Erfolgreich investieren in Zypern

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 6 Minuten


 

 

​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Zypern ein?

Zypern ist weiter gewachsen und wird als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der EU aufgeführt. Das Land übertraf die internationalen Erwartungen, da seine Wirtschaft innerhalb von nur drei Jahren nach der verheerenden Finanzkrise eine Kehrtwende vollzog – ein Jahr früher als ursprünglich prognostiziert.

Im Jahr 2018 erlangte Zypern seinen Investment-Grade-Status zurück, wobei sowohl Standard & Poor's als auch Fitch Ratings die langfristigen Staatsschulden mit BBB- bewerteten. Es wurde anerkannt, dass Zypern es geschafft hat, sein Bankensystem zu stabilisieren und ein robustes Wachstum zu verzeichnen, wobei der Internationale Währungsfond (IWF) vor der Covid-19 Krise für 2020 Wachstumsraten von 3 Prozent erwartet hatte.

Der IWF geht davon aus, dass das BIP infolge der weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie auf 6,5 Prozent steigen wird. Es wird erwartet, dass die wirtschaftliche Lage beeinträchtigt wird, obwohl die Auswirkungen noch unbekannt sind und zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gemessen werden können.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Zypern beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Seit 2015 herrscht ein positives Investitionsklima. Das wurde u.a. durch die fiskalischen Maßnahmen und Anreize gefördert:

  • Eine Begünstigung der Einführung neuer Aktien als Alternative zu übermäßiger Fremdfinanzierung;
  • Anreize für die Geschäftstätigkeit durch attraktive Einkommensvorteile für Einzelpersonen (zu den Anreizen gehören das Programm „Citizenship by Investment”, das Personen mit hohem Nettoschuldenstand angezogen hat, und die Durchführung mehrerer Projekte, insbesondere im Immobilienbereich);
  • Eine Einführung von Steueranreizen für geistiges Eigentum, innovative kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Neugründungen.


Zu den Branchen mit hohem Potenzial, die sich als widerstandsfähig erwiesen haben und seit 2015 gewachsen sind, gehören:

  • Die Schiffsmanagement-Industrie wird durch neue Schiffsregistrierungen und die Verlagerung von Schiffs- und anderen Dienstleistungen nach Zypern angekurbelt. In den letzten sechs Jahren ist die Zahl der in Zypern registrierten Schifffahrtsunternehmen um 65 Prozent gestiegen. Das hat die Einnahmen des Sektors um 25 Prozent erhöht.
  • Das Baugewerbe mit einer großen Anzahl von sowohl gewerblichen als auch privaten Wohnprojekten, die in allen größeren Städten Zyperns durchgeführt werden. Die Stadt Limassol – ein Geschäftszentrum und ein Zentrum der Freizeit- und Tourismusindustrie – hat ein außergewöhnliches Wachstum erlebt, wobei das Segment der hochwertigen Wohnimmobilien 19 Prozent des gesamten Transaktionswertes von Immobilien in Zypern im Jahr 2018 ausmachte und die Hälfte der Immobilien an Ausländer und nur 33 Prozent an Käufer aus der EU verkauft wurden.
  • Zyperns Wirtschaft basiert zu 80 Prozent auf dem professionellen Dienstleistungssektor, der das Wesen der Wirtschaft des Landes ausmacht. Unterstützt von hochqualifizierten Fachkräften im ganzen Land, sind die Kosten des Sektors geringer als in anderen europäischen Ländern, die Qualität ist jedoch nicht zu unterscheiden.
  • Der Energiesektor mit der Entdeckung einer großen Menge von Kohlenwasserstoffen in der „Exclusive Economic Zone” (EEZ) Zyperns hat weltweites Interesse bei internationalen Energieriesen geweckt. Das hat neue und interessante Perspektiven dafür geschaffen, dass Zypern zu einem regionalen Energiedrehkreuz mit einem Schwerpunkt auf multilateralen Kooperationsabkommen mit den Nachbarländern und der erwarteten Liberalisierung des Strommarktes bis 2021 wird.
  • Der Sektor der erneuerbaren Energien hat in Zypern an Dynamik gewonnen, insbesondere durch das immense Potenzial von Energiequellen wie der Solarenergie (Zypern erhält durchschnittlich 2.700 bis 3.500 Sonnenstunden pro Jahr, die zu den höchsten in der EU zählen).
  • Der Tourismus ist eine der größten Antriebskräfte der Wirtschaft Zyperns. Die Anziehungskraft für ausländische Investitionen war spürbar, da die Diversifizierung, die die Insel durch die Entwicklung des Nautik-, Golf- und Wellness-Tourismus bietet, zu einer Verlängerung der Tourismus-Saison über das ganze Jahr hinweg führte. Der Aufbau und die Investitionen in Mehrzweckprojekte, wie z.B. Luxus-Jachthäfen, Golfplätze und Luxus-Kasino-Resorts, sind alle Teil der Strategie der Insel, die Tourismusindustrie aufzuwerten und zu diversifizieren.
  • Die Filmproduktion wurde in Zypern als ein vielversprechender Sektor aufgenommen. Die zyprische Regierung führte ein Paket von Anreizen ein, das internationale Produzenten dazu ermutigte, Zypern als ihre nächste Filmdestination zu wählen. Im Speziellen können Produktionsfirmen, die sich für Dreharbeiten in Zypern entscheiden, zwischen einem Barzahlungs-Rabatt oder einer Steuergutschrift wählen und auch von Steuernachlässen auf Investitionen in Ausrüstung und Infrastruktur sowie von MwSt.-Erstattungen auf Ausgaben im Zusammenhang mit dem Anwendungsbereich profitieren.
  • Ein weiterer Sektor, der in den letzten Jahren aufgestiegen ist, ist das Bildungswesen. Zypern ist ein Bildungs- und Forschungszentrum von Weltklasse mit akademischen Einrichtungen von hoher Qualität. Es bietet eine große Vielfalt an fortgeschrittenen und voll akkreditierten Grund- und Aufbaustudiengängen zu erschwinglichen Kosten. Der Bildungssektor besteht aus drei öffentlichen und fünf privaten Universitäten und mehr als 40 öffentlichen und privaten Hochschuleinrichtungen, die internationale akademische und wissenschaftliche Anerkennung genießen. Die Insel zieht jedes Jahr Tausende von internationalen Studenten an.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Zypern gegenüber?

