Neuerungen in Bezug auf die russischen Rechnungslegungsstandards

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Ende 2018 hat das Russische Finanzministerium 2 neue Rechtsvorschriften veröffentlicht, die das Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung und der Erstellung von Abschlüssen in der Russischen Fö­deration regeln, und zwar konkret Anordnung Nr. 236n vom 20. November 2018, welche Änderungen in den Rechnungslegungsstandard PBU 18/02 „Gewinnsteuer” einbringt, und Anordnung Nr. 208n vom 16. Oktober 2018 über die Bestätigung des Föderalen Rechnungslegungsstandards FSBU 25/2018 „Handelsrechtliche Rechnungslegung in Bezug auf Leasing-/Mietverhältnisse”. Das letztere Dokument hat laut Föderalem Gesetz Nr. 402-FZ „Über die handelsrechtliche Rech­nungslegung” vom 6. Dezember 2011 den Status eines Föderalen Rechnungslegungsstandards. Es handelt sich um den ersten föderalen Standard, der seit dem Inkrafttreten des aufgeführten Gesetzes verabschiedet wurde.

 

Gewinnsteuerabrechnung: Änderungen im Rechnungslegungsstandard PBU 18/02

Seit längerer Zeit wird in Buchhaltungskreisen darüber diskutiert, ob die Bildung von Wertberichtigungen auf Vorräte in der handelsrechtlichen Rechnungslegung gemäß den russischen Rechnungsle­gungs­standards zu permanenten oder zu temporären Differenzen führt. Die Anhänger der konservativen Ansichten sind der Auffassung, dass in diesem Fall eine permanente Differenz entsteht, und bilden in der handelsrechtlichen Rechnungslegung gemäß den russischen Rechnungslegungsstandards eine permanente Steuerverbindlichkeit, die Anhänger der progressiven Position betrachten eine solche Differenz dagegen als temporär und weisen aktive latente Steuern aus.

 
Das russische Finanzministerium hat diesen Streit beendet, indem Änderungen in den Rechnungs­le­gungs­standard PBU 18/02 eingebracht wurden. Nun ist im Rechnungslegungs­standards PBU 18/02 direkt aufgeführt, dass z.B. der Ausweis von Wertberichtigungen auf Vorräte, Finanzanlagen oder sonstigen Aktiva in der han­delsrechtlichen Rechnungslegung sowie der Ausweis von Rückstellungen (z.B. für nicht in Anspruch genom­menen Urlaub) in der handelsrechtlichen Rechnungslegung zur Bildung einer temporären Differenz und dementsprechend in der Regel zu aktiven latenten Steuern führt.

 
Auch die Neubewertung der Vermögensgegenstände zum Marktwert für Zwecke der handelsrechtlichen Rechnungslegung wurde als Grundlage für die Entstehung einer temporären Differenz eingestuft, was z.B. für Unternehmen aktuell ist, die in der handelsrechtlichen Rechnungslegung und in den Abschlüssen Sachanlagen zum neubewerteten Wert erfassen. Für diese Unternehmen ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass nun die Gewinnsteuer im Zusammenhang mit Transaktionen, die in der handelsrechtlichen Rechnungslegung nicht im Jahresergebnis berücksichtigt werden, ebenso erfolgsneutral zu erfassen sind. Z.B. korrigieren passive latente Steuern, die im Rahmen einer über die ursprünglichen Anschaffungskosten hinausgehenden Neubewertung von Sachanlagen und der hiermit zusammenhängenden Neubewertungsrücklage anfallen, in der handelsrechtlichen Rechnungslegung nicht den Reingewinn bzw. -Verlust der Periode, sondern das Gesamtgeschäftsergebnis der Periode, d.h. sie werden direkt im Kapital erfasst.

 
Die Anwendung des Bilanzverfahrens in Bezug auf die Berechnung der latenten Steuern ist eine weitere wich­tige Änderung, die in den Rechnungslegungsstandard PBU 18/02 eingebracht wurde. Nun wird die temporäre Differenz als Differenz zwischen dem Bilanzwert des Vermögensgegenstandes (der Verbind­lichkeiten) und seinem zu steuerlichen Zwecken zu berücksichtigenden Wert bestimmt.

 
Geändert werden auch die Darstellung der Informationen über die Gewinnsteuerabrechnungen in der Gewinn- und Verlustrechnung und die entsprechenden Begriffe. Anstelle der üblichen Positionen der „laufenden Ge­winnsteuer”, der „permanenten Steuerforderungen und Steuerverbindlichkeiten” sowie der „Änderung der passiven und aktiven latenten Steuern” wird in die Gewinn- und Verlustrechnungen ein neuer, zusammen­gefasster Wert der gewinnsteuerlichen Aufwendungen (Erträge) eingeführt, der in die laufende Gewinnsteuer (aus der Gewinnsteuererklärung) und die latente Gewinnsteuer aufgeteilt wird. Letzterer Wert stellt eine saldierte Änderung der aktiven und passiven latenten Steuern für die Periode dar, mit Ausnahme der Ergeb­nisse der im Kapital zu erfassenden Transaktionen.

