Steuerliche Ziele beim Unternehmenskauf planen

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zuletzt aktualisiert am 14. August 2019

Mittelständische Betriebe kaufen strategisch Unternehmen im In- und Ausland, um zu wachsen. Der Erwerber sollte sich jedoch vorher eingehend mit dem Akquisitionsziel und der eigenen Steuer­struktur beschäftigen, dann kann ein optimaler Unternehmenskauf gelingen.

 

 

Bei der Übernahme eines anderen Betriebs sollten wirtschaftliche Gründe, wie die Verbesserung der Markt­position, im Vordergrund stehen. Die größten Risiken liegen in betriebswirtschaftlichen Fehlkalku­lationen oder bei unterschätzten kulturellen Unterschieden, nicht unbedingt im steuerlichen Bereich.

 

Umfassende Analyse des Targets

Das gilt insbesondere deshalb, weil bereits im Vorfeld einer gut überlegten Unternehmens­über­nahme eine steuerliche Untersuchung der zu erwerbenden Firma stattfindet. In einer Tax Due Diligence wird die Steuer­historie der letzten 3 bis 5 Jahre analysiert, ein aktueller Steuer­status (Stand der Veranlagung, etwaige Steuerverbindlichkeiten usw.) ermittelt und auf Basis dieser Informationen die Steuerrisiken für den Käufer bewertet.

 

Im Rahmen dieser Target-Untersuchung ist auch zu überprüfen, inwiefern noch nicht genutzte Verluste des zu erwerbenden Unternehmens verwertet werden können. Problematisch ist das bei der Übernahme von Kapitalgesellschaften in Deutschland im Rahmen eines Share Deals. Werden Anteile von mehr als 25 Prozent bis max. 50 Prozent erworben, kann im quotalen Umfang der übernommene Verlust nicht mehr genutzt werden. Gibt es einen Anteilseignerwechsel zu mehr als 50 Prozent, dann kommt es zum vollständigen Verlustuntergang.

 

Dennoch können in vielen Fällen zumindest teilweise erworbene Verluste erhalten werden. Wenn der Kaufpreis stille Reserven abdeckt, dann können die Verluste in entsprechender Höhe in die neue Unternehmenssphäre überführt werden.

 

Zudem herrscht nun auch wieder Rechtssicherheit beim Erwerb krisengeschwächter Unternehmen. Demnach führen an sich „schädliche Beteiligungserwerbe” (d.h. quotaler oder vollständiger Verlustuntergang) dann nicht zum Verlustuntergang, wenn der Zweck des Erwerbs die Sanierung des Geschäftsbetriebs der Gesellschaft darstellt. Hierfür müssen bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden, z.B. die Erhaltung der Arbeitsplätze oder die Stärkung des Eigenkapitals der Gesellschaft. Ob sie beim Erwerb eines krisengeschwächten Unternehmens gegeben sind, ist einer Detailprüfung vorbehalten.

 

Unterschiedliche Regeln beim Kauf eines ausländischen Unternehmens

Jedes Land hat eigene Verlustbeschränkungsnormen, so auch die Vereinigten Staaten. Dort kaufen deutsche Familienbetriebe Presseberichten zufolge derzeit besonders häufig andere Unternehmen – trotz oder gerade wegen der zum Jahreswechsel 2017/2018 beschlossenen Steuerreform in den USA ist die Tendenz weiterhin steigend. Die US-Regeln sind mit denen in Deutschland vergleich­bar, sodass auch hier geklärt werden muss, ob die Verluste des Targets nach dem Kauf genutzt werden können. Für jeden Einzelfall ist das abhängig vom Land zu überprüfen. Möglicherweise existieren Ausnahmen. Falls nicht und wenn die Verlustnutzung ökonomisch wichtig ist, dann käme als Alternative der Asset Deal in Frage.

 

Beim Asset Deal werden einzelne Wirtschaftsgüter übernommen, etwa wichtiges Anlagever­mögen, bestimmte Marken- oder Lizenzrechte, ein Kundenstamm oder ein Geschäftswert. 
 

Vorteil: Die Wirtschaftsgüter werden mit dem Kaufpreis beim Erwerber bilanziert und können (mit Ausnahme von bspw. Grund und Boden) abgeschrieben werden. Über die sog. Step-up wird gewissermaßen Verlust­potenzial in Abschreibungsvolumen transferiert. Die Abschreibung mindert den steuerlichen Gewinn des Erwerbers in den Folgejahren. Zudem müssen beim Asset Deal strategisch unwichtige Wirtschaftsgüter nicht mitgekauft werden, sondern verbleiben beim Veräußerer. Den automatischen Step-up, in dem der Kaufpreis in eine Steuerersparnis umgewandelt wird, gibt es im Übrigen immer, wenn eine Personengesellschaft im Inland übernommen wird.

 

Ein weiteres Ziel des Käufers ist meist, den Finanzierungsaufwand steuerlich abzuziehen. Da bei der Akquisition einer in- oder ausländischen Kapitalgesellschaft der Zinsaufwand des Erwerbers zunächst nur mit eigenen Gewinnen verrechnet werden kann, gilt es andere Möglichkeiten auszuloten. In Deutschland ist das mittels einer Organschaft oder einer Verschmelzung möglich. Für eine Organschaft ist ein ordnungsgemäßer Ergebnisabführungsvertrag notwendig. Allerdings muss sich der Erwerber vorab darüber im Klaren sein, dass er dann auch größere Haftungsrisiken eingeht. Das gilt analog für die Verschmelzung, bei der die erworbene Kapitalgesellschaft mit dem Erwerber zu einem Unternehmen verschmolzen wird. Steuerlicher Vorteil der Lösungen: Aufwand und Ertrag der Firmenübernahme sind dann in einer Gesellschaft vereint.

 

Ausländische Erträge steueroptimal nach Deutschland holen

Ein wichtiger Aspekt beim ausländischen Unternehmenskauf ist die steueroptimale Rückführung künftiger Gewinne der neuen Tochtergesellschaft nach Deutschland. Soll bspw. eine indische Kapitalgesellschaft gekauft werden, dann ist zu beachten, dass auf eine Ausschüttung eine zusätzlich indische Steuer i.H.v. ca. 20 Prozent der Dividende abzuführen ist. Alternative Strukturierungen, z.B. ein Formwechsel in eine indische Per­sonengesellschaft, können zur Vermeidung der Dividend Distribution Tax erwogen werden.

 

Auch bei einem Unternehmenskauf in Europa ist für Familienunternehmen eine Beteiligung an einer Personengesellschaft steuerlich oft günstiger als die an einer Kapitalgesellschaft. Beispiel Italien: Ein deutscher Unternehmer in der Rechtsform KG übernimmt eine italienische Personen­gesellschaft. In dem Fall sind die Erträge nur in Italien zu versteuern. Der Gewinntransfer zum Inhaber des Unternehmens unterliegt keiner weiteren Besteuerung mehr in Deutschland.

 

Auch an kleine Steuerfallen muss aus Kostengründen gedacht werden. In Großbritannien und in manchen osteuropäischen Staaten sind beim Unternehmenskauf bspw. Stempelsteuern zu entrichten. Werden Grundstücke mitübertragen, dann ist möglicherweise auch Grunderwerb­steuer zu zahlen.
 

Steuerlich sind vor einem Unternehmenskauf eine Reihe von Fragen zu stellen. Die Antworten darauf sind jedoch immer einzelfallspezifisch. Wichtig ist, dass der Erwerber frühzeitig eine Steuerplanung macht.

Kontakt

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Dr. Isabel Bauernschmitt

Diplom-Kauffrau, Steuerberaterin

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