Kommentar: Der Wirtschaftsprüfungsmarkt ist weiter im Umbruch

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zuletzt aktualisiert am 30. April 2020 | Lesedauer ca. 2 Minuten


Im deutschen Wirtschafts­prüfungs­markt verstärken sich die bereits seit Jahren sicht­baren Veränderungsprozesse in Richtung Konzentration und Spezialisierung.



Die wesentlichen Treiber dieser Veränderung sind vier Bereichen zugeordnet:

  • die in 2014 angestoßene gesetzliche Regulierung zur Prüfung und Beratung von kapitalmarktorientierten Unternehmen,
  • die Überalterung des Berufsstands und die stagnierende Zahl neuer Wirtschaftsprüfer,
  • die Digitalisierung und
  • die Anforderungen des Marktes.

 

Die praktischen Erfahrungen mit der Regulierung zur Prüfung und Beratung von kapitalmarktorientierten Unternehmen, den sog. Public Interest Entities (PIE), zeigen ein unterschiedliches Bild. Im Bereich Prüfung profitieren größtenteils die bereits in dem Segment tätigen Prüfungsgesellschaften von der Rotation. Anders sieht es im Bereich der Beratung aus. Durch die Begrenzung der beim Abschlussprüfungsunternehmen eingekauften Beratungsleistungen auf 70 Prozent des über die letzten drei Jahre gemittelten Prüfungshonorars, das Verbot für spezielle Steuerberatungs- und Beratungs­dienst­leistungen durch den Abschlussprüfer und das Verbot von Exklusivverträgen zugunsten der „großen vier” Prüfungsgesellschaften haben sich viele interessante neue Marktchancen für leistungsfähige Prüfungs- und Beratungsunternehmen ergeben. Allerdings profitieren von den Marktchancen nur die Prüfungs- und Beratungsgesellschaften, die im anspruchsvollen Umfeld der Internationalen Rechnungslegung (IFRS) über nachhaltige fachliche und personelle Kompetenzen verfügen. Im Markt wird geschätzt, dass aktuell nur etwa 30 Prozent der in Summe 14.568 in Deutschland tätigen Wirtschaftsprüfer über entsprechende IFRS-Kenntnisse verfügt. Hinzu kommt, dass von den 12.000 WP-Praxen zum 31. Dezember 2018 nur noch 3.230 Praxen zur Durchführung gesetzlicher Abschlussprüfungen befugt waren.

Ein extrem nachhaltiger Veränderungstreiber ist die weiter zunehmende Überalterung des Berufsstands und die stagnierende Zahl neuer Wirtschaftsprüfer. Das Durchschnittsalter deutscher WPs beträgt inzwischen 55 Jahre. Der Anteil der über 60-jährigen beträgt 4.191 Wirtschaftsprüfer oder 29 Prozent. Gerade für kleinere, wenig spezialisierte WP-Praxen „auf dem flachen Land” wird es zunehmend schwieriger, qualifizierten Berufsnachwuchs für sich zu gewinnen.

Die Digitalisierung ist ein weiterer wichtiger Veränderungstreiber. Viele Unternehmen nutzen Digitalisierung zum Erschließen neuer Geschäftsmodelle, zur Verbesserung ihrer Produkte und Services sowie zur Erhöhung der Effizienz ihrer wesentlichen Geschäfts­prozesse. Dazu brauchen Sie Prüfungs- und Beratungspartner auf Augenhöhe. Das wiederum bedeutet massive Investitionen in Technik, Personal und Qualifizierung, die von kleineren und mittleren WP-Praxen kaum zu stemmen sind.

Seitens des Marktes sind es v.a. drei Entwicklungen, die Auswirkungen auf den Wirtschaftsprüfermarkt haben:

  • Die bereits hohe Internationalisierung der deutschen Wirtschaft.
  • Die durch Marktchancen, strategische Neuausrichtung und Unternehmensnachfolge massiv gestiegene Anzahl an M&A- sowie Restrukturierungsprojekten.
  • Und nicht zuletzt der Wunsch vieler Mandanten nach einer leistungsfähigen integrierten Beratung „aus einer Hand” über die Bereiche Recht, Steuern und Wirtschaft hinweg. Schlagworte sind Enterprise Risk Management, Compliance sowie IT-Sicherheit und Datenschutz.

