Der Altersentlastungsbetrag in der Steuererklärung

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  • Einkünfte älterer Menschen werden teilweise ermäßigt besteuert.
  • Weil Renten und Pensionen begünstigt besteuert werden, hat der Gesetzgeber für Arbeitslohn und weitere Einkünfte korrespondierend den Altersentlastungsbetrag ins Leben gerufen.
Von Melanie Erhard
 
Ob Steuerpflichtige im Ruhestand eine Steuererklärung abgeben müssen, hängt primär von der Höhe ihrer Einkünfte ab. Wichtige Bestandteile dieser Einkünfte sind zumeist Renten und Pensionen. Daneben sind weitere Einkünfte wie der kleine Nebenverdienst, Zinsen aus Kapitalvermögen, Vermietungseinkünfte etc. denkbar.
 
Bei der Ermittlung der steuerpflichtigen Einkünfte aus Renten und Pensionen wirken sich der sog. Rentenfreibetrag und der Versorgungsfreibetrag steuermindernd aus. Bezüglich aller anderen Einkünfte älterer Steuerpflichtiger soll der Altersentlastungsbetrag gem. § 24a EStG die steuerpflichtigen Einkünfte senken.
 
Die o.g. Entlastungsbeträge werden seit 2005 schrittweise abgeschmolzen. In einer Übergangszeit von 35 Jahren soll zur nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften übergegangen werden.
 

Voraussetzungen und Höhe

Den Altersentlastungsbetrag erhalten solche Personen, die vor Beginn des Kalenderjahres das 64. Lebensjahr vollendet haben. Das gilt unabhängig davon, ob der Steuerpflichtige beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig ist.
 
Da die steuerlichen Vergünstigungen für Renten und Pensionen, ebenso wie die Vergünstigung für alle weiteren Einkünfte, bis 2040 auf 0 abgeschmolzen werden, ist der Entlastungsbetrag, je nach dem, welches Kalenderjahr auf die Vollendung des 64. Lebensjahres folgt, unterschiedlich hoch:
 
  • 2005 betrug der Prozentsatz 40%, maximal 1.900 Euro,
  • 2006 bis 2020 wird der Prozentsatz um 1,6%, der Höchstbetrag um 120 Euro p.a. verringert,
  • 2021 bis 2040 wird der Prozentsatz um 0,8%, der Höchstbetrag um 60 Euro p.a. verringert.

 

Ab 2005 wird der Altersentlastungsbetrag also bei begünstigten Einkünften in Höhe von mindestens 4.748 Euro ausgeschöpft (2005: 40% hiervon – aufgerundet – entsprechen 1.900 Euro). Aufgrund des gleichmäßigen Abschmelzens von Prozentsatz und Höchstbetrag in den Jahren 2005 bis 2040 bleibt dieser Betrag konstant.
 
Je nach Alter errechnet sich der Entlastungsbetrag als ein bestimmter Prozentsatz der Summe der relevanten positiven Einkünfte. Die Neuregelung erfolgt nach dem Jahrgangsprinzip (sog. Kohortenprinzip), das heißt, für den einzelnen Steuerpflichtigen wird die Besteuerungssituation „eingefroren”, die in dem auf die Vollendung des 64. Lebensjahrs folgenden Jahr erfolgt. Die relevanten Werte (Prozentsatz und Höchstbetrag) werden somit auf Dauer bis an sein Lebensende festgeschrieben.
 
Bemessungsgrundlage für den Altersentlastungsbetrag ist der Arbeitslohn und die positive Summe der Einkünfte, die nicht solche aus nicht selbstständiger Arbeit sind. Um eine doppelte Steuerbegünstigung der Alterseinkünfte zu vermeiden, bleiben z.B. Leistungen eines Pensionsfonds, auf die der Versorgungsfreibetrag anzuwenden ist, sowie Einkünfte aus der betrieblichen Altersversorgung und aus bestimmten Leibrenten, für die nur der Ertragsanteil besteuert wird, unberücksichtigt. Voll besteuerte Renten zählen hingegen zur Bemessungsgrundlage.
 
In der Einkommensteuerveranlagung wird der Altersentlastungsbetrag von der Summe der Einkünfte abgezogen. Bei Zusammenveranlagung von Ehegatten/Lebenspartnern ist der Entlastungsbetrag gemäß den jeweiligen Voraussetzungen bei jedem Ehegatten/Lebenspartner gemäß der von ihm bezogenen Einkünfte gesondert zu gewähren. Schöpft einer der Partner den Entlastungsbetrag nicht aus, darf der nicht in Anspruch genommene Teil nicht auf den anderen Partner übertragen werden.
 
Die relevanten Einkünfte werden nur dann bei der Ermittlung des Altersentlastungsbetrags berücksichtigt, wenn ihre Summe positiv ist. Ist das nicht der Fall, berechnet sich der Entlastungsbetrag nur aus einem eventuell bezogenen Arbeitslohn. 
 
