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Erfolgreich investieren in Ungarn

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 4 Minuten


 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Ungarn ein?

Ungarns Wirtschaft hat ihre starke Wachstumsdynamik auch 2019 beibehalten. Das BIP-Wachstum betrug im 4. Quartal 2019 im Verhältnis zum Vorjahresquartal (saison- und kalenderbereinigt) 4,5 Prozent. Für das Gesamtjahr ergibt sich allerdings ein leichter Rückgang zum Vorjahr. Den 5,1 Prozent des Vorjahres 2018 stehen nun 4,9 Prozent gegenüber, immerhin wurde damit das Rekordwachstum aus 2018 aber nur knapp verfehlt. Laut den Prognosen aus dem vergangenen Herbst ist für 2020 von einem BIP-Wachstum von 3,3 Prozent und für 2021 von 2,9 Prozent auszugehen gewesen. Als Folge der Corona-Krise mussten die Wachstumserwartungen inzwischen aber drastisch gesenkt werden. Aktuell wird für Ungarn für das Jahr 2020 von einer schrumpfenden Wirtschaft mit einem BIP-Rückgang von -3,0 Prozent ausgegangen. 2021 soll erneut ein BIP-Zuwachs von 4,2 Prozent erreicht werden können. Die Arbeitslosenquote, die vor der Corona-Krise bei (nur) 3,4 Prozent lag, dürfte sich im Laufe des Jahres 2020 auf 5 bis 6 Prozent erhöhen und für 2021 wird anhand der erwarteten Wiederbelebung der Wirtschaft mit einem Rückgang der Erwerbslosenrate auf 4,0 Prozent gerechnet. Die gute Konjunkturlage der letzten Jahre, die gestiegenen Realeinkommen der Haushalte und die Maßnahmen der Eigenheimförderung sowie die geförderten Infrastrukturprojekte haben die Binnennachfrage in den letzten Jahren steigen lassen. Die Auswirkungen der aktuellen Corona-Krise sind allerdings bereits zu spüren.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Ungarn beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Das Investitionsklima in Ungarn ist anhaltend gut, das gilt v.a. für die Bereiche verarbeitende Industrie, den Dienstleistungssektor und die Bauwirtschaft. Die Sektoren können auch weiterhin als die wesentlichen Wachstumstreiber angesehen werden. Durch die Herabsetzung des Körperschaftsteuersatzes auf nur noch 9 Prozent im Jahr 2017 und die Entlastung der Arbeitgeber in Form einer weiteren Senkung der Arbeit­geber­beiträge zur Sozialversicherung von 17,5 auf 15,5 Prozent ab Mitte 2020 wurden weitere Investitionsanreize geschaffen. Auch Großprojekte und Investitionen in Zukunftstechnologien werden aktuell von der Regierung bevorzugt gefördert.

Neben den günstigen steuerlichen sind auch die rechtlichen Rahmenbedingungen stabil und bieten eine verlässliche Grundlage für wirtschaftliche Aktivitäten im Land. Die Regelungen des ungarischen Gesellschafts­rechtes und des BGBs sind mit den deutschen Bestimmungen vergleichbar; das ungarische Arbeitsrecht erlaubt ein hohes Maß an Flexibilität in puncto Arbeitszeitgestaltung und Entlohnung und kann insg. als arbeitgeberfreundlich bezeichnet werden. Dass die Regierung (insbeondere in der Industrie) die arbeits­recht­lichen Rahmenbedingungen eher zugunsten der Arbeitgeber umzugestalten beabsichtigt, hat zuletzt die im April 2020 verabschiedete Verordnung zur Ausdehnung eines einseitig vom Arbeitgeber bestimmbaren Arbeitszeitrahmens von bisher vier Monaten auf 24 Monate gezeigt.

Großes Potenzial birgt nach wie vor die Automobilbranche. Neben den Herstellern Audi, Mercedes-Benz, Opel und Suzuki haben sich auch viele Zulieferer in Ungarn angesiedelt. Von Bosch über Knorr-Bremse bis hin zu Zollner sind namhafte Firmen vertreten, aber auch viele Mittelständler haben sich in den letzten 25 Jahren in Ungarn angesiedelt. Als Auswirkung der Corona-Krise werden im Automotive-Sektor zwar Großprojekte wie die Errichtung des sog. „zweiten Automobilwerkes” in der Stadt Kecskemét durch Mercedes-Benz oder die Errichtung der Fertigungsanlagen von BMW in der Stadt Debrecen um ein bis zwei Jahre verschoben, die Nachfrage nach möglichen Standorten innerhalb Ungarns ist aber auch weiterhin groß. Die duale Ausbildung nach deutschem Muster wird bereits seit Jahren vorangetrieben und wird inzwischen von vielen Unternehmen praktiziert. Auch haben viele Unternehmen erhebliche Teile ihrer Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, IT und SSC-Stabstellen nach Ungarn verlagert, was u.a. auch auf das Vorhandensein von entsprechenden Fachkräften hinweist.

