Die Wärmezielscheibe - Wärmewende in Deutschland erfolgreich gestalten

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Ein erfolgreiches erstes Jahr für die Wärmezielscheibe

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Konzeptpapier „Die Wärmezielscheibe”

Executive Summary „Die Wärmezielscheibe”

 

Im Mai 2019 veröffentlichte Rödl & Partner das Konzeptpapier „Die Wärmezielscheibe” und stellte damit vor, wie die Wärmewende in Deutschland erfolgreich und effizient möglich ist. Dabei untersuchten wir den Status quo, die vorhandenen Technologien und deren Verteilung auf dem Wärmemarkt und blickten anschließend auf möglichen Entwicklungspfade des Wärmemarktes bis ins Jahr 2050.

 

Die Untersuchungen zeigten, dass ein Großteil der Wärme in Deutschland in dezentralen Erzeugungsanlagen mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Wärmenetze haben lediglich einen Anteil von 8 % der Wärmebereitstellung in Deutschland und werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. In einer weitergehenden Analyse haben wir den wärmespezifischen Urbanitätsgrad entwickelt und aufbereitet, der den Wärmebedarf mit der Siedlungsgröße ins Verhältnis bringt. Im Ergebnis haben wir festgehalten, dass 30 Prozent des Wärmebedarfs auf nur 5 Prozent der Fläche – den dicht besiedelten Gebieten – anfallen (siehe Abbildung 1). Besonders diese Gebiete werden aufgrund von soziodemografischen Effekten in Zukunft eine prominente Rolle bei der Transformation des Wärmemarktes einnehmen. Der Wärmebedarf wird in Folge steigen und benötigt flächen- und energieeffiziente Technologien für Erzeugung und Versorgung.

 

 


Abbildung 1 Verteilung der Flächen und des Wärmebedarfs in Deutschland (2020)

 

Deshalb sollte sich die Politik und auch kommunale Entscheidungsträger bei den dicht besiedelten Gebiete darauf konzentrieren, effiziente Konzepte zu entwickeln und mit verhältnismäßig geringem Aufwand ein großes CO2-Einsparpotenzial zu heben. Eine Lösung stellt der Ausbau von (Fern-)Wärmenetzen dar, wobei in den Anlagen zur Wärmeerzeugung vermehrt erneuerbare Energien zur Wärmeerzeugung eingesetzt oder lokale Abwärmequellen integriert werden sollten. Doch nicht nur die dicht besiedelten Gebiete sind im Rahmen der Wärmewende zu betrachten, sondern auch die beiden anderen Bereiche. Es geht vielmehr darum gebietsspezifisch die CO2 neutralen und optimalen Technologien dort einzusetzen, wo der Einsatz nach lokalen Anforderung sinnvoll ist. Die herausgearbeitete Technologieverteilung zeigt Abbildung 2.

 

 

 

Seit der ersten Veröffentlichung ist nun ein Jahr vergangen und es stellt sich die Frage, was in der Zwischenzeit passiert ist und ob sich heute ein verändertes Bild auf dem deutschen Wärmemarkt ergibt?

 

Zur Beantwortung dieser Frage blicken wir zunächst auf wegweisende politische Ankündigungen oder Entscheidungen des letzten Jahres und analysieren die Veränderungen für den Status Quo heute und für die Zukunft. Zum Schluss beantworten wird die Frage, ob die Inhalte und Aussagen der Wärmezielscheibe vor dem Hintergrund der Entwicklungen noch aktuell sind.

 

Entwicklungen in Deutschland mit Einfluss auf die Wärmewende

 

