Digitalisierung in Singapur

​zuletzt aktualisiert am 9. Januar 2019

 

Interview mit Dr. Paul Weingarten



  

Wird das Thema Digitalisierung in Deutschland auf die Agenda geschrieben, darf damit gerechnet werden, dass Sie nicht nur eine Definition für den Begriff erhalten. Die immer wieder genannten Schlagwörter sind „disruptive Technologien, „innovative Geschäftsmodelle” oder auch „Autonom­isierung” was wiederum gerne unter dem Begriff „Industrie 4.0” zusammengefasst wird. Wir möchten heute aber speziell über Singapur sprechen. Dr. Weingarten, geben Sie uns bitte einen kurzen Einblick, was unter dem Begriff Digitalisierung in Singapur verstanden wird?

In Singapur verbindet man den Begriff Digitalisierung in erster Linie mit „advanced manufacturing” sowie Industrie 4.0 und daher vor allem mit der Transformation der Produktionsabläufe. Dabei wird u. a. auf Robotik, Automatisierung sowie den Einsatz modernster Technik gesetzt. Die Umstellung der Industrie zeigt sich insbesondere in den Bereichen der Forschung und Entwicklung. So hat Singapur bereits in modernste Einrichtungen investiert, die sich u.a. mit der Analyse von Produktionsdaten, der virtuellen Prozess­abbildung und digitalen Lösungen für Produktionsprozesse beschäftigen. Auch 2018 fördert die singapurische Regierung wieder finanziell in großem Umfang die Digitalisierung kleinerer und mittel­ständischer Unternehmen. Mit dem Fokus auf dem Thema Industrie 4.0 geht auch das Ziel einher, das Land in den kommenden Jahren zum Vorreiter im Bereich „Smart and Green Megacities” zu machen.

 

Digitalisierung ist ein branchen- und gesellschaftsübergreifendes Thema. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Singapur ein – Hat die Gesellschaft das Thema bereits verinnerlicht, verstehen Unternehmen den Wandel oder wird eher versucht, das Thema auszusitzen? Welche Branchen sind bereits auf der Erfolgsspur, welche hinken, eventuell auch traditionell, hinterher?

Das Thema Digitalisierung ist sowohl gesellschaftlich als auch politisch in Singapur angekommen. Dennoch wird in einigen Teilen der Industrie noch immer auf Elektrizität und Fließband-Fertigung (Industrie 2.0) aufgebaut. Auch in Singapur scheuen sich viele Industrieunternehmen noch immer vor Investitionen in die Automatisierung oder gar in die Digitalisierung.

 
Neben den Branchen der Hochtechnologieindustrien (u.a. Feinmechanik, Elektronik), der IT-Dienst­leistungen sowie der Forschung, Entwicklung und Bildung wird auch in der Logistik vermehrt auf digitalisierte Arbeits­prozesse gesetzt. Allerdings versucht Singapur auch vermehrt die Digitalisierung des eher als Nachzügler geltenden Chemiesektors voranzutreiben. Dadurch soll neben einer Erhöhung der Effizienz auch eine Senkung der Emissionen erreicht werden.

Welche Herausforderungen aber auch Chancen sehen Sie für bereits vor Ort tätigte Unternehmen, diese nicht einfache Mammutaufgabe zu meistern?

Singapur möchte eine Vorreiterrolle in ASEAN einnehmen und treibt daher die Digitalisierung aktiv voran. Unternehmen, die in die Digitalisierung investieren, können mithin vom Gestaltungswillen des Stadtstaats sowie ggf. von staatlichen Förderungen profitieren. Insbesondere im regionalen Vergleich hebt sich Singapur durch die schnell voranschreitende Digitalisierung deutlich von den umliegenden Staaten ab.

 
Wesentliche Herausforderungen könnten sich aus dem bestehenden Rechtsrahmen ergeben. Insbesondere der Personal Data Protection Act, der die Erhebung, Speicherung und Verarbeitung personenbezogener Daten regelt, und die neue Cybersecurity Bill führen zu erhöhten Compliance-Anforderungen auf Unter­nehmens­seite. Darüber hinaus kann eine weitere große Herausforderung darin bestehen, angelernte Arbeitskräfte in die neuen digitalen Prozesse einzubinden oder Fachpersonal mit entsprechenden IT-Kenntnissen abzuwerben.

 

Welche Punkte müssen bei der Transformation in Singapur besonders beachtet werden (Beispielsweise: Cybersecurity, Datenschutz, Change Management, Cloudcomputing, ERP-Systeme, (Tax-)Compliance-Systeme, digitale Payroll, Wertewandel, Blockchain-Technologien usw…)? Sehen Sie hier vor Ort kulturelle, gesellschaftliche oder ökonomische Vorteile, die für eine leichtere Transformation sprechen?

Die technischen Veränderungen der Digitalisierung haben auf verschiedenen Ebenen rechtliche Implikationen. In erster Linie sollte das Thema Datensicherheit berücksichtigt werden. Das singapurische Datensicher­heits­recht ist im Computer Misuse and Cybersecurity Act geregelt. Er stellt verschiedene Tatbestände in Bezug auf Computernutzung und Umgang mit Daten unter Strafe. Auch die Cybersecurity Bill gilt es künftig zu beachten, wonach insbesondere bei der Arbeit mit kritischen Informations­infra­strukturen strikte Verpflichtungen bestehen. Darüber hinaus gilt es auch, den Personal Data Protection Act in Zusammenhang mit personenbezogenen Daten zu berücksichtigen.

 
Die Bedingungen für die Digitalisierung könnten ökonomisch wie gesellschaftlich kaum günstiger sein: Singapur gilt als besonders innovativ und ist digital bereits hervorragend vernetzt. Der Staat geht in Sachen Digitalisier­ung mit bestem Beispiel voran und setzt seit Jahren auf papierlose Verwaltung (E-Governance). Daneben ermutigt die Regierung auch nachhaltig die Wirtschaft, die Digitalisierung voran zu treiben und wirbt mit entsprechenden Förderprogrammen. Ebenso zeigt sich die Bevölkerung sehr technikaffin, so zählt der Inselstaat bspw. mehr Smartphones als Einwohner.

 

Wenn die Führungsriege der Unternehmen den Wandel nicht vorlebt und vorantreibt, ist das Gelingen der Transformation in Gefahr. Existieren von staatlicher Seite Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten, die bei den ersten Schritten hin zur digitalen Transformation bereitgestellt werden? Bestehen Investitionsprogramme um Digitalisierungspioniere anzulocken? Existieren Inkubatoren, um innovative Geschäftsmodelle und die Ansiedlung von bspw. Start-Ups zu beschleunigen?

Die Regierung Singapurs hat bereits verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, um Betriebe bei der Einführung modernster Technik zu unterstützen sowie den Standort auch für Start-Ups interessanter zu machen. Auch im Haushalt 2018 ist die Förderung von Innovationen einer der wichtigsten Eckpfeiler. Die Regierung stellt hierfür den Productivity Solutions Grant zur Verfügung, der diverse Darlehensprogramme umfasst und einen Großteil der notwendigen Kosten einer solchen Transformation abdecken kann. Auch fördert die Regierung die Aus­bildung im digitalen Bereich, wie bspw. bei der Datenanalyse oder im Bereich Cloud Computing. Darüber hinaus wird ab 2018 auch der Steuerabzug für Forschungs-/Entwicklungs­ausgaben angehoben. Schließlich werden von der Agency for Science, Technology and Research und von der Enterprise Singapore auch diverse Plattformen zur Verfügung gestellt, die mittelständischen Unternehmen Informationen zum Thema Digitalisierung bieten.

 
Bei all den Förderprogrammen ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese gegebenenfalls nicht für ausländische Unternehmen zur Verfügung stehen.

   

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Dr. Paul Weingarten

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