Vereinfachte Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung

PrintMailRate-it

von Denis Zharov
 

Im vorliegenden Artikel werden die Besonderheiten des vereinfachten Verfahrens zur Führung der handels­rechtlichen Rechnungslegung sowie zur Erstellung vereinfachter Abschlüsse für kleine und mittelständische Un­ternehmen in Russland ausgeführt.

 

Im Newsletter September/Oktober 2018 haben unsere Kollegen aus der Rechtsberatung neue Möglichkeiten für den Erhalt des Status eines sog. „Subjekts des kleinen und mittelständischen Unternehmertums”1 so­wie die damit verbundenen Vorteile für Tochtergesellschaften ausländischer juristischer Personen beleuchtet. Einer dieser Vorteile besteht in der Möglichkeit, vereinfachte Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung (einschließlich vereinfachter Abschlüsse) anzuwenden.
 
Die Möglichkeit der Anwendung vereinfachter Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung (einschließlich Abschlüsse) ist durch das Gesetz vom 6. Dezember 20112 nur für einzelne Arten von Wirt­schaftssubjekten vorgesehen, zu denen insbesondere auch Subjekte des Kleinunternehmertums gehören.
 
Jedoch steht nicht allen Kleinunternehmen das Recht zu, die vereinfachten Verfahren zur Führung der handels­rechtlichen Rechnungslegung sowie zur Erstellung vereinfachter Abschlüsse anzuwenden. Insbesondere können Unternehmen, auch Kleinunternehmen, dieses Recht nicht in Anspruch nehmen, wenn ihre Abschlüsse der obli­gatorischen Wirtschaftsprüfung unterliegen. Ein Unternehmen unterliegt der obligatorischen Wirtschaftsprü­fung, wenn sein Erlös aus dem Vertrieb von Waren im vorangegangenen Berichtsjahr 400 Mio. Rubel oder der Betrag der Bilanzaktiva zum Ende des vorangegangenen Berichtsjahres 60 Mio. Rubel übersteigt.3
 
Eines der quantitativen Kriterien für die Einstufung eines Unternehmens als kleines und mittleres Unterneh­men („KMU”) ist der Betrag der Einkünfte, die laut steuerlicher Rechnungslegung aus allen Tätigkeitsarten im voran­gegangenen Kalenderjahr aus unternehmerischer Tätigkeit erzielt wurden.4 Für Kleinunternehmen darf dieser Betrag den Wert von 800 Mio. Rubel nicht übersteigen.
 
Falls also ein Unternehmen zur Kategorie der Kleinunternehmen mit einem Erlös von nicht mehr als 400 Mio. Rubel und einer Bilanzsumme von nicht mehr als 60 Mio. Rubel gehört (jeweils laut Jahresabschluss des Vor­jahres), ist es berechtigt, die vereinfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung anzuwenden und vereinfachte Abschlüsse aufzustellen. Ausgenommen sind hierbei die Fälle, in denen das Un­ternehmen aus anderen Gründen einer obligatorischen Wirtschaftsprüfung unterfällt oder in denen es in der Liste einzelner Unternehmen verzeichnet ist, welche die vereinfachten Verfahren nicht anwenden dürfen.

 

Ausgewählte Sachverhalte aus den vereinfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung

Generell muss der Leiter eines Unternehmens die Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung an einen Hauptbuchhalter oder eine andere verantwortliche Person dieses Unternehmens übertragen. Er kann auch ei­nen Vertrag über die Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung abschließen. Demgegenüber kann der Geschäftsführer eines Unternehmens, das zur vereinfachten Führung der handelsrechtlichen Rechnungs­legung berechtigt ist, die handelsrechtliche Rechnungslegung selbst führen.

 

Grundsätzlich müssen Unternehmen erhebliche Auswirkungen aus der Änderung ihrer Bilanzierungsvorschriften rückwirkend ausweisen. Bei einer vereinfachten Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung ist es dem­gegenüber zulässig, diese Auswirkungen nicht auszuweisen. Das gilt jedoch nicht, wenn sich aus den einschlä­gigen Rechtsvorschriften etwas anderes ergibt. Wesentliche Fehler in Vorjahren, die im Berichtsjahr nach der Feststellung des Jahresabschlusses bemerkt wurden, müssen ebenfalls nicht rückwirkend ausgewiesen werden, sondern können unter den sonstigen Erträgen und Aufwendungen der laufenden Berichtsperiode erfasst wer­den.

