Herausforderungen und Chancen der flächendeckenden Einführung intelligenter Zähler

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​Die Digitalisierung ist aktuell das Top-Thema der Energiewirtschaft und die hiermit verbundenen Möglichkeiten lassen eine Veränderung der bestehenden Strukturen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle erwarten. Die Einführung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW) legt dabei den Grundstein zum Aufbau „intelligenter Netze”, die zukünftig „intelligente Märkte” ermöglichen sollen.

 

In einem ersten Schritt müssen die Herausforderungen des Smart-Meter-Rollouts erfolgreich gemeistert werden. Da sich durch den Aufbau eines integrierten, bidirektionalen Daten- und Energienetzes neue Funktionalitäten ergeben, sind jedoch auch strategische Überlegungen hinsichtlich der Veränderung bestehender Geschäftsfelder und des Aufbaus neuer Tätigkeiten anzustellen.

 

Einordnung des Status Quo

Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat bereits mehr als dreißig Gateway-Administratoren nach den Vorgaben für den sicheren Betrieb der Smart-Meter-Gateways zertifiziert. Ende letzten Jahres hat auch das erste Smart-Meter-Gateway die Zertifizierung durch das BSI erhalten, 8 weitere Smart-Meter-Gateways verschiedener Hersteller befinden sich derzeit im Zertifizierungsverfahren. Somit scheint es absehbar, dass die erforderliche Mindestzahl von 3 zertifizierten intelligenten Messsystemen unterschiedlicher Hersteller erreicht wird und der verpflichtende Rollout starten kann.

 

Im europäischen Vergleich hängt Deutschland bei dem Verbau intelligenter Zähl- und Messgeräte deutlich hinterher. Dies ist maßgeblich den hohen Anforderungen hinsichtlich Datenschutz und IT-Sicherheit geschuldet. Im Hinblick auf die Tatsache, dass zukünftig verschiedenste innovative Dienste auf die Controllable-Local-Systems (CLS)-Schnittstelle des Smart-Meter-Gateways aufsetzen
werden, wird sich diese Vorgehensweise langfristig jedoch vermutlich auszahlen. Ein grundfestes Vertrauen in den Schutz der sensiblen Verbraucherdaten stellt wohl eine der wichtigsten Säulen bei Akzeptanz und Nutzung der intelligenten Messsysteme dar.

 

Aufgaben für Netzbetreiber

Allerspätestens jetzt gilt es für Stromnetzbetreiber das Thema des intelligenten Messwesens anzugehen. Aufgrund der durch die Preisobergrenzen gedeckelten Preise für den Betrieb der jeweiligen intelligenten Messsysteme sollte die Umsetzung des Rollouts durch schlanke Prozesse effizient gestaltet werden, um einen wirtschaftlichen Rollout zu bewerkstelligen. Darüber hinaus müssen auch die regulatorischen Auswirkungen auf die Erlösobergrenze durch den sukzessiven Wegfall der Entgelte für den konventionellen Messstellenbetrieb im Zuge der Rolloutplanung beachtet werden.

 

Neben der im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) vorgesehenen Marktrolle des grundzuständigen Messstellenbetreibers wurde mit der Rolle des wettbewerblichen Messstellenbetreibers eine zusätzliche Marktrolle eingeführt, die den Wettbewerb im Messwesen stärken soll. Dabei sollen neue Marktchancen ergründet werden und innovative Produktideen entstehen. Mit der Marktrolle des wettbewerblichen Messstellenbetreibers werden zudem neue Akteure auf den Markt stoßen. Mittel bis langfristig wird erwartet, dass die Zahl der wettbewerblichen Messstellenbetreiber die Zahl der grundzuständigen Messstellenbetreiber sogar übersteigen wird.

 

Naheliegender Treiber einer solchen Entwicklung kann kurzfristig die Wohnungswirtschaft sein. Eine detaillierte Verbrauchsaufschlüsselung von Strom-, Gas- und Wasserverbrauch ist vor allem für Eigentümer und Mieter von Mehrparteienhäusern von Interesse. Für Stadtwerke bietet es sich daher an, die Smart-Meter-Infrastruktur zu nutzen und auch Submetering, also die verbrauchsabhängige Messung und Abrechnung von Heiz- und Warmwasserkosten sowie Kaltwasserkosten in Mehrparteienhäusern, über das Smart-Meter-Gateway anzubinden. Als lokaler Energieversorger vor Ort sind Stadtwerke prädestiniert, ihr Produktportfolio im dienstleistungsnahen Bereich am klassischen Kerngeschäft zu erweitern.

 

Wettbewerbliche Mehrwertdienste

Daneben ist insbesondere der Markt für innovative Mehrwertdienste interessant, die auch energiefremde Branchen einbeziehen. Im Pflegebereich (Altenpflege, Ambient Assisted Living) können mithilfe von Verbrauchsdaten Unregelmäßigkeiten aufgespürt und zum Beispiel intelligente Notrufsysteme eingerichtet werden. Zudem ermöglicht das Smart-Meter-Gateway eine sichere Übertragung von hochsensiblen Daten. Externe Dienstleister können die Smart-Meter-Infrastruktur nutzen, um über die CLS-Schnittstelle mittels gesicherter Kommunikationsverbindung IoT-Geräte der Anschlussnehmer anzusteuern. Smart Meter und die gewonnenen Daten öffnen somit auch den Raum für umfassende Smart-Home-Lösungen. Diesem noch jungen Markt wird in den nächsten Jahren ein großes Wachstumspotenzial vorhergesagt. Bereits heute lässt sich mittels eines Smart Meters der Stromverbrauch einzelner Haushaltsgeräte aufschlüsseln. Marktbeobachtungen zeigen, dass sich erste Energieversorger mit Start-ups zusammenschließen und sich innovative Geschäftsmodelle am Markt bilden.

 

Im öffentlichen Bereich haben sich mittlerweile Long Range Wide Area Network (LoRa-WAN)-basierte IoT-Lösungen etabliert. Die IoT-Lösungen reichen von Parkplatzsensoren, die die Suche nach einem freien Parkplatz erleichtern, über Smartboxen, die Lärm und Feinstaub messen, bis hin zu öffentlichen Müllcontainern, die den Füllstand messen und an eine zentrale Stelle übermitteln. Auch hier stellt die CLS-Schnittstelle am Smart-Meter-Gateway das entscheidende Verbindungsglied dar. So können externe Marktteilnehmer die mit LoRaWAN gesammelten Daten über die gesicherte Kommunikationsverbindung des CLS-Kanals in ihre Backendsysteme leiten.

 

Ganzheitlicher Strategieansatz

Die vielfältigen Entwicklungen führen zu der Frage, welche unmittelbaren Folgen sich konkret für Versorgungsunternehmen ergeben und welcher Strategieansatz verfolgt werden sollte. Ist es besser, sofort in den Markt einzusteigen oder vorerst weitere Entwicklungen abzuwarten? Auch wenn das Gewinnpotenzial aktuell noch als gering einzustufen ist, so ist es doch mehr als wahrscheinlich, dass langfristig innovative Geschäftsideen entstehen werden. Erfolgt eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells erst nachdem erste Ideen erfolgreich umgesetzt wurden, besteht die Gefahr, dass der Anschluss verloren geht und sich auch die Marktanteile im bestehenden Vertriebsgeschäft reduzieren. Um sich neue Marktchancen zu erhalten, sollte im Rahmen der Rolloutplanung und Strategieentwicklung ein ganzheitlicher Blick auf die Entwicklungspotenziale gelegt werden.

 

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