Bilanzielle und steuerliche Aspekte der Mittelstandsfinanzierung

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Auch aus bilanzieller und steuerlicher Sicht bestehen Stellschrauben, um die Finanzierung passgenau und bedarfsgerecht zu strukturieren. Je nach Ausgestaltung der Finanzierung kann aus bilanzieller Sicht Eigen- oder Fremdkapital vorliegen. Dies hat Auswirkungen auf Unternehmensratings, Finanzierungs-Covenants und mithin auf die Wahrnehmung potenzieller Investoren und Anteilseigner. Auch steuerliche Aspekte sind bei der Finanzierungsentscheidung zu beachten, da die Wahl der Finanzierungsform u.a. über die Höhe der zu zahlenden Steuern entscheidet.
 
Im Folgenden wird daher fokussiert auf die Voraussetzungen der Bilanzierung von Fremd- und Eigenkapital in Handelsbilanzen (HGB) eingegangen, bevor mögliche Finanzierungsformen vorgestellt sowie deren handels- und steuerrechtlichen Auswirkungen sowie Regelungen skizziert werden.
 

1. Eigenkapital oder Fremdkapital?

Handelsbilanzielles Eigenkapital liegt in der Regel vor, wenn die folgenden Kriterien kumulativ erfüllt sind:
  • Nachrangigkeit,
  • Erfolgsabhängigkeit der Vergütung,
  • Teilnahme am Verlust bis zur vollen Höhe,
  • Längerfristigkeit der Kapitalüberlassung.
 
Nachrangigkeit ist gegeben, wenn im Insolvenz- oder Liquidationsfall ein Rückzahlungsanspruch des Kapitalgebers erst nach Befriedigung aller anderen Gläubiger, deren Kapitalüberlassung nicht den Kriterien für einen Eigenkapitalausweis genügt, geltend gemacht werden kann. Der Kapitalgeber läuft Gefahr, im Falle der Insolvenz sein gesamtes Engagement zu verlieren. Dabei gilt für den Kapitalgeber wirtschaftlich der Grundsatz: Je höher das Risiko des Verlustes seines Eigenkapitals, desto höher ist die Erwartung an mögliche künftige Gewinne der Gesellschaft.
 
Erfolgsabhängigkeit der Vergütung liegt vor, wenn sichergestellt ist, dass spezifische Kapitalerhaltungsregelungen, wie sie bspw. bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Aktiengesellschaften gegeben sind, nicht umgangen werden können. Ausschüttungen sind nur aus erwirtschaften Gewinnen und nicht aus Haftungsvermögen möglich.
 
Durch die Bedingung „Teilnahme am Verlust bis zur vollen Höhe” wird erreicht, dass das Haftungskapital nach allen anderen Kapitalbestandteilen für den Ausgleich von Verlusten herangezogen wird.
 
Längerfristigkeit der Kapitalüberlassung ist dann gegeben, wenn über einen bestimmten Zeitraum für Kapitalgeber und Unternehmen eine Rückzahlung ausgeschlossen ist.
 
Das Steuerrecht enthält keine konkreten Bestimmungen zur Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital, sodass aufgrund der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz grundsätzlich den handelsrechtlichen Wertungen gefolgt wird. Die Finanzverwaltung verlangt jedoch für die Qualifizierung von Finanzierungsinstrumenten als Eigenkapital in Anlehnung an § 8 Absatz 3 Satz 2 KStG eine Beteiligung am Liquidationserlös, das heißt an den stillen Reserven.
 

2. Hybride Finanzinstrumente

Hybride Finanzinstrumente weisen sowohl Fremd- als auch Eigenkapitalmerkmale auf. Zu diesen zählen insbesondere stille Beteiligungen, partiarische Darlehen, Nachrangdarlehen und Genussscheine sowie Wandel- und Optionsanleihen.
 
Wandel- und Optionsanleihen sind in Abhängigkeit der Ausübung des Wandlungsrechts bzw. der Optionsausübung Fremd- oder Eigenkapital.
 

