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Immer näher an IFRS durch Regulierungen der handelsrechtlichen Rechnungslegung in Russland

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In letzter Zeit ist zu beobachten, dass der Gesetzgeber in gewisser Regelmäßigkeit Änderungen in den Vorschriften zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung und zur Erstellung von Abschlüssen in Russland vornimmt und diese damit immer stärker an IFRS angleicht. Dieses Mal wurden Änderungen im Verfahren zum Ausweis von Informationen über Vorräte vorgenommen. Nachfolgend finden Sie eine Beschreibung dieser Änderungen.

 

Ende 2019 bestätigte das russische Finanzministerium durch seine Anordnung Nr. 180n vom ­­15. November 2019 den föderalen Rechnungslegungsstandard FSBU 5/2019 „Vorräte”, der den bislang geltenden Rechnungslegungsstandard PBU 5/01 „Vorräte” ersetzt. Als Grundlage des neuen FSBU diente IAS 2 „Vorräte”. Somit sollten nun wesentlich weniger Unterschiede zwischen den Prinzipien zum Ausweis von Informationen zu Vorräten nach IFRS und nach den russischen Rechnungslegungsstandards existieren.

 

Anpassungen im Gesetz

Es wurden Änderungen allgemeiner Natur vorgenommen. Insbesondere wurden die bislang fehlende Definition des Begriffs „Vorräte” ergänzt, der Anwendungsbereich des Standards korrigiert und Bedingungen zur Aktivierung von Vorräten in der handelsrechtlichen Rechnungslegung formuliert (die letztendlich bisher fehlten – gemäß der entstandenen Praxis wurden Vorräte in der handelsrechtlichen Rechnungslegung zum Zeitpunkt des Eigentumsübergangs aktiviert).
 

In der Buchhaltungspraxis kam es recht selten zu Fällen, in denen ein Unternehmen bei Anwendung des Prinzips der Rationalität und Wesentlichkeit für Verwaltungszwecke vorgesehene Vorräte (zum Beispiel Bürobedarf) sofort in der Periode als Aufwand abschrieb. Der neue FSBU ermöglicht es Unternehmen explizit, derartige Vorräte als Periodenaufwendungen einzustufen. Eine entsprechende Entscheidung ist in den Bilanzierungsvorschriften des Unternehmens festzulegen und im Abschluss auszuweisen.
 

Es wurden außerdem Änderungen in dem Verfahren zur Bestimmung der tatsächlichen Anschaffungskosten von Vorräten vorgenommen. So ist nun zum Beispiel explizit aufgeführt, dass die tatsächlichen Anschaffungskosten von Vorräten unter Berücksichtigung aller dem Unternehmen gewährten Rabatte, Nachlässe, Abzüge, Prämien und Vergünstigungen ohne Berücksichtigung der Form einer solchen Gewährung ermittelt werden. Bislang folgte die Ermittlung der Anschaffungskosten indirekt aus anderen Rechnungslegungsstandards.

 

Die Anwendungspraxis war in diesem Punkt unterschiedlich. Beim Bezug von Vorräten unter Gewährung eines Zahlungsaufschubs von mehr als 12 Monaten bzw. einer geringeren vom Unternehmen festgelegten Frist, gilt als tatsächliche Anschaffungskosten der Betrag, der zu zahlen gewesen wäre, wenn kein solcher Zahlungsaufschub gewährt worden wäre. Die entstehende Differenz ist als Darlehenszinsen zu erfassen.
 

Es wurde außerdem das Verfahren zur Ermittlung der Herstellungskosten für fertige und unfertige Erzeugnisse geändert. Die tatsächlichen Herstellungskosten von fertigen und unfertigen Erzeugnissen können sich aus der Summe der direkten und indirekten Kosten ergeben, die vom Unternehmen eigenständig festzulegen sind. Es ist außerdem möglich, die Kosten von fertigen und unfertigen Erzeugnissen aus Massen- und Serienproduktion lediglich auf Basis der direkten Kosten (ohne Einbeziehung indirekter Kosten), oder auf Basis planmäßiger Herstellungskosten zu ermitteln, die vom Unternehmen eigenständig definiert und von Zeit zu Zeit angepasst werden.

 

Unabhängig von der gewählten Bewertungsmethode sind die Aufnahme von Aufwendungen zur Beseitigung von Ausschuss sowie die Einbeziehung von der Norm überschreitendem Rohstoff-, Energie- und Arbeitsaufwand usw. in die tatsächlichen Herstellungskosten von unfertigen Erzeugnissen nicht mehr möglich (früher konnten diese berücksichtigt werden).
 

In den RSBU gibt es keinen gesonderten Standard zur Regulierung des Ausweises von biologischen Aktiva, wie beispielsweise im IAS 41 „Landwirtschaft”. Dennoch sieht der neue FSBU für Erzeugnisse von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischereiwirtschaft sowie für an Warenbörsen gehandelte Waren die Möglichkeit der Auswahl einer Methode zur Ermittlung ihres Werts ausgehend von zwei Varianten vor: zu den tatsächlichen Anschaffungskosten oder zum beizulegenden Zeitwert (früher war die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert nicht vorgesehen). Der beizulegende Zeitwert ist dabei in Übereinstimmung mit IFRS 13 „Bemessung des beizulegenden Zeitwerts” zu bestimmen.