 
Ergebnis der Veränderungsprozesse ist eine weiterhin zunehmende Konzentration im deutschen Wirtschafts­prüfermarkt. Laut der Lünendonkliste 2019 gibt es neben den Big4 inzwischen nur noch drei weitere Unter­nehmen, die über 200 Mio. Euro Umsatz machen (BDO, Rödl & Partner und Ebner Stolz); weitere drei Unter­nehmen kommen über 100 Mio. Euro Umsatz (Baker Tilly, Mazars und Warth & Klein), wobei der Abstand der Nummer acht (Baker Tilly) auf die Nummer sieben (Ebner Stolz) bereits 61,5 Mio. Euro ausmacht. Die Nummer 11 im Markt liegt mit 66 Mio. Euro Umsatz bereits deutlich dahinter.


Die Top zehn der Lünendonkliste vereinen 8,1 Mrd. Euro Umsatz oder 62 Prozent des auf 13 Mrd. Euro geschätzten Gesamtmarktes. Quelle: www.luenendonk.de
 
Die beschriebenen Veränderungstreiber zeigen, welche Erfolgsfaktoren im weiteren Konzentrationsprozess von Bedeutung sein werden. Das sind Größe, Internationalität und breites Leistungsspektrum mit hoher Digitalisierungskompetenz.
 
Wir haben frühzeitig die Weichen zur Nutzung der Chancen aus diesem Veränderungsprozess gestellt. Mit 5.120 Kollegen haben wir bereits heute eine Größe, die uns unsere weitreichende Fach- und Branchen­spezialisierung auszuspielen erlaubt. Dazu gehört auch, dass wir über eine ausgeprägte IFRS-Expertise verfügen. Mit 109 eigenen Niederlassungen in 49 Ländern sind wir für weltweit tätige deutsch­sprachige Unternehmen global aufgestellt. Von Vorteil ist, dass wir ein weltweit einheitliches Unternehmen und KEIN Netzwerk sind. So arbeiten wir bspw. international mit einheitlichen Instrumenten, wie der gleichen Prüfungs­software, und Standards. Mit unseren  Geschäftsfeldern der Rechtsberatung, Steuerberatung, Unternehmens-/IT-Beratung und Wirtschaftsprüfung haben wir eine breit ausgeprägte fachliche Basis für eine Rechtsberatung, Steuerbe­ratung und Wirtschaftsprüfung „aus einer Hand”. Ein gutes Beispiel für die Beratung „aus einer Hand” sind unsere international einheitlichen Due Diligence-Tätigkeiten über die Bereiche tax, legal, financial und commercial. Hinzu kommt unser „Kümmerer”-Prinzip, das dafür sorgt, dass unsere Mandanten immer EINEN verantwortlichen Ansprechpartner haben. Er koordiniert die (weltweite) Leistungserbringung und sorgt für schnelle unbürokratische Wege. Immer dort, wo wir nicht mit eigenen Büros international vertreten sind, nutzen wir unsere Partner der „German Professional Services Alliance (GPSA)”, die wir im Dezember 2019 errichtet haben. Digitale Kompetenz sehen wir als Schlüsselerfolgsfaktor und haben unser Unternehmen entsprechend ausgerichtet. Mit unserer „Rödl Private Cloud” verfügen wir – egal wo auf der Welt – über die denkbar modernste IT- und Kommunikations­infrastruktur. Unser eigenes Systemhaus, die „Rödl Global Digital Services” zählt mit 165 Mitarbeitern in 12 Ländern zu den großen Anbietern in Deutschland. Viele unserer typischen Prüfungs- und Beratungsleistungen sind bereits digitalisiert und unsere Mitarbeiter verfügen über die notwendigen digitalen Qualifikationen.

So betrachtet sehen wir uns unverändert gut gerüstet, unseren eigenen Weg des organischen nachhaltigen Wachstums zu gehen. Die beschriebenen Veränderungen im Wirtschaftsprüfermarkt sehen wir nicht nur als Chance, sondern auch als Motor für unsere künftige Entwicklung.

Kontakt

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Martin Wambach

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Umweltgutachter, IT-Auditor IDW

Geschäftsführender Partner, Chief Digital Officer

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