Alle Herausforderungen können mit der richtigen Unterstützung und Anleitung durch Berater bewältigt werden. Entscheidend für den Erfolg ist, dass sich ein Unternehmer mit fachkundigen Beratern umgibt, die das Wissen und die Kompetenz haben, ihn in der Planungsphase zu unterstützen und zu begleiten und die dabei auch die laufende Beratung übernehmen.

In Zypern zu investieren hat viele Vorteile:

  • Das Land liegt strategisch günstig im östlichen Mittelmeer und ist seit 2004 EU-Mitglied und seit 2008 Mitglied der Eurozone.
  • Als robustes und modernisiertes Handelszentrum hat das Land Zugang zu mehr als 500 Mio. EU-Bürgern, zum Binnenmarkt und zu verschiedenen Handelsabkommen. Als zuverlässiger EU-Geschäftspartner kann es Wettbewerbsvorteile und Verkaufslösungen anbieten.
  • Zypern kann als Drehscheibe für Investitionen im Nahen Osten genutzt werden. Es hat mit vielen der Staaten Abkommen zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung abgeschlossen (das Land hat mehr als 60 Doppel­besteuerungs­abkommen).
  • Zyperns einfache Steuer- und Regulierungsgesetzgebung macht das Land zu einem Tor nach und aus Osteuropa, dem Nahen Osten, Afrika, dem indischen Subkontinent und dem Fernen Osten.
  • Der größte Teil der Bevölkerung spricht Englisch. Es sollte daher keine Herausforderungen in der Kommunikation geben. Darüber hinaus verfügt das Land über hochqualifizierte, mehrsprachige Fachkräfte und die jüngsten Arbeitskräfte in der EU, von denen viele international ausgebildet sind (Großbritannien, USA und Europa).
  • Das Land hat eine moderne Infrastruktur und ein fortschrittliches und effizientes Bankensystem. Das Rechtssystem ist eng an das englische „Common Law” angelehnt, ist flexibel und wird ständig aktualisiert, um den sich ändernden Bedürfnissen der Investoren gerecht zu werden.
  • Diejenigen, die in Zypern investieren, können einmalig Steueranreize nutzen, die eine Befreiung von der Einkommenssteuer für einen Teil ihres Grundgehalts zwischen 20 und 50 Prozent vorsehen. Sie profitieren zudem von der Befreiung von der Quellensteuer auf Dividendenausschüttungen und Zinserträge sowie vom niedrigen Einkommenssteuersatz: der Höchstsatz beträgt 35 Prozent. Eine wichtige jüngste Entwicklung ist die Einführung der „60-Tage-Regel” durch das zyprische Parlament, mit der die Beschränkungen für den Nachweis des steuerlichen Wohnsitzes in Zypern von 183 auf 60 Tage physischer Anwesenheit auf der Insel gelockert wurden.
  • Seit dem Beitritt zur Europäischen Union hat sich Zypern zu einer multikulturellen, kosmopolitischen Gesellschaft entwickelt. Viele Berufstätige ziehen aufgrund der hohen Lebensqualität nach Zypern, insbesondere nach Limassol. Zypern hat eine sehr niedrige Kriminalitätsrate, praktisch ohne nennenswerte Gewaltverbrechen. Kinder können sicher auf den Straßen spielen, und es gibt mehrere sehr gute Schulen, in denen auf Englisch unterrichtet wird – von der Vorschule bis zur High School.
  • Außerdem ist das Wetter ein Magnet. Die Winter sind kurz und die Sommer lang. Eine Herausforderung ist es daher, zu entscheiden, wie die Freizeit verbracht werden soll. Wandern und Skifahren in den Bergen oder Schwimmen im Meer. Oder beides am selben Tag.


