Informations- und Telekommunikationstechnologien in Afrika – unausgeschöpftes Potenzial?

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Für 2014 wird ein Wirtschaftswachstum für den afrikanischen Kontinent von durchschnittlich 5,3 Prozent erwartet. Einer der interessantesten Sektoren, dessen Entwicklung vom stetig steigenden Wirtschaftswachstum in einer Vielzahl der afrikanischen Märkte begünstigt wird, ist der Informations- und Telekommunikationssektor (IKT). Besonders hervorzuheben ist dabei der „Leapfrog”, den Afrika vollzogen hat, indem es die traditionelle Kommunikationsmethode mittels Festnetz (unterirdische Kabelstruktur) übersprungen hat und gleich zur drahtlosen Kommunikation übergegangen ist. Selbst der Internetzugang erfolgt in vielen afrikanischen Ländern bereits mobil. Dieser wird immer besser und weiterhin durch große Infrastrukturprojekte, die auf dem ganzen Kontinent momentan im Gange sind, ausgebaut. Einer Statistik zufolge haben mittlerweile mehr Menschen in Afrika Zugang zu Mobiltelefonen als zu sauberem Trinkwasser, was die Marktdominanz dieser Branche nochmals bestätigt. Aktuell besitzen geschätzt etwas mehr als 65 Prozent der afrikanischen Bevölkerung ein Mobiltelefon. Da hingegen nur 20 Prozent der Bevölkerung ein Bankkonto besitzen, jedoch im Vergleich dazu die Mobilfunkverbindungen 2013 um 20 Prozent auf über 500 Millionen gestiegen sind, feiern innovative Ideen wie beispielsweise „M-Pesa”, ein mobiles Bankingsystem in Kenia, große Erfolge. Kunden haben die Möglichkeit, mithilfe des Providers den größten Teil ihres Geldverkehrs per Mobilfunk zu regeln und sich somit unabhängig von dem vielerorts noch recht schwach entwickelten Finanzdienstleistungssektor zu machen. 
 
So ermöglicht dieses System beispielsweise die Überweisung von Geldbeträgen an Personen, die in ländlichen Regionen leben, in denen es kaum Banken und nur eine schlecht ausgebaute Infrastruktur gibt. Man geht von bislang ca. 15 Millionen Usern aus, die bis zu 80 Transaktionen pro Sekunde tätigen, dies allein in Kenia. Somit vereinnahmt das „Mobile Banking” ca. 12 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Kenias.
 
Diese Entwicklung wird derzeit noch von der schlecht ausgebauten Infrastruktur gebremst, welche den Transport und Aufbau von Mobilfunkmasten hindert. Zudem ist der Betrieb der Mobilfunkmasten durch Dieselgeneratoren sehr kostspielig. Dem kann jedoch unter anderem durch das Modell des „Tower Sharing”, in dem sich Mobilfunkanbieter den Betrieb von Mobilfunkmasten untereinander teilen, abgeholfen werden.
 
Nicht nur Mobiltelefone, sondern auch Smartphones sind in Afrika sehr gefragt. In Nigeria besitzen bis zu 25 Prozent der Bevölkerung ein Smartphone, was folgerichtig auch den App-Markt begünstigt. Dem kanadischen Smartphone- Hersteller RIM zufolge gab es im Jahr 2013 allein in Nigeria 146 App-Entwickler, die bis zu 419 Blackberry-Apps speziell für den afrikanischen Markt entwickelt haben. Weiterhin plant Intel, in Kooperation mit zehn kenianischen Universitäten ein Programm namens „iHub” zu entwickeln, welches der Förderung der App-Entwicklung in Kenia dienen soll. 
 
Eine weitere Sparte, die viele Investitionen fordert, ist die Breitbandkommunikation innerhalb Afrikas. Es wurden bereits auf dem gesamten Kontinent Projekte initiiert, die die Informations- und Telekommunikationsinfrastruktur verbessern sollen. Bei diesen Projekten werden hauptsächlich neue Tiefseeglasfaserkabel installiert und ausgebaut. Momentan investiert Seacom, ein afrikanisches IKT-Unternehmen, in eine Standardroute, die Südafrika, Mosambik, Tansania und Kenia mit Europa und Asien verbinden soll. Weiterhin wurde das „East African Submarine Cable System” 2010 fertiggestellt, und das „West African Cable System” befindet sich seit Anfang 2012 im Bau. 
 
Das wohl größte Potenzial der Branche steckt jedoch im Bereich der IT-gestützten Dienstleistungen, worunter die bereits angesprochenen Finanzdienstleistungen, der Betrieb von Call-Centern und die Datenbankverwaltung fallen. Dies insbesondere deshalb, da die Dienstleistungen unabhängig vom Hauptgeschäft oder dem Endkunden aus jeder Distanz erbracht werden können. Einem Report der „African Development Bank” (AFDB) zufolge sind erst 20 Prozent des Potenzials des IT-gestützten Dienstleistungssektors ausgeschöpft. Länder wie Ägypten, Mauritius, Marokko oder Südafrika haben dieses Potenzial erkannt. Sie versuchen, mit verschiedenen Initiativen zum einen die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und zum anderen mit verschiedenen Programmen die Fähigkeiten der Bevölkerung im IT-Bereich zu fördern. 
 
Es bleibt spannend, inwieweit diese Maßnahmen fruchten und die Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent auch in diesem Bereich beschleunigt wird.

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