Due Diligence-Prüfung bei kleinen und mittleren Betrieben

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Kleine mittelständische Unternehmen sind häufig nicht prüfungspflichtig. Hier sind im Rahmen einer Due Diligence weitergehende Untersuchungen erforderlich, um fehlende Informationen zur finanziellen Situation zu beschaffen.
 
Deutschland ist, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, die größte europäische Volkswirtschaft. Die deutsche Volkswirtschaft unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung stark von ihren europäischen Nachbarn. 99,6 Prozent aller deutschen Unternehmen (bezogen auf den Anteil von Umsätzen aus Lieferungen und Leistungen und/oder sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) sind als kleine und mittelständische Unternehmen zu klassifizieren.
 
Die bisher sehr guten Ergebnisse der deutschen mittelständischen Unternehmen haben inzwischen auch das Interesse ausländischer Investoren geweckt. Allerdings bestehen Besonderheiten, die gerade in einem Transaktionsprozess eine große Rolle spielen können.
 
Das externe Rechnungswesen ist meist steuerlich geprägt. So steht im Rahmen der Bilanzierung die steuerliche Optimierung im Vordergrund. Zudem erfüllen die Zielunternehmen zum Teil nicht die Größenklassen des § 267 HGB, d.h. sie sind nicht prüfungspflichtig. Hier werden häufig die Jahresabschlüsse von einem Steuerberater erstellt, jedoch nicht auf Plausibilität hin beurteilt. In diesem Fall sind im Rahmen einer Transaktion Prüfungshandlungen erforderlich, die über den üblichen Rahmen einer Financial Due Diligence hinausgehen. Dies kann z.B. auch eine Inventur des Vorratsvermögens sein.
 
Weiterhin wird bei kleineren Unternehmensgruppen häufig auf die Aufstellung eines Konzernabschlusses verzichtet, da in Deutschland die Ausschüttungsbemessungs-, Feststellungs- und Steuerbemessungsfunktion auf den Einzelabschluss abstellt. Hier können Pro-Forma Konsolidierungen vorgenommen werden, um eine Darstellung der Unternehmensgruppe nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erhalten.
 
Auch ist das interne Rechnungswesen, insbesondere bei eigentümergeführten Gesellschaften, meist nicht stark ausgeprägt. Zudem wird selten eine (integrierte) Unternehmensplanung erstellt.
 
In diesem Zusammenhang ist auf den fehlenden Informationsgehalt auf Basis nicht vorhandener Unterlagen hinzuweisen. Hierbei sind beispielsweise Dokumente gemeint, welche die Einbringlichkeit der zweifelhaften Forderungen im Rahmen einer Altersanalyse oder die Zusammensetzung des Vorratsvermögens betreffen. Folglich besteht bei kleinen und mittleren Unternehmen eine höhere Unsicherheit über die Werthaltigkeit der Vermögensgegenstände. Analog ist zu hinterfragen, ob die Risiken aus z.B. Gewährleistungen richtig in der Bilanz abgebildet wurden.
 
Dieses Transparenzrisiko resultierend aus einerseits fehlendem Controllinginstrumentarium und andererseits einem Geschäftsführer, der „die Liquiditätsplanung in der Hosentasche hat”, kann möglicherweise ein unvollständiges Bild vom Zielunternehmen zeichnen. Auch sind die Mitarbeiter in vielen Fällen stark mit Tagesgeschäft ausgelastet und Due Diligence Untersuchungen fokussieren sich wegen der flachen Strukturen meist auf wenige Personen. Dies kann aufgrund von Kapazitätsengpässen zu Verzögerungen und Lücken im Transaktionsprozess führen, die durch den potenziellen Erwerber durch eine größere Anzahl von eigenen Analysen und Untersuchungen geschlossen werden können.
 
Bei kleinen und mittleren Unternehmen ist außerdem erfahrungsgemäß eine hohe Abhängigkeit von Gesellschaftern zu beobachten, die einen erheblichen Einfluss auf die Steuerung des Unternehmens haben. Derartige Abhängigkeiten und Auswirkungen auf die künftige Geschäftsentwicklung müssen ebenfalls beurteilt werden und Gegenstand einer konsistenten Due Diligence-Prüfung sein.
 
Zudem ist empfehlenswert, im Nachgang eines Erwerbs die zum Teil bisher relativ unstandardisierten Unternehmensprozesse anzupassen, damit z.B. vertraglich geregelte Informations- und Reportingpflichten zu den entsprechenden Zeitpunkten und in adäquatem Umfang erfüllt werden können.
 
zuletzt aktualisiert am 21.05.2014

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