Beispiel:
 
Ein lediger Steuerpflichtiger hat sein 64. Lebensjahr im Kalenderjahr 2004 vollendet. 2006 erzielt er folgende Einkünfte:
 
Einkünfte aus Gewerbebetrieb​ ./. 31.000 Euro​
Einkünfte aus nicht selbstständiger Tätigkeit​ 20.000 Euro​
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung​ 10.000 Euro​
Der Arbeitslohn beträgt vor Abzug der Werbungskostenpauschale für das Jahr 2006 20.920 Euro.​ ​
Summe der Einkünfte​ ./. 1.000 Euro​
abzgl. Altersentlastungsbetrag;​
40% von 20.000 Euro, höchstens ./. 1.900 Euro​
Gesamtbetrag der Einkünfte​ ./. 2.900 Euro​
 
 
Bei der Ermittlung des Verlustvortrags wird der Altersentlastungsbetrag (ebenso wie der Freibetrag für Land- und Forstwirte und der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende) nicht berücksichtigt. Im obigen Beispiel beträgt der vortragsfähige Verlust zum 31. Dezember 2006 somit 1.000 Euro.
 

Abschmelzung im Rahmen des Alterseinkünftegesetzes

Im Rahmen des Alterseinkünftegesetzes vom 5. Juli 2004 ist die Besteuerung der Altersbezüge ab 2005 neu geregelt worden. Ziel war es, eine 100%ige Besteuerung von Renten und Versorgungsbezügen im Zeitpunkt der Auszahlung herbeizuführen. Die Systemumstellung wird schrittweise in einer 35jährigen Übergangszeit (von 2005 bis 2040) erfolgen.
 
Im Ergebnis sollen Aufwendungen zum Erwerb des Altersvorsorgeanspruchs in der Ansparphase steuermindernd als Sonderausgaben berücksichtigt werden können, im Gegenzug erfolgt die nachgelagerte volle Besteuerung der Renten und Versorgungsbezüge in der Auszahlungsphase.
 
Bis 2004 wurden Versorgungsbezüge (z.B. Pensionen von Beamten und Renten aus der betrieblichen Altersvorsorge) nahezu in voller Höhe besteuert, während Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, berufsständischen Versorgungswerken etc. nur mit dem sog. Ertragsanteil erfasst wurden. Der BFH hatte diese Ungleichbehandlung im Urteil vom 7. Februar 2013 (Az. IV R 83/10; BStBl. II S. 573) für verfassungswidrig erklärt und eine Übergangsphase bis 2040 eingeräumt.
 
Der schrittweise Übergang zur nachgelagerten Besteuerung und zur vollen Berücksichtigung von Altersvorsorgeaufwendungen in der Einzahlungsphase ist notwendig, da es anderenfalls zu Steuerausfällen und Doppelbesteuerungen kommen würde.
 

Der Altersentlastungsbetrag in der Lohnabrechnung

Auf dem Lohnzettel für Arbeitslohn aus einer aktiven Beschäftigung (nicht für Versorgungsbezüge!) wird der monatliche Altersentlastungsbetrag mit einem Zwölftel des Jahresbetrags für diesen Jahreslohn berücksichtigt.
 
Der Altersentlastungsbetrag (also der Prozentsatz und Höchstbetrag) wird dem Arbeitgeber nicht im Rahmen des ELStAM-Verfahrens mitgeteilt. Denn anhand des Geburtsdatums des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber selbstständig prüfen, ob und in welcher Höhe ein Altersentlastungsbetrag in der Lohnabrechnung zu berücksichtigen ist.
 
Wird ein Arbeitnehmer mit Steuerklasse VI abgerechnet, weil er mehrere Arbeitsverhältnisse hat, so ist auch diesem der volle Altersentlastungsbetrag zu gewähren. Im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung erfolgt dann die Korrektur der ggf. zu niedrigen oder mehrfachen Berücksichtigung des Entlastungsbetrags. Wurde mit Steuerklasse IV abgerechnet, besteht die Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung (Pflichtveranlagung, § 46 Abs. 2 Nr. 2 EStG).
 
Versorgungsfreibetrag und Altersentlastungsbetrag können auch nebeneinander gewährt werden, wenn ein mindestens 64 Jahre alter Arbeitnehmer neben seinen Versorgungsbezügen auch Arbeitslohn aus aktiver Tätigkeit bezieht.
 

Der Altersentlastungsbetrag auf Kapitalerträge

Seit 2009 unterliegen Kapitalerträge einem gesonderten Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen, weshalb sie in die Berechnung des Altersentlastungsbetrags nicht einbezogen werden dürfen.
 
Soweit Kapitalerträge aber nicht der Abgeltungssteuer, sondern der tariflichen Einkommensteuer unterworfen werden (auf Antrag oder aufgrund der Art der Kapitalerträge), erhöhen sie die Bemessungsgrundlage für die Berechnung des Altersentlastungsbetrags. 
 
 
  
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zuletzt aktualisiert am 27.06.2014

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