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Geeignete Wahl eines Investors als Partner für Familienunternehmen

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zuletzt aktualisiert am 7. Juli 2021 | Lesedauer ca. 4 Minuten
 
Wach­stums­finan­zierung, Gesellschafter­nachfolge, strategisches und operatives Know-how oder die Ver­äußerung der An­teile – die Gründe für eine Zusammen­arbeit mit einem Private Equity-Investor sind ebenso viel­fältig wie das Spektrum an Beteiligungs­­gesel­lschaften. Doch wie findet ein Familien­unter­nehmen den richtigen Partner?
 

 
Mit der Definition der exakten Ziele und der daraus abgeleiteten Formulierung von „harten” Kriterien an einen Investor verschafft man sich rechtzeitig einen Überblick über die potenziell relevanten Investoren. In einem weiteren Schritt geht es um weiche Faktoren – die Wahl des geeigneten Partners unter den Private Equity-Investoren – denn nur wenn „die Chemie stimmt” und beide Partner die gleiche Sprache sprechen, werden beide Seiten von der erfolgreichen Zusammenarbeit profitieren.
 
 

Die eigenen Ziele und Erwartungen im Hinblick auf einen Finanzpartner kennen

Wird frisches Kapital benötigt, geht es vordergründig um den Verkauf der Anteile oder ist spezielles operatives Know-how gefragt? Entscheidet sich der Familienunternehmer (Gesellschafter) für einen PE-Investor als Alternative zur klassischen Bankenfinanzierung oder alternativen Finanzierungsmöglichkeiten wie einer Anleihe, so sieht er sich vielfältigen Optionen aber auch Fallstricken gegenüber. Denn es gibt nicht nur eine Vielzahl an PE-Investoren, sondern auch gänzlich unterschiedliche Konzepte, die sie verfolgen. Daher müssen in einem ersten Schritt die eigenen Ziele und Erwartungen definiert werden, bevor mit der Suche des geeigneten Partners begonnen werden kann. Anhand eines Fragenkatalogs können dabei die wichtigsten Suchkriterien bestimmt werden:
  • Handelt es sich um eine Nachfolgeregelung, Wachstums- oder Expansionsfinanzierung, Restrukturierung oder den reinen Verkauf der Anteile?
  • Wie viel Kapital wird benötigt?
  • Wird eine Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung des Investors angestrebt?
  • Welche Mitspracherechte soll der Investor bekommen?
  • Wird ein reiner Finanzinvestor gesucht oder benötigt der Investor eine besondere Expertise (z.B. Branchen- oder Prozess-Know-how)?
  • Sind unternehmensspezifische Besonderheiten zu beachten (z.B. Kultur, Gründerfamilie, Management, Gesellschafterstrukturen)?
 
Sind die obersten Ziele und Erwartungen abgesteckt, kann anhand eines Vergleichs des eigenen, aus den „harten” Zielen abgeleiteten Kriterienkatalogs mit den Investmentkriterien der PE-Investoren eine geeignete Vorauswahl der PE-Investoren vorgenommen werden. Die Wahl der Selektionskriterien wird in den allermeisten Fällen nicht überschneidungsfrei erfolgen können, vielmehr bedingen sich einige der Kriterien untereinander. So wird ein Investor, der sich an einem Familienunternehmen in einer Krisensituation beteiligt, i.d.R. eine Mehrheitsbeteiligung und damit auch den operativen Durchgriff auf die Gesellschaft anstreben. Aus Sicht des bisherigen Anteilseigners, i.d.R. aus dem Kreise der Gründerfamilie, stellt somit die Zusammenarbeit mit einem PE-Investor in Krisensituationen einen Verlust der Mehrheitsbeteiligung an seinem oftmals selbst gegründeten oder seit Generationen in Familienhand befindlichen Unternehmen dar – oft aber auch die letzte mögliche Alternative zur Rettung „seines” Unternehmens. Und auch wenn sich ein Unternehmen nicht in einer Restrukturierungssituation befindet, wird sich ein Investor, der eine Mehrheitsbeteiligung eingeht, i.d.R. neben dem strategischen auch insbesondere in das operative Management seiner Beteiligung einbringen. Die Höhe der benötigten Finanzierung bestimmt somit nicht nur die Höhe der Anteile der Beteiligungsveräußerung, sondern auch den Grad an operativer Mitsprache.
 

Minderheits- vs. Mehrheitsbeteiligung

Die Höhe der Beteiligung ist ein oftmals sehr restriktiv gehandhabtes Investmentkriterium der Beteiligungs­gesellschaften. So gibt es Investoren, die ausschließlich Mehrheitsbeteiligungen oder sogar 100 Prozent Beteiligungen anstreben. Sie sind v.a. im Umfeld der klassischen PE-Investoren aus dem Mittelstand zu finden. Minderheitsbeteiligungen gehen hingegen häufiger Investoren ein, die auf Wachstumsfinanzierungen spezia­lisiert sind. Insbesondere in solchen Fällen lassen sich Finanzinvestoren häufig Genehmigungsrechte für Investitionen und andere materielle Entscheidungen einräumen, auch wenn sie nur eine Minderheits­beteiligung eingehen. Es können aber auch Unternehmensziele definiert werden, deren (Nicht-)Erreichen dazu führt, dass der Finanzinvestor weitere Anteile und Stimmrechte erhält.
 

Wachstumsfinanzierung, Restrukturierung oder Gesellschafternachfolge

Für alle drei Themengebiete gibt es „Spezialisten” unter den PE-Investoren. Strebt der Unternehmer eine Restrukturierung oder eine Nachfolgeregelung an, so wird er sich auf PE-Investoren konzentrieren, die zumindest langfristig den Erwerb einer Mehrheit der Anteile anstreben. Beide Beteiligungsgründe erfordern sehr spezielles Know-how, daher ist es für eine langfristige Sicherung des Fortbestehens des Familien­unter­nehmens von großer Bedeutung, dass der Investor oder ggf. Turnaround-Fonds sich in dem Umfeld bereits einen Namen gemacht hat und eine entsprechende Erfahrung, d.h. umgesetzte Projekte, aufweisen kann.
 

Operative Expertise vs. rein finanzielles Engagement

Auf der Suche nach operativem Know-how wird der Unternehmer insbesondere bei den klassischen PE-Investoren fündig werden. Sie sind wesentlich stärker unternehmerisch geprägt als PE-Fonds. Aufgrund der Erfahrungen im strategischen und operativen Management von mittelständischen Beteiligungen bringen sie ein breites Wissen und oft ein ganzes Netzwerk von erfahrenen Branchenkennern und Management- sowie Finanzexperten im Bereich des Mittelstandes mit. Der Trend in dem Bereich der PE-Branche geht zudem mehr und mehr in Richtung Spezialisierung auf ausgewählte Branchen oder Kernthemen im operativen Beteiligungs­management. Eine solche Spezialisierung kann bspw. darin bestehen, eine zweite Produktlinie in einem Ein-Produktunternehmen zu etablieren oder aber weitere internationale Märkte zu erschließen. Auf der anderen Seite bieten viele PE-Häuser heute auch schon umfassende integrierte Gesamtlösungen entlang der Wertschöpfungskette an. Dazu zählen Experten im Management, Produktion, Einkauf, Vertrieb sowie Controlling und Finanzen. Die Erkenntnis, dass Financial Engineering alleine dem deutschen Mittelstand nicht mehr ausreicht, ist in den PE-Häusern längst angekommen.
 

Höhe des Kaufpreises als limitierender Faktor

Während Fonds i.d.R. ausreichend Kapital für den Erwerb einer Beteiligung aufbringen können, sind sie sehr restriktiv an Investmentkriterien gebunden. So darf ein Fonds oftmals nicht mehr als 15 bis 20 Prozent seines Fondsvolumens in eine einzige Beteiligung investieren. Klassische PE-Investoren werden, durch ihre i.d.R. geringeren Investitionsmittel (Eigen- und Fremdkapital), vergleichsweise auch nur kleinere Transaktionspreise bezahlen können. Tendenziell haben sowohl Fonds als auch PE-Investoren den Mittelstand verstärkt im Fokus, was die Studie „Die deutsche Beteiligungsbranche 2018” von Rödl & Partner belegt. Im Mittelpunkt der Diskussion um den Kaufpreis und dessen Finanzierung steht für jeden PE-Investor neben dem Wachstums­potential die Höhe der frei verfügbaren Cash-Flows. Das ist Liquidität, die im Unternehmen generiert wird und zur Tilgung der Kaufpreisverbindlichkeiten frei verfügbar ist. Je höher die Kennzahl ist, desto eher wird auch ein kleinerer Investor die Möglichkeit haben, ein größeres Transaktionsvolumen zu finanzieren.
 

Fazit: Die „Chemie” muss stimmen!

Neben den harten Fakten, die eine Zusammenarbeit erst ermöglichen, ist es für eine erfolgreiche Kooperation aber auch unerlässlich, dass die Parteien ein gemeinsames Verständnis über die weiteren Entwicklungsschritte der Beteiligung haben. Hinsichtlich der Kultur unterscheiden sich die PE-Investoren untereinander erheblich. Es gibt die „harten Sanierer”, die reinen Finanzinvestoren und die eher konservativen, langfristig orientierten Industrieholdings sowie Family Offices. Des Weiteren sind einige Investoren nur im deutschsprachigen Raum tätig (D-A-CH), während andere sich auch auf weitere Regionen wie bspw. Südeuropa, Asien etc. spezialisiert haben. Über die Unterscheidungsmerkmale sollte sich der Unternehmer im Klaren sein und eine ent­sprechende Vorauswahl treffen. Eine erste Orientierung bietet auch hier wieder die Transaktionshistorie des jeweiligen PE-Hauses, die man meist auf dessen Homepage oder aber durch Auskunft eines erfahrenen M&A-Beraters einholen kann. Denn nach dem Motto „Drum prüfe wer sich ewig bindet” sollte auch die Wahl eines Investors wohl überlegt sein, damit die Beziehung dauerhaft und erfolgreich bestehen kann.

Kontakt

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Peter Längle

Diplom-Ökonom, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Wirtschaftsmediator

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