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Die Bedeutung des LkSG in der unternehmerischen Praxis

PrintMailRate-it

veröffentlicht am 3. März 2022 | Lesedauer ca. 10 Minuten

 

Mit Blick auf das geplante Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (kurz: LkSG), das erst­mals in Deutschland am 1. Januar 2023 in Kraft treten soll, wird es zunächst für die größeren Unternehmen eine erhebliche Herausforderung bei der Reorganisation ihres Geschäftsbetriebs bedeuten. Denn sie müssen ihre globalen Lieferketten über­denken und sich somit neu aufstellen. Das neue Gesetz wird sich letztlich aber auch auf kleinere Unternehmen auswirken, wie etwa Zulieferer, die Bestandteil einer Liefer­kette sind. Für diese Unternehmen resultiert die Frage, wie sie den neuen Anforde­rungen nachkommen sollen. Für die Geschäftsführung wird es unvermeidbar sein, ihr Risiko­management auf mögliche Gefahren hin genau zu überprüfen, zu bewerten und ggf. zu optimieren. Das umfasst v.a. auch, dass bestimmte Themen und unternehme­rische Handlungen kritisch hinterfragt werden müssen.
        

Die damit verbundenen umfangreichen Tätigkeiten werden sich nicht nur auf eine einzelne Unternehmens- oder Fachabteilung beziehen, etwa in der Beschaffung, im Produktionsprozess etc. Bis Ende 2022 haben die betroffenen Unternehmen Zeit, sich auf diese Nachhaltigkeitstätigkeiten vorzubereiten.
 
Parallel könnte das LkSG als Motivator für ein nachhaltiges wirtschaftliches Handeln fungieren und zugleich eine Chance für die Unternehmen darstellen, sich bedeutende strategische Wettbewerbsvorteile zu ver­schaf­fen. Schließlich müssen die betreffenden Unternehmen nachweisen, dass sie sich bei ihren Geschäfts­akti­vitäten stets darum bemühen, nicht gegen Menschenrechte zu verstoßen und dem Schutz der Umwelt und des Klimas gerecht werden. 
 
Diese Pflicht erstreckt sich sowohl auf den eigenen Geschäftsbetrieb als auch auf ihre unmittelbaren Zulie­ferer. Bei einem Verstoß gegen die für sie demnächst geltenden Sorgfaltspflichten, könnte schon bald ihr guter Ruf beeinträchtigt oder gar ruiniert werden. Mögliche Auswirkungen, wie ein langfristiger Umsatzrückgang durch Kundenverlust, wird sich kein Unternehmen leisten können, insbesondere wenn es auf den globalen Weltmärkten agiert.

 

INHALT DES 1. TEILS

Lieferkette (Supply Chain)

Eine Lieferkette stellt den gesamten Prozess dar, der die Herstellung eines Produkts oder die Erbringung einer Dienstleistung einschließlich der Wirtschaftssubjekte umfasst, die an diesem Wertschöpfungsprozess eines Unternehmens beteiligt sind. Die Zielsetzung ist, den Endkunden zu erreichen (Hersteller, Lieferant, Distri­bution: von der Rohstoffgewinnung bis zur Lieferung an den Endkunden). Eine strengere Überwachung in der Lieferkette soll insbesondere dort erfolgen, wo die Gefahr für menschenrechtliche Risiken anfällig ist (bspw. Produktionsort).    
 

Bedeutung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes

Am 11. Juni 2021 wurde von der deutschen Bundesregierung ein Gesetzentwurf über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten (kurz: LkSG) verabschiedet, der am 1. Januar 2023 rechtswirksam wird. Er basiert auf den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte.
 
Das LkSG zielt darauf ab, dass die in Deutschland ansässigen Unternehmen ab einer bestimmten Größe für etwaige Menschenrechtsverstöße sowie Umweltschäden in ihren weltweiten Lieferketten verantwortlich gemacht werden sollen. Zugleich soll damit eine Grundlage für einen fairen Wettbewerb geschaffen werden. Andere Länder, wie Großbritannien, Frankreich und die Niederlande, haben bereits ähnliche Gesetze dazu umgesetzt.
 
