Financial Due Diligence bei Familienunternehmen: Was Finanzinvestoren besonders unter die Lupe nehmen

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zuletzt aktualisiert am 14. März 2018

Der durch Familienunternehmen geprägte Mittelstand rückt immer mehr in den Fokus von Finanz­investoren. Für die betroffenen Familienunternehmen birgt ein Verkaufsprozess neue Herausfor­derungen mit Chancen und Risiken. Wichtigste Voraussetzung, um diese zu nutzen bzw. zu vermeiden, ist zu wissen, wo (Finanz-)Investoren bei einer Due Diligence besonders genau hinschauen.
 


In den meisten Familienunternehmen ist das Management durch einige wenige Familienmitglieder besetzt. Daraus ergibt sich eine personenbezogene Zentrierung der Leistungs- und Führungsfunktion. Ein „Vier-Augen-Prinzip” und wichtige Kontrollprozesse sind nicht oder nur rudimentär vorhanden. Hierdurch kann die Aussagekraft der vorgelegten Zahlen in den Jahresabschlüssen gemindert sein. Die Untersuchung der vorgelegten Zahlen auf ihre Verlässlichkeit ist daher ein Schwerpunkt der Due Diligence.
 
Die Verflechtung beeinflusst in den meisten Fällen auch die Erfolgsfaktoren des Unternehmens wesentlich. Hierbei werden den persönlichen Beziehungen der Unternehmenseigner (vor allem Kundenbeziehungen) und deren Ausmaß das größte Interesse der Investoren zuteil. Es wird versucht, die Übertragbarkeit der Ertragskraft bei Wegfall des familiären Engagements abzuschätzen.
 
Aufgrund der engen Verflechtung zwischen Familie und Unternehmen sind die Beziehungen zu nahestehen­den Personen von besonderer Bedeutung. Häufig werden zum Beispiel wesentliche Bestandteile des Anlage­vermögens im Privatvermögen der Familie gehalten, wodurch eine Abgrenzung betrieblicher und privater Sphäre nicht immer trennscharf ist. Diese können unmittelbare Auswirkungen auf die Ertrags- und Ver­mögens­lage haben und werden korrigiert. Im Vordergrund für den potenziellen Käufer stehen Markt­üblichkeit, kaufmännische Notwendigkeit, Vergütungen der Familienmitglieder sowie Regelungen bzgl. der Gewinn­verwendungen. Um Kaufpreisverlusten durch Überraschungen aus der Due Diligence entgegen­zuwirken, sollte die Ertragslage bereits im Vorfeld vom Verkäufer auf solche Normalisierungs­sachverhalte untersucht und bereinigt bzw. argumentativ vorbereitet werden.
 
Familienunternehmen weisen gelegentlich einen durch Gesellschafterdarlehen geprägten hohen Fremd­kapitalanteil auf. Zudem bringen Gesellschafter oft Bürgschaften und weitere private Sicherheiten ein. Alternativ werden auch betriebliche Sicherheiten für andere unternehmerische Aktivitäten hergegeben. Bei der Analyse der Finanzverschuldung sollten diese Punkte adressiert und im Rahmen der Transaktions­strukturierung gelöst werden. Da Familienunternehmen nur selten ein (vollständiges) Planungssystem vorhalten, werden die Plausibilität und Abstimmbarkeit von künftiger Finanz-, Vermögens- und Ertragslage mit besonderer Sorgfalt analysiert und kritisch hinterfragt. Empfehlenswert ist daher, im Vorfeld der Transaktion eine solche integrierte Planung zu erstellen und als Verhandlungsgrundlage in die Verhandlungen einzubringen.
 
Finanzinvestoren analysieren bei der Due Diligence sehr genau und tief. Eine gute Vorbereitung seitens des Verkäufers hilft, die Kontrolle im Transaktionsprozess aufrecht zu erhalten und damit die eigenen Interessen besser durchzusetzen.

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Peter Längle

Diplom-Ökonom, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Wirtschaftsmediator

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