Innovative Auffassung zum Ausweis von Wechselkursdifferenzen

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von Denis Zharov
 

Dieser Artikel behandelt ausgewählte Aspekte der Neubewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, deren Wert in Fremdwährung festgelegt ist, vor dem Hintergrund der russischen Gesetzgebung zur handels­rechtlichen Rechnungslegung und Abschlusserstellung.

 

Bei der Analyse von Abschlüssen unserer Mandanten, die den russischen Vorschriften zur Führung der handels­rechtlichen Rechnungslegung und der Abschlusserstellung entsprechen, fallen in der Gewinn- und Verlustrech­nung oft relativ große Posten sonstiger Erträge und Aufwendungen auf. I.d.R werden solche sonstigen Erträge und Aufwendungen durch Wechselkursdifferenzen infolge der Neubewertung von in Fremd­währung festgeleg­ten Vermögenswerten und Verbindlichkeiten in Rubel verursacht. Diese Situation ist für solche Unternehmen typisch, die Wechselkursdifferenzen in der Gewinn- und Verlustrechnung unsaldiert ausweisen. Einzelne Aspek­te dieser Praxis sollen in diesem Artikel besprochen werden.

 

Erfassung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten in Fremdwährung

Der russische Rechnungslegungsstandard PBU 3/20061 reguliert die Erfassung von Vermögenswerten und Ver­bindlichkeiten, deren Wert in Fremdwährung festgelegt ist. Grundsätzlich muss ihr Wert zum Ausweis in der handelsrechtlichen Rechnungslegung und in den Abschlüssen unter Zugrundelegung des durch die russische Zentralbank festgelegten Wechselkurses umgerechnet werden.

 

Gemäß Punkt 7. PBU 3/2006 muss die Umrechnung des in Fremdwährung festgelegten Wertes der Vermögens­werte und Verbindlichkeiten zum Datum der Abwicklung der betreffenden Transaktion sowie zum Berichtsda­tum erfolgen. Dieses betrifft Bargeldbestände, Zahlungsmitteläquivalente, Wertpapiere (ohne Aktien), Mittel in Abrechnung einschließlich Darlehensverbindlichkeiten (mit Ausnahme von erhaltenen und geleisteten Anzahl­ungen, Vorauszahlungen und Vorschüssen).

 

In PBU 3/2006 wird eine Liste von Daten bei der Abwicklung einzelner Transaktionen in Fremdwährung aufge­führt, ohne allerdings zu bestimmen, was als Berichtsdatum gilt.
 

Berichtsdatum

Die Definition des Berichtsdatums findet sich in dem Gesetz vom 6. Dezember 2011 (im Folgenden „Gesetz über die handelsrechtliche Rechnungslegung”).2 Hiernach gilt der letzte Kalendertag der Berichtsperiode als Datum für die Erstellung der Abschlüsse (Berichtsdatum), mit Ausnahme von Fällen, wie Umwandlung und Li­quidation juristischer Personen. Die Berichtsperiode für den Jahresabschluss (Berichtsjahr) entspricht, vorbe­haltlich den Fällen der Umwandlung und Liquidation, dem Kalenderjahr. Die Berichtsperiode für Zwischenab­schlüsse entspricht dem Zeitraum vom 1. Januar bis einschließlich zum Berichtdatum der entsprechenden Peri­ode.

 
Gemäß dem Gesetz über die handelsrechtliche Rechnungslegung muss jedes Unternehmen einen Jahresab­schluss erstellen, sofern sich aus anderen föderalen Gesetzen und Rechtsakten staatlicher Regulierungsbehör­den nichts Abweichendes ergibt. Zwischenabschlüsse sind grundsätzlich dann zu erstellen, wenn das in födera­len Gesetzen, Rechtsakten staatlicher Regulierungsbehörden, Verträgen, Gründungsdokumenten oder Be­schlüssen des Eigentümers des Unternehmens gefordert wird.
 

Zwischenabschlüsse

Seit dem 1. Januar 2013 werden Quartalsabschlüsse (Zwischenabschlüsse) nicht mehr bei den Steuerbehörden eingereicht. Außerdem besteht keine Verpflichtung zur Einreichung der Zwischenabschlüsse bei den Statistik­behörden. Des Weiteren gelten seit Anfang 2018 die Vorschriften des Rechnungslegungsstandards PBU 4/99 „Abschluss eines Unternehmens”3, nicht mehr. Daher ist für die meisten Unternehmen die Pflicht zur Erstellung von Zwischenabschlüssen entfallen.

    

Einige Ausnahmen finden sich allerdings bspw.:
  • in den durch das Gesetz „Über die Organisation des Versicherungswesens in der Russischen Föderation” vorgesehenen Fällen, in denen ein Versicherungsunternehmen bei der Versicherungsaufsichtsbehörde Quar­talsabschlüsse einreichen muss;
  • und in den durch das Gesetz „Über den Wertpapiermarkt” vorgesehenen Fällen, in denen Emittenten von Wertpapieren Quartalsabschlüsse offenlegen müssen.

Abgesehen von einigen Ausnahmen sind Unternehmen zur Erstellung von Jahresabschlüssen verpflichtet. Dem­entsprechend ist der 31. Dezember eines jeden Kalenderjahres das verbindliche Berichtsdatum. Eine monatli­che Neubewertung der Devisenbestände von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ist somit nach den Russi­schen Rechnungslegungsstandards (RSBU) grundsätzlich nicht erforderlich.

 

Die Werte sonstiger Erträge und Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung müssen also von den Wechselkursdifferenzen befreit werden, die infolge einer monatlichen Neubewertung von Devisenrestbeständen entstehen.

 

Abschließend möchten wir auf die Regelungen in Art. 271, 272 des russischen Steuergesetzbuchs hinweisen, welche die monatliche Neubewertung von Forderungen (Verbindlichkeiten) vorsehen, deren Wert in Fremdwäh­rungen festgelegt ist. Aus gewinnsteuerlichen Zwecken muss also eine monatliche Neubewertung von Devisen­beständen erfolgen, was sich auf die Beträge der zu berechnenden und zu entrichtenden Gewinnsteuervoraus­zahlungen auswirkt.
 
Nach unserer Auffassung ist es daher zweckmäßig für Unternehmen, die keine Zwischenabschlüsse erstellen und ihre Devisenbe­stände monatlich zu Zwecken der handels- und steuerrechtlichen Rechnungslegung neu be­werten, bei der Erstellung der Gewinn- und Verlustrechnung Wechselkursdifferenzen saldiert als sonstige Erträ­ge (Aufwendungen) auszuweisen. Das hierbei gewählte Verfahren muss in den Bilanzierungsvorschriften des Unternehmens festgelegt werden.
 

 

 

1 Bestätigt durch Anordnung Nr. 154n des Finanzministeriums der Russischen Föderation vom 27. November 2006

2 Föderales Gesetz Nr. 402-FZ „Über die handelsrechtliche Rechnungslegung”

3 Bestätigt durch Anordnung Nr. 43n des Finanzministeriums der Russischen Föderation vom 6. Juli 1999 und der Ordnung zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung und Erstellung des Abschlusses in der Rus­sischen Föderation, bestätigt durch Anordnung Nr. 34n des Finanzministeriums der Russischen Föderation vom 29. Juli 1998

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