Das LkSG soll dazu beitragen, dass die betreffenden Unternehmen, die ihre Produkte aus dem Ausland – über­wiegend aus dem nicht-europäischen – beziehen, bei ihren Lieferanten im Rahmen ihrer Möglichkeit Sorge dafür tragen müssen, dass die geforderten sozialen und ökologischen Mindeststandards entlang ihrer inter­nationalen Lieferketten eingehalten werden, bspw. im Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz (Nachweis­bemühungspflicht). Das umfasst insbesondere das Verbot von Kinderarbeit. Schlechte Arbeits- und Produktionsbedingungen in Fabriken, auf Plantagen, in Minen, Steinbrüchen etc. sollen verhindert werden.
 

Mögliche Folgen für betreffende Unternehmen bei Nichteinhaltung des LkSG

Ein Verstoß gegen die Einhaltung dieser Sorgfaltspflichten könnte ab dem 1. Januar 2023 die nachstehend aufgeführten Konsequenzen zur Folge haben:    

  • Image-/Reputationsschäden   
  • Verlust von bestehenden und potentiellen Kunden
  • Nachteile bei der Gewinnung von Mitarbeitern   
  • Mangelndes Nachhaltigkeits-Rating (etwa bei der Kapitalaufnahme bei Banken)
  • Zeitweiser Ausschluss von öffentlichen Aufträgen/Ausschreibungen bzw. Sperre bei der Auftragsvergabe
  • (Empfindliche) Bußgelder/Geldstrafen (je nach Art und Schwere des Verstoßes)
     

Die betreffenden Unternehmen werden sich in erheblichem Maße damit beschäftigen müssen, die Folgen des neuen Gesetzes auf ihr wirtschaftliches Handeln zu überprüfen. Zudem werden sie sich darauf einstellen müssen, ihre interne Organisation auf die neuen Herausforderungen entsprechend einzurichten.
 
Die Prüfung der Einhaltung und Überwachung des LkSG liegt im Zuständigkeitsbereich des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Es sichtet bspw. die Unternehmensberichte der betreffenden Unternehmen und geht eingereichten Beschwerden nach. Die Einhaltung des Gesetzes wird dadurch auch behördlich kontrolliert.
 

Größere Unternehmen machen den Anfang

Es ist vorgesehen, dass das LkSG (zunächst in der Anfangsphase) für Unternehmen mit Hauptsitz in Deutsch­land ab einer Größe von mehr als 3.000 Beschäftigten, unabhängig von der Rechtsform, verpflichtend sein wird (das wird sodann nahezu 900 Unternehmen in Deutschland umfassen). Hinzu kommen auch Zweig­niederlassungen ausländischer Unternehmen in Deutschland. Eine schrittweise Ausweitung des Gesetzes soll ab dem 1. Januar 2024 erfolgen und auch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten gelten (dies sind rund 4.800 Unternehmen in Deutschland)[1].
 
Grundsätzlich gilt das LkSG für den unmittelbaren Vertragspartner des Unternehmens (u.a. Lieferanten, Zulieferer) – außer, wenn das betreffende Unternehmen im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht Kenntnisse über einen möglichen Verstoß erlangt hat. Mögliche Anhaltspunkte könnten entsprechende eingegangene Beschwerden sein, wie Hinweise auf Verstöße bei vorgelagerten (mittelbaren) Zulieferern, woraufhin die gesamte Lieferkette auf mögliche Verstöße untersucht werden muss. 
 

Hebelwirkung bei Geschäftspartnern und Lieferanten erhöhen

Derzeit ist noch unklar, ob zu einem späteren Zeitpunkt auch kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten mit in die Pflicht genommen werden sollen. Jedoch lässt sich heute bereits vermuten, dass die Zulieferer, die in die Lieferkette des betreffenden Unternehmens eingebunden sind, ebenso indirekt von dem Gesetz betroffen sein werden. Denn es ist davon auszugehen, dass die größeren Unternehmen entsprechende Nachweise auch direkt von ihren Lieferanten einfordern. Demnach werden sich auch kleinere Unternehmen (KMU), die bereits heute indirekt von dem neuen Gesetz betroffen sind, ebenso auf das neue Gesetz vorbereiten müssen („Spill-over-Effekt“).
 
