Verwaltungsratstätigkeit in der Schweiz: ein kostspieliges „Hobby”

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zuletzt aktualisiert am 6. September 2017
 
Durch eine 2010 in Kraft getretene EG-Verordnung erfolgte ein weiterer Schritt zur Harmonisierung der Vorschriften über Soziale Sicherheit innerhalb der Europäischen Union. Diese Verordnung ist seit 2012 auch auf die Schweiz, Norwegen, Dänemark und Island anwendbar. Innerhalb der Europäischen Union erstreckt sich der Geltungsbereich der Verordnung mit Ausnahme von Großbritannien auch auf Drittstaatsangehörige.


 
Ein Ziel dieser Verordnung ist die Anwendung der sozialrechtlichen Vorschriften nur eines Mitgliedstaates im Geltungsbereich dieser Verordnung auf den Erwerbstätigen, selbst wenn dieser in zwei oder mehreren Ländern einer Beschäftigung nachgeht. Um diesen Mitgliedstaat zu bestimmen, ist zunächst entscheidend, ob es sich bei der jeweiligen Tätigkeit um eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit handelt. Die Qualifikation der Tätigkeit als abhängige Beschäftigung bzw. als selbstständige Tätigkeit erfolgt nach dem Recht des Staates, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird. Alleine durch die Qualifizierung und die Anwendung der Verordnung können die anzuwendenden Vorschriften über Soziale Sicherheit allerdings noch nicht bestimmt werden. Grund hierfür ist, dass die Europäische Union ihren Mitgliedstaaten einen Leitfaden an die Hand gegeben hat, nach dem unbedeutende Tätigkeiten bei der Bestimmung der anzuwendenden Vorschriften über Soziale Sicherheit nicht anzuwenden ist. Die Schweiz wendet diesen Leitfaden nicht an und berücksichtigt damit auch unbedeutende Tätigkeiten. Unbedeutende Tätigkeiten sind marginale Tätigkeiten, die zwar dauerhaft ausgeübt werden, mit denen jedoch weniger als 5 Prozent der Gesamtvergütung erzielt wird und denen während weniger als 5 Prozent der regulären Arbeitszeit nachgegangen wird. Diese Anwendungspraxis hat zur Folge, dass jede Tätigkeit in der Schweiz bei der Bestimmung der anzuwendenden Rechtsordnung mit einzubeziehen ist und auch eine unbedeutende Tätigkeit die Anwendung des Schweizer Rechts auslösen kann.
 

Überraschung bei Sozialversicherung ohne Beitragsbemessungsgrenze

Diese Zuordnung ist für viele Betroffene nicht nur aufgrund der Marginalität nicht nachvollziehbar, sondern kann auch erhebliche finanzielle Nachteile für die Betroffenen haben, da der Schweiz die Beitragsbemessungsgrenze fremd ist, d. h. beitragspflichtige Einkünfte in voller Höhe der Sozialversicherung unterworfen werden. Die Schweiz begnügt sich auch nicht mit Schweizer Einkünften, sondern wendet die Sozialversicherungspflicht auf das Welteinkommen (z. B. auch auf deutsche Kommanditanteile) an. Im Ergebnis kann damit eine Verwaltungsratstätigkeit, welche nach lokalem Recht als abhängige Beschäftigung qualifiziert, und in der Schweiz lediglich 1 Prozent der Gesamtvergütung und 1 Prozent der regulären Arbeitszeit ausmacht, eine Sozialversicherungspflicht in der Schweiz auslösen, bei der Beiträge auf 100 Prozent aller Einnahmen die im Geltungsbereich dieser Verordnung erzielt werden in der Schweiz abzuführen sind. Es empfiehlt sich daher, in jedem Fall die sozialversicherungsrechtliche Situation von Personen, die mitunter in der Schweiz eine Tätigkeit ausüben, zu prüfen und ggf. gestalterisch eine optimale Lösung zu finden.
 
Die Praxisnähe dieser Problematik kann man sich dabei anhand von folgendem, fast alltäglichem Beispiel vergegenwärtigen: Ein Inhaber einer deutschen GmbH & Co. KG mit Wohnsitz in Deutschland ist indirekt an einer Schweizer Aktiengesellschaft beteiligt und in seiner Eigenschaft als Eigentümer auch Verwaltungsratsmitglied (Vorstand). Daneben ist er auch in mehreren Gesellschaften in EU-Staaten entweder als Vorstand oder als sonstiger Zeichnungsberechtigter eingetragen. Auf den ersten Blick fällt aufgrund der Qualifikation als abhängige Beschäftigung das Recht Sozialversicherungsbeiträge zu erheben der Schweiz zu. Aufgrund einer EU-Regelung ist jedoch auf alle Beschäftigungen, die in einem der beteiligten Länder ausgeübt wird, abzustellen. Sofern neben der Verwaltungstätigkeit in weiteren Ländern abhängige Beschäftigungen ausgeübt werden, kann die Sozialversicherungspflicht in der Schweiz entfallen. Grund hierfür ist eine EU-Regelung, die das Recht, Sozialabgaben zu erheben, einem Land zuweist, d. h. es werden nur einmal und gebündelt in einem Land Sozialabgaben erhoben. Da die Schweiz keine Beitragsbemessungsgrenze kennt, gilt es eine Sozialversicherungspflicht in der Schweiz zu vermeiden. Es ist daher zu prüfen, ob eine Möglichkeit besteht, wieder in das deutsche System zu gelangen, um damit Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Hierbei unterstützen wir Sie gerne.
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