1. Klimaschutzprogramm 2030

Ein nationaler Beitrag zur Energie- und Wärmewende stellt das Klimaschutzprogramm 2030 dar, welches am 09.10.2019 vom Kabinett beschlossen wurde. Das übergeordnete Ziel ist eine Reduzierung des Treibhausgasausstoßes gegenüber 1990 um mindestens 55 % bis 2030. Ein Bestandteil des Klimaschutzprogramms ist die Erwähnung einer CO2-Bepreisung.
Darüber hinaus beinhaltet das Klimaschutzprogramm 2030 weitere Maßnahmen zum Vorantreiben der Wärmewende. Diese setzen sowohl bei der Verringerung des Energiebedarfs als auch bei der Vermeidung von Emissionen bei der Wärmeerzeugung an. Für die Verringerung des Verbrauchs ist hauptsächlich die Sanierung von Gebäuden zu nennen. Hierbei sieht das Klimaschutzprogramm die Möglichkeit vor, dass energetische Gebäudesanierungen steuerlich abschreibbar sind. Bei der Wärmebereitstellung ist zwischen dezentralen Wärmeerzeugern und einer Wärmeversorgung durch ein Fernwärmenetz zu differenzieren. Bei dezentralen Anlagen wird der Austausch von Ölheizungen bereits seit 01. Januar 2020 mit einer Förderquote von 40 % gefördert. Zusätzlich soll ab 2026 ein Verbot für den Einbau von Ölheizungen in Kraft treten.  Für den Bereich der zentralen Wärmeversorgung durch Fernwärme ist im Klimaschutzprogramm festgehalten, dass Wärmenetze zunehmend auf erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme umgestellt werden sollen. Dadurch sollen Investitionsanreize geschaffen, der Wärmebedarf gesenkt und Emissionen reduziert werden.

 

2. Einführung des Bundes-Klimaschutzgesetzes (KSG)

Am 12.12.2019 legte die Regierungskoalition den Grundstein für die Einführung weiterer Maßnahmen zum Klimaschutz in Deutschland und nahm einen ersten Schritt zur Einhaltung der europäischen Zielvorgaben zur Reduzierung von CO2-Emissionen vor. Das Gesetz schreibt die Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2030 um 55 % gegenüber 1990 vor und ist somit ein wichtiger Bestandteil des Klimapaketes der Bundesregierung.
Zur Zielerreichung werden CO2-Emissionsbudgets für verschiedene Wirtschaftssektoren bis 2030 vergeben. Ab 2030 sollen die zulässigen Emissionswerte per Rechtverordnung festgelegt werden. Zusätzlich ist festgehalten, was passiert, wenn ein Sektor seine Emissionsziele nicht erreicht. In diesem Fall muss das zuständige Bundesministerium der Bundesregierung innerhalb von drei Monaten ein Sofortprogramm vorlegen, welches Maßnahmen zur zukünftigen Einhaltung der Emissionsgrenzen vorschlägt.
Die Bundesregierung verpflichtet sich ebenfalls regelmäßig Klimaschutzpläne und Klimaschutzprogramme fortzuschreiben und zu aktualisieren, um damit den Erfüllungsgrad der Reduktionsziele zu verfolgen und zeitnah weitere Maßnahmen zu beschließen. Die Einführung des KSG bildet zudem einen wichtigen Schritt hin zu einem nationalen Emissionshandel.

 

3. Verabschiedung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG)

Eine der wichtigsten politischen Entwicklungen für den Energiesektor stellt der Beschluss zur Einführung eines nationalen Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) dar. Der erste Gesetzesentwurf wurde am 19.12.2019  beschlossen und zum 19.05.2020  in einer überarbeiteten Form vorgelegt. Startdatum des BEHG ist der 01.01.2021. Ab diesem Zeitpunkt muss für jede (potenziell) in Umlauf gebrachte Tonne CO2 ein Emissionszertifikat erworben werden. Das BEHG besteht aus zwei Phasen. Die erste Phase (2021 bis 2025) sieht ein Festpreissystem vor, bei welchem die Kosten pro Tonne CO2 jährlich angehoben werden. In der zweiten Phase (ab 2026) soll ein Emissionshandelssystem (EHS) eingeführt werden, bei dem die Preise nach Marktprinzipien bestimmt werden. Für das Startjahr der zweiten Phase, 2026, ist dabei zunächst ein Preiskorridor vorgesehen. Die Gestaltung des Folgezeitraumes ist derzeit noch nicht final beschlossen.
Die im ersten Gesetzesentwurf vorgestellten Preise wurden kurze Zeit später vom Bundesrat abgelehnt, woraufhin am 28.02.2020 ein Referentenentwurf mit höheren Preise veröffentlicht wurde, welche am 19.05.2020 in einen Gesetzesentwurf übernommen wurde. Der Entwurf soll noch vor der Sommerpause offiziell in das BEHG aufgenommen werden. Ein Vergleich zwischen den Preisen ist in Abbildung 3 dargestellt.
 