Folglich werden die unternehmerischen Sorgfaltspflichten künftig eine große Anzahl von Unternehmen umfassen.
 

Anteil der ausländischen Wertschöpfung in der deutschen Industrie

Um Waren oder Produkte deutlich kostengünstiger produzieren zu können, wurde mit dem Beginn der Globalisierung die Produktion vieler europäischer Unternehmen sukzessive verstärkt ins Ausland, v.a. in Entwicklungs- und Schwellenländer, verlagert. Diese Entscheidung erfolgte oftmals verbunden mit dem Ziel, umweltschädliche Arbeit aus Europa wegzuschaffen. Während reiche Länder davon profitieren, resultieren daraus negativen Folgen für die betroffenen bzw. oftmals ärmeren Länder. 
 
Mittlerweile basieren rund 80 Prozent des weltweiten Handels auf globalen Wertschöpfungsketten. Daraus resultieren mehr als 450 Millionen beschäftigte Arbeitnehmer(innen). Viele Rohstoffe und Produkte kommen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, wie Indien (Pflastersteine), Brasilien (Kaffee), Kongo (Kobalt, Coltan).
 
Deutschland gehört zu den großen Industrienationen, die am stärksten in globale Lieferketten eingebunden sind. Das zeigt der hohe Anteil ausländischer Wertschöpfung hierzulande.
 
In Deutschland besonders von importierten Vorleistungen aus anderen Ländern abhängig sind folgende Bereiche (Stand: 2019)[2]:
  

Textil-Industrie ​Elektronik Automobil-Industrie Nahrungsmittel-Industrie ​chemische und pharmazeutische Industrie ​Maschinenbau
​63 Prozent ​45 Prozent ​29 Prozent ​37 Prozent ​39 Prozent ​28 Prozent

 
Die in der Tabelle bezeichneten Branchen verlagern einen wesentlichen Teil ihrer Produktionsprozesse in andere Länder. Die Prozentangaben beziehen sich auf den jeweiligen ausländischen Wertschöpfungsanteil.
 

Besonders relevante Branchen

Das neue Gesetz ist v.a. für die Kaffee-, Tee- und Kakaobranche relevant, aber auch für die Automobilbranche einschließlich der Automobilzulieferer. Für die Herstellung von bspw. Kühlerhauben und Elektroautobatterien werden wichtige Rohstoffe, wie Coltan und Lithium, benötigt, die u.a. in Zentralafrika und Südamerika abgebaut werden.
 

Eine freiwillige Selbstverpflichtung unterliegt keiner Kontrolle

Während in Deutschland Menschenrechtsverstöße, wie Kinderarbeit, strikt untersagt sind, sind solche Verbote in vielen anderen Ländern weniger oder gar nicht vorhanden. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass der Schutz der Menschenrechte in vielen Produktionsländern, besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern, oft nicht ausreichend gewährleistet wird, u.a. aufgrund schwacher staatlicher Strukturen und Korruption.
 
Diese Gesetzeslücke wird von vielen Unternehmen häufig genutzt, um ihre Rohstoffe, Waren, Produkte kosten­günstiger aus dem nichteuropäischen Ausland beziehen zu können. Hierbei verschaffen sie sich zugleich einen Wettbewerbsvorteil, ohne dass sie dafür rechtliche Konsequenzen befürchten müssen.
 
Schockierende Berichterstattungen über Menschenrechts- und Arbeitsschutzverletzungen machen deutlich, dass viele Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung freiwillig nicht nachkommen. Wesentliche Beispiele sind ausbeuterische Kinderarbeit in Minen und auf Kakaoplantagen, verseuchte Flüsse durch den Einsatz schäd­licher Chemikalien, unerträgliche Produktionsbedingungen, die Zerstörung von Regenwäldern. Ein weiteres Beispiel bezieht sich auf einen Automobilhersteller, der für seine Autobatterien auf Kosten der Umwelt Lithium in Südamerika abbauen lässt. Als sodann am 24. April 2013 eine Textilfabrik in Bangladesch aufgrund mangelnder Arbeitssicherheit eingestürzt war, hat sich seither die deutsche Bundesregierung zum Ziel gesetzt, dass sich solche Zustände nicht mehr wiederholen dürfen.
 
