Der Weg zur Energieunion

PrintMailRate-it

Schnell gelesen:

Im Kursbuch Stadtwerke vom Juni 2014 haben wir über mögliche Chancen für Stadtwerke im geplanten Europäischen Energiebinnenmarkt berichtet und weitere Berichte über den aktuellen Stand diesbezüglich angekündigt. Zwischenzeitlich hat die Europäische Kommission am 25. Februar 2015 ein Strategiepapier beschlossen, das den Weg zum Energiebinnenmarkt beschreiben soll und dem Ganzen das Label „Energieunion” verpasst. Nachfolgend erläutern wir Ihnen den aktuellen Stand der Energieunion und wann mit der finalen Umsetzung der Energieunion zu rechnen ist.

Hintergrund

Energiepolitik ist eine der zehn Prioritäten der Europäischen Union. Schon den ersten europäischen Verträgen lagen energiepolitische Motivationen, wie die Beschaffung und Gewinnung von Kohle und Kernenergie zugrunde. Die Energieunion ist der letzte Schritt zur Vereinheitlichung der nationalen Energiemärkte und soll die Unabhängigkeit der Europäischen Union von Energieimporten stärken und gleichzeitig wettbewerbsfähige Preise für Konsumenten und verstärkten Schutz der Umwelt bieten.
 

Bisherige Entwicklung kritisch betrachtet

Die Energieunion sollte mit Beschluss vom 15. Dezember 2012 bis zum Jahr 2014 mit Umsetzung der Richtlinien des dritten Energiebinnenmarktpaketes harmonisiert werden.  Allerdings bestehen immer noch zahlreiche Herausforderungen bis zur Umsetzung des europäischen Energiemarktes, wie beispielsweise die noch ausstehenden Umsetzungen von europäischen Rechtsvorschriften in den Mitgliedsstaaten oder der Beschluss der „Netzkodizes” zum Elektrizitätsmarkt. Bis heute haben sich die im Juni 2014 von uns beschriebenen Herausforderungen nicht verändert. Es stehen noch acht Netzkodizes zur Abstimmung durch die europäische Kommission aus  und zur Umsetzung der Rechtsvorschriften des dritten Energiebinnenmarktpaketes laufen aktuell noch Vertragsverletzungsverfahren. Zudem ist fraglich, ob die bestehenden Kapazitäten von Strom- und Erdgasnetzen in den Knotenpunkten zwischen den Staaten, aber auch in den Übertragungsnetzen wie geplant bis zum Jahr 2020 ausgebaut werden können.
 

Strategiepapier der Kommission

Neue Fahrt in die Entwicklung der Energieunion soll das Strategiepapier der Europäischen Kommission bringen. Dieses beruht auf fünf Dimensionen, die die Energieunion zusätzlich um Themen wie Effizienz und Forschung erweitern. Das Papier beschreibt jedoch keine konkreten Maßnahmen. Vielmehr handelt es sich um eine Richtungsvorgabe, die Einblicke in die Schwerpunkte der zukünftigen europäischen Energiepolitik gibt und einen groben Zeitplan festlegt.
 
Für konkrete Maßnahmen wird auf die verstärkte Umsetzung des dritten Energiebinnenmarktpaketes und die Vorlage von 15 Vorschlägen für zukünftig geplante Maßnahmen verwiesen. Mittel für die Förderung von Projekten im Rahmen der Maßnahmen sollen aus den vorhandenen Finanzierungsinstrumenten der Europäischen Union wie beispielsweise dem „Horizon2020”-Programm oder dem geplanten Fond für strategische Investitionen zur Verfügung gestellt werden.
 
Die für die deutschen Energieversorgungsunternehmen relevanten Inhalte des Strategiepapiers haben wir Ihnen in Abbildung 1 (auf der nächsten Seite) kurz zusammengefasst.
 

Aktuelle Entwicklung

In letzter Zeit sind zahlreiche Aktivitäten der Europäischen Union und der Verbände der Europäischen Fernleitungsnetzbetreiber zu verzeichnen.
 
So forciert die Europäische Union im Rahmen der Energieunion aktiv die „Energie-Diplomatie”. Hierzu fanden in den letzten Wochen Treffen zwischen Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, und Vertretern der Länder Marokko, Algerien, China und Ägypten statt.
 