 
Das Finanzministerium der Russischen Föderation hat den Entwurf der Anordnung über die Einbringung dieser (und einiger anderer) Änderungen in die Formblätter der Abschlüsse der Unternehmen vorbereitet. Es wird erwartet, dass die Anordnung in diesem Jahr in Kraft tritt.

 
In der neuen Fassung des Rechnungslegungsstandards PBU 18/02 werden Besonderheiten der Anwendung für die Mitglieder einer konsolidierten Steuerzahlergruppe aufgeführt und die Anforderungen in Bezug auf die Offenlegung von Informationen über die Gewinnsteuerabrechnungen des Unternehmens in den Erläuterungen (Anhang) geändert.

 
Der Rechnungslegungsstandard PBU 18/02 in der geänderten Fassung muss ab dem Jahresabschluss für das Jahr 2020 angewendet werden. Jedoch sind die Unternehmen berechtigt, den Rechnungslegungsstandard PBU 18/02 bereits früher anzuwenden. Auf jeden Fall ist die Auswirkung der eingebrachten Änderungen auf die Abschlusswerte rückwirkend auszuweisen, d.h. so, als ob der Rechnungslegungsstandard PBU 18/02 in der neuen Fassung immer unter Übertragung der rückwirkenden Korrekturen auf den Ausweis des Bilanzgewinns (des Bilanzverlustes) angewendet worden wäre.

 
Unserer Ansicht nach sind die in den Rechnungslegungsstandard PBU 18/02 eingebrachten Änderungen für Unternehmen, die auch früher die progressive Position vertreten haben, zum Großteil technischer Natur (mit Ausnahme der gewinnsteuerlichen Aufwendungen (Erträge), die dem Gesamtgeschäftsergebnis zugeordnet werden) und erfordern eine Einbringung von Änderungen hauptsächlich in das Verfahren der Offenlegung von Informationen in den Formblättern der Abschlüsse und den Erläuterungen (Anhang). Für Unternehmen, die einen konservativeren Ansatz vertreten, werden möglicherweise umfassendere Änderungen im Verfahren der Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung und der Erstellung der Abschlüsse erforderlich sein.

   

Ausweis von Leasingverhältnissen. Neuer Föderaler Rechnungslegungsstandard FSBU 25/2018

Durch den Föderalen Rechnungslegungsstandard 25/2018 „Handelsrechtliche Rechnungslegung in Bezug auf Leasing-/Mietverhältnisse” wurden wesentliche Änderungen in das Verfahren der Führung der handelsrecht­lichen Rechnungslegung und Erstellung der Abschlüsse gemäß den russischen Rechnungslegungsstandards in Bezug auf den Ausweis von Leasing- und Mietgeschäften eingebracht.

 
Der Föderale Rechnungslegungsstandard FSBU 25/2018 basiert auf den Prinzipien der IFRS 16 „Leasing­verhältnisse”, der zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist. IFRS 16 „Leasingverhältnisse” wurde in der Russischen Föderation durch Anordnung Nr. 111n des Finanzministeriums der Russischen Föderation vom 11. Juli 2016 eingeführt.

 
Gemäß dem neuen Föderalen Rechnungslegungsstandard FSBU 25/2018 ist, wenn ein Unternehmen z.B. ein Lager oder ein Büro mietet oder PKWs bzw. LKWs usw. least, jeder solche Miet-/Leasingvertrag auf Über­einstimmung mit den Vorschriften des FSBU 25/2018 zu prüfen, da diese höchstwahrscheinlich als Miet- bzw. Leasingobjekte klassifiziert werden und dementsprechend als Recht zur Nutzung des Vermögensgegenstands unter gleichzeitigem Ausweis der Miet- bzw. Leasingverpflichtung in der handelsrechtlichen Rechnungslegung zu erfassen sind.

 
Dabei ist eine Vertragsbedingung darüber, in wessen Bilanz der gemietete/geleaste Vermögensgegenstand im Einvernehmen der Parteien ausgewiesen wird (wie dies in einem Leasingvertrag aufgeführt wird) nicht mehr von Bedeutung. Unabhängig davon, wer (der Leasingnehmer oder Leasinggeber) im Leasingvertrag als wirt­schaftlicher Eigentümer des Vermögens­gegenstandes aufgeführt wird, ist der entsprechende Vermögens­gegenstand durch den Leasingnehmer als Recht zur Nutzung des Vermögensgegenstands auszuweisen, falls der Vertrag den durch den FSBU 25/2018 festgestellten Anerkennungskriterien entspricht.

