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Die Prioritäten des Lebens verändern sich – für immer! 2021 wird zum Wendejahr für eine neue Nachdenklichkeit

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veröffentlicht am 15. Dezember 2020 / Lesedauer ca. 4 Minuten
 

Ein ambivalentes Lebensgefühl breitet sich zur Jahreswende in Deutschland aus: Es ist die Sorge über das, was 2021 noch an Ungewissem kommt; aber auch die Hoffnung auf und Freude über das, was gut oder gar besser werden kann. Es herrscht eine semiglückliche Lebenshaltung vor, die auch Krisenzeiten eine positive Seite abge­winnt: Trotz Corona-Pandemie überwiegt in der Bevölkerung die positive Einstellung zum Leben. Mehr als acht von zehn Bundesbürgern „blicken optimistisch in die Zukunft“. Es ist ein vorsichtiger und gebremster Optimismus, der Bodenhaftung und Realitätssinn nicht verliert.

 Prof. Dr. Horst Opaschowski (O.I.Z) kommentiert

Prof. Dr. Opaschowski hat sich international einen Namen als „wissenschaftlicher Vordenker“ (WAZ), „Mr. Zukunft“ (dpa) oder „führender Zukunftsforscher Europas“ (DW) gemacht. Er hat die Disziplin der Zukunfts­forschung in Deutschland geprägt. Er ist wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen und seit 2014 Direktor des Opaschowski Instituts für Zukunftsforschung (O.I.Z) in Hamburg. Zugleich fungiert er als Beratungsinstanz für die Politik und ist u. a. unter Angela Merkel Berater zu Fragen von Bürgerdialogen und Zukunftskonferenzen.
  

Die Krise löst zugleich eine neue Nachdenklichkeit aus. Sinn, Besinnung und Besonnenheit bekommen in den Lebensorientierungen der Deutschen einen höheren Stellenwert. Gut zwei Drittel der Bevölkerung (67 Prozent) haben mittlerweile „während der Corona-Krise öfter über sich und ihr Leben nachgedacht“. Lebenssinn statt Lifestyle zeichnet sich als Alternative ab. Diese neue Nachdenklichkeit sucht Antworten auf die Frage: Wie wollen wir morgen leben? Auf dem Weg in das kommende Jahr 2021 dominieren sieben Prioritäten, die das Alltagsleben grundlegend verändern:
 

1. Ohne Gesundheit geht gar nichts

Glück und Zufriedenheit im Leben fangen mit der persönlichen Gesundheit an: Ohne Gesundheit ist fast alles nichts wert. Gesundheit gilt als das höchste Gut im Leben. Es geht um das Wohlfühlen in der eigenen Haut. Oftmals fühlen sich die Menschen gut, weil es anderen auch nicht besser geht. Alles zielt auf Wohlbefinden. Gesundheit wird zu einem neuen Statussymbol. Die Hochachtung vor der Gesundheit verstärkt den System­charakter des Gesundheitswesens: Subjektiv gesehen wird die Charité so wichtig wie VW.
 

2. Die Familie wird das Wichtigste im Leben

Die Familie wird zur besten Lebensversicherung. Verlässlich auch in Krisenzeiten. Die Bevölkerung schwört geradezu auf das Zuhause-Sein im Vertrauten mit den Worten: „Was auch immer auf uns zukommt. Für mich ist und bleibt die Familie das Wichtigste im Leben.“ Die Familie gewährt Grundgeborgenheit. V. a. der Genera­ti­onen­zusammenhalt von Enkeln, Kindern, Eltern und Großeltern hilft bei vielen Krisen. Die Solidargemeinschaft bringt Lebenserfüllung, die unbezahlbar ist. In anhaltenden Krisenzeiten stellt sich die Frage neu: Was macht ein Mensch ohne Familie?
 

3. Sehnsucht nach Sicherheit größer als Durst nach Freiheit

In Zeiten der Ungewissheit hoffen die Menschen auf Beruhigungen, die angstmindernd wirken. Sie setzen auf Stabilität und Sicherheit, die genauso wichtig wie Freiheit und Flexibilität sind. Der Hunger nach Sicherheit wird fast größer als der Durst nach Freiheit. Unsichere Zeiten sind nicht neu, wohl aber das Ausmaß, die Intensität und die Dauer der Corona-Krise. Um nicht aus dem Gleichgewicht des Lebens zu geraten, sind die Menschen bereit, Einschränkungen ihrer Freiheit hinzunehmen – von Kontaktsperren bis zum Social Distan­cing. Damit verbunden sind zugleich Wünsche nach Geborgenheit zwischen Heim und Heimat, Hygge und Gemütlichkeit.
 

