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Erfolgreich übersetzen - Mensch oder Maschine?

PrintMailRate-it

​von Marina Kreajeva

 

Der Durchbruch im Bereich Kryptographie während des Zweiten Weltkrieges regte die verlockende Idee an, die Sprache als „Chiffre von Gedanken”, als einen Code für den einheitlichen und unverkürzbaren tiefen Inhalt der Gedankenbilder zu betrachten, die hypothetisch von allen Menschen verwendet werden.

 

Bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gestanden jedoch die Entwickler von FAHQT (fully automated high-quality translation, d.h. „vollständig automatische qualitativ hochwertige Übersetzung”) ihre vollständige Kapitulation vor der gestellten Aufgabe ein, da es unmöglich war, sicherzustellen, dass die Maschine den linguistischen Kontext in der jeweiligen Situation selbstständig bestimmt.

 

Mit der Entstehung und Entwicklung des Internets begann nicht die Ära der vollständig automatisierten Übersetzung, sondern die der Übersetzung unter Nutzung von Computerprogrammen – so genannten computer-aided translation (im Folgenden: „CAT-Tools”).

 

Dann präsentierte Google einen maschinellen Übersetzungsdienst, der sich von allen anderen unterschied- und stützte sich überhaupt nicht auf die Wortbedeutung. Eine Aussage wurde nicht mehr als Code betrachtet, der entschlüsselt werden muss. Google Translate geht einfach davon aus, dass eine solche bzw. eine ähnliche Aussage bereits früher ausgesprochen/geschrieben und übersetzt wurde, und sucht diese im Korpus der im Internet vorhandenen parallelen Texte. Mit dem Wachstum des Korpus dank der Arbeit der Übersetzer, die die zu analysierenden Texte erstellen, erhöht sich die Qualität der Arbeit von Google Translate. Die von Google Translate angebotenen 3.306 Sprachpaare wurden durch die Einschaltung des Englischen als Brückensprache (Hauptvermittlungssprache) ermöglicht.

 

Der menschliche Übersetzer kann jedoch aktuell aus dem Prozess der hochqualitativen Übersetzung nicht ausgeschlossen werden. Warum? Diese Frage können wir beantworten, nachdem wir Vor- und Nachteile der CAT-Tools analysieren.

 

CAT-Tools können bei der Übersetzung von sehr großen Texten, die aus sich oft wiederholenden Fragmenten und Standardaussagen bestehen, sehr behilflich sein. Als Beispiel für solche Texte können Registerauszüge, gemäß Standardformen erstellte Berichte, Standardinstruktionen, Rahmenverträge angeführt werden. In solchen Fällen setzt das CAT-Tool die Übersetzung schnell aus einzelnen früher gespeicherten „Bausteinen” zusammen. Eine alternative Lösung könnte das Anlegen einer erweiterten Vorlage des übersetzten Dokuments in einem Textverarbeitungsprogramm sein, die alle Standardblöcke enthält und nur um abweichende Fragmente ergänzt werden muss.

 

Vorteile von CAT-Tools:

  1. Schnelligkeit und nochmals Schnelligkeit!!! Sie sind sehr hilfreich bei der schnellen Übersetzung von Texten mit vielen sich wiederholenden Fragmenten oder von Texten, die nicht in der lebendigen Sprache, sondern in einer beschränkten Teilsprache verfasst sind (Standardinstruktionen, die aus einer Auswahl fertiger Aussagen bestehen);
  2. Keine „menschlichen“ Fehler (Wörter oder Zeilen werden nicht versehentlich ausgelassen);
  3. Rückgriff auf den gesamten Korpus paralleler Übersetzungen, der in ihren Datenbanken zugänglich ist. Somit kann dieselbe Datenbank auch für die Übersetzung in der umgekehrten Richtung genutzt werden (wenn zum Beispiel ein Satz bereits aus dem Englischen ins Russische übersetzt wurde, wird der englische Ausgangssatz bei der Übersetzung des russischen Zieltextes zurück ins Englische zugänglich sein);
  4. Möglichkeit der Übersetzung aus einer seltenen Sprache in eine andere seltene Sprache mithilfe einer Brückensprache (überwiegend Englisch).

Jedoch eignen sich CAT-Tools nicht so gut für die Übersetzung von einzigartigen Texten (Online-Wörterbücher sind dabei viel effektiver) und sind beinahe unbrauchbar, wenn es notwendig ist, die Übersetzung mit anderen Arten der Sprachtätigkeit zu verbinden - z.B., den Zieltext in Übereinstimmung mit den jeweiligen Normen des Sprachgebrauchs in der Zielsprache und der jeweiligen Situation (z.B. begrenzte Länge der Untertitel auf einem Bildschirm, Text von Comicfiguren) umzuformulieren, zu korrigieren, anzupassen, zu korrigieren oder zu lokalisieren.


Nachteile von CAT-Tools:

  1. Unfähigkeit, den Kontext und die Situation zu erkennen (formell oder umgangssprachlich usw.), auch wenn die Thematik der Übersetzung im Voraus angegeben wird;
  2. Schwierigkeiten bei der Übersetzung von mehrdeutigen Wörtern, Homonymen und Homografen, hilflos, wenn die semantischen Felder der Phrasen in der Quell- und Zielsprache nicht übereinstimmen;
  3. bei weitem ist nicht der gesamte Korpus der im Programm gespeicherten parallelen Texte von guter Qualität;
  4. Kulturelle Unterschiede werden nicht berücksichtigt (z.B. Höflichkeitsnormen in verschiedenen Sprachen);
  5. Risiko der Bedeutungsverzerrung erhöht sich bei Nutzung einer Brückensprache;
  6. Synonyme werden nicht immer korrekt ausgewählt;
  7. Schwierigkeiten bei der Übersetzung von Sätzen mit einer komplexen grammatischen Struktur;
  8. Unfähigkeit, Tippfehler und grammatisch inkorrekte Strukturen zu erkennen;
  9. Individuelle Besonderheiten und Wünsche des Auftraggebers können nicht berücksichtigt werden; viele CATs sind auf eine bestimmte Variante der Rechtsschreibung eingestellt (z.B. amerikanisches Englisch);
  10. CATs können überflüssige Wörter, die die Übermittlung der Bedeutung stören, nicht erkennen und diese somit auch nicht löschen;
  11. Unmöglichkeit, die Übersetzung in andere Arten der Sprachtätigkeit zu integrieren;
  12. CATs erkennen keine Fehler im Ausgangstext („nicht“ vergessen Tippfehler, die zu völlig anderen Wörtern führen, Sinnfehler usw.), die ein menschlicher Übersetzer sofort bemerken und im Idealfall mit dem Verfasser klären würde.

Kurz zusammengefasst: die Maschine scheitert in jeder nicht standardmäßigen Situation, die eine intelligente, durch die jeweiligen einzigartigen Umstände bedingte Auswahl fordert. Da die Maschine die Bedeutung der Wörter in der jeweiligen Situation nicht versteht, ist es nicht empfehlenswert, Maschinen zur Übersetzung in eine Sprache zu nutzen, mit der der Benutzer nicht ausreichend gut bekannt ist. Sie sollten nur zur Übersetzung in Sprachen verwendet werden, in denen der Benutzer garantiert alle Bedeutungsfehler im Zieltext erkennen kann.

 

Die Übersetzung durch Fachleute unter Nutzung von Computern und maschinelle Übersetzung unter Einbeziehung von Fachleuten sind ein großer Schritt und eine zeitgemäße Entwicklung im Bereich der Übersetzung. Bis künstliche Intelligenz existiert, die zur bewussten Auswahl und Entscheidungsfindung im Rahmen eines völlig willkürlichen und situationsbedingten Verfahrens fähig sein wird, ist es jedoch empfehlenswert, mit wichtigen und komplexen Übersetzungen menschliche Übersetzer zu beauftragen, die nicht nur die Ausgangs- und Zielsprache beherrschen, sondern sich auch im jeweiligen Fachbereich auskennen.

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Thomas Steinke

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