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„AfricaConnect goes green”: Nachhaltige Investitionen mit Rückenwind

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veröffentlicht am 7. Oktober 2021 | Lesedauer ca. 6 Minuten

Interview mit Jan Müller, Programmleiter AfricaConnect, Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG)

    
Carla Everhardt spricht mit Jan Müller, Programmleiter AfricaConnect bei der DEG über nachhaltige Investitionen des deutschen Mittelstandes in Afrika, über Fallstricke und Chancen und darüber, warum sich nachhaltiges Investieren immer lohnt – auch, aber nicht nur mit Blick auf das neue deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). 
     

Carla Everhardt:

Lieber Herr Müller, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mit mir über nachhaltiges Investieren in Afrika zu sprechen und auch über das in diesem Zusammenhang wohl besonders erwähnenswerte AfricaConnect Programm der DEG, mit dem die deutsche Bundesregierung einen ganz maßgeblichen Beitrag zum Abbau von Finanzierungshürden für mittelständische Investitionen in Afrika leistet.
 

Jan Müller: 

Sehr gerne, danke Ihnen für die Gelegenheit, über unsere Arbeit bei AfricaConnect zu sprechen.
 

Carla Everhardt:

Afrika ist ohne Frage ein Kontinent mit ganz besonderem wirtschaftlichen Potential. Gerade mittelständischen Unternehmen aus Europa bietet sich dort eine nahezu endlose Vielfalt an Handels- und Investitionschancen. Doch häufig sind die Marktbedingungen in afrikanischen Ländern noch so umfassend herausfordernd, dass gerade deutsche Mittelständler, die traditionell eher zurückhaltend, dann aber langfristig in Non-EU Auslands­märkte investieren, vor einer Direktinvestition zurückschrecken. Zu groß ist die Sorge, die lokale Investition nicht so managen zu können, dass sie sowohl den wirtschaftlichen als auch den sozialen Ansprüchen des deutschen Unternehmens genügt. Die oft fast unlösbare Aufgabe, die lokale Investition durch eine hinreichend attraktive Finanzierung entweder vor Ort oder in Deutschland finanziell abzusichern, tut sicherlich ein Übriges. Aktuell fließt laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nur rund ein Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen nach Afrika.
 
Das von Ihnen geleitete DEG-Programm AfricaConnect ist nun eine von drei Säulen des deutschen Entwick­lungsinvestitionsfonds, mit dem die Bundesregierung als Teil der Compact with Africa Initiative der G20 deutschen Unternehmen Mittel zur Überwindung von  Finanzierungs-, Handels- und Investitionshemmnissen in Afrika zur Verfügung stellt. Was genau tut denn AfricaConnect?


Jan Müller:

Mit AfricaConnect begleiten wir kleine und mittelständische Unternehmen nach Afrika. Kern des Programms ist die Vergabe von Darlehen von bis zu fünf Millionen Euro zu sehr attraktiven Konditionen und im Wege eines maximal unbürokratischen Entscheidungsprozesses. Auch bieten wir unseren Kunden – unseren Partner­unternehmen, wie wir sie lieber nennen – eine enge Beratung und individuelle Förderung an. Neben dem Wunsch, mittelständischen Unternehmen den Eintritt in afrikanische Märkte zu erleichtern, ist unser über­geordnetes Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort durch die Schaffung von fairen Arbeitsplätzen zu verbessern. Wie Sie bereits sagten, ist AfricaConnect Teil der G20-Initiative Compact with Africa. Seit dem Start des AfricaConnect Programms 2019, haben wir bereits 25 Finanzierungen in zehn afrikanischen Ländern umgesetzt und dabei rund 2.700 Arbeitsplätze geschaffen. Außerdem haben wir während der Pandemie durch unsere Covid-19 Response Financings über 6.500 Jobs gesichert. Dabei verfolgen wir keinen Branchen­schwerpunkt: die von uns finanzierten Branchen sind vielfältig und reichen von klassische Produktions­unternehmen über Logistik und Landwirtschaft bis hin zur Schokoladenfabrik.

