zur Sicherung der Liquidität nach erheblichen Auftragseinbrüchen.

 

   

Staatliche Unterstützungsmaßnahmen

Nicht nur Produktionsbetriebe in den unterschiedlichsten Bereichen bemühen sich in diesen Zeiten intensiv um Staatshilfen in der Hoffnung, ihren Unternehmensbetrieb aufrecht erhalten zu können; auch von manchen großen Logistikunternehmen werden Regierungsmaßnahmen gefordert, um einen reibungslosen Gütertransport für die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Bundesregierung sowie die einzelnen Landesregierungen arbeiten derzeit mit Hochdruck an tragfähigen Lösungen für die betreffenden Unter­nehmen. Gleichzeitig wurden Maßnahmen durch Abstands- und Hygieneregeln sowie Kontaktverbote für mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum getroffen, die das öffentliche Leben der Bevölkerung für eine gewisse Zeit deutlich einschränken bzw. weitgehend zum Erliegen gebracht haben. Mittlerweile sind nahezu alle Länder betroffen.

 

Der Schutz vor einer möglichen Ansteckung des Virus innerhalb der Bevölkerung setzt ein verantwortungsbe­wusstes Handeln aller Personen voraus, um eine weitere lokale und globale Ansteckung zu verhindern und den Notstand insgesamt einzudämmen. Der gesunde Menschenverstand sollte die Oberhand haben. 

 

Neue Geschäftsfelder

Wie schnell sich die Wirtschaft nach den aktuellen Zeiten erholen wird, bleibt abzuwarten. Gleichzeitig lässt die aktuelle Entwicklung vermuten, dass sich durch die Corona-Krise bestimmte Geschäftsfelder stärker ausrichten werden und die Entstehung weiterer Geschäftszweige künftig mehr an Bedeutung gewinnen wird. Ein Beispiel liefert der Online-Handel (E-Commerce) im Bereich der Nahrungsmittelbelieferung an Konsumenten und Hotels: Wie aktuell zu beobachten ist, zeigt sich bei einigen Konsumenten eine Veränderung ihres Kaufverhaltens, indem sie ihre Nahrungsmittel, möglicherweise aus Angst, sich von anderen Konsumenten in den Supermärkten von dem Virus anzustecken, zunehmend über das Internet bestellen, u.a. über bei REWE, EDEKA und weiteren Supermarktketten. Denkbar ist, dass sich dieses Verhalten nach der Krise weiterhin fortgesetzt wird oder sich sogar noch steigern wird.

 

Darüber hinaus könnte die Corona-Krise eine Folge von strukturellen Veränderungsprozessen in zahlreichen Unternehmen erforderlich machen. Vorstellbar ist, dass in den betreffenden Unternehmensorganisationen und Unternehmensstrukturen künftig ein Umdenken stattfinden wird. Für eine Reederei könnte die Abhängigkeit von einem Containerlieferanten fatale Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb bedeuten oder diesen gar in die Insolvenz führen. Demnach könnte die Krise genutzt werden, um alternative Geschäftsprozesse, bspw. bestimmte Produktionsprozesse, zu überdenken oder gar neu auszurichten. Zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit nach einer Wirtschaftskrise machen das deutlich.

 

De-Globalisierung

Auch für die industrielle Fertigung könnte ein Umdenken in Frage kommen. Der Gedanke eines Automobilherstellers, ob es heutzutage noch wirtschaftlich sinnvoll ist, seine Produktion, wie bisher, ins ferne Ausland, bspw. nach China, auszulagern, muss überdacht werden. Denn die derzeitige Corona-Situation macht deutlich, wie schwierig es sein kann, auf Prozesse zuzugreifen, wenn plötzlich die Ländergrenzen geschlossen werden sowie der in- und ausländische Flugverkehr deutlich eingeschränkt oder gar gestoppt wird. DIe Entscheidung eines Unternehmers könnte in Zukunft das Zurückholen bestimmter Produktionsprozesse aus dem Ausland bedeuten – also wo Produktionsstandorte betrieben werden, um damit wieder mehr Zugriff auf die eigene Produktion zu erlangen. Liefer- und Produktionsketten werden sich verkürzen. Folglich könnte die Krise genutzt werden, den Fokus der Wertschöpfung wieder auf Europa zurück zu verlegen und eine „De-Globalisation“ durchzuführen. Manche Unternehmer werden sich nach der Krise neu aufstellen. Bspw. wird ein Produzent sicherlich seine hohe Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten außerhalb Europas noch einmal prüfen oder gänzlich einstellen.

 

(Virtuelle) Arbeitswelt

Daneben könnte sich eine Veränderung in der Arbeitswelt durch die Einführung alternativer Arbeitsformen weiter hin verstärkt fortsetzen. Im Bereich der Kommunikationsinfrastruktur ist bereits ein Trend deutlich erkennbar. Denn nicht bereits erst seit heute greifen immer mehr Unternehmen zu mehr Homeoffice, um u.a. Einsparungen bei den Mietkosten für Büroflächen zu ermöglichen. Größere Büros, wie sie noch heute konzipiert werden, könnten für manche Unternehmen zukünftig obsolet werden und dafür eher kleinere Büroflächen mit weniger Büros in Betracht kommen.
 
Damit einhergehend könnte zudem ein stärkerer Einsatz der IT mit ihrer Vielzahl an technischen Kommu­ni­kationsmöglichkeiten erfolgen, bspw. durch Skype, Videokonferenzen und Webinaren. Sie könnten zu mehr Einsparungen führen, da hohe Reise- und Unterbringungskosten teilweise oder gar vollumfänglich entfallen würden.

 

Zudem könnten Unternehmen, wie Gastronomieinhaber, über alternative Geschäftsmodelle nachdenken. Gerade in diesen Zeiten während die  Restaurants geschlossen bleiben müssen, könnte sich eine Tendenz zu mehr Lieferservices entwickeln.

 

Schließlich lösen Krisen auch Umdenkungsprozesse aus, die dazu führen könnten, bestimmte Prozesse anders als in der Vergangenheit umzusetzen und schließlich neue unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Folglich wird ein Unternehmer seine Entscheidungen, stärker als zuvor, nach Bedeutung und Wirtschaftlichkeit treffen. Durch diese Krise könnten Trends, die seit längerem im Verborgenen wirken, zum Durchbruch kommen. Viele Menschen experimentieren derzeit mit alternativen oder gar neuen Wegen, ihren Alltag zu organisieren. Vermutlich werden einige Geschäftsreisende von bestimmten Flügen auf Videokonferenzen umsteigen und stattdessen über Skype telefonieren sowie Webinare einsetzen. Mitarbeiter werden verstärkt vom Home Office aus arbeiten (virtuelles Arbeitsleben) und sich mit anderen Kollegen ein Büro teilen. Die in dieser Krise neu getesteten Arbeitsweisen zeigen, dass es funktioniert und als positiver Nebeneffekt zudem umweltfreundlich ist. Denkbar ist auch die teilweise Wiederbelebung von „alten Werten und Verhaltensmustern“. Solidarität mit den Wirtschaftspartnern sowie eine Zunahme der Nachhaltigkeit und der ökologischen Bewertung des eigenen Wirtschaftshandelns gewinnt gerade in diesen Zeiten wieder zunehmend an Bedeutung. 

 

Auswirkungen auf die Realwirtschaft

Aus dieser Betrachtung heraus könnte die aktuelle Krise letztlich auch Chancen für die Gesamtwirtschaft bedeuten, Unternehmensabläufe und -entscheidungen zu optimieren oder gar mögliche Mängel aus der Vergangenheit zu beheben. Dieses Umdenken könnte letztendlich dazu führen, dass sich nach einer bestimmten Erholungsphase die Wirtschaft wieder stärker als vor der Krise entwickeln kann. Das zeigt, dass sich nach jeder Krise auch immer Chancen ergeben.

 

Wie die Erfahrung aus den vergangenen Epidemien und Krisen bisher gezeigt hat, konnte sich die Gesamt­wirtschaft nach einem starken wirtschaftlichen Einbruch meistens relativ schnell wieder erholen, was zudem an der relativ zügigen Fortsetzung des Wirtschaftswachstums erkennbar war. Allerdings wird bereits deutlich, dass die Corona-Krise mit den vergangenen Wirtschaftskrisen nicht vergleichbar gemacht werden kann. Es zeigt sich eine Krisensituation mit neuen Dimensionen, die es bislang noch nicht gegeben hat. Im Gegensatz zu der Finanzkrise ist bei der Corona-Krise die Realwirtschaft gänzlich betroffen. Hinzu kommen sehr viele Para­meter, wie Grenzkontrollen und -schließungen, Einbruch von Angebot und Nachfrage, gestörte Handelsbe­ziehungen zur globalen Welt und die gravierenden Auswirkungen bspw. auf das Exportland Deutschland. Zudem werden Lieferketten unterbrochen und der Binnenmarkt kommt aufgrund des Flug- und Reiseverbots nahezu zum Stillstand. Hieraus resultiert, dass die globalisierte Welt sehr anfällig geworden ist und neue Tools benötigt werden, um auf die neuen Herausforderung schneller und gezielter reagieren zu können.

 

Ausblick

Bislang sind die wirtschaftlichen Folgen nicht abschätzbar und die aktuelle Corona-Krise wird die weltweite Bevölkerung vermutlich noch über einen längeren Zeitraum beschäftigen. Anders als bei den Krisen zuvor wird sich die gesamte Menschheit und nicht nur die Unternehmen mit neuen Herausforderungen beschäftigen müssen.

 

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie ist es nicht unrealistisch, dass es bei Einhaltung der erforderlichen Maßnahmen aller Beteiligten, als wesentliche Voraussetzung in dieser aktuellen Situation, zu einem Rückgang der Neuinfektionen kommen wird. Positiv ist bereits jetzt, dass in den Ländern, die bislang stark von dieser Krise betroffen waren, wie bspw. Südkorea und die Volksrepublik China, die Zahlen der Neuinfektionen rückläufig sind. Abhängig vom betroffenen Land dürften jedoch Zweifel an der Korrektheit der Infektionszahlen angebracht sein.

 

Die weiteren Wochen werden entscheidend für den weiteren Verlauf und letztlich die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Pandemie sein. Gemeinschaftlich abgestimmte Maßnahmen aller Nationen, der Unternehmen sowie der sonstigen Wirtschaftspartner werden ein Garant für eine positive Entwicklung maßgeblich sein.

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Kontakt

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Grit Campos Nave

Dipl.-Betriebswirtin (FH), Dipl.-Finanzierungs- und Leasingwirtin (VWA), Länderkoordinatorin

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