Zypern hat gemeinsam mit Griechenland und Israel ein Abkommen über den Bau einer Erdgaspipeline im östlichen Mittelmeer geschlossen. Wie schätzen Sie das Vorhaben für die Wirtschaft Zyperns ein?

Griechenland, Zypern und Israel unterzeichneten am 2. Januar 2020 einen Vertrag über den Bau einer 2.000 km (1.243 Meilen) langen Unterwasserpipeline, die Erdgas aus den sich rasch entwickelnden Gasfeldern des östlichen Mittelmeerraums nach Europa transportieren soll.

Die 2.000 km (1.243 Meilen) lange EastMed-Pipeline soll eine alternative Gasquelle für Europa , das derzeit weitgehend von Lieferungen aus Russland und der Kaukasusregion abhängig ist, darstellen. Wie derzeit geplant, würde die Pipeline von den Offshore-Gasreserven im Levantinischen Becken Israels nach Zypern, Kreta und auf das griechische Festland führen. Eine Überlandpipeline nach Nordwestgriechenland und eine weitere geplante unterseeische Pipeline würden das Gas weiter nach Italien transportieren.

Das Projekt mit einem groben Budget von 6 Mrd. US-Dollar soll etwa 10 Prozent des Erdgasbedarfs der Europäischen Union decken. Es ist aber auch mit politischen und logistischen Herausforderungen behaftet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erklärt, dass nach einem Abkommen über die Seegrenze (das Ankara mit der libyschen Regierung in Tripolis unterzeichnet hat) kein Projekt ohne die Zustimmung seines Landes vorangetrieben werden kann.

Die zyprische Regierung hat dem italienischen Energieunternehmen Eni, der französischen Total und den amerikanischen Unternehmen ExxonMobil und Noble Energy Lizenzen für die Durchführung von Kohlen­wasserstoff-Sondierungsbohrungen in der Offshore-Wirtschaftszone des Landes erteilt – auch das wird wiederum bekämpft.

Daher hängt das Projekt in hohem Maße von der politischen Komplexität und den Ergebnissen der Verein­barungen zwischen Griechenland, Zypern, Israel und der Türkei ab. Wenn das Projekt vorangetrieben wird, kann es sich als sehr profitabel für alle beteiligten Länder erweisen. Die Wirtschaft Zyperns kann von dem Sektor profitieren, da zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden und dem Land Einkommen zufließen wird.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Zypern weiterentwickeln?

Mit gut ausgebildeten Arbeitskräften, umfangreichen Investitionen und einer soliden Finanzpolitik wird Zypern erneut ein Wirtschaftswunder wie im 20. Jahrhundert erleben. Die weitere Integration innerhalb der EU mit der Umsetzung von Politiken sowie der Zugang zum Binnenmarkt werden Wohlstand und Frieden auf der Insel fördern.

Der Ausbruch von Covid-19 hat der finanziellen Entwicklung der Insel jedoch einen Riegel vorgeschoben, obwohl die von der Regierung auferlegten Maßnahmen der Wirtschaft helfen werden, sich leicht von der Finanzkrise zu erholen.

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Marios Loucaides

FCCA (Zypern)

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