Wie wichtig ist die Wasserversorgung in der bundespolitischen Diskussion seit 70 Jahren?

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​Als „Lebensmittel Nummer Eins” ist die Bedeutung der Wasserversorgung unbestritten. Von den Verbrauchern, den örtlichen Wasserversorgern und den zuständigen kommunalpolitischen Vertretern in Deutschland wird es heute als selbstverständlich angesehen, rund um die Uhr Wasser in einwandfreier Trinkwasserqualität und in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt zu bekommen. Doch wie ist es eigentlich um die Diskussion zur Wasserversorgung in der Bundespolitik bestellt? Diese lässt sich mit einer Fieberkurve visualisieren, aus der hervorgeht, wann in den letzten 70 Jahren die Wasserversorgung im Bundestag besonders heiß diskutiert wurde.

 

Auffällig ist dabei, dass zwischen Gründung der Bundesrepublik und Anfang der 1970er Jahre die Wasserversorgung sogar häufiger thematisiert wurde als die Energieversorgung. Bemerkenswert sind auch die Spitzen im Zeitverlauf, also Perioden, in denen die Wasserversorgung besonders häufig Gegenstand von Debatten war.

 

Darstellung in Anlehnung an: Zeit Online.


Aus heutiger Sicht lohnt sich ein Blick aus der Vogelperspektive auf die Spitzen, um herauszufinden, welche Themen im Kontext der Wasserversorgung die Diskussion prägten:

  1. Eine Erste Spitze gab es 1952. Im Nachkriegsdeutschland stieg die Einwohnerzahl und auch der Wasserbedarf der Industrie rasant. Die Diskussion drehte sich damals um die Förderung des Ausbaus einer flächendeckenden und leistungsfähigen Wasserversorgung, um den steigenden Wasserbedarf decken zu können.
  2. Eine zweite Spitze gab es in den Jahren 1963 bis 1965. Im Wesentlichen drehte sich die Diskussion um die Novellierung des Wasserhaushaltsgesetzes. Parlamentarier setzten sich dafür ein, die Trinkwasserversorgung vor Gefährdungen, bspw. durch Öl-Pipelines, zu schützen. Auch die Tatsache, dass noch immer 800 deutsche Gemeinden ohne eine zentrale Trinkwasserversorgung waren, wurde thematisiert.
  3. 1976 stand im Zeichen des „Jahrhundertsommers”. Neben einer erneuten Novellierung des Wasserhaushaltsgesetzes wurden erstmals die Trockenheit und die Auswirkungen auf die Wasserversorgung behandelt.
  4. Im Jahr 1999 war der Schutz der knappen Ressourcen zur Vorbeugung von Wassermangel erneut ein Schwerpunktthema. In den 1990er Jahren wurde zudem die Bedeutung der Wasserversorgung im Rahmen der Entwicklungshilfe in Kriegs- oder Krisengebieten, wie dem Balkan oder Somalia, herausgehoben. Hier und in den Folgejahren wurde immer wieder auch der Aufbau der Wasserversorgung als Strategie in der Entwicklungszusammenarbeit formuliert.
  5. 2012 und 2013 war der deutlichste Ausschlag – die Wasserversorgung war sehr häufig Thema im Bundestag. Das Jahr 2012 stand im Zeichen steigender Strompreise, die wiederum auf die Wasserversorgung durchschlugen und deren Auswirkungen auf die Wasserpreise diskutiert wurden. Das Jahr 2013 war geprägt von der Liberalisierungsdiskussion (Stichwort: EU Dienstleistungskonzessionsrichtlinie) rund um die Wasserversorgung. Die Bundespolitik beschwor die Leistungsfähigkeit und Preisgünstigkeit der deutschen Wasserversorgung.

 

Man darf gespannt in die Zukunft blicken. Viele der genannten Themen sind aktueller denn je, auch wenn diese sich bislang noch nicht in Form eines Temperaturanstiegs in der Fieberkurve zeigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Auseinandersetzung mit einer sicheren Wasserversorgung nicht stattfindet. Im Gegenteil unterstreichen zahlreiche regionale und lokale Initiativen die immer wieder die hohe Relevanz des Lebensmittels Nr. 1 (vgl. hierzu bspw. den „Masterplan Wasserversorgung”). Angesichts von Klimawandel und schwelender Liberalisierungsdiskussion wäre indes wünschenswert, wenn die Wasserversorgung auch in der Bundespolitik wieder einen höheren Stellenwert bekommt.

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