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Berichtigung von Fehlern in der russischen Buchhaltung

PrintMailRate-it
von Jens Wergin
 
Die Berichtigung von Fehlern in der Buchhaltung, auch und insbesondere für vergangene Perioden, ist ein immer wiederkehrendes Thema für Wirtschaftsprüfer in Russland, welches regelmäßig zu Feststellungen im Rahmen der Jahresabschlussprüfung führt. Die Pflicht zur „retrospektiven Anpassung” von Vorperioden in bestimmten Fällen ist den deutschen Buchhaltungsvorschriften unbekannt. Grund genug, diese Thematik nachfolgend näher zu beleuchten.
 

Definition von „Fehlern”

Gemäß Punkt 4 des russischen Buchhaltungsstandards PBU 22/2010 sind Fehler und die daraus resultierenden Folgen in der Buchhaltung oder dem Jahresabschluss zwingend zu berichtigen. Als Fehler definiert der Standard die „unzutreffende oder nicht erfolgte Erfassung von Geschäftsvorfällen in der Buchhaltung oder dem Jahresabschluss”, insbesondere:
  • die unzutreffende Anwendung von gesetzlichen Vorschriften über die Buchhaltung oder der Buchhaltungsrichtlinie;
  • Ungenauigkeiten bei Berechnungen;
  • unzutreffende Klassifizierungen oder Bewertungen von Geschäftsvorfällen;
  • falsche Nutzung von Informationen, die am Abschlussstichtag vorliegen.
     
Darüber hinaus können Fehler auch aus unredlichen Handlungen der verantwortlichen Personen resultieren.
 

Strafen

Die Nichtberichtigung von Fehlern kann möglicherweise Strafen nach sich ziehen. Für grobe Verstöße gegen die Buchführungsregeln sieht das russische Ordnungswidrigkeitengesetzbuch (КоАП РФ) eine persönliche Strafe der verantwortlichen Personen der Gesellschaft in Höhe von 2.000 bis 3.000 Rubel vor. Als „grob” gelten hierbei Verstöße, wenn sie zu Steuerunterzahlungen von höher als 10 Prozent führen oder wenn eine Position des Jahresabschlusses durch den Fehler um mindestens 10 Prozent verfälscht ist.
 
Desweiteren können für grobe Verstöße (darunter versteht das Steuerrecht zwei Fehler und mehr pro Jahr) auch Strafen gegen die Gesellschaft selbst auf der Grundlage des Steuerrechts verhängt werden. Hierbei reichen die Strafen von 10.000 Rubel für Verfehlungen in einer Periode bis zu 30.000 Rubel für mehrere Perioden. Sind durch die Fehler Steuern verkürzt worden beträgt die Strafe 20 Prozent der verkürzten Steuersumme, mindestens aber 40.000 Rubel.
 
Sämtliche Strafen können aber vermieden werden, indem Steuern ggf. zuzüglich Verzugszinsen rechtzeitig nach Bekanntwerden des Fehlers nachbezahlt werden und korrigierte Steuererklärungen eingereicht werden, bevor die Steuerbehörde den Fehler entdeckt. Es empfiehlt sich daher, ein funktionierendes internes Kontrollsystem einzurichten und außergewöhnlichen Transaktionen mit hohen Summen besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
 

Berichtigung von Fehlern

Für die Berichtigung von Fehlern in der Buchhaltung oder im Jahresabschluss ist zwingend ein Korrekturbeleg (bukhgalterskaja spravka) zu erstellen. Dieser gilt als Ursprungsdokument, daher sind die Mindestanforderungen an den Inhalt (wie Datum, Ersteller, Grund für die Korrektur etc.) gemäß Punkt 2, Art. 9 des Gesetzes über die Buchhaltung No. 402 FZ vom 6. Dezember 2011 zu beachten. Die eigentliche Korrekturbuchung ist in Abhängigkeit der Art des Fehlers vorzunehmen. Wurde ursprünglich die Summe der Buchung zu niedrig erfasst, kann die fehlende Summe als Nachbuchung korrigiert werden, sofern es bei den korrespondierenden Konten keine Fehler gegeben hat. In allen anderen Fällen (Wert der ursprünglichen Buchung zu hoch, falsches Konto, etc.) ist die Buchung zu stornieren, sofern die Buchungsperiode noch nicht geschlossen ist. Für den Zeitpunkt der Korrektur und der möglichen Auswirkungen auf den Jahresabschluss ist grundsätzlich nach 2 Fällen zu unterscheiden:
 