 

Falls kein Unterleasing geplant ist oder falls durch den Leasingvertrag kein Eigentumsübergang des Vertrags­gegenstands auf den Leasingnehmer vorgesehen ist und die Möglichkeit des Erwerbs des Leasinggegenstands durch den Leasingnehmer zu einem Preis wesentlich unter Marktwert fehlt, ist es möglich, den Vertrags­gegenstand nicht als Recht zur Nutzung des Vermögensgegenstands auszuweisen. Diese Ausnahme gilt für 2 Fälle:
  • die Miet-/Leasingdauer beträgt höchstens ein Jahr, oder
  • der Marktwert des Leasingobjekts beträgt maximal 300.000 Rubel und dieses Objekt kann dem Leasing­nehmer für sich genommen (unabhängig von anderen Vermögensgegenständen) wirtschaftliche Vorteile bringen.
In diesem Falle werden die Leasingzahlungen als Aufwendungen innerhalb der Leasingdauer linear oder auf Grundlage eines anderen systematischen Ansatzes ausgewiesen, der die Art und Weise der Nutzung der wirtschaftlichen Vorteile aus dem Leasinggegenstand durch den Leasingnehmer darstellt (was nicht mit dem Zahlungsplan für die Leasingzahlungen übereinstimmen muss).
 
Bei Ausweis des Leasinggegenstands als Recht zur Nutzung des Vermögensgegenstandes entsteht in der Rechnungslegung des Leasingnehmers ein Vermögensgegenstand und gleichzeitig die dazugehörige Leasing­verpflichtung. Die Leasing­verpflichtung muss erstmalig zum diskontierten Betrag der Nominalwerte der zukünf­tigen Leasingzahlungen bewertet werden. Das Recht zur Nutzung des Vermögensgegenstands wird zum tat­sächlichen Wert ausgewiesen, der insbesondere den Wert der ursprünglichen Einschätzung der Leasing­verpflichtung, der Aufwendungen des Leasing­nehmers zur Versetzung des Leasing­gegenstandes in einen betriebsfähigen Zustand und einige andere Elemente enthält.

 
Nach der erstmaligen Aktivierung wird der Wert des Rechts auf Nutzung des Vermögensgegenstands durch Abschreibung gemindert und die Höhe der Leasing-/Mietverpflichtung um den Betrag der berechneten Zinsen erhöht und um den Betrag der tatsächlich geleisteten Leasing-/Mietzahlungen verringert.

 
Es ist anzumerken, dass das Recht auf Nutzung des Vermögensgegenstands in der Bilanz unter dem Anlage­vermögen zu erfassen ist, die Leasing-/Mietverpflichtung muss in der Bilanz in den langfristigen und den kurzfristigen Teil gegliedert und dementsprechend unter den langfristigen und kurzfristigen Verbindlichkeiten erfasst werden.

 
FSBU 25/2018 sieht auch Fälle von Korrekturen und das entsprechende Verfahren zur Korrektur des Wertes des Rechts auf Nutzung eines Vermögensgegenstands und der Höhe der Leasing-/Mietverpflichtung nach ihrer ursprünglichen Anerkennung vor.

 
Die Leasinggeber erfassen die Miet-/Leasingzahlung abhängig davon, ob der betreffende Sachverhalt als operatives Leasingverhältnis oder nicht operatives Leasing (Finanzierungsleasing) eingestuft wird. Die Be­wertungsprinzipien und das Verfahren der Erfassung in den Abschlüssen ähneln den entsprechenden IFRS-Vorschriften sehr.

 
Der Föderale Rechnungslegungsstandard FSBU 25/2018 enthält Anforderungen in Bezug auf die Veröffent­lichung von Informationen in den Abschlüssen.

 
Es ist anzumerken, dass die Anwendung des Föderalen Rechnungslegungsstandards FSBU 25/2018 im Zusammenhang mit möglichen Unterschieden in den Vorschriften zum Ausweis von Miet-/ Leasingverhältnissen zwischen handelsrechtlicher und steuerlicher Rechnungslegung zur Notwendigkeit des Ausweises von latenten Steuern in der handelsrechtlichen Rechnungslegung und in den Abschlüssen führen kann.

 
Der Föderale Rechnungslegungsstandard FSBU 25/2018 muss ab dem Jahresabschluss für das Jahr 2022 angewendet werden. Eine frühere Anwendung ist zulässig. Die Auswirkung der Anwendung dieses Standards auf das Zahlenwerk des Abschlusses muss rückwirkend ausgewiesen werden, jedoch sieht der Standard für die rückwirkende Anwendung einige Lockerungen vor.

 
Unserer Ansicht nach sollten Unternehmen, die außer den russischen Rechnungslegungsstandards zusätzlich IFRS-Abschlüsse (Reporting Packages für Konsolidierungszwecke) erstellen, die Möglichkeit einer früheren Anwendung des Föderalen Rechnungslegungsstandards 25/2018 prüfen. Dies hängt damit zusammen, dass IFRS (IAS) 16 „Leasingverhältnisse”, auf dessen Grundlage der Föderale Rechnungslegungsstandard 25/2018 erstellt wurde, bereits seit dem 1. Januar 2019 anzuwenden ist, daher kann eine frühere Anwendung des Föderalen Rechnungslegungsstandards 25/2018 dabei helfen, überflüssige Korrekturen und Arbeitsaufwand bei der Erstellung der Abschlüsse zu vermeiden.

  

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