Ausgangspunkt für das LkSG bilden die im Jahr 2011 verabschiedeten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Sie beinhalten eine Aufzählung von Empfehlungen, wie international tätige Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten in ihren globalen Lieferketten ihre Vorgaben erfüllen sollen. Mit dem nationalen Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“ (NAP), der auf den Leitprinzipien der Vereinten Nationen basiert und von der deutschen Bundesregierung am 21. Dezember 2016 verabschiedet wurde, ging die deutsche Bundesregierung zunächst davon aus, dass die deutschen Unternehmen ihre Sorgfaltspflichten freiwillig umsetzen. Zur Überprüfung hatte sie anhand einer Umfrage (Monitoring) in den Jahren 2018 bis 2020 überprüft, inwieweit größere in Deutschland ansässige Unternehmen mit über 500 Beschäftigten ihren Sorgfaltspflichten ohne gesetzlicher Regelung regelmäßig nachkommen. Bei einem Ergebnis von weniger als 50 Prozent sollte sodann ein Lieferkettengesetz geprüft werden.
 

Deutliche Unterschreitung des Zielwertes von 50 Prozent

Das Umfrageergebnis zur Erfüllung der im NAP erläuterten Sorgfaltspflichten zeigte, dass lediglich nahezu 1/5 der befragten, in Deutschland ansässigen Unternehmen, diese Vorgaben erfüllten. Da die freiwillige Umsetzung der Prinzipien im Rahmen des NAP gescheitert war, sollte ein LkSG geprüft werden.
 
Wenngleich einige Unternehmen sich bereits verstärkt für diese Pflichten engagieren, scheint ein freiwilliges Bemühen und ein Engagement der deutlichen Mehrheit der  Unternehmen ohne Vorhandensein eines gesetz­lichen Rahmens noch nicht ausreichend zu sein, um diese Vorgaben zu erfüllen.
 

Forderung nach einer gesetzlichen Regelung

Mit der Initiative „Lieferkettengesetz“, welche von zahlreichen Institutionen, u.a. von Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften ins Leben gerufen wurde, der sich weitere Unternehmen angeschlossen hatten, sollen die Unternehmen zu nachhaltiger und fairer Produktion entlang ihrer Lieferketten im In- und Ausland bewegt werden.
 
Da ein freiwilliges Engagement einzelner Unternehmen nicht ausreichend ist, bedarf es einer gesetzlichen Regelung, die den internationalen Handel zu mehr Verantwortung verpflichtet. Mit einem verbindlichen Gesetz, das ein solches Handeln festschreibt, soll erreicht werden, dass die betreffenden Unternehmen ihre Verant­wortung stärker wahrnehmen, damit sich solche Verstöße nicht mehr wiederholen.
 
Mittlerweile legen in zunehmendem Maße auch Konsumenten großen Wert auf die Einhaltung dieser Anfor­derungen (soziales und ökologisches Engagement) und rufen immer stärker zu einem fairen und nachhaltigen Handeln auf. Damit nimmt die Verantwortung stetig zu, nachhaltig und sozial zu wirtschaften. Laut einer Um­frage zögern bereits 58 Prozent der Konsument(inn)en beim Kauf, wenn sie Unternehmen als nicht nachhaltig wahrnehmen (Quelle: KMU-Kompass der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung).
 

Kritische Stimmen am LkSG

Das neue Gesetz ist dennoch umstritten. Einige Unternehmen und Wirtschaftsverbände befürchten, dass aufgrund der zukünftig geforderten Verpflichtungen und Haftungsrisiken, viele Unternehmen sodann nicht mehr überleben könnten (existenzbedrohende Gefahr).
 
Zudem haben manche Unternehmen Bedenken - dies gilt insbesondere für den  Nahrungsmittel- und Textilsektor, welcher zahlreiche Rohstoffe aus verschiedenen Ländern bezieht -, dass sich eine Kontrolle sehr aufwändig darstelle und im Zweifel unmöglich durchführbar sei. Viele mittelständische Unternehmen sehen hierbei einen zusätzlichen Bürokratie- und Dokumenten-Aufwand voraus.   
 
