Erfolgreich investieren in Litauen

zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Litauen ein?

Alle Vorhersagen für 2019 deuten auf ein anhaltendes Wachstum und eine erneute Steigerung bei ausländischen Direktinvestitionen hin. Laut der Prognose der Europäischen Kommission wird das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2019 2,7 Prozent betragen, womit Litauen innerhalb der EU eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften ist.

Damit werden die guten Wachstumszahlen aus dem Vorjahr sogar noch übertroffen. Laut dem Ranking des „Economic Freedom Index 2018” belegt Litauen weltweit den 21. Platz. Der „Doing Business Report” der Weltbank – der anhand verschiedener Faktoren bewertet, wie einfach sich in einem Land ein Unternehmen gründen und führen lässt – sieht Litauen auf dem 14. Platz weltweit. Laut dem World Economic Forum gilt Litauen gar als Nr. 1 der aufstrebenden Schwellenländer („Inclusive Development Index 2018”).   
  

Wie würden Sie das Investitionsklima in Litauen beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Litauen ist aufgrund der im weltweiten Vergleich flächenbezogen größten Verbreitung von schnellen Glasfaser­internetverbindungen ein Top-Ziel für IT-Unternehmen, insbesondere für Softwareprogrammierer sowie Game- und Application-Start-ups.

Aufgrund der eigenen IT-Kompetenz setzt Litauen zudem seit Langem darauf, internationale Servicezentren zu etablieren. Das Land gilt für Unternehmen in den Bereichen „Shared Service Centers” und „Business Process Outsourcing” als attraktivster Investitionsstandort Europas. Der „Business Process Outsourcing and Shared Service Location Index” von Cushman & Wakefield sah Litauen in Bezug auf seine Wirtschaftsbedingungen bereits im Jahr 2016 auf Platz 1 weltweit. Diesem Ruf sind viele Global Player wie Western Union, Danske Bank und SEB gefolgt.

Im Windschatten der Entwicklung gewann in den vergangenen Jahren auch die produzierende Industrie zuneh­mend an Bedeutung. Das größte der baltischen Länder belegt gemäß dem „Cushman & Wakefield Manufacturing Risk Index” aktuell Platz 1 in Europa und Platz 2 weltweit, was seine Geschäftsbedingungen für produzierende Unternehmen anbetrifft. Litauen bietet ein perfektes Gleichgewicht zwischen einem stabilen und unternehmensfreundlichen Regulierungsrahmen, einem ungenutzten Talentpool, einem niedrigen Risikoniveau und wettbewerbsfähigen Produktionskosten. Ganz besonders hervorzuheben ist dabei die Automobilindustrie. So entwickelt sich das Land seit einiger Zeit zu einem europäischen Automotive-Hub. Mehr als 400 indirekte Automobilzulieferer in Litauen erreichen einen Gesamtumsatz von über 400 Mio. Euro. In den vergangenen 2 Jahren tätigten in der Freien Wirtschaftszone Kaunas zudem gleich mehrere Automobilzulieferer aus dem D-A-CH-Raum Großinvestitionen in neue Produktionsstandorte und bilden ein einzigartiges Automotive-Cluster.

In allen Bereichen profitiert Litauen von:
  • einem riesigen Pool an qualifizierten Arbeitskräften (ca. 90 Prozent der Litauer haben eine Sekundarausbildung und sprechen mind. 2 Sprachen fließend)
  • einer Körperschaftsteuer von max. 15 Prozent, in vielen Fällen sogar darunter
  • seinen insgesamt 6 Freien Wirtschaftszonen mit einem Körperschaftsteuersatz von 0 Prozent über 10 Jahre und 7,5 Prozent über die 6 darauffolgenden Jahre sowie
  • Arbeitskosten, die ca. 4-mal niedriger sind als der EU-Durchschnitt.
     

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Litauen gegenüber?

Durch die Mitgliedschaft in der EU entspricht das litauische Geschäftsumfeld weitestgehend dem westeuro­päischen Standard. Dennoch gibt es, bedingt durch das verhältnismäßig junge Alter der Rechts- und Wirtschafts­ordnung und der dadurch fehlenden Rechtspraxis, noch einige Defizite im Bereich der Rechts­sicherheit und des Gerichtswesens, denen durch geeignete Maßnahmen präventiv zu begegnen ist. Darüber hinaus bergen Mentalitätsunterschiede zwischen Geschäftspartnern gelegentlich Herausforderungen. Ein umfassendes Vertragsmanagement sowie die Installation eines geeigneten „Compliance-Regimes” können jedoch dabei helfen, die Geschäftskultur des Herkunftslandes mit den landestypischen Besonderheiten Litauens in Einklang zu bringen.
   

Wie weit ist Litauen mit der Digitalisierung?

Litauen gilt als Vorzeigeland in Sachen Digitalisierung. Es ist anerkannter Spitzenreiter in der Region in Bezug auf die Entwicklung von Cloud-Technologien, E-Government-Systemen sowie in den Bereichen E-Medizin, E-Banking und E-Business. Die Gründung einer Gesellschaft in Litauen kann mit Hilfe einer elektronischen Signatur innerhalb von 24 Stunden geschehen.

Daneben hat Litauen begonnen, sich als FinTech-Standort zu etablieren. Zunächst von vielen belächelt, wurde im Zuge des Brexit der Versuch unternommen, gezielt britische Finanz-Startups abzuwerben. Neben diversen Förderprogrammen mit einer E-Money- und Zahlungslizenz innerhalb von 3 Monaten (mehr als doppelt so schnell wie im europäischen Durchschnitt), einer „Regulatory Sandbox” ohne Sanktionen für das 1. Jahr nach der Gründung (vergleichbar mit Standorten wie London oder Singapur) und Zugang zu allen 34 SEPA-Staaten sind es auch die sehr niedrigen Kapitalerfordernisse für Gründer, die dafür sorgen, dass diese Strategie nun Früchte trägt.

Ein konsequenter Schritt in der Entwicklung war im vergangenen Jahr zudem die Gründung des Blockchain Centre Vilnius. Es handelt sich hierbei um das erste Blockchain-Technologiezentrum seiner Art, das gezielt die wesentlichen Zentren in Asien, Australien und Europa verbinden soll. Ziel ist es, mit der Blockchain-Techno­logie neue Werte in Wirtschaft, Finanzen und öffentlicher Verwaltung zu schaffen.

Als erstes Land der Europäischen Union hatte Litauen zudem ICO-Richtlinien veröffentlicht und sich kontinuierlich für die Blockchain-Technologie in den Bereichen Finanzen, Gesundheit, Content-Sharing und öffentliche Verwaltung eingesetzt.
 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Litauen weiterentwickeln?

Aufgrund der weiter wachsenden Wirtschaft und der gezielten Fortentwicklung des eigenen IT-Know-hows werden sich die dargestellten positiven Trends noch verstärken. Selbst die anhaltenden EU-Sanktionen gegen Russland und die russischen Gegensanktionen konnten das wirtschaftliche Wachstum in Litauen nicht bremsen. Die am stärksten betroffenen Branchen haben dabei einmal mehr die mittlerweile fast schon legendäre „baltische Anpassungsfähigkeit” unter Beweis gestellt.
 
Insgesamt ist davon auszugehen, dass Litauen für deutsche Investoren und sonstige Unternehmen in Zukunft ein noch attraktiverer Tätigkeits- bzw. Investitionsstandort sein wird.
 
 

 Kulturelle Besonderheiten in Litauen

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