Mutige Weltmarktführer

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veröffentlicht am 4. Dezember 2019 / Lesedauer ca. 3 Minuten
 

Wie schaut ein Weltmarktführer (kurz: WMF) auf das Jahr 2020? Was bewegt ihn? Was treibt ihn an? Was nimmt er sich vor und womit rechnet er? Zum Glück gibt es das Phänomen der Normalverteilung; so auch bei den Erwartungen an die weitere volks­wirtschaftliche Entwicklung. Höre ich mich im Markt um, erfahre ich, dass einige Unternehmen nur sehr schleppend Auftragseingänge verzeichnen  –  selbst Stamm­kunden halten sich zurück. Problematisch würde es, falls die Entwicklung anhält.

 Prof. Dr. Christoph Müller kommentiert

Prof. Dr. Christoph Müller ist als Co-Direktor der HBM Unternehmerschule der Executive School of Management, Technology & Law an der Universität St. Gallen tätig (50  Prozent). Er ist Titular­professor für Betriebswirtschaftslehre mit besonderer Berücksichtigung der KMU und der Unternehmensgründungen an der Universität St.Gallen. Zuvor war er am Stiftungslehrstuhl Entrepreneurship an der Universität Hohenheim tätig.

 
Mit Rödl & Partner zusammen führt er jeweils im Frühjahr und Herbst die Befragung unter den Weltmarkt­führern für den Rödl & Partner Weltmarktführerindex durch.

  

 

Lichtblicke zeigen sich in der Softwarebranche: Dort fällt der Blick auf das neue Jahr optimistischer aus. Es ist von weltweitem Wachstumspotenzial die Rede. Andere Technik-Sektoren, wie die Sensorik, gehen von einem stabilen Umfeld aus.

 
2020 werden sich Trends verstärken, die deutsche Familienunternehmen bereits 2019 bewegt haben: Einer­seits untermauern deutsche WMF ihre globale Position durch Akquisitionen, anderseits zieht Deutschland Investoren an. Allerdings waren chinesische Investoren zuletzt etwas zurückhaltender; dafür beleben sich die US-amerikanischen Engagements.

 

Ich blicke recht zuversichtlich auf das neue Jahr. Gleichwohl beunruhigt mich, dass sich einige Länder – auf allen Kontinenten, jedes für sich und auch untereinander – in Richtung Protektionismus und / oder Autokratien bewegen. Und das mit hinlänglich bekannten negativen Folgen für individuelle wie unternehmerische Freiheiten sowie Handelsbeziehungen...

 

Fliehkräfte des „Übernahme-Karussells“

Seit mittlerweile drei Jahren verfolge ich aufmerksam die Veränderungen der Eigentumsverhältnisse speziell bei WMF. Dabei ist mir aufgefallen, dass nicht nur deutsche WMF nach wie vor aktiv ihre Markteintritts- und Wachstumschancen in den internationalen Märkten über gezielte Zukäufe realisieren wollen, sondern dass das auch in umgekehrter Richtung gilt. Obwohl zahlreiche Familienunternehmen in dritter oder vierter Generation Unabhängigkeit groß schreiben, häufen sich Fälle, in denen Großaktionäre dem keine Rechnung tragen und veräußern.

 
Die einzelnen Märkte konsolidieren sich rasch, der technologische Wandel bedroht angestammte Geschäfts­modelle: Entweder verfügt man über genügend Kapital für die weitere Wachstums- und Übernahme­finan­zierung oder man setzt intensiv auf das Thema Innovationen – und reinvestiert die damit erzielten Gewinne. Die disruptive Kraft der Digitalisierung sollte nicht unterschätzt werden. 

 

Innovations-Pipeline ausbauen

Technologischer Vorsprung kann nur ausgebaut werden, wenn aus Kundensicht wirklich relevante Innova­tionen entstehen – auf technologischem Terrain wie auch bei Geschäfts- und Servicemodellen. So handhaben es große Tech-Konzerne sowie rasch gewachsene Tech-Start-ups weltweit. Dahinter stecken zumeist klar strukturierte Prozesse, disziplinierte Umsetzung und begeisterte jungen Kreative, deren Enthusiasmus entfacht wird.

 
Um im Wettlauf mithalten zu können, empfiehlt es sich u.a., sog. „Inkubatoren” einzurichten – Unternehmens­einheiten, die sich der Förderung von mutigen digitalen Innovationen widmen. Dadurch werden gezielt junge Pioniere aus der ganzen Welt angesprochen und in das Unternehmen gezogen. Strukturierte „Accelerator-Programme“ (Boot Camps) dienen zusätzlich als Anreiz. Als Standorte der Initiativen eignen sich angesagte Tech-Metropolen der Welt. Europa sollte sich bei den Risikokapitalinvestitionen ein Beispiel an den USA, Israel und China nehmen.

 
Eine zentrale Frage 2020 wird sein, ob es deutschen Unternehmen gelingt, neue Technologiefelder zu erschlie­ßen und damit vom Standort Deutschland aus zum Weltmarktführer aufzusteigen. Dabei müssen die Unter­nehmen, deren Finanziers, die Bildungseinrichtungen, der Gesetzgeber, die Arbeitskräfte und Talente sowie professionelle Dienstleistungspartner an einem Strang ziehen. Und ganz wichtig: Es müssen die unter­nehmer­ischen Persönlichkeiten und die unternehmerische Kultur im Land gestärkt werden.

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