Photovoltaikanlagen: anteilige Gebäudekosten sind keine Betriebsausgaben

PrintMailRate-it

Schnell gelesen:

  • Mit Urteil vom 17. Oktober 2013 hat der BFH entschieden, dass Photovoltaikanlagen und die Gebäude auf denen sie errichtet werden, eigenständige Wirtschaftsgüter sind. Die Dachflächen gehören damit
    nicht (auch nicht teilweise) zum Betriebsvermögen des Gewerbebetriebs 
    „Energieerzeugung”.
Von Melanie Erhard
 
Wird auf dem Dach eines privat genutzten Gebäudes eine Solaranlage betrieben, so könnten die Kosten für das private, nicht zur Einkünfteerzielung genutzte Gebäude auch nicht anteilig als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. So entschied nun der BFH mit Urteil vom 17. Oktober 2013 (Az.: III R 27 / 12).
 
Im Streitfall verpachtete der Kläger zwei Hallen an seine Ehefrau, die darin u. a. eine Pferdepension betrieb. Die monatliche Miete lag dabei unter der steuerlichen Gebäudeabschreibung. Auf den Dächern der Hallen betrieb der Kläger eine Photovoltaikanlage, mit der er erhebliche Einnahmen aus der Einspeisung des erzeugten Stroms in das öffentliche Netz erzielte.
 
Bei der Prüfung der Einkünfteerzielungsabsicht betrachtete das Finanzamt die Vermietung der Hallen und die Energieerzeugung
getrennt. Die Gebäudekosten wurden in voller Höhe der Vermietungstätigkeit zugeordnet. Aufgrund der negativen Überschussprognose der Hallenvermietung wurde diese als Liebhaberei qualifiziert, so dass die Vermietungsverluste inklusive der Gebäudekosten steuerlich keine Berücksichtigung fanden.
 
Die gewerblichen Einkünfte aus der Energieerzeugung hat die Finanzverwaltung separat betrachtet. Ein anteiliger Ansatz der Hallenkosten als Betriebsausgaben erfolgte hierbei nicht, weil es an einem objektiven Maßstab für die Aufteilung der Kosten fehlte.
 
Das Verhältnis der Dachfläche zur Fläche des Halleninnenraums schien mangels Vergleichbarkeit der Flächen kein geeigneter Aufteilungsmaßstab zu sein. Das Verhältnis der erzielten oder erzielbaren Mieten von Halle und Dachfläche wurde ebenfalls als ungeeignet zurückgewiesen. Im Ertragsteuerrecht muss ein veranlassungsgerechter Aufteilungsmaßstab angewandt werden. Ein nachvollziehbarer und sachgerechter Maßstab für die Aufteilung der Kosten in solche der privaten Hallennutzung und solche der gewerblichen Hallendachnutzung ließ sich im vorliegenden Fall aber nicht finden.
 
Für den Steuerpflichtigen, der auf seinem privaten Wohnhaus eine Photovoltaikanlage baut, ist das Urteil durchaus positiv. Zwar erfolgt die Besteuerung der Anlage unabhängig von der Besteuerung des Gebäudes, auf dem sie errichtet ist. Daraus folgt, dass die Kosten der Anlage als Betriebsausgaben geltend gemacht werden, nicht jedoch die anteiligen Kosten des Gebäudes. Die gute Nachricht aber ist, dass das private Wohnhaus nicht (anteiliges) Betriebsvermögen des Gewerbebetriebs „Energieerzeugung” wird, sondern trotz der Anlage
auf dem Dach im steuerlichen Privatvermögen verbleibt. Bei der Veräußerung der privaten Immobilie außerhalb der Fristen des § 23 Einkommensteuergesetz können Wertzuwächse damit steuerfrei vereinnahmt werden.
 
Der Steuerpflichtige, der eine Photovoltaikanlage auf einem Gebäude errichtet, welches bereits dem steuerlichen Betriebsvermögen
zugeordnet ist, ist von dem Urteil nicht betroffen. Die Gebäudekosten zählen hier ohnehin zu den Betriebsausgaben.

 Aus dem Newsletter

Kontakt

Contact Person Picture

Silvia Schmidt-Leupold

Steuerberaterin

Associate Partner

+49 941 2976 621
+49 941 2976 660

Anfrage senden

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu