Erfolgreich investieren in Kasachstan

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Kasachstan ein?

Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) hat im Jahr 2019 sowohl die internationalen Prognosen (Economist Intelligence Unit), als auch die Prognosen der kasachischen Regierung übertroffen und betrug 4,5 Prozent – was über dem Vorjahresergebnis (4,1 Prozent) liegt. Angetrieben wurde das Wirtschaftswachstum von den Bereichen Bau und Industrie, v.a. vom Bereich Erdöl und Gas. Im vergangenen Jahr ist eine stabile Steigerung der direkten ausländischen Investitionen, größtenteils in der Industrie, hervorzuheben.

Zu Beginn des Jahres 2020 war auch eine gute Wachstumsdynamik der Wirtschaft Kasachstans festzustellen: Eine Abschwächung der Inflationsraten sowie das Wachstum des Produktionsumfangs in den wichtigsten Bereichen der Wirtschaft und des privaten Konsums verfestigten sich.

Die globale Coronavirus Pandemie und der drastische Einbruch des Erdölpreises im internationalen Maßstab haben derzeit jedoch erhebliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Kasachstans.

Trotz verschiedener Interventionen der Zentralbank des Landes zur Aufrechterhaltung der Stabilität der Landes­währung, stieg der Wechselkurs des US-Dollars zum kasachischen Tenge im März 2020 um 15 Prozent. Eine weitere Abschwächung der Landeswährung ist trotz der vereinbarten Senkung der Erdölförderung durch die Opec+ Staaten zu erwarten.

Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Quarantänemaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in der Republik Kasachstan abzumildern, hat die Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung von Einzel­unternehmern und Unternehmern festgelegt, so u.a. Steuervergünstigungen und Vergünstigungen im Zollverfahren.

Die aktuellen Ereignisse schwächen die Wirtschaft des Landes, die Geschäftstätigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen vermindert sich und die Exportnachfrage geht zurück. Nach vorläufigen Schätzungen hat China z.B. – als der wichtigste Importeur des kasachischen Erdgases – in den ersten zwei Monaten des Jahres 2020 etwa 20 Prozent weniger Erdgas gekauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Derzeit werden daher die Entwicklungs­tendenzen der kasachischen Wirtschaft durch die Erdölpreise und die Entwicklung der Pandemie bestimmt.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Kasachstan beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Heutzutage ist in Kasachstan ein günstiges Geschäftsklima festzustellen, das mit politischer Stabilität einhergeht. Das sind Schlüsselfaktoren, die ausländische Investoren anziehen. 2019 betrug der Umfang der direkten ausländischen Investitionen im Land 24,1 Mrd. US-Dollar.

Kasachstan arbeitet zielstrebig an der Verbesserung des Investitionsklimas im Land. und die getroffenen Maß­nahmen zeigen bereits gute Ergebnisse. 2019 belegte Kasachstan im World Bank Ranking Doing Business unter 190 Ländern den 28. Platz. Gegenwärtig gibt es in Kasachstan eine progressive rechtliche Grundlage für Investitionen. Der Registrierungsprozess für Investoren wurde vereinfacht, insbesondere wurden das Zoll- und das Steuerverfahren nachgebessert und es wurde eine mehrstufige Verwaltungsinfrastruktur für die Unterstützung der Investoren aufgebaut.

Heute fließen die meisten Investitionen in die Bereiche mit dem größten Potenzial, wie z.B. Bergbau und verar­beitende Industrie, Chemie und Petrochemie, Lebensmittelindustrie, Maschinenbau und Metallurgie. Zu erwähnen sind auch langfristig vielversprechende und für lange Zeiträume ausgelegte Bereiche, wie die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), der Tourismus sowie Finanzen und Versicherungen. Die Regierung von Kasachstan arbeitet weiterhin an der Entwicklung der Investitionsinfrastruktur zur Verbesserung des Investitionsklimas.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Kasachstan gegenüber?

Die meisten Schwierigkeiten haben Unternehmen, die den bürokratischen Aufwand in Kasachstan nicht einkal­kuliert haben. Neben dem meist fehlenden Verständnis für die Erforderlichkeit der Vorlage von zahlreichen Dokumenten erschwert die lokale Rechtspraxis in den Regionen einen zügigen und produktiven Austausch mit Genehmigungsbehörden, aber auch mit lokalen Kunden.

Hinzu kommt eine vglw. wenig transparente gerichtliche Rechtspraxis. Leitentscheidungen zu den wichtigsten wirtschaftlichen und steuerlichen Fragen sind i.d.R. nicht vorhanden, was eine Entscheidungsfindung erschwert.