Außerdem wird befürchtet, dass Unternehmen, wie bspw. deutsche Automobilzulieferer aus dem betreffenden Produktions- bzw. Lieferland abwandern könnten. Zugleich bestehe hierbei zusätzlich die Gefahr, dass andere Marktteilnehmer und Wettbewerber aus Ländern, die Menschenrechtsstandards weniger oder gar nicht beachten, diese Lücke schließen könnten und dies letztendlich dazu führe, dass sich die ohnehin schwache Menschenrechtslage in dem entsprechenden Produktions- bzw. Lieferland noch weiter verschlechtern werde. Laut einem Umfrageergebnis des F.A.Z.-Instituts vermutet jedes vierte deutsche Unternehmen, dass sich mit dem LkSG die eigene Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union sowie global verschlechtern könnte, insbesondere für kleinere Unternehmen und Produktionsbetriebe. Hauptsächlich dann, wenn sich andere Marktteilnehmer nicht an die geforderten Standards halten.
 
Im Gegensatz dazu drohe aus der Sicht mancher Befragten, dass das LkSG ins Leere laufen könnte, da es nicht stabil genug sei. Dies wäre bspw. der Fall, wenn ein direkter Geschäftspartner eines deutschen Unternehmens alleine nicht verhindern kann, wenn Kinderrechtsverletzungen in tieferen Stufen der Wertschöpfungskette stattfinden. Die Verletzungen passieren meistens am Anfang der Lieferkette, insbesondere bei der Gewinnung von Rohstoffen und bei der Produktion, da oftmals ein großer Teil der Lieferanten eines Unternehmens nicht dort ansässig ist, wo Menschenrechtsverletzungen tatsächlich auftreten.
 
Außerdem wird das Fehlen einer zivilrechtlichen Haftung deutscher Unternehmen als kritisch betrachtet, da Arbeiter(innen), die auf Plantagen, etwa in Ostafrika, arbeiten, es nicht möglich ist, vor einem deutschen Gericht Schadensersatzforderungen einzuklagen, wenn ihre Menschenrechte verletzt wurden, bspw. bei einer deutschen Supermarktkette.
 
Zudem wird ausgeblendet, dass aufgrund der Möglichkeit, dass Betroffene durch Dritte vor einem Gericht vertreten werden können, es hierbei zu missbräuchlichen und medienrelevanten Klagen führe, die deutschen Unternehmen schaden könnten. Demgegenüber gehen rund 17 Prozent der befragten Unternehmen sogar von einer verbesserten Wettbewerbslage mit Wachstumschancen für Unternehmen mit einem stark verankerten Nachhaltigkeitsbewusstsein und sozialer Verantwortung aus. Immerhin haben sich insgesamt 45 Prozent der befragten Unternehmen bereits mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer eigenen wirtschaft­lichen Tätigkeit auseinandergesetzt. Schließlich geht es auch um das höhere Vertrauen in ein Produkt oder eine Marke eines Unternehmens. Bestehende und potentielle Konsumenten werden zukünftig sicherlich verstärkt nachfragen, welche Aktivitäten das Unternehmen unternimmt, um ihr Nachhaltigkeitsrating zu optimieren (Erwartungshaltung).
 
Damit liefert das neue Gesetz zugleich die Chance, nachhaltige Aspekte in der Einkaufsstrategie zu mani­festieren, die Produkte und Dienstleistungen unter der Bezeichnung einer nachhaltigen Lieferkette anbieten zu können und damit erfolgreicher und innovativer wirtschaftlich tätig zu sein. Mit dem höheren Nachhaltig­keits­agieren besteht für die Unternehmen die Chance, viele Konsumenten und Kunden sowie motivierte Mitarbeiter zu erreichen. Laut dem KMU-Kompass steigert für 86 Prozent der Deutschen das soziale Engagement eines Unternehmens die Attraktivität als Arbeitgeber (Manpower Group 2014).
 
Dass ein fairer Handel auch für viele Konsumenten mittlerweile selbstverständlich geworden ist, zeigt sich vor allem beim  nachhaltigen Einkauf, bspw. im Nahrungsmittel- und Textilbereich.
 