Unternehmen müssen Erträge und Aufwendungen gemäß dem Prinzip der periodengerechten Abgrenzung aus­weisen, also in der Berichtsperiode, in der sie entstehen, und zwar unabhängig vom tatsächlichen Erhalt oder der tatsächlichen Zahlung der mit den betreffenden Geschäftsvorgängen verbundenen Beträge. Bei der verein­fachten Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung ist die Anwendung der Kassenmethode für die Erfas­sung von Erträgen und Aufwendungen möglich. Somit können Erträge bei Erhalt der betreffenden Mittel von Kunden (oder durch andere Zahlungsmethoden) und Aufwendungen bei Begleichung der betreffenden Verbind­lichkeit erfasst werden.
 
Unternehmen, die die vereinfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung anwen­den, sind berechtigt, den Rechnungslegungsstandard PBU 2/2008 „Erfassung von Bauverträgen” nicht anzu­wenden. D.h., sie können Erlöse und entsprechende Aufwendungen aus Bauverträgen nach Unterzeichnung der Abnahmeprotokolle oder sogar unter Anwendung der Kassenmethode aktivieren und nicht erst nach Fertigstel­lung.
 
Unternehmen, die berechtigt sind, die vereinfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungs­legung anzuwenden, können Gegenstände des Anlagevermögens zu reduzierten Anschaffungswerten auswei­sen. D.h., beim entgeltlichen Erwerb von Gegenständen des Anlagevermögens kann der Anschaffungswert le­diglich aus dem vertraglich vereinbarten Preis und den Installationskosten bestehen. Andere direkt mit der An­schaffung dieses Anlagevermögens verbundene Kosten können in vollem Umfang in der Periode, in der sie ge­tragen wurden, als Aufwendungen aus gewöhnlicher Tätigkeit geltend gemacht werden. Außerdem ist es zuläs­sig, den Anschaffungswert des Produktions- und Wirtschaftsinventars einmalig als Aufwand abzuschreiben, und zwar bei Aktivierung in der handelsrechtlichen Rechnungslegung.
 
Unternehmen, die die vereinfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung anwen­den, können Aufwendungen zum Erwerb (zur Schaffung) von geistigem Eigentum als Aufwendungen aus ge­wöhnlicher Tätigkeit geltend machen, und zwar in vollem Umfang, sobald sie anfallen.
 
Bestimmte Erleichterungen sind auch für die Erfassung von Vorräten vorgesehen. Insbesondere bei der erst­maligen Aktivierung ist es möglich, Vorräte nur zum vertraglich vereinbarten Preis anzusetzen. Andere direkt mit dem Erwerb zusammenhängende Aufwendungen können in der Periode, in der sie getragen wurden, in vol­lem Umfang als Aufwendungen aus gewöhnlicher Tätigkeit geltend gemacht werden. Der Wert von Rohstoffen, Materialien, Waren sowie andere Kosten für die Produktion und Verkaufsvorbereitung von Erzeugnissen und Waren können bei Erwerb (Tätigung) in vollem Umfang als Aufwendungen aus gewöhnlicher Tätigkeit ausge­wiesen werden, vorausgesetzt, die Unternehmenstätigkeit erfordert nicht das Vorhandensein von wesentlichen Vorratsbeständen. Außerdem können Unternehmen, die die vereinfachten Verfahren zur Führung der han­delsrechtlichen Rechnungslegung anwenden, die Aufwendungen zum Erwerb von für Verwaltungszwecke vor­gesehenen Vorräten als Aufwendungen aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit geltend machen, und zwar in vol­lem Umfang, sobald sie anfallen. Ferner müssen solche Unternehmen keine Wertberichtigungen von Vorräten vornehmen.
 
