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Erfolgreich investieren auf den Philippinen

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 5 Minuten



 

 

​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage auf den Philippinen ein?

In einem langen und herausfordernden Jahr stellte der Covid-19-Ausbruch einen großen externen Schock dar und beeinträchtigte die philippinische Wirtschaft erheblich. Angesichts der jüngsten Daten schrumpfte die Wirtschaft des Landes im Jahr 2020 um 9,5 Prozent. Das stellt eine der schwersten Rezessionen unter den ASEAN-Ländern dar. Im Gegensatz dazu wurde vor der Pandemie ein Wirtschaftswachstum von ca. 6 bis 7 Prozent prognostiziert, eines der höchsten unter den ASEAN-Ländern, nach einem Jahrzehnt des robusten Wachstums. Die Zahl der bestätigten Fälle stieg im April 2021 auf eine Gesamtzahl von 884.000. Somit wurde fast genau ein Jahr nach dem ersten „Lockdown” eine zweite „Enhanced Community Quarantine” für die nationale Hauptstadtregion (NCR+) eingeführt. Angesichts der verhängten restriktiven Maßnahmen bis Ende April 2021 und möglicherweise darüber hinaus, bleibt eine nachhaltige Erholung höchst ungewiss. Bis auf Weiteres bleiben die internationalen Grenzen für ausländische Staatsbürger geschlossen und zusätzlich ist die Zahl der Einreisenden auf 1.500 pro Tag begrenzt. Die Wiedereröffnung erfolgt schrittweise und wird genau überwacht.  

Es wird mit weitreichenden weiteren Covid-Effekten gerechnet, die bspw. den privaten Konsum, die Industrie­tätigkeit und die Netto-Exporte dämpfen. Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf den privaten Konsum und andere Wirtschaftsindikatoren lassen sich aus der Analyse und Erfahrung vergangener Naturkatastrophen und exotischer Krisen ableiten. Nach solchen Ereignissen waren die Philippinen stets in der Lage, sich relativ schnell wieder auf das Vorkrisenniveau zu erholen.

Im November 2020 stellten die Philippinen einen Fahrplan für die Einführung des Covid-19-Impfstoffs vor, der die am stärksten gefährdeten Gruppen priorisiert, wie Mitarbeiter des Gesundheitswesens an vorderster Front und gefährdete Gruppen, die nach Alter und Gesundheitszustand bestimmt werden. Im ersten Quartal 2021 startete die philippinische Regierung landesweite Impfprogramme.


Wie würden Sie das Investitionsklima auf den Philippinen beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Vor der Pandemie konnten die Philippinen ihre ausländischen Direktinvestitionen kontinuierlich steigern, was nicht nur mit dem großen (Verbraucher-)Markt zusammenhängt, sondern auch mit der kontinuierlichen Liberalisierung und Verbesserung der Marktbedingungen für „doing business”. Im Jahr 2021 verabschiedeten die Philippinen ihre größte Steuerreform in der Geschichte, die die Körperschaftssteuer von einer der höchsten in ASEAN auf 25 Prozent (20 Prozent für kleine Unternehmen) senkte und ein neues wettbewerbsfähiges Investitionsanreizsystem einführte. Die Steuerreform dient als ein Element des philippinischen Konjunktur­pakets. Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis sich das Land von der Pandemie erholt hat, könnten die Philippinen einer der Nutznießer des „New Normal” sein, bei den bestimmten Aufgaben nicht unbedingt von einem gezielten Ort aus erledigt werden müssen. Die Philippinen waren bereits vor der Pandemie eines der führenden Länder der Welt in Bezug auf „Business Process Outsourcing” (BPO) und „Knowledge Process Outsourcing” – Sektoren, die auch während der Pandemie stark bleiben und auch Teil der neuen Investitionen während der Zeit waren. Weitere Sektoren, die weiterhin stark sind, sind das Baugewerbe und die Infrastruktur, in die die Regierung im Kontext des Covid-19-Wiederaufbaupakets erneut erheblich investiert hat. Andere vorrangige Sektoren sind medizinische Produkte, die Lieferung von Arzneimitteln sowie die exportorientierte Fertigung.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement auf den Philippinen gegenüber?

Dass die Philippinen ein in den vergangenen Jahren häufig unterschätztes, großes Potential besitzen, sich zum nächsten bzw. erneuten „Asian Tiger” aufzuschwingen, steht außer Frage. Dem gegenüber stehen die Heraus­forderungen vieler asiatischer Schwellenländer, die ebenfalls nicht verschwiegen werden dürfen. Dazu zählen die relativ schwache Infrastruktur des Landes, insbesondere in ländlichen Gebieten, und damit verbunden das Fehlen einer stabilen Energieversorgung und verlässlicher Kommunikationsmittel zu international wett­bewerbs­fähigen Preisen. Die Regierung ist sich der Herausforderung bewusst und hat sich zum Ziel gesetzt, jährlich etwa 6 Prozent des BIP in die Infrastrukturverbesserung zu investieren.

