Bilanzielle Konsequenzen der Niedrigzinsphase – Auswirkungen auf Kennzahlen beurteilen

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Bilanzielle Wertansätze werden regelmäßig durch Zinssätze beeinflußt. Hierdurch ergeben sich wiederum Auswirkungen auf Bilanzrelationen und -kennzahlen. Im aktuellen Marktumfeld ist es daher nötig, sich mit den Effekten des niedrigen Zinsniveaus auseinanderzusetzen, um frühzeitig auf negative Folgen, z.B. für Unternehmensratings, reagieren zu können.
 

Aktuell sind die Zinsen infolge der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer Zentralbanken niedrig wie nie zuvor. Zahlreiche Veröffentlichungen haben sich bereits aus verschiedenen Blickwinkeln mit den Folgen dieses Marktumfelds beschäftigt. Im Folgenden werden die Auswirkungen aus bilanzieller Sicht im Überblick dargestellt. 
 
Durch die gegenwärtig niedrigen Zinsen kommt es bei vielen Unternehmen zu einem Anstieg des bilanziellen Fremdkapitals. Grund hierfür ist, dass Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr im handelsrechtlichen Jahresabschluss mit dem ihrer verbleibenden Laufzeit entsprechenden Marktzinssatz abzuzinsen sind.
 

Erhöhter Rückstellungsbedarf

Je stärker die Zinssätze sinken, umso höher wird der Barwert der Verpflichtung. Der Effekt tritt verstärkt bei langfristigen Rückstellungen (z. B. für Altersversorgung) ein, aber auch für Rekultivierungs­verpflichtungen auf. Im Bereich der Pensionsrückstellungen hat der Gesetzgeber reagiert: Heranzuziehen ist künftig nicht wie bisher der durchschnittliche Zinssatz der vergangenen 7 Jahre, sondern der der vergangenen 10 Jahre, der regelmäßig höher ist. Das führt bei nachhaltig niedrigen Zinsen allerdings nur zu einer temporären Entlastung, da auch der 10-jährige Durchschnitt in den kommenden Jahren weiter sinken und sich dem Niveau des 7-jährigen annähern wird. Eine umfassende Lösung ist damit folglich nicht geschaffen, da die Erleichterung zum einen nur für Pensionsrückstellungen und nicht auch für andere langfristige Verpflichtungen greift und zum anderen auch hier nur vorübergehender Natur ist.
 

Außerplanmäßige Abschreibungen

Die Erhöhung der Rückstellungen wird auch nicht durch Zinseffekte auf der Aktivseite kompensiert. Dort führen niedrige Zinsen zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit bzw. geringeren Höhe von außerplanmäßigen Abschreibungen: Liegt am Stichtag kein Marktwert vor, bspw. für Beteiligungen oder andere Finanzinstrumente, so ist der Zeitwert anhand eines Ertragswertverfahrens zu ermitteln, das bei niedrigeren Zinsen höhere Werte liefert. Allerdings ist dieser Wert nur dann anzusetzen, wenn er unter den ursprünglichen Anschaffungs- und Herstellungskosten liegt – eine Aufwertung darüber hinaus ist nicht zulässig.
 

Konsequenzen für das Rating

Die Ausgangslage führt dazu, dass sich zentrale Bilanzkennzahlen wie die Eigenkapitalquote negativ entwickeln. Für Unternehmen verschlechtert sich somit das im Abschluss dargestellte Bild der Lage, obwohl es nicht zwangsläufig die Lagebeurteilung nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten spiegelt.
 
Nachteilige Auswirkungen können sich hieraus für das Unternehmens­rating zeigen, was künftige Kapitalmaßnahmen erschwert. Zudem können sich aber auch Konsequenzen für bestehende Kreditverträge ergeben. Das ist z. B. dann der Fall, wenn im Rahmen der Verträge auch Vereinbarungen über Zielkennzahlen (sog. Covenants) getroffen wurden.
 

Fazit

Es ist sinnvoll, sich frühzeitig mit den bilanziellen Auswirkungen der Niedrigzinsphase auseinanderzusetzen. Für Reaktionen bieten sich verschiedene Ansatzpunkte an: Bei Neufällen der betrieblichen Altersversorgung kann bspw. anstelle einer Leistungszusage eine beitragsorientierte Zusage gewährt werden. Dadurch sinkt das Risiko aus künftigen Zinsentwicklungen. Auch bilanzpolitische Maßnahmen wie die Auslagerung von Altersversorgungsverpflichtungen können die Effekte reduzieren. Ebenso kann eine frühzeitige Kommunikation gegenüber Kreditgebern als mögliche Reaktion in Betracht gezogen werden.

 Bitte beachten Sie:

  • Es sollte unternehmens­individuell eine Quanti­fizierung der Risiken aus den Zinssatzänderungen erfolgen.
  • Abhängig davon können Art und Umfang der weiteren Maßnahmen geplant werden.
  • Besteht die Gefahr, dass Covenants gerissen werden, sollte frühzeitig reagiert werden.
  • Auch bei der Neu­ver­hand­lung von Kredit­verträgen kann eine Vorabanalyse sinnvoll sein.
     
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