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Besonderheiten bei chinesischen Investitionen in den deutschen Mittelstand

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zuletzt aktualisiert am 7. Juli 2021 | Lesedauer ca. 5 Minuten  
 
Chinesische Investoren zeigen reges Interesse an Beteiligungen und Übernahmen in Deutschland. Gerade der deutsche Mittelstand ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus von Investoren aus dem Reich der Mitte gerückt.
 
 

Für mittelständische Unternehmen gibt es eine Reihe von Gründen, weshalb eine Beteiligung durch einen chinesischen Investor interessant werden kann. Sie beinhalten u.a. die Finanzierung notwendiger Restrukturierungsmaßnahmen, die Abwendung drohender Insolvenzen, schwierige Kreditaufnahmen und Wachstums-Finanzierungen sowie ungelöste Nachfolgeprobleme. Des Weiteren sind chinesische Investoren häufig bereit, einen höheren Kaufpreis zu zahlen. Den kulturellen und sprachlichen Herausforderungen einer Beteiligung mit chinesischen Partnern kann durch eine strukturierte Vorbereitung und gezielte Beratung begegnet werden.


Die Übernahme durch einen chinesischen Investor kann beiden Seiten zahlreiche Vorteile bieten. Der Investor erhält durch die Übernahme oder Beteiligung Zugang zum deutschen Markt sowie häufig zu ausgereiften Technologien, wertvollen Schutzrechten und Fachwissen. Demgegenüber erhält das deutsche Unternehmen erleichterten Eintritt in die aussichtsreichen asiatischen Märkte: Der chinesische Investor kann durch sein Netzwerk häufig nicht nur Zugang zum chinesischen, sondern zum gesamtasiatischen Markt verschaffen. Hinzu kommen die hohen Einkaufsvolumina der chinesischen Investoren durch ihre immense Kapitalausstattung. Eine Übernahme durch einen chinesischen Investor kann Chancen zur Sicherung des Wachstums und zur mittelbaren Erhöhung der Finanzkraft des Unternehmens sowie zum Erhalt von Arbeitsplätzen am Standort Deutschland eröffnen. Dabei hat sich die Befürchtung der Unternehmen, dass sie ihre Unabhängigkeit verlieren und/oder Standorte verlagert werden sowie Know-how-Träger aus Deutschland abgezogen werden, bislang größtenteils als unbegründet erwiesen.


Chinesische Investoren halten sich – zumindest solange sich das Unternehmen in der Planung befindet – weitgehend aus der Unternehmensführung heraus und zeigen eine große Bereitschaft, sich auf Anliegen des deutschen Managements einzulassen und mit ihm gemeinsam Lösungen für Finanzierungsfragen und andere Themen zu finden.



Die deutsche Perspektive

Kulturelle sowie sprachliche Unterschiede stellen die wohl größten Hindernisse im Bereich deutsch-chinesischer Beziehungen dar, sind andererseits aber die Schlüsselelemente für den Erfolg der Übernahme.


Von größter Bedeutung für eine erfolgreiche Übernahme und die spätere Zusammenarbeit ist der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen dem chinesischen Investor und dem deutschen Verhandlungspartner. Eine schnelle Übernahme, wie das insbesondere von anglo-amerikanischen Investoren bekannt ist, kommt mit chinesischen Investoren eher selten zustande. Je intensiver der Aufbau der persönlichen Beziehung ist, desto einfacher und schneller laufen die späteren Verhandlungen. In der Anfangsphase ist dabei mehr Zeit zu investieren, um Zusammenhänge zu erläutern und sich auszutauschen. Soweit die Investoren Entscheidungen nachvollziehen können und als Arbeit an einem gemeinsamen Projekt ansehen, fühlen sie sich respektiert und werden die Führungskräfte des deutschen Unternehmens auch eigenständig gewähren lassen.


Wichtig ist ein vertrauensvoller und enger Umgang miteinander. Wie Sergey Frank der Kienbaum Consultants International GmbH in seinem Beitrag „Verhandeln in China – Lächelnde Drachen” im manager magazin vom 15. März 2005 zeigte, bedingt das aber auch, dass der chinesische Partner von einem neu erworbenen „Freund” naturgemäß größere Rücksicht und Konzessionen erwartet. In dem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass chinesische Verhandlungsführer eine indirekte Art der Kommunikation einer direkten vorziehen und strikte Verneinungen oder direkte Absagen vermeiden. Für sie ist es wichtig, das Gesicht zu wahren und dem Gegenüber Respekt zu zollen. Das bedeutet, dass der deutsche Verhandlungsführer Kompromisse anbieten muss, die nicht als Niederlage empfunden werden. Chinesische Partner verfügen in Verhandlungen über eine immense Ausdauer, um für sie wichtige Detailfragen zu klären. Gleiches erwarten sie von ihrem Verhandlungspartner. Chinesische Manager sehen insbesondere Erfahrung, Höflichkeit, Geduld, Gastfreundschaft sowie die Fähigkeit, langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen, als positive Eigenschaften. Für deutsche Verhandlungsführer gilt es daher, konsequent Verhalten zu vermeiden, das als arrogant, respektlos oder hektisch angesehen werden könnte.


Nicht zu unterschätzen sind des Weiteren sprachliche Barrieren. I.d.R. sind es die Älteren, die vielfach die Entscheidungen treffen. Da sie (derzeit) meist nur Chinesisch sprechen, hat es sich bewährt, den Entscheidungsträgern einen eigenen gut ausgebildeten Dolmetscher mit hervorragenden Referenzen zur Seite zu stellen. Idealerweise ist er auch in der Lage, das Management des Investors in chinesischer Sprache über die wesentlichen Themen zu informieren. Andernfalls sollte überlegt werden, einen entsprechend versierten Berater hinzuzuziehen.