Eine weitere Herausforderung ist die Bürokratie im Zusammenhang mit den investitionsrechtlichen Rahmenbe­dingungen für das „Doing Buiness” in den Philippinen. Die Behörden arbeiten in einigen Bereichen nach wie vor papier- bzw. kontaktbasiert und wenig digitalisiert. Hinzu kommt, dass die Behörden zwar zunehmend – aber nach wie vor zu selten – ihre Verwaltungsverfahren und Ausführungsvorschriften aufeinander abstimmen. Im Zusammenhang mit Covid-19 waren bzw. sind die Behörden allerdings zur Digitalisierung gezwungen. Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten konnten größere Fortschritte erzielt werden, die vor Covid-19 kaum denkbar waren. Die Pandemie und der damit verbundene Slogan „Heal as One” haben dazu geführt, dass aktuell leichter praktikable Lösungen zu behördlichem Red-Tape gefunden werden können, als das noch vor wenigen Monaten der Fall war.


Die Philippinen sollen in den nächsten Jahrzehnten zum fünftgrößten Wirtschaftsstandort in Asien aufsteigen. Wie realistisch ist die Prognose?

Die Prognose basiert auf Studien verschiedener internationaler Institutionen, Banken und Organisationen. Eine der Wirtschaftsprognosen schreibt den Philippinen zu, bis 2050 die 18. größte Volkswirtschaft der Welt zu werden. Gemessen am nominalen BIP lagen die Philippinen bereits vor der Pandemie auf Platz 30 der Welt. Die Philippinen haben nicht nur eine der am schnellsten wachsenden Bevölkerungen und einen der größten Verbrauchermärkte in Asien, das Land ist auch reich an natürlichen Ressourcen und hat eine der jüngsten und relativ gut ausgebildeten Arbeitskräfte der Welt. Zudem sind die Philippinen (noch) relativ unterentwickelt im Vergleich zu dem Potenzial, das das Land bietet. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Philippinen vom Entwicklungsland zum Industrieland aufsteigen, um ihre Produktivität und den kumulierten Wohlstand ihrer Bevölkerung zu steigern. Ein Schlüsselfaktor, um das Ziel zu erreichen, wird die unterentwickelte Infrastruktur des Landes sein. Eine Herausforderung, die die philippinische Regierung erkannt hat und in die sie, der private Sektor, Investoren und die Bevölkerung stark investieren. Das Wachstum des Landes wird jedoch auch maßgeblich von einer wichtigen Wahl im Jahr 2022 abhängen, die die Weichen für die Philippinen stellen wird – wahrscheinlich nicht nur für die nächsten sechs Jahre der Amtszeit des Präsidenten, sondern für die kommenden Jahrzehnte.


Wie werden sich aus Ihrer Sicht die Philippinen weiterentwickeln?

Mit Blick auf die Zukunft wird erwartet, dass der „Corporate Recovery and Tax Incentives for Enterprises” (CREATE) Act und die „Regional Comprehensive Economic Partnership” (RCEP) wesentlich zur Entwicklung und Unterstützung der Pandemieerholung beitragen werden.

Das neu unterzeichnete CREATE-Gesetz, das am 1. Juli 2021 in Kraft tritt, reduziert die Körperschaftssteuer um 25 bzw. 20 Prozent und zielt darauf ab, steuerliche Anreize zu rationalisieren, um Unternehmen bei der Erholung von den Auswirkungen der Pandemie zu unterstützen.

Die ASEAN-Mitgliedsstaaten haben zusammen mit Australien, China, Japan, Korea und Neuseeland das RECP im November 2020 unterzeichnet. Von den Philippinen wird erwartet, dass sie in den nächsten zehn Jahren von dem RECP-Handelsabkommen profitieren werden.

Durch den Fokus auf die digitale Wirtschaft und neue Wachstumssektoren sowie die Gewinne aus dem RECP- und CREATE-Abkommen wird erwartet, dass die philippinische Wirtschaft mittelfristig gestärkt wird. Das Abkommen unterstützt potenziell einen inklusiven und nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung nach Covid-19, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Stärkung der regionalen Lieferkette.

 Kulturelle Besonderheiten in den Philippinen

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Dr. Marian Norbert Majer

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​Dr. Marian Majer, Leiter der
Rödl & Partner Niederlassung auf den Philippinen, wurde im April 2019 zum dritten Mal in den Vorstand und zum zweiten Mal als Vizepräsident der Deutsch-Philippinischen Industrie- und Handels­kammer gewählt. Mehr »

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