a) Der Fehler wird im selben Jahr entdeckt

In diesem Fall vollzieht sich die Korrektur vergleichsweise einfach. Der Fehler wird in dem Monat korrigiert, in welchem von ihm Kenntnis erlangt wurde (vgl. Punkt 5, PBU 22/2010). Wird der Fehler erst im Folgejahr entdeckt, aber noch vor Abschluss der Periode (Unterschrift des Abschlusses) so erfolgt die Korrektur im Dezember des betreffenden Jahres.
 

b) Der Fehler wird in Folgejahren entdeckt

Wird der Fehler erst nach Abgabe und Unterzeichnung des Jahresabschlusses entdeckt, gestaltet sich die Korrektur schwieriger. Zunächst ist festzustellen, ob der Fehler wesentlich ist. Als wesentlich gilt ein Fehler per Definition, wenn er allein oder gemeinsam mit anderen Fehlern Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen des Bilanzlesers nehmen kann. Die Wesentlichkeitsgrenze hat jedes Unternehmen individuell zu bestimmen und in der Bilanzierungsrichtlinie zu fixieren.
 
Nicht wesentliche Fehler aus bereits geschlossenen Vorperioden sind in der aktuellen noch offenen Periode zu erfassen, und zwar erfolgswirksam als sonstiger Ertrag bzw. Aufwand. Hierdurch kann es zusätzlich zur Erfassung latenter Steuern kommen, wenn die Erfassung in handelsrechtlicher und steuerlicher Rechnungslegung zeitlich auseinanderfällt.
 
Für wesentliche Fehler kommt ein besonderes Verfahren zur Anwendung. Wird der wesentliche Fehler nach Unterschrift des Abschlusses, aber vor der offiziellen Feststellung entdeckt, so ist der Fehler noch im Dezember der betreffenden Periode zu berichtigen. Eventuell bereits ausgegebene Abschlüsse (z.B. an Anteilseigner) sind durch korrigierte Versionen zu ersetzen; ebenso ist eine entsprechende Anhangsangabe hierüber obligatorisch.
 
Wird der wesentliche Fehler erst nach Feststellung des Jahresabschlusses entdeckt, ist die Korrektur ebenso in der aktuellen Periode vorzunehmen. Der bereits festgestellte Jahresabschluss wird hierbei nicht geändert. Die Korrektur erfolgt im aktuellen Abschluss erfolgsneutral über eine Anpassung des Bilanzgewinns.
 

Retrospektive Anpassung

Aber das ist noch nicht alles. Die Korrektur eines wesentlichen Fehlers aus Vorjahren, die erst in nachfolgenden Geschäftsjahren entdeckt wird, hat auch Auswirkungen auf die Werte und Berechnungen für die Erstellung des Abschlusses für die aktuelle Periode. Und in dieser sind retrospektiv alle Vortragswerte und Berechnungen so anzupassen, als wenn es diesen Fehler niemals gegeben hätte (vgl. Punkt 9 PBU 22/2010). Wird beispielsweise ein wesentlicher Fehler aus dem Jahr 2014 erst im Jahr 2015 entdeckt, so sind im Abschluss für das Jahr 2015 die Werte des Jahres 2014 anzupassen, so dass der Abschluss 2015 ausschließlich korrekte Werte enthält. Eine Ausnahme zu dieser retrospektiven Vorgehensweise besteht ausschließlich für kleine Gesellschaften, die auch wesentliche Fehler im aktuellen Abschluss (erfolgswirksam) korrigieren können.

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Alexey Sapozhnikov

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