Migrationsrechtliche Voraussetzungen sind im Laufe der letzten fünf Jahre wesentlich vereinfacht worden. Dennoch müssen bei der Planung der Entsendung von technischem Personal aus Deutschland nach Kasachstan oft eine Vielzahl von lokalen Qualifikationsanforderungen beachtet werden.

Nicht zuletzt trägt die (angesichts der wirtschaftlichen Lage veränderte) Fiskalpolitik des Staates zu steuerlichen Unwägbarkeiten bei. Streitige Fragen des Einbehalts von Quellensteuer werden meist zugunsten des Fiskus entschieden, u.a. unter Zuhilfenahme des Damoklesschwertes der Bankkontenarretierung, um die vermeintlich entstandene Quellensteuerforderung durchzusetzen.


Wie weit ist Kasachstan mit der Digitalisierung?

Im Dezember 2017 hat die Regierung  das staatliche Programm „Digitales Kasachstan” bestätigt, das darauf abzielt, den Einsatz und die Anwendungsdichte der digitalen Technologien zu erhöhen und zu erweitern, um die Landes­wirtschaft weiterzuentwickeln und den Lebensstandard zu verbessern.

Das Programm wird in fünf Schlüsselbereichen umgesetzt:

  • Digitalisierung der traditionellen Wirtschaftszweige,
  • Entwicklung einer elektronischen Infrastruktur staatlicher Leistungen für die Bevölkerung und Unternehmen,
  • Einführung einer modernen Infrastruktur für die Datenübertragung, Datenspeicherung und Datenverarbeitung,
  • verstärkte Anwendung moderner digitaler Technologien im Bildungssektor, bei der Berufsausbildung sowie eine allgemeine Stärkung der digitalen Kompetenz der Bevölkerung insg. und
  • Schaffung eines Umfeldes für die Herausbildung und Entwicklung einer technisch versierten Unternehmenskultur.


Derzeit wurden bei der Einführung der Digitalisierung die besten Ergebnisse bspw. bei staatlichen Leistungen, in der Bildung, im Gesundheitswesen, im Finanzwesen, Verkehr, Bergbau und in der Hüttenindustrie erreicht. Das deutsche Unternehmen SAP hat in dem Bereich die größten Marktanteile.

Im vergangenen Jahr wurden 80,2 Prozent der staatlichen Leistungen in elektronischer Form erbracht. Ebenso erfolgreich funktioniert die elektronische Arbeitsvermittlung. Im Verkehr wurde die Umsetzung des Projekts „Intelligentes Verkehrssystem” gestartet. Die Einführung der digitalen Technologien im Bereich der Brennstoff­energie und der Bergbau- und Hüttenindustrie erfolgt unter Verwendung von Elementen der Technologie Industry 4.0. Für die Entwicklung von Informationstechnologien werden günstige Bedingungen geschaffen. In den letzten zwei Jahren flossen in den IT-Markt von Kasachstan Investitionen in Höhe von rund 69,6 Mio. Euro (Wechselkurs 465,75 Kasachische Tenge, Stand 15. April 2020). Auf der Basis des Technologieparks „Astana Hub” wurden 2019 bei der Entwicklung einer innovativen Zusammenarbeit Kooperationsvereinbarungen über die Zusammenarbeit mit 25 internationalen Organisationen unterzeichnet.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Kasachstan weiterentwickeln?

Wegen der aktuellen Situation auf den Weltmärkten, des schwachen Erdölpreises, des Rückgangs des inter­nationalen Handels und der negativen Auswirkungen der Coronavirus Pandemie auf die Weltwirtschaft wird erwartet, dass die Faktoren das Wirtschaftswachstum Kasachstans verlangsamen. Angesichts der aktuellen Ereignisse ist es recht schwierig, die weiteren Entwicklungstendenzen der kasachischen Wirtschaft vorherzusagen.

Mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass eine mögliche Verringerung der wirtschaftlichen Aktivität in den Ländern der Europäischen Union (EU), Russland und China sowie der Preisverfall für Rohstoffe negative Auswirkungen auf den kasachischen Export und entsprechend auf die gesamte Wirtschaft Kasachstans haben werden.

Unter den jetzigen Umständen wird die konsequente Politik der kasachischen Regierung zur Diversifizierung der Wirtschaft und Verringerung der Rohstoffabhängigkeit des Landes, weitere Entwicklung der Digitalisierung und die Schaffung eines günstigen Geschäftsklimas sowie die Erhöhung der Attraktivität des Landes für Investitionen auch in den kommenden Jahren ihre Priorität behalten.

 Kulturelle Besonderheiten in Kasachstan

Kontakt

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Michael Quiring

Rechtsanwalt

stellv. Niederlassungsleiter, Partner

+7 727 3560 655
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