Probleme ergeben sich zum Teil (noch) daraus, dass chinesische Investoren oftmals andere oder veraltete Methoden anwenden. Die so entstehende unübersichtliche Vielfalt an Methoden, die sich inhaltlich zudem enorm unterscheiden, sowie die oftmals starren Vorstellungen der chinesischen Investoren vom Unternehmenswert machen die Kaufpreis-Festsetzung zu einer Herausforderung. Chinesische Entscheidungsträger sind dabei meist intensiv in den Prozess involviert und überlassen nur wenig ihren Beratern, was zu besonders langen Entscheidungsprozessen führen kann.


Chinesische Investoren haben sich in der Vergangenheit nicht immer auf ansonsten übliche Due Diligence-Prüfungen durch externe Berater verlassen, sondern die Prüfungen häufig selbst durchgeführt. Deutsche Unternehmen haben sich in dem Fall darauf einzustellen, dass die eigenen Prüfungen häufig sehr in die Tiefe gehen und sehr detailliert sind. Es gilt, Geduld und Verständnis aufzubringen sowie dem Investor einen erfahrenen Verhandlungsführer gegenüberzustellen, der gut vorbereitet über alle benötigten Fakten Auskunft geben kann und über Expertenwissen verfügt. Künftig wird aber auch für chinesische Investoren eine umfassende externe Due Diligence eine immer bedeutendere Rolle spielen.


Zu beachten sind zudem die regulatorischen Rahmenbedingungen und Hürden für Investitionen von chinesischen Unternehmen im Ausland. Die zentralen Behörden in Peking haben große Machtbefugnisse und die regulatorischen Anforderungen Chinas sind nicht nur gegenüber lokalen Behörden zu erfüllen. Eine Abstimmung mit den Zentralbehörden Chinas unter Einbeziehung erfahrener Berater ist daher zu empfehlen.


Die chinesische Perspektive

Für chinesische Investoren gibt es einige Herausforderungen bei einer Investition in Deutschland. Insoweit sind die Entwicklungen und Trends eher gegenläufig: Branchen, die in China für Auslandsinvestition gefördert und damit erleichtert werden, sind in Deutschland als besonders sensibel eingestuft, die gilt insbesondere für Unternehmen in Branchen wie Halbleiter, Informationstechnologie und sog. „emerging technologies“.


Zunächst steht eine Übernahme in Deutschland bei Überschreiten gewisser Schwellenwerte immer auch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die nationalen oder europäischen Kartellbehörden. Hinzu kommt die Möglichkeit der Untersagung bzw. Beschränkung einer Investition von außerhalb der EU bzw. der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) im Rahmen der sektorübergreifenden, d.h. nicht an eine Umsatzgröße oder Arbeitnehmeranzahl geknüpfte, Investitionsprüfung nach dem Außenwirtschaftsgesetz, soweit damit mind. 25 Prozent der Stimmrechte am Unternehmen erworben werden. Zudem besteht eine Meldepflicht für Übernahmen in als besonders sensibel eingestuften Bereichen beim Erwerb von mind. 10 Prozent bei sog. kritischen Infrastrukturen bzw. 20 Prozent der Stimmrechte, z.B. bei kritischen Technologien wie bestimmter Hochtechnologie. Insoweit gilt ein dem kartellrechtlichen Vollzugsverbot ähnlicher Vorbehalt der Freigabe durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.


Auch gilt es, unternehmensspezifische Eigenheiten deutscher Unternehmen, wie die betriebliche Mitbestimmung und das Zusammenwirken zwischen Eigentümern, Management und Arbeitnehmern, zu beachten. Der wahre Wert der Unternehmen liegt aufgrund der in Deutschland stark ausgeprägten Ingenieurskultur oftmals im Know-how ihrer führenden Entwickler, Designer und Techniker. Eine der zentralen Aufgaben des chinesischen Investors ist es daher, alle Beteiligten von der Übernahme zu überzeugen und die wichtigsten Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten an das Unternehmen zu binden. Dazu sollte der Investor sowohl für die einzelnen Personen als auch für das Unternehmen als Ganzes eine langfristige Perspektive mit glaubwürdiger Wachstumsstrategie aufzeigen. Sie sollte u.a. beinhalten:

  • welchen Anteil die deutschen Unternehmensbestandteile am Gesamtunternehmen haben,
  • welche Rolle den deutschen Mitarbeitern, insbesondere den Spitzenkräften, zugedacht wird,
  • welche Strategie der Investor mittelfristig verfolgt und
  • welche Vorteile eine Übernahme durch den Investor auch dem Unternehmen bietet.

Insbesondere mittelständische Betriebe sind in Deutschland an ihren jeweiligen Firmensitzen häufig der größte und wichtigste Arbeitgeber und vielfach stark mit dem gesellschaftlichen Leben verflochten. Der Unternehmer muss seine Entscheidung, an einen chinesischen Investor zu verkaufen, vor allen beteiligten Kreisen rechtfertigen können. Als vertrauensbildende Maßnahmen gegenüber dem deutschen Mittelständler können dabei z.B. weitere Engagements in Deutschland, das Stecken von Nachhaltigkeitszielen oder langfristige Beschäftigungs- und Standortgarantien für die Belegschaft dienen. Dadurch können dann auch Widerstände, die ggf. bei Politik und Gewerkschaften entstehen, gelöst werden.


Fazit

Die erfolgreiche Entwicklung deutscher Unternehmen zieht immer mehr Interessenten aus Asien an. Wer die Besonderheiten chinesischer Investoren kennt, kann mit dem Verkauf die Zukunft seines Unternehmens in Deutschland sichern und gleichzeitig die Erschließung des strategisch bedeutenden chinesischen Marktes vorantreiben.

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