 

Bestimmte veraltete Vorschriften sind jedoch erhalten geblieben. Im neuen FSBU ist, wie auch im PBU 5/01, eine Norm erhalten geblieben, die es bei Ausübung von Handelstätigkeit ermöglicht, Kosten für die Vorbereitung und Lieferung von Waren zum Zentrallager, die vor der Übergabe in den Verkauf getätigt wurden, in die Vertriebskosten aufzunehmen. Auf diese Weise können Handelsunternehmen die tatsächlichen Kosten von Waren ermitteln, ohne alle mit deren Erwerb zusammenhängende tatsächliche Kosten zu berücksichtigen.
 

Das Verfahren zur Bewertung von Vorräten nach ihrer erstmaligen Aktivierung wurde technisch geändert. Nun werden Vorräte zum Stichtag zum geringeren der folgenden Werte bewertet: Tatsächliche Anschaffungskosten oder reiner Verkaufswert der Vorräte. Falls die tatsächlichen Anschaffungskosten den reinen Verkaufswert übersteigen, müssen Vorratswertberichtigungen vorgenommen werden. Wenn anschließend der reine Verkaufswert steigt, werden diese Wertberichtigungen rückgängig gemacht. Der jeweilige Betrag wird nun aber als Minderung der Vertriebskosten erfasst, nicht mehr wie früher als sonstige Erträge. In der Bilanz wird der Wert der Vorräte unter Abzug der Wertberichtigungen ausgewiesen.

Wie bisher auch wird bei Ausbuchung von Vorräten deren Wert mittels einer der folgenden Methoden berechnet: zu den Anschaffungskosten jeder Einheit, zu den durchschnittlichen Anschaffungskosten, oder zu den Anschaffungskosten der zeitlich zuerst eingegangenen Einheiten (FIFO-Methode). Die Anwendung der LIFO-Methode ist nicht vorgesehen.
 

Die Anforderungen in Bezug auf die Offenlegung von Informationen über Vorräte im Abschluss wurden konkretisiert und ausgeweitet, insbesondere ist es nun erforderlich, Informationen über im Zusammenhang mit dem Erwerb, der Bildung oder Weiterverarbeitung von Vorräten gezahlte Anzahlungen, Vorauszahlungen oder Vorschüsse gesondert offenzulegen.
 

Ausnahmen

Durch FSBU 5/2019 sind einzelne vereinfachte Methoden zur Führung der handelsrechtlichen Rechnungslegung von Vorräten für Unternehmen vorgesehen, die berechtigt sind, entsprechende Methoden anzuwenden. Insbesondere gilt für diese Unternehmen:

  • bei der Bestimmung der tatsächlichen Anschaffungskosten von Vorräten müssen Rabatte, die dem Unternehmen beim Erwerb der Vorräte gewährt wurden, sowie Diskontierungen (beim Erwerb von Vorräten mit Zahlungsaufschub) nicht erfasst werden;
  • Vorräte können zum Berichtsdatum zu den tatsächlichen Anschaffungskosten ausgewiesen werden, es müssen also keine Wertberichtigungen vorgenommen werden;
  • Mikrounternehmen müssen FSBU 5/2019 überhaupt nicht anwenden. Die Kosten, die in Übereinstimmung mit diesem Standard bei den Anschaffungskosten der Vorräte hätten berücksichtigt werden müssen, können in der Periode geltend gemacht werden, in der sie entstanden sind.

 

Anwendung nach der neuen Vorschrift

Der FSBU 5/2019 tritt mit dem Jahresabschluss für das Jahr 2021 in Kraft. Unternehmen können die neuen Vorschriften jedoch bereits früher anwenden, wenn dies entsprechend in den Bilanzierungsvorschriften vorgesehen ist.
 

Grundsätzlich werden die Folgen aus einer Änderung der Bilanzierungsvorschriften retrospektiv angewendet. Jedoch können die Folgen einer Änderung der Bilanzierungsvorschriften im Zusammenhang mit der Verabschiedung dieses FSBU sowohl prospektiv als auch retrospektiv angewendet werden, wobei die gewählte Methode im Abschluss anzugeben ist.
 

Schlussbestimmungen

Im Zusammenhang mit dem Inkrafttreten des FSBU 5/2019 „Vorräte” treten der PBU 5/01 „Vorräte” sowie die Methodischen Anweisungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung von Vorräten und die methodischen Anweisungen zur handelsrechtlichen Rechnungslegung von Spezialwerkzeugen und Spezialkleidung außer Kraft. Spezialwerkzeuge, Spezialkleidung und ähnliche Objekte werden in der handelsrechtlichen Rechnungslegung nach den allgemeinen durch FSBU 5/2019 vorgesehenen Regeln erfasst, sofern es sich dabei nicht um Gegenstände des Anlagevermögens handelt. Der FSBU 5/2019 betont außerdem die Notwendigkeit der Einrichtung einer angemessenen Kontrolle (unter anderem unter Anwendung von außerbilanziellen Konten) der Unversehrtheit von in die Produktion übergebenen Spezialwerkzeugen, Spezialkleidung und ähnlicher Objekte, sowie einer entsprechenden Kontrolle von anderen Personen gehörenden, sich jedoch beim Unternehmen befindlichen Sachwerten (zum Beispiel auf Grundlage eines Verwahrungsvertrages).

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