Hoher Investitionsbedarf für Stromnetzbetreiber im Kontext der Energiewende

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Von Chrsitoph Beer
 
Eine aktuelle Studie der Deutschen Energieagentur zeigt auf, dass auf Verteilnetzebene bis zum Jahr 2030 ein umfassender Aus- und Umbaubedarf besteht, um weiterhin die vollständige Einspeisung regenerativen, meist dezentral erzeugten Stroms zu gewährleisten. Allerdings können bei der derzeitigen Ausgestaltung der Anreizregulierung die notwendigen Renditen zur Finanzierung der Maßnahmen von einem Teil der Netzbetreiber nicht erwirtschaftet werden, sodass auch das regulatorische Umfeld den künftigen Herausforderungen angepasst werden muss.
 

Auswirkungen des Erneuerbaren-Energien-Zubaus auf den Netzbetrieb

Die Leistung erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung ist in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren im Jahr 2000 noch ca. 11 GW Leistung an erneuerbaren Energien installiert, stieg diese bis zum Jahr 2010 auf ca. 56 GW an. Allein im Jahr 2011 wurde eine Kapazität von ca. 10 GW zugebaut, sodass die installierte Leistung erneuerbarer Energien zum Jahresende bei ca. 66 GW lag. Auch in Zukunft soll dieser Ausbau entsprechend den Zielen der Bundesregierung weiter vorangetrieben werden.
 
Der zunehmende Ausbau regenerativer, in der Regel dezentraler Stromerzeugungsanlagen hat weitreichende Konsequenzen für das gesamte Energieversorgungsnetz in Deutschland. Notwendig wird einerseits der Aus- und Umbau des Höchstspannungsnetzes, um den im Norden erzeugten Windstrom zu den großen Verbrauchszentren im Süden zu transportieren. Andererseits ist aber auch ein Aus- und Umbau der deutschen Verteilernetze auf Hoch-, Mittel- und Niederspannungsebene von zentraler Bedeutung. Denn in diesen Netzen ist ein Großteil der erneuerbaren Energien Anlagenkapazitäten angeschlossen. Folglich werden mit einem steigenden Grad an Dezentralisierung, anders als bei einer ausschließlich zentralen Versorgungsstruktur, zeitweise Lastflüsse von niedrigeren Netzebenen in Richtung höherer Netzebenen entstehen. Mitunter kann der weitere Zubau an erneuerbaren Energien Engpässe in den Stromverteilernetzen verursachen.
 
Um auch in Zukunft die vollständige Aufnahme von Strom aus erneuerbaren Energieanlagen sowie Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird es notwendig sein, die Verteilernetze in den kommenden Jahren den künftigen Anforderungen anzupassen. Ein Ausbleiben der Ausbaumaßnahmen verhindert mittel- bis langfristig die vollständige Aufnahme der aus erneuerbaren Energien erzeugten Strommengen. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Energieagentur den Anpassungsbedarf sowie den entsprechenden Investitionsbedarf in den Stromverteilernetzen mit Blick auf die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen in einer Studie untersucht.
 
Maßgeblich für den Aus- und Umbaubedarf der Verteilernetze ist der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien. Dieser wird auf Grundlage von zwei unterschiedlichen Szenarien prognostiziert: Während das Szenario Netzentwicklungsplan (NEP) B 2012 von einer Steigerung der Leistung erneuerbarer Energien auf 166 GW und einem Anteil von 62 Prozent der Erneuerbaren an der Bruttostromnachfrage bis zum Jahr 2030 ausgeht, wird im Bundesländerszenario eine Erhöhung der Kapazität auf 222 GW und einen Anteil von 82 Prozent an der Bruttostromnachfrage zugrundegelegt. Weiterhin wird in beiden Szenarien eine konstante Stromnachfrage auf derzeitigem Niveau unterstellt.
 

Hoher Investitionsbedarf auf Verteilnetzebene

Für beide Szenarien kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Verteilernetze in ihrer derzeitigen Struktur den geplanten Zubau erneuerbarer Energien mittel- bis langfristig nicht tragen können und in den kommenden Jahren in erheblichem Umfang aus- und umgebaut werden müssen. Am größten ist der Bedarf in der Hoch- und Mittelspannungsebene. Bezogen auf die bestehenden Stromnetze müssen in der Hochspannungsebene bis zum Jahr 2030 zwischen 12 Prozent und 19 Prozent neu gebaut und zwischen 22 Prozent und 26 Prozent umgerüstet d.h. durch Um- und Zubeseilung modernisiert werden. Die Mittelspannungsebene weist einen Neubaubedarf von 15 Prozent bis 24 Prozent auf. Am geringsten ist der Ausbaubedarf in der Niederspannungsebene. Hier ist gemessen an den bestehenden Netzen ein Ausbau der Leitungen um 5 Prozent erforderlich. Insgesamt müssen auf Verteilnetzebene 135.000 km bis 193.000 km Leitung neu gebaut und bestehende Freileitungen in der Hochspannungsebene auf einer Länge von 21.000 km bis 24.500 km umgerüstet werden. Darüber hinaus macht die steigende Kapazität erneuerbarer Energien eine zusätzliche Transformatorleistung von 69.000 MVA bis 93.000 MVA erforderlich. Den entsprechenden Investitionsbedarf bis zum Jahr 2030 für die beschriebenen Maßnahmen beziffert die Studie auf 27,5 Mrd. Euro bis 42,5 Mrd. Euro. Ein Großteil dieser Investitionen, so die Autoren der Studie, wird bereits bis zum Jahr 2020 anfallen.
 
Aus den Ergebnissen lässt sich der Investitionsbedarf für exemplarische Netzbetreiber ableiten. Dementsprechend muss ein mittelgroßer Netzbetreiber mit einer Netzlänge von ca. 835 km (420 km in der Niederspannung und 315 km in der Mittelspannung) mit einem Investitionsbedarf von ca. 7 bis 10 Mio. Euro rechnen, während bei einem kleinen Netzbetreiber mit 221 km Niederspannungs- und 172 km Mittelspannungsnetz zusätzliche Investitionen in Höhe von ungefähr 3 bis 5 Mio. Euro in den nächsten Jahren anfallen werden.
 

Anpassung der regulatorischen Rahmenbedingungenerforderlich

In Ergänzung zu dem technischen Gutachten wurde auch untersucht, ob das derzeitige Regulierungsregime angemessene Rahmenbedingungen für den anstehenden Investitionsbedarf setzt. Neben den Investitionen für den Aus- und Umbau wurden die Investitionen für den Erhalt der bestehenden Netze berücksichtigt. Die Untersuchung kommt dabei zu dem Ergebnis, dass Netzbetreiber bei der aktuellen Ausgestaltung der Anreizregulierung nur bedingt oder sogar keine angemessene Rendite erwirtschaften können.
 

Fazit

Daher ist es eine essenzielle Aufgabe aller Verteilnetzbetreiber sich intensiv mit der Investitionsplanung der nächsten Jahre auseinanderzusetzen, die notwendigen und planbaren Investitionen optimal auf die Zeitschiene (Stichwort Fotojahr 2016) abzustimmen und die Finanzierungsalternativen zu prüfen.

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Christoph Beer

Diplom-Betriebswirt (FH), Certified Valuation Analyst (CVA)

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