Ende des Jahres wird mit der Inbetriebnahme der Stromtrasse zwischen Lettland und Polen  als weiterer Schritt der Strommarktintegration gerechnet. Ist die Trasse installiert, werden die Energiemärkte der baltischen Staaten an die zentral- und westeuropäischen Märkte angeschlossen und es können Day-Ahead Kapazitäten zwischen den Ländern begrenzt durch die Kapazität der Leitungen in Höhe von 500 MW über Nord Pool Spot gehandelt werden.
 
Zudem gibt es in der Abstimmung der Netzkodizes aktuelle Entwicklungen. Die Netzkodizes sind einheitliche Regeln für den Betrieb der europäischen Netze, die durch den Netzbetreiberverbund ENTSO ausgearbeitet werden und der Europäischen Kommission zur Abstimmung vorgelegt werden. Im Stadtwerke Kursbuch vom Juni 2014 wurde dieses Thema genauer erläutert. Die Europäische Kommission hat neuen Regeln der Netzkodizes für die grenzüberschreitende Kooperation zwischen Gasnetzbetreibern zugestimmt. Jedoch liegen weiterhin einige Regeln der Kommission vor, denen die Europäische Kommission für den Ausbau und Betrieb eines europäischen Stromnetzes zustimmen muss.
 
Für die weitere Entwicklung, insbesondere für die Vorschläge der konkreten Maßnahmenpakete, die die Strategie der Energieunion flankieren sollen, hat die Europäische Kommission einen Zeitplan vorgelegt. In Abbildung 2 haben wir die wesentlichen Punkte für Sie zusammengefasst.

 
 Zum Vergrößern bitte anklicken

 
 
Ausblick

Das Strategiepapier ist ein Bekenntnis des Europäischen Rates als Vertretung der Mitgliedsstaaten für eine Energieunion und damit für einen europäischen Energiebinnenmarkt. Die wirtschaftliche Verknüpfung durch gemeinsame Handelsplätze für Strom und Gas besteht und die physikalische Verbindung durch Netze wird konstant ausgebaut. Um jedoch einen einheitlichen Binnenmarkt zu schaffen, müssen der europäisch einheitliche regulatorische Rahmen vollendet, der Netzausbau weiter voran getrieben, regionale Strukturen baulich angepasst und ein darauf zugeschnittenes europäisches Marktmodell implementiert werden.
 
Das bedeutet, dass der Absichtserklärung konkrete Taten folgen müssen, die über die verstärkte Umsetzung vorhandener Be-
schlüsse und gesetzlicher Vorgaben hinausgehen. Wir hoffen, dass
die vorzuschlagenden Maßnahmenpakete dies erfüllen können.
 
Ist ein einheitlicher Binnenmarkt etabliert, können neue Geschäftsmodelle für Stadtwerke erschlossen werden. Um nur ein Beispiel zu nennen:  Deutsche Stadtwerke könnten Photovoltaikanlagen in Spanien unter optimalen Bedingungen installieren und den erzeugten Strom in ihrer Gemeinde in Deutschland verkaufen.  Wie genau solche Geschäftsmodelle zu gestalten sind, kann jedoch erst nach der Vorstellung und Umsetzung aller Maßnahmen zum Binnenmarkt definiert werden.
 
Die Europäische Kommission hat angekündigt, dass sie jährlich über den aktuellen Stand der Energieunion berichten wird. Selbstverständlich werden wir Sie weiter über die Neuerungen informieren.


Abbildung 1: Zusammenfassung der 5 Dimensionen der Energieunion
Zum Vergrößern bitte anklicken

 Aus dem Newsletter

Kontakt

Contact Person Picture

Benjamin Richter

Diplom-Betriebswirt (FH)

Partner

+49 89 9287 803 50
+49 89 9287 803 00

Anfrage senden

Contact Person Picture

Rafael Schmidt

Diplom-Wirtschaftsingenieur

+49 911 9193 3571
+49 911 9193 3549

Anfrage senden

 Veranstaltungen


 Bleiben Sie informiert!

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu