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Die Wasserversorgung in Zeiten hoher Inflation

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​​veröffentlicht am 25. März 2022

 

Preisentwicklungen kennen seit Beginn der Erhebung 1949 scheinbar nur eine Richtung, nämlich nach oben. Während bei einer Inflationsrate von bis zu 2 Prozent regelmäßig noch von Preisstabilität gesprochen wird1, liegt die Preissteigerung der letzten Monate fernab von derart „stabilen” Verhältnissen. Der Wirtschaftsweise Volker Wieland geht für das laufende Jahr auch von einem weiter steigenden Inflationsdruck in Deutschland aus und erachtet eine Preissteigerung von 4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2022 für realistisch2. Doch wie sieht es eigentlich bei Wasserpreisen aus?

 

Ein Blick in den Warenkorb3 zeigt, dass Mieten und Energiepreise einen besonders hohen Anteil am aktuell hohen Preisniveau haben. Dabei sind die Preise für Strom zwischen Januar 2015 und Februar 2022 um 25,4 Prozent gestiegen. Erdgas verteuerte sich im gleichen Zeitraum um 34,5 Prozent, leichtes Heizöl sogar um 59,6 Prozent. Abgesehen vom Heizöl, bei dem Preisschwankungen durchaus normal sind, sind bei den Preisentwicklungen für Strom und Gas dabei jüngst auch große Sprünge zu verzeichnen. So sind die Preise für Strom zwischen Dezember 2021 und Februar 2022 um 12,4 Prozentpunkte, für Erdgas um 27,9 Prozentpunkte gestiegen.4 Dies ist mindestens in der kurzfristigen Historie eine einmalige Situation.

 

Demgegenüber muten Preisniveau und -entwicklung beim Trinkwasser beinahe so an, als stammten sie aus einer anderen Welt. So lagen die Trinkwasserpreise im Februar 2022 um 11,8 Prozent oberhalb des Niveaus vom Januar des Jahres 2015 und damit unterhalb „stabiler” Wachstumsraten von 2 Prozent per anno. Auch kurzfristige Preisausschläge, wie diese im Strom- und Gassektor zu beobachten sind, lassen sich in der Wasserversorgung nicht ablesen.5

 

Dabei sind selbstverständlich auch Wasserversorgungsunternehmen nicht vor der allgemeinen Teuerungsrate gefeit. Der Umfang der Betroffenheit kann dabei von unzähligen Faktoren abhängen, die vom Standort des Versorgungsgebietes über die Struktur der Versorgung bis hin zum Investitionszyklus, in dem sich der Versorger aktuell befindet, reichen. Dabei spielen gerade in der Wasserversorgung auch Entwicklungen der Baupreise eine Rolle, die für Tiefbau- und Kanalleistungen zwischen 2015 und 2021 um 25,8 Prozent6 gestiegen sind.

 

Alleinig die „Übersetzung“ der steigenden Kostenentwicklung der letzten Jahre in Preise scheint in der Wasserversorgung vielfach nicht nur auszubleiben, zahlreiche Wasserversorger halten ihre Wasserpreise sogar seit Jahren auf konstantem Niveau7. Die Gründe hierfür können dabei ebenso zahlreich sein wie Art und Ausmaß von Kostensteigerungen auf Unternehmensebene. Neben Effizienzverbesserungen der Versorger kommen für Preisentwicklungen deutlich unterhalb maßgeblicher Teuerungsraten etwa auch das Aufschieben wichtiger Investitionen oder der Umstand in Betracht, dass Wasserentgelte schlichtweg über einen längeren Zeitraum nicht mehr kalkuliert und deshalb auch nicht angepasst wurden. 

 

Ob die Entwicklung von Wasserpreisen auch kurz- und mittelfristig auf dem „stabilen” Niveau der letzten Jahre verbleibt, ist indes fraglich und wird vom konkreten Einzelfall abhängen. Mit Blick auf die allgemeinen Teuerungsraten wäre es jedoch sehr verwunderlich, wenn nicht mindestens mittelfristig Nachzieheffekte bei Wasserpreisen zu beobachten wären, die über die „normalen” Entwicklungen bei Wasserentgelten der letzten Jahre hinausgehen. 

 

In jedem Fall sollten Wasserversorgungsunternehmen die Kosten der Versorgung regelmäßig auf den Prüfstand stellen, um die Auskömmlichkeit der Wasserentgelte vor dem Hintergrund der Kostenentwicklung zu hinterfragen und dauerhaft die Grundlagen einer technisch einwandfreien Wasserversorgung sicher zu stellen. Bei Fragen hierzu stehen wir Ihnen selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung!

 

 

 

1 Inflationsrate in Deutschland - die Inflation 2022 ?%, 2021=3,1%, zuletzt aufgerufen am 18.03.2022.
2 Frankfurter Rundschau: „Wirtschaftsweiser Wieland warnt: Inflation steigt 2022 weiter - vier Prozent wahrscheinlich”, zuletzt aufgerufen am 18.03.2022.
3 Am gebräuchlichsten in Deutschland ist der Warenkorb, der die Kosten für einen privaten deutschen Durchschnittshaushalt ermitteln soll (Verbraucherpreisindex). Daher liegen im Warenkorb eben solche Produkte, die ein deutscher Durchschnittshaushalt nach den Vorgaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt benötigt.
4 Verbraucherpreisindex – Energie, Wasser: Preisabstand in Prozent gegenüber dem Jahr 2015; zuletzt aufgerufen am 18.03.2022.
5 Ebenda.
6 Destatis: Baupreisindizes: Deutschland, Jahre, Messzahlen mit/ohne Umsatzsteuer, Ingenieurbau, Bauarbeiten (Tiefbau).
7 Vgl. hierzu bspw. 10 Thesen zu Wasserentgelten in Bayern – Stand 2022, zuletzt aufgerufen am 18.03.2022.

 

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Tina Wiedebusch

M.Sc. Economics

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