3. Wesentliche steuerrechtliche Regelungen bei der Mittelstandsfinanzierung

Risiko des Verlustuntergangs bei Eigenkapitalfinanzierungen

Eigenkapitalfinanzierung bedeutet, dass Anteile an einer Kapitalgesellschaft erworben werden. Damit geht das Risiko einher, dass bisher nicht genutzte Verluste des zu finanzierenden Unternehmens (anteilig) untergehen (sog. schädlicher Beteiligungserwerb, § 8c KStG). Ein schädlicher Beteiligungserwerb liegt vor, wenn
  • innerhalb eines fünfjährigen Überwachungszeitraums
  • mehr als 25 Prozent (jedoch nicht mehr als 50 Prozent) beziehungsweise mehr als 50 Prozent
  • des gezeichneten Kapitals, der Mitgliedschaftsrechte, der Beteiligungsrechte oder der Stimmrechte an einer Körperschaft
  • an einen Erwerber, an diesen nahestehende Personen oder an eine Gruppe von Erwerbern mit gleichgerichteten Interessen
  • unmittelbar oder mittelbar übertragen werden.
 
Bei einem Beteiligungserwerb von mehr als 25 Prozent kommt es zu einem anteiligen bzw. von mehr als 50 Prozent zu einem vollständigen Untergang der bis zum Beteiligungserwerb nicht genutzten Verluste.
 
Dem schädlichen Beteiligungserwerb ist eine Kapitalerhöhung gleichzusetzen, bei dem bspw. neu eintretende Gesellschafter mehr als 25 Prozent der Anteile nach der Kapitalerhöhung halten. Des Weiteren werden von § 8c KStG auch dem Anteilserwerb vergleichbare Sachverhalte wie bspw. der Erwerb von EK-Genussscheinen erfasst. Die Regelung des § 8c KStG findet darüber hinaus bspw. auch Anwendung bei Wandel- bzw. Optionsanleihen, sobald es zu einem Erwerb der Anteile am Unternehmen kommt.
 
Die Regelung des § 8c KStG sieht ein paar Ausnahmen vom Verlustuntergang vor, welche sich unter den Schlagworten Konzernklausel und Stille-Reserven-Klausel zusammenfassen lassen.
 

Beschränkung des Abzugs von Zinsaufwendungen

Die Fremdfinanzierung bietet die Möglichkeit den Gewinn und somit die Steuerbelastung des Unternehmens aufgrund der Abzugsfähigkeit der Zinsaufwendungen als Betriebsausgabe zu reduzieren. Das deutsche Steuerrecht sieht aus diesem Grund bereits seit längerem eine Beschränkung des Zinsausgabenabzugs vor. Seit dem Jahr 2008 wird der steuerliche Zinsausgabenabzug für einkommen- bzw. körperschaftsteuerliche Zwecke maßgeblich durch die sogenannte Zinsschrankenregelung (§ 4h EStG, § 8a KStG) geregelt.
 
Die Zinsschrankenregelung sieht im Grundsatz vor, dass die Nettozinsaufwendungen eines Betriebs im jeweiligen Veranlagungszeitraum nur noch in Höhe von 30 Prozent des „steuerlichen EBITDA” des jeweiligen Betriebs abgezogen werden können. Das steuerliche EBITDA ermittelt sich aus dem steuerpflichtigen Gewinn des jeweiligen Betriebs, erhöht um steuerlich wirksame Sofortabschreibungen geringwertiger Wirtschaftsgüter (§ 6 Absatz 2 EStG), aufwandswirksame Auflösungen des Sammelpostens (§ 6 Absatz 2a EStG) sowie Absetzungen für Abnutzung (§ 7 EStG) und korrigiert um das Zinsergebnis.
 
Die Zinsschranke findet in folgenden drei Fällen keine Anwendung:
  • der Nettozinsaufwand des Betriebs beträgt weniger als 3 Mio. Euro (Freigrenze);
  • der in Frage stehende Betrieb gehört nicht oder nur anteilsmäßig zu einem Konzern;
  • der Betrieb gehört zu einem Konzern und seine Eigenkapitalquote unterschreitet die Eigenkapitalquote des Konzerns um nicht mehr als 2 Prozentpunkte (sogenannter Eigenkapitalvergleich).
 
Bei mittelständischen Unternehmen dürfte regelmäßig die Freigrenze von 3 Mio. Euro nicht überschritten sein, sodass das Thema Zinsschranke keine ausgeprägte Relevanz haben sollte.
 
zuletzt aktualisiert am 2.4.2014

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