 

Carla Everhardt:

Spannend! Sie sprachen eben davon, Ihren Partnerunternehmen neben der reinen Finanzierung auch Beratung und individuelle Förderung anzubieten. Aus unserem Beratungsalltag ist mir durchaus bekannt, dass gerade die deutschen Mittelständler, denen ein verantwortungsvolles und intuitiv nachhaltiges Investieren am Herzen liegt, die gleichzeitig aber keine unendlichen Ressourcen für eine Steuerung ihrer Auslandsinvestitionen aufbringen können, eine unternehmerische Aktivität in Afrika oft als ganz besonders herausfordernd erleben. Der Unterschied zwischen der deutschen Unternehmenskultur und den vor Ort gepflegten Geschäftspraktiken ist häufig zu groß und zum Aufbau adäquater Managementstrukturen fehlt oft die Erfahrung oder das Know-how. Das neue LkSG, das ab 2023 die Einhaltung besonderer Sorgfaltspflichten in den globalen Lieferketten deutscher Unternehmen erstmals gesetzlich verbindlich vorschreibt,  kann in diesem Zusammenhang zu einer zusätzlichen Zurückhaltung führen. Unterstützen Sie Ihre Partnerunternehmen denn auch bei der Gestaltung einer möglichst nachhaltigen, eventuell sogar LkSG-konformen Investition?

 

Jan Müller:

Wir bieten auf jeden Fall mehr als die reine Finanzierung! Wir begleiten unsere Partnerunternehmen in den Zielländern durch unsere Kontakte und unsere langjährige Expertise als DEG, aber auch durch nicht-wirtschaftliche Beratung und den Zugang zu ggf. benötigten Fördermitteln. Dabei liegt unser Fokus immer auf Nachhaltigkeit. Wir können bestätigen, dass Nachhaltigkeit für deutsche Unternehmen wichtig ist und zunehmend noch an Bedeutung gewinnt. Das neue LkSG ist da sicherlich nur das jüngste Ereignis eines anhaltenden Trends. Die Bundesregierung unterstützt deutsche Unternehmen auch schon seit vielen Jahren bei der Schaffung echter Wertschöpfungsketten im Ausland, nicht nur in Afrika. Schließlich ist die Mitwirkung der Privatwirtschaft entscheidend für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung hier und dort. Ohne die international aktiven Unternehmen können die Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) nicht erreicht werden. In Deutschland ermutigt der daran anknüpfende Nationale Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte die deutschen Unternehmen schon seit 2016 zu einer freiwilligen Unterstützung dieser nachhaltigen Entwicklungsziele.

 

Carla Everhardt:

Diesen nachhaltigen Entwicklungszielen fühlen Sie sich also auch bei AfricaConnect verpflichtet?
 

Jan Müller:

Selbstverständlich. Jede unserer Finanzierungen durchläuft zunächst eine ausführliche Due Diligence Phase, in der wir uns das zu finanzierende Investitionsvorhaben zusammen mit dem betreffenden Partnerunternehmen sehr genau anschauen – unter wirtschaftlichen, aber auch unter Environmental & Social Gesichtspunkten. Wir fragen also sehr gezielt auch nach Nachhaltigkeitsaspekten der geplanten Investition.

 

Carla Everhardt:

Und wenn sich diesbezüglich noch Lücken ergeben, muss die Finanzierung dann scheitern?

 

Jan Müller:

Nein, im Regelfall nicht. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, das betreffende Partnerunternehmen bei der Bearbeitung von Nachhaltigkeitslücken zu unterstützen. So wird die Umwelt- und Sozialperformance des zu finanzierenden Investitionsvorhabens von uns z.B. kostenlos anhand der IFC Performance Standards der Weltbank eingeordnet. Daraus resultierende Maßnahmen zur Beseitigung etwaiger Defizite werden von uns eng begleitet und können in ihrer Umsetzung von uns sogar finanziell mit Fördermitteln unterstützt werden, beispielsweise für die Hinzuziehung externer Spezialisten. Der Umfang unserer Unterstützung variiert dabei von Einzelfall zu Einzelfall, je nach individuellem Risikoprofil des Partnerunternehmens bzw. Investitionsvorhabens sowie der betroffenen Sektoren und Länder.

    

Carla Everhardt:

Zusammengefasst heißt das also, dass eine von AfricaConnect finanzierte Investition in Sachen Nachhaltigkeit schon auf einem ganz guten Weg ist. Dies dürfte mit Blick auf das Inkrafttreten des LkSG in 2023 eine recht beruhigende Wirkung auf Ihre Partnerunternehmen haben, gerade vor dem Hintergrund des in Afrika häufig recht herausfordernden Geschäftsumfelds. Die von Ihnen finanzierten Unternehmen haben also schon eine CSR Strategie für sich formuliert, zumindest unter Umwelt- und Sozialgesichtspunkten, verantwortliche Personen im Unternehmen benannt und ihre Geschäftstätigkeit inklusive Lieferketten auf etwaige menschen- und umweltrechtliche Risiken überprüft. Bei einer Umsetzung von Maßnahmen zur Risikominimierung und bei der Etablierung eines funktionierenden Beschwerdemanagements unterstützen Sie durch Ihre Expertise, gegebenenfalls sogar durch Fördermittel – kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder?

 

Jan Müller:

Stimmt, zumindest nicht mehr viel. Doch im Ernst: unsere Partnerunternehmen trifft selbstverständlich eine Mitwirkungspflicht. Wir nehmen die Einhaltung der von uns definierten E&S Kriterien als vertragliche Zusicherung der Partnerunternehmen in unsere Darlehensverträge auf und stellen deren Einhaltung über die gesamte Vertragslaufzeit durch ein regelmäßiges Monitoring sicher. Werden diese Kriterien bewusst nicht eingehalten und sehen wir von AfricaConnect keine Chance, eine zeitnahe Einhaltung der relevanten E&S Kriterien herbeizuführen, können wir den Darlehensvertrag kündigen und die Darlehenssumme zurückfordern. Dies ist zwar seit Beginn des Programms noch nie vorgekommen, doch langfristig werden sicherlich nur die Partnerunternehmen mit uns glücklich, die selbst nachhaltig wirtschaften wollen. Die insoweit erforderlichen Maßnahmen sind übrigens auch gar nicht so uferlos, wie manche Mittelständler vielleicht glauben.

    

Carla Everhardt:

Woran kann ich mich als nachhaltigkeitswilliges Unternehmen denn orientieren? Schließlich ist für mich als Unternehmen nichts gewonnen, wenn ich mit meinen Bemühungen scheitere und dann als jüngstes Beispiel für Greenwashing o.ä. in der Presse lande. Ist es dann nicht sogar besser, wenn ich mich gar nicht erst weit aus dem Fenster lehne, insbesondere, wenn ich gar nicht unmittelbar in den Regelungsbereich des neuen LkSG falle?

 

Jan Müller:

Keinesfalls, auch hier ist der Weg das Ziel. Unternehmen können sich im ersten Schritt beispielsweise an den bereits erwähnten IFC Performance Standards orientieren. Sie machen sehr klare Vorgaben für ein nach­haltiges Management von Unternehmen, mit eindeutigen Benchmarks und internationaler Good Practice. Ein Unternehmen, das bei seinen Stakeholdern Bewusstsein für ein nachhaltiges Wirtschaften schafft und sich  Prozesse aufbaut, um seine Risiken zu erkennen und zu managen, ist damit schon auf einem guten Weg.

Darüber hinaus können sich die Unternehmen in einem zweiten Schritt an zahlreichen, häufig auch branchen­spezifische Zertifizierungen und Initiativen orientieren, um nachhaltiges Wirtschaften voranzutreiben. Dies ist auch für die Unternehmen sinnvoll, die nach heutiger Rechtslage nicht dazu verpflichtet sind. Zum einen ist die Greenness von Unternehmen bereits in vielen Branchen ein starkes Verkaufsargument, sowohl gegenüber B2B als auch B2C Kunden. Zum anderen ist davon auszugehen, dass sich der Rechtsrahmen in naher Zukunft von weichen Nachhaltigkeitsvorgaben hin zu rechtsverbindlichen Vorgaben verschieben wird. Vorbereitet zu sein lohnt sich! Dies gilt auch für das oftmals schwierige Marktumfeld in afrikanischen Ländern mit ihren zahl­reichen Kontextrisiken. Mittelständler können auch mit begrenzten Mitteln Kapazitäten aufbauen, um diesen Risiken adäquat zu begegnen. Der enge Austausch mit anderen Branchenteilnehmern zu deren Umgang mit ortsüblichen Risiken bspw. hilft, aber auch das Einstellen engagierter Personen und der Aufbau einer starken lokalen Präsenz ohne die deutschen Standards aus den Augen zu verlieren, lässt deutsche Mittelständler auch zukünftig ruhig schlafen. Wir von AfricaConnect unterstützen Sie dabei, sprechen Sie uns einfach an!

 

Carla Everhardt:

Lieber Herr Müller, dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Vielen Dank für das Gespräch!

 

Jan Müller:

Danke Ihnen.

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