Rechnungslegung & Berichterstattung

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​von Olga Nikolaeva
    

Aktuell wird die Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung in der Russischen Föderation (RF) durch folgende grundlegende Vorschriften reguliert:
   

  • Föderales Gesetz Nr. 402-FZ „Über die handelsrechtliche Rechnungslegung” vom 6. Dezember 2011;
  • Obligatorische Russische Rechnungslegungsstandards und Kontenrahmen;
  • Föderales Gesetz Nr. 208-FZ „Über konsolidierte Abschlüsse” vom 27. Juli 2010;
  • Vorschrift Nr. 107 über die Anerkennung von IAS/IFRS auf dem Territorium der RF vom 25. Februar 2011.

   

Durch Anordnung Nr. 69n des Finanzministeriums der Russischen Föderation vom 28. April 2017 wurden Änderungen eingebracht, die die Anwendung der IFRS bei der Erstellung der Bilanzierungsvorschriften von Unternehmen nach russischen Rechnungslegungsstandards gestatten.

 

Konzept

Das Konzept der Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung basiert in Russland auf internationalen Prinzipien und zwar konkret auf den Prinzipien des vollständigen, korrekten und ununterbrochenen Ausweises von Informationen über Vermögen und Verbindlichkeiten des Unternehmens in wertmäßigem Ausdruck.
  

Die Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung muss ausschließlich auf Russisch erfolgen.

Eine Besonderheit besteht in dem hohen Maß an Bürokratie, das in Bezug auf die Dokumentierung von Geschäftsvorgängen für die handelsrechtliche und steuerliche Rechnungslegung angelegt wird.
 

In der Praxis gilt oft das Prinzip „Form over Substance” anstelle des IFRS-Prinzips „Substance over Form”. Die Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung kann entweder einem Hauptbuchhalter mit entsprechenden Qualifikationen und Kenntnissen oder einer spezialisierten Outsourcinggesellschaft übertragen werden.
 

Eine weitere Besonderheit besteht in Russland darin, dass die Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung und die Erstellung der Steuererklärungen in der Zuständigkeit einer Person liegt – in der des Hauptbuchhalters. In dem Zusammenhang diktieren die russischen Realien bestimmte Anforderungen an Ausbildung, Qualifikation und Berufserfahrung. Diese Anforderungen sind im Föderalen Gesetz Nr. 402-FZ „Über die handelsrechtliche Rechnungslegung” fixiert.
 

Wesentliche Buchhaltungsdokumente

Wie bereits erwähnt, existieren in Russland strenge Anforderungen an die Dokumentierung von Geschäftsvorgängen. So sind für jede Transaktion mehrere Dokumente erforderlich: Faktura-Rechnung, Lieferschein und/oder Protokoll über erbrachte Leistungen.
 

Im Unterschied zur in Europa üblichen Praxis gilt in Russland die Rechnung lediglich als Grundlage für die Überweisung von Geldmitteln; der Ausweis von Erträgen oder Aufwendungen in der handelsrechtlichen und steuerlichen Rechnungslegung ist auf Grundlage der Rechnung nicht zulässig. Zum Ausweis von Erlös und Aufwendungen wird der Lieferschein (für Transaktionen mit Waren) oder das Protokoll über erbrachte Leistungen (für Transaktionen mit Dienstleistungen) verwendet.
 

Ein sehr wichtiges Dokument ist die Faktura-Rechnung. Sie ist für die Erfassung der Umsatzsteuerab¬rechnungen vorgesehen. Falls diese fehlt, erkennt die Steuerbehörde das Recht des Steuerzahlers auf Umsatzsteuerabzug nicht an. Falls im Unternehmen ein elektronischer Belegdurchlauf über bestimmte Provider organisiert ist, werden gleichzeitig mit der Umsatzsteuererklärung elektronische Kopien der Faktura-Rechnungen bei der Steuerbehörde eingereicht.
 

Formblätter des Jahresabschlusses

Als Berichtsperiode ist in Russland das Kalenderjahr festgelegt (1. Januar bis 31. Dezember). Für Zwecke der russischen handelsrechtlichen und steuerlichen Berichterstattung kann keine andere Berichtsperiode festgelegt werden. Unterjährliche Abschlüsse sind in Russland nicht vorgesehen.

Der Jahresabschluss umfasst folgende Pflichtbestandteile:
    

  • Bilanz;
  • Gewinn- und Verlustrechnung;
  • Eigenkapitalspiegel;
  • Kapitalflussrechnung;
  • Anhang.

 

Falls das Unternehmen keiner gesetzlichen Prüfungspflicht unterliegt, kann der Anhang zum Jahresabschluss in vereinfachter Form erstellt werden.
 

Der Jahresabschluss muss bis zum 31. März des folgenden Jahres aufgestellt werden. Die wichtigsten Steuern sind die Umsatzsteuer und die Gewinnsteuer.
 

Veranlagungszeitraum für die Umsatzsteuer ist das Quartal. Die Steuererklärungen sind quartalsweise einzureichen und zwar bis zum 25. Tag des Monats, der dem jeweiligen Quartal folgt.
 

Die Gewinnsteuer ist eine jährliche Steuer, jedoch mit quartalsweiser Einreichung der Steuererklärung. Die Jahresgewinnsteuererklärung wird bis zum 28. März des Jahres nach dem Berichtsjahr eingereicht, die Quartalssteuererklärungen bis zum 28. Tag des Monats nach dem Berichtsquartal.
 

Wirtschaftsprüfung

In Russland existieren zwei wesentliche Formen der Wirtschaftsprüfung: Die obligatorische Prüfung und die Initiativprüfung.
 

Der obligatorischen Prüfung unterliegen:
   

  • Sämtliche Aktiengesellschaften, ungeachtet von Erlös und Vermögen;
  • Unternehmen, deren Wertpapiere auf dem organisierten Wertpapiermarkt gehandelt werden;
  • Organisationen, für die durch Spezialgesetze eine obligatorische Wirtschaftsprüfung vorgesehen ist, z.B. Bauträger.

  
Außerdem unterliegen der obligatorischen Prüfung Unternehmen, die nicht in die oben genannten Kategorien fallen, die jedoch in der vorigen Berichtsperiode folgende Kriterien überschritten haben:
   

  • Umsatz im Jahr vor dem Berichtsjahr 400 Mio. Rubel oder
  • Bilanzsumme zum 31. Dezember des Vorjahres 60 Mio. Rubel.

  
Die Prüfung muss durch einen zugelassenen russischen Wirtschaftsprüfer durchgeführt werden. Eine Initiativprüfung kann auf Wunsch der Gesellschaftseigentümer für einen beliebigen Zeitraum und in einem beliebigen Format erfolgen: Limited Review, Prüfung bestimmter Rechnungslegungsbereiche, Forensic Audit.
   

Fazit

In Sachen Compliance hat Russland nach wie vor Verbesserungspotential; regelmäßig werden Korruptionsskandale unterschiedlicher Größenordnung aufgedeckt.
 

Vor dem Hintergrund ist es für ausländische Muttergesellschaften empfehlenswert, ihre russischen Tochterunternehmen regelmäßig zu überprüfen – sowohl in Bezug auf den korrekten Ausweis von Geschäftsvorgängen in der russischen handelsrechtlichen und steuerlichen Rechnungslegung als auch in Bezug auf den transparenten und ordnungsgemäßen Ausweis im Konzernabschluss. Russische Tochterunternehmen müssen außerdem die Anforderungen der Muttergesellschaft in Bezug auf die handelsrechtliche Bildung von Rückstellungen und Wertberichtigungen berücksichtigen.
 

Aus dem Grund ist die Zusammenarbeit mit einem Outsourcing-Partner eines der Instrumente, die es westlichen Investoren und Gesellschaftern gestatten, ihre Investitionen zu schützen und die korrekte Mittelverwendung permanent zu kontrollieren. Ein vertrauenswürdiger Partner hält Sie u.a. regelmäßig über die korrekten Kontosalden auf dem Laufenden, deckt ungewöhnliche und verdächtige Transaktionen auf und berät Sie angemessen.
 

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Kontakt

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Leonid Dimant

Leiter Business Process Outsourcing (Russland)

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