Südafrika: „Load shedding” – perfekter Absatzmarkt für PV- und Speichersysteme?

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Eskoms load shedding bedeutet deutliche Einschnitte für die Wirtschaft und den Lebensstandard in Südafrika. Als Reaktion setzen Südafrikaner zunehmend auf Generatoren und vermehrt auch auf Photovoltaik- und Speichersysteme, um sich von der unzuverlässigen Strombelieferung des nationalen Versorgers unabhängig zu machen.
 

Was ist load shedding?

Load shedding ist das neue „Unwort” in Südafrika. Man versteht darunter das seit 2008 immer wieder vollzogene geplante Abschalten des Stroms für meist mehrere Stunden in bestimmten Gebieten des Landes. Grund für die Stromabschaltungen ist der enorme Strommangel in Südafrika, entstanden infolge jahrzehntelanger Vernachlässigung dringend notwendiger Wartungsarbeiten an Kohlekraftwerken, um deren Kapazität aufrechtzuerhalten. Ziel des load shedding ist es, einen landesweiten Blackout zu verhindern. Ein Ende dieser Praxis ist zurzeit nicht in Sicht.
 
Quelle: Central Intelligence Agency, The World Factbook, 2015; https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/sf.html
 

Potenzial für PV- und Speichersysteme

Mit durchschnittlich rund 2.500 Sonnenstunden pro Jahr verfügt Südafrika über ein enormes Potenzial für Solarenergie. Das durchschnittliche Sonneneinstrahlungsniveau liegt zwischen 4,5 und 6,5 kWh pro Quadratmeter und Tag.[1] Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren die Strompreise explodiert sind und parallel der Stromverbrauch kontinuierlich ansteigt.
 
 
Quelle: Department of Energy, Integrated Resource Development Plan for Electricity 2010–2020, Update Report 2013; http://www.doe-irp.co.za/
 
Allein die genannten Aspekte machen Südafrika schon zu einem attraktiven Absatzmarkt für PV- und Speichersysteme. Load shedding setzt darüber hinaus industrielle und private Stromverbraucher unter Druck, jetzt tätig zu werden, um sich eine ununterbrochene Stromversorgung zu sichern. Zwar sind auch in anderen afrikanischen Ländern Stromausfälle nicht unüblich, doch ist die Akzeptanz in Südafrika nach der jahrelangen Verlässlichkeit der Energieversorgung sehr gering. Insbesondere die Städte Johannesburg und Kapstadt bieten aufgrund der hohen Zahl zahlungskräftiger potenzieller Abnehmer einen besonders lukrativen Absatzmarkt für PV-Systeme. Schätzungen zufolge verfügen rund drei Millionen Haushalte in Südafrika über die finanziellen Mittel, um sich Solardachanlagen leisten zu können.[2] Da load shedding vor allem auch abends stattfindet, sind Speicher unverzichtbar, weshalb die Südafrikaner sie trotz der aktuell noch hohen Anfangsinvestition nachfragen.
 

Regulatorische Rahmenbedingungen

Für Anlagen unter < 100 kW besteht eine Anmeldepflicht bei der entsprechenden Gemeinde/Stadt bzw. dem Netzbetreiber. Die Anmeldung setzt kein Genehmigungsverfahren voraus, sondern stellt eine reine Registrierung dar. Einer Stromerzeugungslizenz der Regulierungsbehörde NERSA (National Energy Regulator of South Africa) bedarf es gemäß Schedule II des Energy Regulation Act No. 4 aus dem Jahr 2006 für netzgebundene Eigenverbrauchsanlagen sowie netzunabhängige Anlagen bei nicht-kommerzieller Nutzung nicht.
 
Der Absatzmarkt für PV- und Speichersysteme erfährt aktuell eine zusätzliche Stärkung durch die ersten Schritte zur Netzeinspeisung. Anfang 2015 veröffentlichte die NERSA den Entwurf der Richtlinie „Small-Scale Embedded Generation: Regulatory Rules” zur öffentlichen Kommentierung. Die Richtlinie sieht die Einführung eines landesweiten Net-Metering-Verfahrens für private und kommerzielle Kunden für Anlagen < 1 MW vor. Aktuell warten alle Akteure in Südafrika auf das Inkrafttreten dieser Regelungen.
 