Mit dem LkSG könnte zugleich die Verhandlungsmacht zu mehr Nachhaltigkeit gegenüber den Lieferanten gestärkt werden (Motivator für mehr Nachhaltigkeitsbewusstsein).
 
Zukünftig ist davon auszugehen, dass das Nachhaltigkeitsbewusstsein zunehmend immer stärker in das Zentrum der Unternehmen rücken wird. Folglich wird sich dieser Trend dahingehend entwickeln, dass immer mehr Unternehmen die hohe Bedeutung für ein nachhaltiges Wirtschaften und das Bewusstsein für die Einhaltung der Menschenrechte erkennen werden.    
 

Noch Optimierungsbedarf vorhanden

Offenbar weist das LkSG noch einige Gesetzeslücken auf. Es ist davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit noch Modifikationen erfolgen werden.
 
Inwieweit das neue Gesetz zur Verbesserung, vor allem im nichteuropäischen Ausland, beitragen kann, bleibt abzuwarten.
 

Wenn nicht heute anfangen, wann dann

Durch die Einführung verbindlicher Regeln, wie etwa stärkere Umwelt- und Arbeitsgesetze für international tätige Unternehmen (internationale Standards), werden die Unternehmen fortan mehr Verantwortung für die Achtung der Menschenrechte in ihrer Lieferkette übernehmen müssen.
 
Mit der Verabschiedung des LkSG wurde bereits ein erster wichtiger Schritt umgesetzt, der zu einer gerech­teren Globalisierung verhelfen kann.
 

Vorteile eines Nachhaltigkeits-Reporting

Ein sehr gut vorbereitetes, strukturiertes sowie funktionierendes Lieferkettenmanagement könnte sich vorteil­haft auf die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte und letztendlich auch auf die eigene Wettbewerbssituation des Unternehmens positiv auswirken.
 
Um den Informationsansprüchen verschiedener Stakeholder gerecht zu werden, kann ein Unternehmens­be­richt mit einer klaren Haltung zur Nachhaltigkeit für viele Arbeitnehmer eines der Anreize ihrer Arbeitgeber­suche darstellen (Attraktivität als Arbeitgeber: soziales Engagement). Dies gilt auch für die Mitarbeiter eines Unternehmens, die sich sodann stärker mit dem Unternehmen verbunden fühlen. Somit könnten sie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken.
 
Zugleich ist vorstellbar, dass durch ein nachhaltiges Wirtschaften ein besserer Zugang zu Finanzmitteln auf dem Geld- und Kapitalmarkt erreicht werden kann (Erzielung eines direkten wirtschaftlichen Nutzens).
 
Attraktive Arbeitsbedingungen mit hohem Gesundheits- und Arbeitsschutz können nicht nur ein Beitrag für mehr Produktivitätssteigerung darstellen, sondern auch unfallbedingte Produktionsausfälle reduzieren (reduziertes Unfallrisiko), bspw. in der chemischen- und in der Textilindustrie. 
 
Ein gutes Nachhaltigkeitsrating könnte zugleich die Produktqualität eines Unternehmens steigern und sich dadurch positive Imageeffekte (potentielle Kunden, Geschäftspartner, Bewerber) sowie einen Wettbewerbs­vorteil verschaffen, indem es hilft, ein positives Markenimage aufzubauen (höheres Vertrauen in die Marke: Kundenbindung) und damit das Vertrauen der (potentiellen) Kunden zu gewinnen. Für Unternehmen, die sich rechtzeitig mit dieser Thematik auseinandersetzen und ihr Lieferkettenmanagement auf die neuen Bedingungen entsprechend anpassen, könnte dies Wettbewerbsvorteile bedeuten, da sie die neuen und zugleich strengeren Vorgaben einfacher umsetzen können.
 
Vermutlich werden zunehmend immer mehr Unternehmen Ansprüche für eine saubere Umwelt und soziale Anforderungen an ihre Geschäftspartner einfordern. Dies könnte für diese Unternehmen schließlich neue Kooperationsmöglichkeiten bedeuten.




[1] Quelle: Laut Einschätzung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit & Entwicklung (BMZ) (abgerufen am 21.2.2022)
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