Der starke Fokus Ungarns u.a. auf die Automobil- bzw. Automotive-Branche führt wegen der derzeit vorherrschen­den Krise zu einem rückläufigen Auftragsbestand und einer Unterbeschäftigung in vielen Sektoren. Um eine Entlassungswelle von Mitarbeitern zu vermeiden, wurde anhand des deutschen Musters eine Regelung zur Einführung von Kurzarbeitergeld verabschiedet, die in der Realität aber nur begrenzt mit dem deutschen Vorbild zu vergleichen ist.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Ungarn gegenüber?

Seit einigen Jahren bereitet vielen Unternehmen in bestimmten Regionen des Landes die Rekrutierung und die langfristige Bindung geeigneter Fachkräfte Schwierigkeiten. Insbesondere in den grenznahen Regionen zu Österreich und der Slowakei gibt es viele, die wegen der höheren Bezüge als Berufspendler in den Nachbarländern arbeiten oder die gleich in andere EU-Länder umgezogen sind. Hinzu kommen neue Industrieansiedlungen, die durchaus eine Abwerbung von Mitarbeitern zur Folge haben können. Somit kann sich ggf. die Personalsuche wie auch die Personalerhaltung als eine nicht zu unterschätzende Herausforderung erweisen.

Investoren sollten sich – gerade in der aktuellen Corona-Krise – stets auch bewusst sein, dass trotz generell positiver Einstellung der Regierung zu Investitionsvorhaben und trotz der allgemein günstigeren Rahmenbe­dingungen auch belastende Maßnahmen wie Sondersteuern auf bestimmte Branchen durchaus denkbar sind. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedenfalls, dass die Regierung mitunter dazu neigt, in bestimmten Bereichen heimische Unternehmen und Einrichtungen zu bevorzugen.


Welche Rolle spielt die Standortwahl in Ungarn für ausländische Investoren?

Neben Faktoren wie der guten Verfügbarkeit von Fachkräften und guter Verkehrsanbindung spielen auch öffentliche Anreize eine gewisse Rolle bei der Auswahl neuer Standorte. Bei der Wahl können einige wenige Kilometer maßgeblich für die Berechtigung zum Bezug von Fördermitteln sein. Während im Großraum Budapest kaum Fördergelder bewilligt werden, ergeben sich in strukturschwächeren Regionen häufig gute Möglichkeiten, rein ungarische oder EU-Fördermittel zu erhalten. Bei Fördermitteln besteht ein deutliches West-Ost-Gefälle mit dem stark entwickelten Westungarn, der Hauptstadt Budapest und dem eher strukturschwachen Ostungarn. Investoren, die sich in begünstigten Gewerbezonen ansiedeln, stehen häufig auch lokale Steuerermäßigungen zu. Es sollten deshalb rechtzeitig Gespräche mit den Gemeinden möglicher Standorte geführt werden.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Ungarn weiterentwickeln?

Deutschland war und ist wichtigster Handelspartner Ungarns. Von den insg. 109 Mrd. Euro an Ausfuhren gingen 2019 allein rund 31 Mrd. Euro nach Deutschland. Der Wert der gesamten Exporte 2019 stieg im Verhältnis zum Vorjahr um 4 Prozent.

Die treibenden Kräfte der Konjunktur sind die Investitionen und der private Konsum. Beide Bereiche werden von der Regierung gefördert, Industrieinvestitionen durch verschiedenartige Fördermittel und der private Verbrauch u.a. durch Eigenheimförderungen und weitere Leistungen, insbesondere an junge Familien.

Ein stabiler Sockel an ausländischen Direktinvestitionen ist bereits im Land und weitere namhafte Unternehmen wie z.B. BMW und einige Batteriehersteller sind dabei, Produktionsstätten in Ungarn einzurichten, denen wiederum weitere Ansiedlungen folgen werden. Die Nähe zu Deutschland, die gute Infrastruktur, das günstige Lohnniveau, bzw. das durchweg gute Ausbildungsniveau sprechen sicherlich für den Investitionsstandort Ungarn. Der Trend, dass sich asiatische Unternehmen vermehrt für neue Standorte in Europa entscheiden, ist auch in Ungarn spürbar und hält weiter an. Anhand aktueller Erfahrungen sind viele Unternehmen bestrebt, ihre Abhängigkeit vom asiatischen Raum zu vermindern und Tätigkeiten wieder nach Europa zu verlagern. Davon wird sicherlich auch Ungarn profitieren.

Insg. wird sich der Lebensstandard in Ungarn weiter erhöhen und damit werden auch weiter steigende Löhne und Gehälter einhergehen. Leider wird sich die Entwicklung anhand der aktuellen globalen Krisensituation etwas verschieben, wir gehen aber weiterhin von guten Möglichkeiten und Chancen für die Region aus.

 Kulturelle Besonderheiten in Ungarn

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Dr. Roland Felkai

Diplom-Volkswirt, M.A. (London), Tax Consultant (Ungarn)

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