4. Zeit wird so wertvoll wie Geld

Eine Zeit-Wende kündigt sich an: Eine tendenzielle Entschleunigung des Lebens, eine neue Form von Zeitge­winn und Zeitwohlstand. Nach einer langen Phase der Geldkultur, die von Geldverdienen und Geldausgeben bestimmt war, entdecken die Menschen den Wert persönlicher Zeitoptionen wieder. Mehr Geld erscheint wertlos, wenn nicht gleichzeitig auch mehr Zeit „ausgezahlt“ wird. Das neue Zeitdenken bewirkt einen Ein­stel­lungswandel: mehr Zeit zum Leben.
 

5. Berufs- und Familienleben nähern sich an

Die Krise verändert die Arbeitswelt nachhaltig. Homeoffice und Netzwerke werden im Berufsleben immer wichtiger. Zudem zwingt der durch die Corona-Krise ausgelöste Digitalisierungsschub zum Umdenken und belebt die Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie neu. Rollenwechsel sind in der Partner­schaft gefordert: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss für Frauen und Männer gleichermaßen gelten. Erwerbstätigkeit und Familienmanagement wachsen zusammen. Präsent und digital ergänzen sich. Und Unternehmen denken ernsthafter über „New Work“ und „Work-Life-Balance“ nach.
 

6. Konsum nach Maß lautet die neue Glücksformel

„Beim Konsumieren und Geldausgeben bin ich maßvoller und bescheidener geworden und vermisse nichts“ sagt mittlerweile die Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Bloßes Shopping als Glücksgefühl ist fragwürdig geworden. Und der Konsumdreiklang Shopping / Kino / Essengehen bleibt immer öfter auf der Strecke. Ein neuer Postmaterialismus sucht Antworten auf die Frage: Was ist wirklich wertvoll? Als Perspektive zeichnet sich ab: Werbebotschaften sollen immer auch Wertebotschaften sein, damit Konsumkultur auch Sinnkultur werden kann. Damit verbunden ist die Frage: Was ist eigentlich wichtig für mich und was nicht?
 

7. Besser leben wird wichtiger als Vieles zu haben

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik werden sich im nächsten Jahr auf ökonomische und soziale Probleme einstellen müssen. Ökonomisch gesehen wird es vielen nicht mehr so gut gehen wie heute. Viele werden ärmer – aber nicht unglücklicher: Denn ihr Wohlstandsdenken verändert sich. Die Deutschen legen wieder mehr Wert auf persönliches und soziales Wohlergehen, also auf nachhaltigen Wohlstand, der nicht nur von Konjunktur­zyklen, Börsenkursen oder Quartalsberichten abhängig ist. Eine Neubesinnung auf das Beständige findet statt. Wohlstand kann auch bedeuten, weniger Güter zu besitzen und doch besser zu leben. „Besser leben“ wird zum erstrebenswertesten Lebensziel. Und soziales Wohlergehen wird so wichtig wie materieller Wohlstand.

 Ausblick

Das neue Leben der Deutschen in der semiglücklichen Gesellschaft: Trotz Pandemie und weltweiter Umwelt-, Wirtschafts- und Gesellschaftskrisen blicken die Deutschen optimistisch in die nahe Zukunft. Ist das nun Trotzhaltung, Zweckoptimismus oder Zukunftshunger? Nein, es ist ein Beweis für Krisenresistenz und Mut. Engländer würden sagen: „Hope for the best – prepare for the worst“. Also: Bleib optimistisch und sei auf das Schlimmste vorbereitet. Bei den Deutschen kommt eine zusätzliche Eigenschaft hinzu: Sie können sich semiglücklich fühlen. Dieses Gefühl vom Semiglück entspricht der Stimmungslage auf dem Weg in das kommende Jahr 2021: Die Tür zum Glück ist ein Spalt breit geöffnet und beim Blick nach draußen wartet schon das nächste Stimmungstief. Semiglück heißt, temporär glücklich sein zu können, aber nicht immer glücklich sein zu müssen.

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