Aufgrund der Tatsache, dass einheitliche Regelungen zur Netzeinspeisung immer noch fehlen, entschlossen sich einige Städte wie z. B. Kapstadt und Durban, eigene Einspeiseregelungen einzuführen; sie sind der NERSA somit einen Schritt voraus. Die von der Stadt Kapstadt bereits 2014 erlassene erste Richtlinie zur Netzeinspeisung findet, ebenso wie die darin enthaltenen Einspeisetarife, jedoch nur Anwendung auf Stromnettoverbraucher, d. h. solche, die mehr Strom aus dem Netz beziehen, als sie selbst einspeisen. Das können sowohl kommerzielle als auch private Stromerzeuger sein, solange die Leistung < 1 MW beträgt.[3]
 

Allgemeine Hinweise für den Markteinstieg

An einem Markteintritt in Südafrika interessierte Unternehmen sollten sich bereits frühzeitig mit einigen Besonderheiten des Marktes auseinandersetzen. In Südafrika ist es besonders wichtig, einen guten lokalen Partner zu identifizieren, egal ob man zunächst nur den Vertrieb im Auge hat oder gleich die Gründung einer lokalen Gesellschaft anstrebt. Die Gründung einer haftungsbeschränkten Gesellschaft (sog. Pty Ltd) ist in Südafrika unkompliziert. Allerdings stellen die sog. „Broad-Based Black Economic Empowerment”- (B-BBEE-)Gesetze eine Herausforderung für ausländische Investoren dar. B-BBEE dient dazu, lokale Unternehmer und Arbeitnehmer aus den während der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsschichten in die Wirtschaftsabläufe des Landes einzubinden und die lokale Wertschöpfung zu fördern. Für einen ausländischen Investor ist B-BBEE vor allem dann von großer Bedeutung, wenn öffentliche Ausschreibungen oder die Belieferung von Großkunden im Fokus stehen. Die Partnerschaft mit einem südafrikanischen Unternehmen, das einen guten B-BBEE-Status vorweisen kann, ist daher ein guter Weg, um erfolgreich zu sein. Allerdings sollte stets eine sorgfältige Due-Diligence durchgeführt werden, da der Bedarf natürlich auch ein Angebot schafft, aber nicht jeder lokale Partner die eingangs versicherten Attribute tatsächlich mitbringt. Auch das Immigrationsrecht stellt mittlerweile eine echte Hürde dar. Insofern ist eine intensive Vorbereitung und Beratung notwendig, wenn Sie als Investor ausländische Arbeitskräfte in Südafrika einsetzen wollen.
 
Aufgrund seines guten Investitionsklimas und des wirtschaftlichen Vorsprungs vor anderen afrikanischen Wachstumsmärkten ist Südafrika immer noch das bevorzugte Einstiegsland auf dem Kontinent und ein ideales Sprungbrett für die Erschließung weiterer afrikanischer Märkte. Die dezentrale Energieversorgung wird in Afrika auch mittel- bis langfristig ein wichtiges und chancenreiches Thema bleiben.
 

[1] Südafrikanisches Energieministerium (2014); http://www.energy.gov.za/files/renewables_frame.html

[2] Deutsche Industrie- und Handelskammer für das Südliche Afrika, Zielmarktanalyse Südafrika, Photovoltaik Aufdachanlagen 2015; https://www.export-erneuerbare.de/EEE/Redaktion/DE/Downloads/Publikationen/AHK_Zielmarktanalysen/zma_suedafrika_2015_pv.pdf?__blob=publicationFile&v=2.

[3] Urban Earth, City of Cape Town launches small scale embedded energy generation guidelines and tariff, 2014; http://urbanearth.co.za/articles/city-cape-town-launches-small-scale-embedded-energy-generation-guidelines-and-tariff

 
zuletzt aktualisiert am 24.09.2015
 

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