Neuer Rechnungslegungsstandard PBU 5/2012 „Vorräte” tritt 2019 in Kraft

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​von Anna Migacheva
 
Um das nationale Rechnungssystem an die Anforderungen der Marktwirtschaft und IAS-Normen anzupassen, hat das Finanzministerium der Russischen Föderation den neuen Rechnungslegungsstandard „Vorräte” (Entwurf PBU 5/2012) vorbereitet, der die Anforderungen zur Bewertung von Vorräten, die in dem derzeit gültigen Rechnungslegungsstandard „Bilanzierung von Vorräten” (PBU 5/01) enthalten sind, in wesentlichem Umfang ändert.
 
Der Entwurf des PBU 5/2012 befindet sich derzeit in der Phase der Bestätigung. Das Inkrafttreten des aufgeführten Standards zur obligatorischen Anwendung ist für 2019 geplant. Gleichzeitig treten mit dem Inkrafttreten des Standards „Vorräte” PBU 5/2012 die methodischen Anweisungen zur handelsrechtlichen Bilanzierung von Vorräten, bestätigt durch Anordnung Nr. 119n des Finanzministeriums der Russischen Föderation vom 28. Dezember 2001, außer Kraft.
 

Neuerungen

Im Entwurf des neuen Standards unterscheiden sich die Definition und die Zusammensetzung der Vorräte wesentlich von der Definition und Zusammensetzung der aufgeführten Vermögensgegenstände, die im geltenden PBU 5/01 „Bilanzierung von Vorräten” dargestellt sind. Neben Rohstoffen und Materialien sowie Waren und Fertigerzeugnissen, die für den Verkauf vorgesehen sind, sind im neuen PBU-Entwurf unfertige Erzeugnisse ebenfalls den Vorräten zugeordnet. Der jetzt geltende PBU 5/01 regelt die Erfassung der unfertigen Erzeugnisse nicht, was im Punkt 4 dieses Standards direkt aufgeführt ist.
 
Im Unterschied zu IAS 2 schreibt der zukünftige Standard PBU 5/2012 vor, auch dem Käufer übergebene Waren und Erzeugnisse sowie die Aufwendungen für die Ausführung von Arbeiten und die Erbringung von Leistungen, zu denen die Gesellschaft den entsprechenden Erlös noch nicht gebucht hat, den Vorräten zuzuordnen (gemäß IAS 2 weisen derartige Vermögensgegenstände alle Merkmale von Aufwendungen der laufenden Periode auf).
 
Von besonderer Bedeutung ist die Aufnahme geistigen Eigentums, das für den Verkauf erworben oder geschaffen wurde, in die Liste der Vorräte. Derzeit buchen viele Gesellschaften geistiges Eigentum als immaterielle Vermögensgegenstände, was dem wirtschaftlichen Sinne dieser Objekte nicht entspricht. Die Bestätigung des neuen Standards wird Klarheit in die Vorschriften zur Rechnungslegung dieser Vermögensgegenstände bringen.
 
Die Geltung dieses neuen Standards erstreckt sich nicht nur auf die Rechnungslegung von Vorräten, sondern auch auf die Rechnungslegung von „Langfristigen Vermögensgegenständen für den Verkauf”. Die Definition und Zusammensetzung der langfristigen Vermögensgegenstände für den Verkauf unterscheiden sich von den vergleichbaren Vermögensgegenständen, die im IAS 2 dargestellt sind. Insbesondere wird für den Verkauf bestimmtes Vermögen, das nach dem Abgang von Sachanlagen verblieben ist oder im Zuge der laufenden Instandhaltung, Reparatur, Rekonstruktion, Modernisierung von Sachanlagen oder anderem Anlagevermögen erhalten wurde, nicht den internationalen langfristigen Vermögensgegenständen zugeordnet.
 
Im Entwurf des neuen PBU 5/2012 ist eine andere Zusammensetzung der Aufwendungen, die in die Herstellungskosten der Vorräte aufgenommen werden, als im PBU 5/01 vorgesehen. Im neuen Standard wurde in die Liste der Aufwendungen, die die Herstellungskosten der Vorräte bilden, eine zusätzliche Komponente aufgenommen, und zwar die Höhe der bei Erwerb oder Schaffung der Vorräte entstandenen Rückstellung für Demontage und Entsorgung der Vorräte und Wiederherstellung der Umwelt der von diesen in Anspruch genommenen Flächen. Dies trägt zur Angleichung der russischen Vorschriften zur Rechnungslegung von Vorräten an die Vorschriften der internationalen Standards bei.
 
Weiterhin ist im Entwurf des Standards PBU 5/2012 eine erheblich erweiterte Liste der Aufwendungen enthalten, die im Unterschied zu PBU 5/01 nicht als Herstellungskosten der Vorräte anerkannt werden (tatsächlich enthält der PBU 5/01 keine solche Liste). Eine wichtige Änderung ist der Ausschluss des die Normwerte überschreitenden Verbrauchs von Rohstoffen, von Ausschuss, von Verlusten aus Stillstand usw. aus den Herstellungskosten der Vorräte. Diese Norm entspricht den in IAS 2 festgelegten Erfassungsvorschriften.
 
Im Entwurf des neuen Standards gilt der faire Wert des zu übergebenden Vermögens, von Vermögensrechten, Arbeiten und Leistungen als Herstellungskosten der Vorräte, die gemäß Verträgen erworben wurden, die die Erfüllung von Verpflichtungen durch Sachwerte vorsehen. Der faire Wert wird auf die in den internationalen Rechnungslegungsstandards vorgesehene Art und Weise bestimmt. Im geltenden PBU 5/01 wird der Begriff des Marktwertes verwendet. Die Verwendung des fairen Wertes in der russischen Rechnungslegung ist für die Bildung der korrekten handelsrechtlichen Informationen und eines korrekten Abschlusses der Unternehmen erforderlich.
 
Zur Anpassung an die IAS sieht der Entwurf des neuen russischen Standards zur Erfassung der Vorräte neue Vorschriften der Bewertung der Vorräte vor, wonach Unternehmen mit kompliziertem Produktionsprozess oder großer Nomenklatur von Fertigerzeugnissen berechtigt sind, die Herstellungskosten der Vorräte zu bestimmen, indem Normaufwendungen angewendet werden. Im Unterschied zu den Entwürfen des russischen Standards erlaubt es IAS 2 nur dann, die Erfassungsmethode zu Normativaufwendungen zu verwenden, wenn die Ergebnisse ihrer Anwendung ungefähr dem Wert der tatsächlichen Herstellungskosten der Vorräte entsprechen.

Eine prinzipiell vom PBU 5/01 abweichende Neuerung ist das Verfahren der Bildung der Herstellungskosten der Vorräte bei deren Erwerb unter der Bedingung des Zahlungsaufschubs. Im PBU 5/01 fehlt diese Vorschrift. In diesem Fall wird in die Herstellungskosten der Vorräte die Summe aufgenommen, die durch das Unternehmen unter der Bedingung der sofortigen Zahlung bezahlt worden wäre. Der Unterschied zwischen der aufgeführten Summe und dem nominalen Wert der in Zukunft zu zahlenden Beträge wird in dem Verfahren berücksichtigt, das für die Rechnungslegung der Aufwendungen aus erhaltenen Darlehen und Krediten bestimmt ist, und zwar für den gesamten Zeitraum des Zahlungsaufschubs. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Anwendung der Diskontierung die Bewertung der Vorräte nur dann wesentlich ändert, wenn der Zeitraum des Zahlungsaufschubs recht lang und der Diskontsatz relativ hoch ist.
 
Im Unterschied zu PBU 5/01 sieht der Entwurf des neuen Standards PBU 5/2012 eine direkte Bewertung der Vorräte in der Rechnungslegung nach der Aktivierung zum geringeren der beiden folgenden Werte vor: Herstellungskosten oder Nettoverkaufswert. Die aufgeführten Anforderungen des neuen Standards entsprechen den Regelungen von IAS 2, die eine ähnliche Bewertung der Vorräte direkt zum geringeren Wert aus Herstellungskosten und Nettoverkaufswert vorsehen.
 

Auswirkungen

Die Bestätigung und Einführung des neuen russischen Standards „Vorräte” wird zu einer erheblichen Erhöhung der Korrektheit der handelsrechtlichen Informationen und des Abschlusses der Unternehmen beitragen. Außerdem wird der aufgeführte Standard im Vergleich zum PBU 5/01 in höherem Maße an die IAS-Vorschriften angepasst. Gleichzeitig bleiben auch nach der Bestätigung des neuen russischen föderalen Standards einige Unterschiede zwischen den russischen und internationalen Vorschriften zur Rechnungslegung von Vorräten bestehen.

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