Abbildung 3 Vergleich ursprüngliche und neue Preisstaffelung


Die Regelungen des BEHG betreffen zunächst alle, die fossile Brennstoffe in den Verkehr bringen. Im Bereich der Energieversorgung sind damit nun auch alle Anlagen betroffen und nicht mehr nur Anlagen mit einer Feuerungsleistung von mehr als 20 MW, die bereits vom europäischen Emissionshandel betroffen sind. Gleichzeitig wird es keine Doppelbelastung geben, sodass nur Anlagen mit einer Feuerungsleistung unter 20 MW zukünftig zusätzliche Emissionsrechte erwerben müssen. Damit entstehen ab 2021 für Heizwerke und Heizkraftwerke, die fossile Energieträger nutzen, erheblich Mehrkosten, die jährlich steigen.
Kurzfristig kommen Kostensteigerung auf die Endkunden zu und mittelfristig wird die Attraktivität erneuerbarer Energien für die Wärmeerzeugung gesteigert, womit Kosten und CO2-Emissionen eingespart werden können.
Weitere Informationen zu den Auswirkungen des BEHG finden Sie hier.

 

4. Kohleausstiegsgesetz

Knapp ein Jahr nachdem am 26.01.2019 der Kohleausstieg bis spätestens 2038 beschlossen wurde, erzielten der Bund und die Länder am 16.01.2020 eine Einigung, die die Grundlage für ein Kohleausstiegsgesetz darstellt.  Dieses soll das Ende der Kohleverstromung regeln. Am 3.07.2020 hat der Bundestag das Gesetz zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung und zur Änderung weiterer Gesetze (Kohleausstiegsgesetz) und das Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen in Anlehnung an die Ergebnisse der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ nach intensiver Diskussion auch mit den Ländern beschlossen.  Am 14.08.2020 ist das Gesetz nach Verkündigung im Bundesgesetzblatt in Kraft getreten. Auch wenn das Gesetz auf den ersten Blick hauptsächlich die Verstromung von Kohle betrifft, hat dies auch Einfluss auf die Wärmeversorgung.  So sind viele Kohlekraftwerke gleichzeitig Wärmelieferant für lokale Versorger. Die Beispiele dazu finden sich über ganz Deutschland verteilt (z. B. Kraftwerk Weisweiler, Kraftwerk Staudinger). Weiterhin sind auch kleinere Kraftwerke oder Heizwerke vor Ort betroffen, da sie mit Brennstoffen aus dem Kohleabbau (z. B. Braunkohlestaub) versorgt werden. Die bevorstehenden Transformationen auf dem Wärmemarkt werden deshalb deutlich spürbar sein.


Die Politik möchte weiterhin Anreize schaffen, dass die Betreiber ihre Kohlekraftwerke frühzeitig abschalten. In Artikel 1 des Kohleausstiegsgesetztes wird das Gesetz zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung (Kohleverstromungsbeendigungsgesetz – KVBG) geregelt. Das KVBG führt Ausschreibungen zur frühzeitigen Abschaltung von Kohlekraftwerken ein und regelt die Erstattungszahlungen. Die Ausschreibungen sollen bis 2027 laufen. Weiterhin werden im Kohleausstiegsgesetz Änderungen am KWKG vorgenommen, die nachfolgend zusammengefasst werden.

 

5. Änderungen am KWKG

In Artikel 7 Kohleausstieggesetz werden verschiedene Änderungen am KWKG vorgenommen. Unter § 7a KWKG wird der Bonus für innovative erneuerbare Wärme erhöht. Dazu wird in § 7b KWKG ein Bonus für elektrische Wärmeerzeuger integriert.


In Bezug zum Kohleausstieg wird weiterhin in § 7c KWKG ein Kohleersatzbonus eingeführt bzw. insofern geändert, sodass dieser nunmehr als Einmalzahlung ausgezahlt wird. Die aktuell diskutierten Umrüstungsboni liegen für Kohlekraftwerke mit einem Alter von maximal 25 Jahre bei 390 Euro pro substituierter Kilowatt elektrischer Leistung. Der Höchstsatz wird bei einer Umrüstung bis Ende 2022 ausgezahlt und nimmt in den Folgejahren jährlich um jeweils 25 €/kW ab. Kraftwerke mit einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren erhalten einen Höchstsatz von 225 €/kW, der ebenfalls jährlich um 25 €/kW abschmilzt. Diese Regelungen wurden ebenfalls am 03.07.2020 endgültig vom Bundestag angenommen und sind am 14.08.2020 in Kraft getreten.  Außerdem wird in § 7d ein „Südbonus“ erwähnt, der eine zusätzliche Förderung für KWK-Anlagen darstellt, die nach dem 31.12.2019 und vor dem 31.12.2026 in Dauerbetrieb gehen und in der Südregion angesiedelt sind.
Weiterhin wurde der Förderzeitraum des KWKG bis zum 31.12.2029 verlängert. Zukünftig ändern sich auch die geförderten Vollbenutzungsstunden pro Kalenderjahr. In 2021 und 2022 werden maximal 5.000 Stunden, in 2023 und 2024 maximal 4.000 Stunden und ab 2025 maximal 3.500 Stunden gefördert.


Auch die bestehende Förderung von Wärmenetzen gemäß § 18 KWKG und § 19 KWKG wird neu geregelt. Das neue oder ausgebaute Wärmenetz muss bis zum 31. Dezember 2029 in Betrieb gehen und der Anteil von Wärme aus KWK oder Erneuerbaren Energien von bisher 50 % auf 75 % erhöht. Gleichzeitig wird der KWK-Anteil in Fällen der Kombination mehrerer Wärmeerzeuger von 35 % auf 10 % reduziert. Der Fördergegenstand und die Förderhöhen in Form von KWK-Zuschlägen bleiben unverändert. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

6. Einführung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG)

Am 23.10.2019 wurde vom Bundeskabinett ein Regierungsentwurf des Gebäude-Energie-Gesetzes (GEG) verabschiedet.  Für den Wärmemarkt von Bedeutung ist der Beschluss, dass das bereits im Klimapaket 2030 beschlossene Verbot von Ölheizungen ab 2026 aufgenommen wurde. Einzige Ausnahme ist ein Weiterbetrieb der Ölheizung als „Hybridheizung“. Eine genaue Spezifikation, ab welchem Anteil erneuerbarer Wärme eine Ölheizung ein hybrid ist, wird nicht gegeben. Am 18.06.2020 wurde im Bundestag ein Gesetzesentwurf „zur Vereinheitlichung des Energieeinsparrechts für Gebäude” angenommen und somit das GEG überarbeitet.  Der Entwurf enthält eine Überarbeitung der Standards von Neubauten und den zu erreichenden Quoten Erneuerbarer Energien zur Deckung des Wärme- und Kälteenergiebedarfs. Der Entwurf steigert den Bedarf und die Bedeutung Erneuerbarer Energieträger und stellt eine wegweisende Änderung dar. Auch im GEG wird die effiziente Fernwärme, genau wie bei den Vorgängergesetzen „EE Wärme G” und „ENEV”, gefördert und als Ersatztechnologie zugelassen.

 

7. Novellierung des Förderprogramms „Wärmenetze 4.0”

Im Dezember 2019 erfolgte eine Überarbeitung und Umbenennung des Förderprogrammes in „Wärmenetze 4.0 – Bundesförderung effiziente Wärmenetze” (wir berichteten). Die Förderung beinhaltet Wärmeversorgungssysteme, die hocheffizient, multivalent und transparent sind. Diese Netze sollen eine innovative Bereitstellung von Wärme und Kälte auf Basis verschiedener möglichst umweltschonender Energien garantieren; Solarthermie, Tiefengeothermie und Biomasse sollen zusammen mit gewerblicher Abwärme bzw. Abwärme aus Abfallverwertung mindestens zur Hälfte der Wärmeeinspeisung beitragen. Das nachzuweisende Kosteneffizienzkriterium des Wärmepreises von maximal 12 ct/kWh wurde bei der Novellierung abgeschafft. Die Grundförderung in Modul II, der Realisierungsphase, wurde von 20 % auf 30 % erhöht sowie das Kumulierungsverbot mit KWKG-Zuschlägen aufgehoben. Daraus entstehen neue Einsatzmöglichkeiten sowie bessere Unterstützung für innovative und nachhaltige Wärmeprojekte.

 

8. Bundesförderung für effiziente Wärmenetze

Aktuell arbeitet das Wirtschaftsministerium an der konkreten Ausgestaltung eines neuen Förderprogramms. Die politischen Vorgaben gehen dabei auf die im Mai 2015 durch das BMWi veröffentlichte "Förderstrategie Energieeffizienz und Wärme aus Erneuerbaren Energien“ zurück. Im Kern wird es in dem Programm darum gehen, dass die Investitionen in den Ausbau der Fernwärmeinfrastruktur gefördert werden. Neben reinen Investitionszuschüssen ist dabei auch eine Unterstützung bei laufenden Kosten und die Beseitigung von Hemmnisse im Bereich der Abwärmenutzung und der Nutzung von Tiefengeothermie im Gespräch. Das Programm soll nach Umsetzung des Kohleausstiegsgesetzes eingebracht und noch im Jahr 2020 veröffentlicht werden.

 

9. Preisverfall Erdöl und Erdgas

Eine weitere wichtige Entwicklung im Laufe des letzten Jahres stellt die Preisentwicklung für Erdöl und Erdgas dar. Auch wenn die Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf die Brennstoffkosten umgerechnet werden können, haben sie dennoch Einfluss auf Wirtschaftlichkeitsberechnung von Erneuerbaren Energien.
Die Betrachtung der letzten drei Jahre (Abbildung 4, Abbildung 5) zeigt, dass die Erdöl- und Erdgaspreise einen Trend nach unten aufweisen. Ein Grund hierfür ist ein Angebotsüberhang auf dem Weltmarkt. Ein besonders starker Abfall der Preise zeigt sich im Jahr 2020, ausgelöst durch die Covid-19-Pandemie, wodurch weniger Erdölprodukte und Erdgas nachgefragt wurden. Allerdings konnten in diesem Fall die wichtigsten Ölförderländer zeitnah mit der Anpassung ihrer Förderquoten reagieren, wodurch sich der Ölpreis langsam wieder erholt. Der Erdgaspreis ist hingegen noch immer auf einem niedrigen Niveau.

 

 
Abbildung 4 ICE Brent Crude Futures, Zeitraum 01.01.2017 - 22.05.2020
 

 


Abbildung 5 Gas EGIX DE -  Monatsmittelwert, Zeitraum 01.03.2017 - 12.06.2020


Entwicklungen in Europa mit Einfluss auf die Wärmewende

 

10. Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II, 2018/2001)

Mit der Einführung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (Renewable Energy Directive II – RED II) im Dezember 2018 wurde die Erhöhung des Anteils der Erneuerbaren Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr bis zum Jahr 2030 auf 32 % des Endenergieverbrauchs bis 2030 als EU-weites Ziel ausgegeben.
Inhalt der RED II ist erstmals ein direkter Einbezug des Wärmesektors (Art. 23 RED II) zur Erreichung der langfristigen Dekarbonisierungsziele. Hierzu soll der Anteil der erneuerbaren Energien im Sektor Wärme schrittweise ab 2021 um jährlich mindestens 1,1 Prozentpunkte erhöht werden. Als Ausgangsgröße gilt der Anteil im Jahr 2020.


Für die Fernwärme im Speziellen finden sich zusätzliche Regelungen. So ist beispielsweise in Art. 24 RED II ein Drittzugang zu Fernwärmenetzen verankert. Dieser kann jedoch durch nationale Regelungen so gestaltet werden, dass er nur unter bestimmten Voraussetzungen gilt. Die Übertragung der Richtlinien in nationales Recht steht in den meisten Ländern noch aus, wird jedoch sicherlich die Entwicklung des Wärmemarktes nachhaltig verändern.

