Kommunale Herausforderungen in der Energiewende – Die transformative Kraft der Regionalwerke

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veröffentlicht am 2. Oktober 2023



Die Energiewende beschäftigt uns alle intensiv. 

Viele Kommunen wünschen für sich selbst und für ihre Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit einer Beteiligung an der Wertschöpfung. Insbesondere die Beteiligung an der Umsetzung von EE- oder Wärme-Projekten ist wirtschaftlich oft lukrativ. Stattdessen müssen Kommunen zunächst immer neue Pflichten (beispielsweise die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung) erfüllen, wodurch wirtschaftliche und personelle Ressourcen gebunden werden. Oftmals scheitert ein freiwilliges wirtschaftliches Engagement dann an fehlenden Mitteln oder schlicht am Mangel von geeigneten Flächen.

Eine Möglichkeit, diese Hausausforderungen zu stemmen und sowohl die kommunalen Pflichten zu erfüllen, als auch die eigenen Chancen wahrzunehmen, ist eine Verstärkung der interkommunalen Zusammenarbeit – beispielsweise durch die Gründung eines Regionalwerks.


Funktion und Struktur von Regionalwerken: Mehr als lokale Energieversorger

Regionalwerke sind selbstständige juristische Personen (in der Regel Gesellschaften des Privatrechts oder Anstalten des öffentlichen Rechts), deren Gesellschafter Kommunen und/oder bestehende Versorgungsunternehmen in einem Landkreis oder einer geographisch abgegrenzten Region sind. Nutzen und Zweck können die Gesellschafter bestimmen, beides geht in der Regel aber über die reine Energieversorgung hinaus. 

So kümmern sich Regionalwerke regelmäßig um die Errichtung und den Betrieb von Energieerzeugungsanlagen und Ladeinfrastruktur. Hierbei wird das erforderliche Know-how für eine Vielzahl an Projekten genutzt und weiterentwickelt. Auch Konzepte für Bürgerbeteiligungen können – einmal ausgearbeitet – für verschiedene Projekte wiederverwendet und optimiert werden. Je nach Wunsch der Gesellschafter kann das Regionalwerk dabei als Eigentümer der Anlagen dienen oder Dienstleistungen für die Gesellschafter erbringen.

Daneben besteht aber die Möglichkeit, mit dem Regionalwerk einen Dienstleister für die Gesellschafterkommunen zu errichten, der beispielsweise mit Aufgaben der kommunalen Wärmeplanung oder der Abfallentsorgung beauftragt wird und so Personalengpässe abdeckt, die Verwaltung entlastet und neue Handlungsspielräume eröffnet. 

Je nach Ausgestaltung und Steuerung können Regionalwerke durch den Einsatz erneuerbarer Energien und effizienter Technologien einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Sie werden dann zum Schlüsselinstrument für Kommunen, um ihre Klimaziele zu erreichen und die ständig wachsenden Herausforderungen zu meistern.

Regionalwerke sind mehr als nur Energieversorger; sie sind strategische Partner für Kommunen, die eine nachhaltige, effiziente und rechtskonforme Energieversorgung anstreben. Durch ihre vielfältigen Aktivitäten und Dienstleistungen sind sie ein Schlüsselinstrument für die Energiewende und bieten eine solide Grundlage für die nachhaltige Entwicklung der Kommunen. 

Erfolgsgeschichten: Regionalwerke in der Praxis 

Gemeinsamer Einstieg in die Energieversorgung: Eberwerk GmbH & Co. KG

Im Jahr 2017 wurde, begleitet von Rödl & Partner, die Eberwerk GmbH & Co. KG gegründet, an der 19 der 21 Landkreiskommunen beteiligt sind. Der Einstieg erfolgte hier über eine Beteiligung an den Stromverteilernetzen, inzwischen steht die Eberwerk GmbH & Co. KG aber für nahezu alle Bereiche der dezentralen Energieversorgung und kümmert sich um Stromvertrieb, Ladeinfrastruktur, Stromerzeugung und Bürgerenergie. Ein Paradebeispiel für erfolgreiche regionale Energieversorgung.

„Energie aus der Region für die Region”: Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel gKU 

Im Jahr 2021 wurde – ebenfalls begleitet von Rödl & Partner – das Regionalwerk Chiemgau-Rupertiwinkel gKU gegründet und zeigt sich ebenfalls als Erfolgsmodell. Während sich bei der Gründung 16 Gemeinden an dem Regionalwerk beteiligten, ist die Anzahl der Eigentümerkommunen inzwischen auf 31 gestiegen. Ähnlich schnell wächst auch das Portfolio der Regionalwerke, die sich insbesondere um Stromerzeugung und Wärmeversorgung in den beteiligten Kommunen kümmern und hier Wärmenetze und potenzielle Erzeuger zusammenbringen.

Gemeinsam stärker: Regionalwerk Neckar-Kocher GmbH & Co. KG 

Bei der Regionalwerk Neckar-Kocher GmbH & Co. KG handelt es sich um einen Zusammenschluss von drei Gasnetzbetreibern, auch dieses Projekt wurde von Rödl & Partner begleitet. Hier zeigt sich, wie kleinere Strukturen in dem komplexer werdenden Umfeld durch einen Zusammenschluss profitieren und durch Zusammenarbeit eine effiziente Energieversorgung erreicht und für die Zukunft gesichert werden kann. 

Wesentliche Bausteine bei der Gründung von Regionalwerken

Die Praxisbeispiele zeigen: je nach Voraussetzungen in der Region bestehen unterschiedliche Chancen und Bedarfe, die es individuell zu ermitteln und zu berücksichtigen gilt. 

Strategische Planung

Die strategische Planung ist ein Schlüsselelement für den Erfolg von Regionalwerken. Entscheidend ist hier die Identifizierung von Bedarf und Zielen, die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen sowie deren Umsetzung. Dies trägt zur effizienten Nutzung von Ressourcen bei und ermöglicht es Kommunen, ihre Energieversorgung nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten.

Rechtliche Expertise

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Regionalwerke sind komplex und erfordern spezifisches Fachwissen. Neben den gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen z. B. nach Einlagen, Nachschüssen, Beteiligungshöhen, Mitspracherechten und Übertragungsoptionen, sind insbesondere die jeweils geltenden kommunalrechtlichen Vorgaben zu beachten. Auch steuerliche Fragen sind von vornherein Mit zu denken, um alle vorhandenen Potenziale auszuschöpfen.

Wirtschaftliche Optimierung

Die wirtschaftliche Optimierung und Planung ist ein wichtiger Aspekt für den Erfolg von Regionalwerken. Entscheidend ist, eine frühzeitige Identifizierung von wirtschaftlichen Chancen, die Entwicklung von Finanzierungsmodellen und die Umsetzung von Maßnahmen zur Kosteneffizienz. Dies trägt zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit bei und ermöglicht es Kommunen, die Vorteile von Regionalwerken optimal zu nutzen. 




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