Mittelstandsanleihe vs. Schuldscheindarlehen

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International expandierende deutsche Unternehmen richten ihr Augenmerk vermehrt auf Alternativen zum klassischen Bankkredit ihrer Hausbank, wenn es darum geht, ihren Finanzierungsbedarf zu decken. In erster Linie stehen Mittelstandsanleihen und Schuldscheindarlehen als Alternativen zur Verfügung. Sie helfen, die eigene Unternehmensfinanzierung zu diversifizieren und die Abhängigkeit gegenüber einer einzelnen Kapitalquelle oder Bank zu vermindern. Mittelstandsanleihe und Schuldscheindarlehen eignen sich gleichermaßen für mittelständische Unternehmen von guter Bonität und einer nachhaltig positiven Cashflow-Situation. Zwischen beiden Instrumenten bestehen jedoch deutliche Unterschiede, wie die nachfolgende Gegenüberstellung zeigt:
 

Schuldscheindarlehen​

Mittelstandsanleihe​

Externes Rating​

Nicht erforderlich​ Zwingend erforderlich​

Publizität​

Gering​ Hoch, wegen Börsennotierung​

Informations-anforderungen​

Überschaubar (Finanzierungsexposé)​ Hohe Anforderungen (Wertpapierprospekt)​

Vertragsgestaltung​

Überschaubares Vertragswerk in dt. Sprache​ Umfangreiches Vertragswerk in dt. Sprache​

Transaktionsbedingter Arbeitsaufwand/Kosten​

Gering / 2-3 %​ Hoch / 4-5%​

Sicherheiten​

I.d.R. blanko​ I.d.R. blanko​

Covenants​

Fallweise​ Fallweise​

Beträge​

Ab 10 Mio. Euro​ Ab 10 Mio. Euro​

Laufzeiten​

Meist 3-7 Jahre, i.d.R. endfällig​ Meist 5 Jahre, i.d.R. endfällig, vereinzelt Sonderkündigungsrechte​

Investoren​

Banken, Sparkassen, Versicherungen, Vorsorgekassen​ Vermögensverwalter, Privatanleger ​
 
Aus Unternehmersicht sind die Abweichungen bei der jeweils notwendigen Dokumentation im Zuge einer Emission augenfällig. Die Zusammenstellung des Emissionsprospekts für Anleihen erfordert einen gewissen Aufwand und ist tendenziell komplexer als die Dokumentation für die Platzierung von Schuldscheindarlehen. Hier sind die zur Emission erforderlichen Verträge eher standardisiert. Insgesamt müssen Unternehmer zudem bereit sein, mehr Informationen einem deutlich größeren Adressatenkreis zur Verfügung zu stellen – wodurch umgekehrt der Bekanntheitsgrad des Unternehmens markant erhöht wird.
 
Bei den Schuldscheindarlehen handelt es sich um anleiheähnliche Kredite, die nur bei einem begrenzten Anlegerkreis platziert werden. In der Regel werden Vermögenswerte – anders als beim herkömmlichen Bankdarlehen – nicht belastet und stehen dem Unternehmen weiterhin zur Verfügung. Somit verbindet der Schuldschein viele Vorteile der Mittelstandsanleihe mit der Diskretion des herkömmlichen Bankkredits. Für Unternehmer kann es sehr vorteilhaft sein, dass Investoren frei gewählt werden und damit nicht anonym auftreten. Die Anforderungen der Investoren an die Bonität der Schuldner sind aber deutlich höher, als dies für die Emittenten von Mittelstandsanleihen der Fall ist. Dafür liegen die Zinsen in der Regel etwas niedriger als bei einer vergleichbaren Anleihe.
 
Anleihen sind börsenfähige und somit leicht verhandelbare Wertpapiere. Schuldscheindarlehen hingegen können nur im Wege der Abtretung von einem Gläubiger auf einen anderen übertragen werden. Da ein organisierter Handel für sie nicht besteht, werden sie zumeist „over the counter” zwischen wenigen Marktteilnehmern gehandelt.
 
Welches Instrument letztlich für wen und in welcher Situation geeignet ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Damit das passende Instrument gefunden werden kann, sollten jedoch mindestens die folgenden Punkte durchdacht werden:
  • Kapitalbedarf und Finanzierungshorizont
  • Bereitschaft, unternehmensrelevante Daten zu veröffentlichen
  • Emissionskosten
  • Folgepflichten
 
Aufgrund des Umfangs der Dokumentation und der geforderten Publizität kann man die (erstmalige) Emission einer Anleihe auch als „kleines IPO” bezeichnen. Wie ein Börsengang eröffnet auch die Fremdkapitalaufnahme dem Unternehmen durch Begebung einer Anleihe den Zugang zum Kapitalmarkt. Wer erfolgreich eine Anleihe platziert, wagt vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt auch den Börsengang.
 
Demgegenüber ist die Emission eines Schuldscheindarlehens in der Vorbereitung übersichtlicher und über die Laufzeit hinweg mit geringeren Publizitätsanforderungen verbunden. Investoren haben weniger Möglichkeiten, Chancen und Risiken der angebotenen Kapitalanlage zu bewerten. Schuldscheindarlehen eignen sich deshalb eher für „bekannte Adressen”, die etwa durch einen Börsengang oder eine Anleiheemission am Kapitalmarkt bereits vertreten sind.
 
zuletzt aktualisiert am 2.4.2014

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