 

11. EU Klimaschutzverordnung und Green Deal

Die EU-Klimaschutzverordnung basiert auf dem Übereinkommen von Paris 2015, welches das Ziel hat, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius und möglichst unter 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Zu diesem Zweck haben sich im Dezember 2019 Staats- und Regierungschefs der EU die Klimaneutralität bis 2050 zum Ziel gesetzt.


Zusammengefasst werden die Klimabeschlüsse und -pläne unter der Wachstumsstrategie für eine klimaneutrale und ressourcenschonende Wirtschaft – dem „European Green Deal“.
Am 04. März 2020 wurde ein europäisches Klimaschutzgesetz vorgelegt, welches das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 verbindlich festschreibt und einen einheitlichen Fahrplan für die gesamte EU-Politik darstellt. Gleichzeitig soll es eine Zielanhebung der Emissionsreduktion von derzeit 40 % gegenüber 1990 auf 50 % – 55 % bis 2030 geben. Als nächster Schritt wird der Gesetzesentwurf in das Europäischen Parlament und den Rat der Europäischen Union eingebracht.


Einfluss auf die Wärmezielscheibe

Die politischen Entwicklungen des letzten Jahres zeigen, dass Bewegung in die Dekarbonisierung des Wärmesektors und angrenzender Sektoren kommt. Neben allgemein gültigen und mittelfristigen Zielvorgaben aus dem Klimaschutzprogramm 2030 und dem Klimaschutzgesetz wurden auch spezifische Maßnahmen ergriffen. Besonders die Einführung eines nationalen Emissionshandels wird ab 2021 Veränderungen hervorrufen. Die Aktualisierung des GEG führt zu einer positiven Entwicklung der Neubauten, welche allerdings nur einen kleinen Anteil der Gesamtgebäude in Deutschland ausmachen. Der Kohleausstieg und die geschaffenen Anreize zur frühzeitigen Umstellung der Kohlenutzung auf emissionsärmere Energieträger wie bspw. Erdgas wird die Gesamtemissionen reduzieren und Raum für die Einbindung von Erneuerbaren Energien schaffen. Gerade Umweltschutzverbänden und der Friday for Future Bewegung gehen die Regelungen zum Kohleausstieg nicht weit bzw. schnell genug. Allgemein sind die Entwicklungen der letzten 12 Monate jedoch positiv zu bewerten, doch es fehlen weiterhin konkrete Ideen und optimale Strategien zum Technologieeinsatz.
Wie schon im letzten Jahr gezeigt, ist der Einsatz und die Verteilung der im Einzelfall verfügbaren Technologien sinnvoll zu wählen und anhand des wärmespezifischen Urbanitätsgrades zu planen. Allerdings sind bislang keine Änderungen zur Bewältigung von spezifischen Herausforderungen von Wärmeprojekten wie der Tiefengeothermie und der Einbindung von industrieller Abwärme vorgenommen worden. Dieser Bereich muss in Zukunft stärker in den Fokus rücken, da Energieverluste reduziert bzw. grundlastfähige emissionsfreie Energie zur Verfügung gestellt werden muss. Insgesamt müssen zielgerichtete Maßnahmen zur Unterstützung der Wärmewende weiter priorisiert werden.


Insgesamt zeigen die Entwicklungen einen positiven Trend. Die Wärmewende wird, auch in der Berichterstattung und der Öffentlichkeit, zu einem prominenteren Thema. Überlegungen aus Politik und Wissenschaft zentrieren sich vermehrt um das Thema und die Bedeutung von Wärmenetzen für eine dekarbonisierte Zukunft. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Wärmezielscheibe haben dennoch Bestand. Die Transformation der dicht besiedelten Gebieten muss zukünftig an die erste Stelle rücken, da hier die eingesetzten Mittel zu den größten Einsparungen führen. Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft können besonders mit den herausgearbeiteten Ergebnissen und Strategien aktiv zur erfolgreichen Gestaltung der Wärmewende beitragen.

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