Es gibt immer noch Fälle, in denen es Unternehmen vermeiden wollen, Wertberichtigungen bzw. Rückstel­lungen sowie ungewisse Forderungen und ungewisse Verbindlichkeiten in der handelsrechtlichen Rechnungs­legung auszuweisen, so dass keine Rückstellungen für bevorstehende Aufwendungen (z.B. Mitarbeiterurlaub, Jahresprämien, Garantiereparaturen und Garantiewartung) gebildet werden. Wenn ein Unternehmen die ver­einfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung anwendet, muss es diese Rückstel­lungen und Verbindlichkeiten nicht bilden.
 
Generell müssen Unternehmen, die darlehensfinanziert Investitionsvermögen erwerben, die Zinsaufwendungen im Zusammenhang mit diesen Darlehensmitteln im Anschaffungswert der betreffenden Vermögensgegenstände berücksichtigen. Für Unternehmen, die allerdings die vereinfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtli­chen Rechnungslegung anwenden, gilt eine Ausnahme: Sie können in jedem Fall alle Aufwendungen für Darle­hensmitteln unter den sonstigen Aufwendungen ausweisen.
 
Die Anwendung des Rechnungslegungsstandards PBU 18/2 „Bilanzierung der Gewinnsteuer” bereitet Buchhal­tern gewisse Schwierigkeiten. Buchhalter von Unternehmen, die die vereinfachten Verfahren zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung anwenden, können diese Schwierigkeiten umgehen, indem sie auf die An­wendung dieses Rechnungslegungsstandards verzichten. Für sie ist es zulässig, in der handelsrechtlichen Rech­nungslegung und in den Abschlüssen lediglich die faktischen Gewinnsteuerbeträge der Berichtsperiode auszu­weisen. Aktive und passive latente Steuern müssen also nicht im Abschluss ausgewiesen werden.
 
Die vereinfachten Methoden zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung sehen auch die Möglichkeit vor, auf die Anwendung des Rechnungslegungsstandards PBU 11/2008 „Informationen über verbundene Par­teien” zu verzichten. Demnach kann also der Umfang der Offenlegung von Informationen im Jahresabschluss erheblich reduziert werden.
 
Wesentliche Vereinfachungen sind auch bei der Anwendung des (auf Abschlüsse ab dem Jahr 2022 anzuwen­den) Föderalen Rechnungslegungsstandards FSBU 25/2018 „Handelsrechtliche Rechnungslegung in Bezug auf Leasingverhältnisse/Miete” vorgesehen. In bestimmten Fällen ist es möglich, ein Miet-/Leasingobjekt in der Bi­lanz nicht als Nutzungsrecht an Vermögen auszuweisen, sondern Miet-/Leasingobjekte als Gegenstände des operativen Leasings einzustufen.
 
Das russische Finanzministerium hat außerdem spezielle vereinfachte Formblätter für Abschlüsse ausgearbei­tet, z.B. für die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung mit erweiterten Posten (ohne Aufschlüsselung). In den Anlagen zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung werden nur die wichtigsten Informationen darge­stellt, ohne deren Kenntnis eine Einschätzung der Finanzlage des Unternehmens oder der Ergebnisse seiner Geschäftstätigkeit nicht möglich ist.
 

 

 

1 Im Original „субъекта малого и среднего предпринимательства”

2 Föderales Gesetz Nr. 402-FZ „Über die handelsrechtliche Rechnungslegung”

3 Vgl. Föderales Gesetz Nr. 307-FZ „Über die Wirtschaftsprüfungstätigkeit” vom 30. Dezember 2008

4 Vgl. Föderales Gesetz Nr. 209-FZ „Über die Entwicklung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Russischen Föderation” vom 24. Juli 2007

 Aus dem Newsletter

Kontakt

Contact Person Picture

Shamil Khalidov

Certified Public Accountant (Russland)

Partner

+7 495 9335 120
+7 495 9335 121

Anfrage senden

Contact Person Picture

Denis Zharov

Certified Public Accountant (Russland)

+7 495 9335 120
+7 495 9335 121

Anfrage senden

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu