Erfolgreich investieren in Litauen

PrintMailRate-it

zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Litauen ein?

Alle Vorhersagen für 2020 deuten auf ein anhaltendes Wachstum und eine erneute Steigerung bei ausländischen Direktinvestitionen hin. Laut der Prognose der Europäischen Kommission wird das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2020 2,6 Prozent betragen. Damit ist Litauen innerhalb der EU eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Laut dem Ranking des „Economic Freedom Index 2020” belegt Litauen weltweit den 16. Platz. Der „Doing Business Report” der Weltbank – der anhand verschiedener Faktoren bewertet, wie einfach sich in einem Land ein Unternehmen gründen und führen lässt – sieht Litauen auf dem 11. Platz weltweit. Laut dem „World Economic Forum” gilt Litauen gar als Nr. 1 der aufstrebenden Schwellenländer („Inclusive Development Index 2018”).

Wie würden Sie das Investitionsklima in Litauen beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Litauen ist aufgrund der im weltweiten Vergleich flächenbezogen größten Verbreitung von schnellen Glasfaser­Internetverbindungen ein Top-Ziel für IT-Unternehmen, insbesondere für Softwareprogrammierer sowie Game- und Application-Start-ups.

Aufgrund der eigenen IT-Kompetenz setzt Litauen zudem seit Langem darauf, internationale Servicezentren zu etablieren. Das Land gilt für Unternehmen in den Bereichen „Shared Service Centers” und „Business Process Outsourcing” als attraktivster Investitionsstandort Europas. Der „Business Process Outsourcing and Shared Service Location Index” von Cushman & Wakefield sah Litauen bei seinen Wirtschaftsbedingungen bereits im Jahr 2016 auf Platz 1 weltweit. Dem Ruf sind viele Global Player wie Western Union, Danske Bank und SEB gefolgt.

Im Windschatten der Entwicklung gewann in den vergangenen Jahren auch die produzierende Industrie zunehmend an Bedeutung. Das größte der baltischen Länder belegte gemäß dem „Cushman & Wakefield Manufacturing Risk Index 2018” Platz 1 in Europa und Platz 2 weltweit, was seine Geschäftsbedingungen für produzierende Unter­nehmen anbelangt. Litauen bietet ein perfektes Gleichgewicht zwischen einem stabilen und unternehmensfreun­dlichen Regulierungsrahmen, einem ungenutzten Talentpool, einem niedrigen Risikoniveau und wettbewerbsfähigen Produktionskosten.

Ganz besonders hervorzuheben ist dabei die Automobilindustrie. So entwickelt sich das Land seit einiger Zeit zu einem europäischen Automotive-Hub. Mehr als 400 indirekte Automobilzulieferer in Litauen erreichen einen Gesamtumsatz von über 400 Mio. Euro. In den vergangenen 2 Jahren tätigten in der Freien Wirtschaftszone Kaunas zudem gleich mehrere Automobilzulieferer aus dem D-A-CH-Raum Großinvestitionen in neue Produktionsstandorte und bilden ein einzigartiges Automotive-Cluster.

In allen Bereichen profitiert Litauen von:
  • einem riesigen Pool an qualifizierten Arbeitskräften (ca. 90 Prozent der Litauer haben eine Sekundarausbildung und sprechen mind. 2 Sprachen fließend);
  • einer Körperschaftsteuer von max. 15 Prozent, in vielen Fällen sogar darunter;
  • seinen insg. sechs Freien Wirtschaftszonen mit einem Körperschaftsteuersatz von 0 Prozent über 10 Jahre und 7,5 Prozent über die sechs darauffolgenden Jahre sowie
  • Arbeitskosten, die ca. dreimal niedriger sind als der EU-Durchschnitt.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Litauen gegenüber?

Durch die Mitgliedschaft in der EU entspricht das litauische Geschäftsumfeld weitestgehend dem westeuropä­ischen Standard. Dennoch gibt es, bedingt durch das verhältnismäßig junge Alter der Rechts- und Wirtschafts­ordnung sowie der dadurch fehlenden Rechtspraxis, noch einige Defizite im Bereich der Rechtssicherheit und des Gerichtswesens, denen durch geeignete Maßnahmen präventiv zu begegnen ist. Darüber hinaus bergen Mentali­tätsunterschiede zwischen Geschäftspartnern gelegentlich Herausforderungen. Ein umfassendes Vertrags­management sowie die Installation eines geeigneten „Compliance-Regimes” können jedoch dabei helfen, die Geschäftskultur des Herkunftslandes mit den landestypischen Besonderheiten Litauens in Einklang zu bringen.

Wie entwickelt sich der Markt für Erneuerbare Energien in Litauen?

Der erklärte Fokus Litauens liegt beim EE-Ausbau und der Wiedererlangung seiner Energieunabhängigkeit, die es durch die Abschaltung und den Rückbau des Kernkraftwerks Ignalina im Jahr 2009 verloren hat. Litauen hat mit der Einführung eines neuen Marktprämienmodells anerkannt, dass die Entwicklung der Erneuerbaren Energien neuen Anschub benötigt.

Die litauische EE-Förderung unterlag bisher einer festen Einspeisevergütung über 12 Jahre. Die im Mai 2019 neu eingeführte Marktprämie wird durch Ausschreibungen festgelegt, die unabhängig von der Art der Erneuerbaren Energiequelle und für bestimmte Produktionsmengen durchgeführt werden, d.h. der niedrigste Preis soll letztlich den Zuschlag erhalten, unabhängig von der Erzeugungsart. Die Marktprämie wird auf den Marktpreis aufgeschlagen – wie bisher wird die Förderung auf max. 12 Jahre gedeckelt.

Die ersten Ausschreibungen haben im September 2019 stattgefunden. Der Gewinner wurde im Januar 2020 für eine jährliche Quote von 0,3 TWh mit einer Marktprämie von 0 Euro/MWh festgelegt. Das ist im europäischen Markt revolutionär und zeigt, dass der litauische Erneuerbare Energien-Markt eine besondere Reife erreicht hat, in der die Erzeuger zu Marktkonditionen existieren können. Die Ergebnisse der ersten Ausschreibung zeigen, dass es gelungen ist, die Erneuerbaren Energien weiter an den Markt heranzuführen und, dass die Entwicklung von neuen Produ­ktions­kapazitäten unentdeckte Investitionsmöglichkeiten birgt.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Litauen weiterentwickeln?

Durch die gezielte Fortentwicklung des eigenen IT-Know-hows werden sich die dargestellten positiven Trends noch verstärken. Selbst die anhaltenden EU-Sanktionen gegen Russland und die russischen Gegensanktionen konnten das wirtschaftliche Wachstum in Litauen nicht bremsen. Die am stärksten betroffenen Branchen haben dabei einmal mehr die mittlerweile fast schon legendäre „baltische Anpassungsfähigkeit” unter Beweis gestellt.

Insg. ist davon auszugehen, dass Litauen für deutsche Investoren und sonstige Unternehmen in Zukunft ein noch attraktiverer Tätigkeits- bzw. Investitionsstandort sein wird.

 Kulturelle Besonderheiten in Litauen

​ 

Kontakt

Contact Person Picture

Tobias Kohler

Rechtsanwalt

Partner

+370 5 2123 590
+370 5 2791 514

Anfrage senden

 Artikelserie

 Forum Global

 Unternehmer­briefing

Kein Themen­special verpas­sen mit unserem Newsletter!

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu