Optimierung der Vergütung für Biogas- und Biomethananlagen durch effiziente Ausnutzung der Flexibilitätsprämie (§ 33i EEG2012)

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Von Benjamin Hufnagel und Daniel Maier
 
Weil Biogas verstromende Einrichtungen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien die derzeit einzig zur Verfügung stehende Technologie darstellen, die – ähnlich wie konventionelle Kraftwerke – speicherbare Brennstoffe (chemisch gebundene Energie) nutzen, besteht ein öffentliches Interesse, diese Einrichtungen zu fördern und so den Strom während solcher Zeiträume anbieten zu können, in denen eine hohe Nachfrage besteht. Betreiber von Biogasanlagen und Biomethan-Blockheizkraftwerken (BHKW) sollen daher durch die Flexibilitätsprämie motiviert werden, ihre Kapazitäten zu erweitern und sich dadurch eine (zusätzliche) zehnjährige Vergütung zu sichern. 
    

Akzeptanzprobleme des EEG

Der Erfolg des Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien (nachfolgend: EEG2012) erhält weltweite Beachtung. Auf europäischer und nationaler Ebene werden die Fördereffizienz und Binnenmarkthemmnisse des deutschen Einspeisetarifsystems kritisiert. Vor allem die zunehmenden und noch lange nachwirkenden Belastungen der Letztverbraucher schmälern den gesellschaftlichen und politischen Rückhalt.
  
Die letzten Modifizierungen des EEG (EEG2012) zielten in erster Linie darauf ab, die Marktintegration der Erneuerbaren Energien zu fördern und alternative Vermarktungsmöglichkeiten zu regulieren.

 
Direktvermarktung und Flexibilisierung Eneuerbarer Energien

Die neuen Vermarktungsmodelle des EEG 2012 sind in § 33b Nr. 1 – 3 EEG2012 geregelt und unterteilen sich in „Marktprämien Direktvermarktung“, „Grünstromprivileg“ und „sonstige Direktvermarktung“.
  
Die Zuflüsse aus der Flexibilitätsprämie können nur in Verbindung mit der Marktprämie oder der sonstigen Direktvermarktung erwirtschaftet werden. Die Flexibilitätsprämie kann darüber hinaus ausschließlich für Biogas- bzw. Biomethananlagen in Anspruch genommen werden. Die Vergütung erfolgt in Form einer „Kapazitätskomponente“ (hierunter versteht man eine technische Optimierung / Konzeptionierung der Biogasanlage, durch die die Kapazität sowohl des Primärenergieerzeugers wie auch des Stromerzeugers erhöht werden soll, um so die höhere Nachfrage zu Spitzenlastzeiten bedienen zu können). Der Vergütungssatz von bis zu 65 Euro pro Jahr und kW der jeweils ex-post ermittelten Zusatzkapazität, wird für maximal zehn Jahre zzgl. des Jahres gewährt, in dem die Kapazitätskomponente erstmals geltend gemacht wird.
  
Erfasst werden neue Anlagen sowie Bestandsanlagen (vgl. §66ABs. 1 Nr. 11 EEG2012). 

  
Optimierungsansatz

Ziel der Flexibilitätsprämie ist die Erhöhung der Erzeugungskapazität aus steuerbaren EE-Anlagen. Der Vergütungsmechanismus, nach welchem der Ertrag maximiert wird, unterscheidet sich daher maßgeblich von dem der herkömmlichen EEG-Vergütung, indem möglichst viel Strom erzeugt und eingespeist wird. 
  
Eine Förderung über die Flexibilitätsprämie erhalten demnach Biogasanlagen die auf eine bestimmte Größenordnung konzipiert sind und durch die zusätzliche Installation weiterer Erzeugungskapazitäten (eines weiteren BHKW) in Zeiten hoher Stromnachfrage dementsprechende Mehrleistung bereitstellen können. Nötig ist für die Vorhaltung des zur Stromerzeugung nötigen Biogases, die Investition in einen Biogasspeicher. 
  
Ebenso wird die Kapazitätserhöhung von Biomethan-BHKWs gefördert. Voraussetzung ist hierbei, dass 100 Prozent der erzeugten Wärme genutzt werden (keine Privilegierung wie bei Biogas über § 33c Abs. 3 EEG2012). Die zu refinanzierenden Investitionsmaßnahmen erstrecken sich daher auf die Zusatzkapazität (BHKW), Kommunikationstechnik (für einen bedarfsorientierten Betrieb) und auf nötige Wärmespeicher.
 
Die Höhe der Flexibilitätsprämie (in ct/kWh) errechnet sich nach der in Anlage 5 EEG2012 beschriebenen Formel: 
 

 
Durch die Mindestanforderung der Bemessungsleistung von 20 Prozent der installierten Leistung und der Deckelung der förderfähigen Zusatzleistung auf 50 Prozent der installierten Leistung ergibt sich folgende Grafik der jährlich möglichen Mehreinnahmen in Abhängigkeit der Jahresbetriebsstunden (Anlagenbeispiel mit 2 MWel): 
 

      
Es sind in dem Anlagenbeispiel pro Jahr rein aus den Zusatzerlösen aus der Flexibilitätsprämie Einnahmen über 130.000 Euro möglich. Dem stehen Mehraufwendungen und Investitionskosten für den bedarfsorientierten Betrieb (z.B. Marktbeobachtung, Erzeugungsplanung, Speicher- und Kommunikationstechnik etc.) gegenüber. Insofern in dem genannten Beispiel über zehn Jahre betrachtet die genannten Aufwendungen und die nötigen Zusatzinvestitionen in Erzeugungseinheit (BHKW) und Peripherie (Wärme- bzw. Biogasspeicher, Kommunikationstechnik etc.) 1.300.000 Euro nicht überschreiten, erscheint es empfehlenswert, die Ertragsmöglichkeiten und Optimierungsoptionen, die sich aus der Flexibilitätsprämie ergeben, prüfen zu lassen. 
 
Eine pauschale Aussage lässt sich hierzu jedoch kaum treffen, da die Vorteilhaftigkeit der bedarfsorientieren Stromerzeugung auch von den Chancen eines höheren Strompreises und den Nachteilen aus der geringeren Anlagenlaufzeit (bspw. opportune Wärme- und Stromerlöse, Verschleiß durch lange Stillstände oder häufigere Start-/Stoppvorgänge, gebundenes Kapital etc.) abhängt. 
 
In der Tendenz lässt sich erkennen, dass die Flexibilitätsprämie für größere BHKW-Anlagen (ab ca. 300 kWel) wirtschaftlich interessanter erscheint. In vielen Fällen sind überdies vor Ort einige positive Voraussetzungen an die erfolgreiche Vermarktung über die Flexibilitätsprämie bereits erfüllt (z.B. Grundlastwärmebedarf, mehrere Aggregate in Betrieb, Stromvermarktung erfolgt bereits). Hier erscheint eine Umstellung mit geringem Mehraufwand möglich. Ebenso könnten ältere Erdgas-BHKW die bspw. im Zuge einer Modernisierung nach KWKG ausgetauscht werden, auf Biomethan umgestellt werden, um die Zusatzerlöse aus der Flexibilitätsprämie zu erwirtschaften. Insofern die BHKW das Ende der technischen Nutzungsdauer noch nicht erreicht haben.

 
Fazit

Die Flexibilitätsprämie kann die Vergütungen nach dem EEG deutlich erhöhen und im Falle von Bestandsanlagen erheblich verlängern. Da durch die bedarfsorientierte Stromerzeugung der volatilen Einspeisung der Erneuerbaren Energien entgegen gewirkt wird, wird zugleich eines der existenziellsten Probleme der Energiewende angegangen.
 
Die Flexibilitätsprämie ist ein weiteres Instrument zur Ertragsoptimierung von BHKWAnlagen. Es sind demnach neben dem im Juli 2012 novellierten KWKG auch im EEG verschiedene interessante Vermarktungsoptionen hinzugekommen. Damit Sie im Labyrinth der mittlerweile bestehenden Stromerzeugungs- und Vermarktungswege nicht den Überblick verlieren, unterstützen wir Sie gerne bei der Auswahl der für Ihre Anlage richtigen Vermarktungsstrategie.


Kontakt

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Benjamin Hufnagel

Wirtschaftsingenieur (B.Eng.), M.A. Europäische Energiewirtschaft

Senior Associate

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