Indonesien: Herausfordernder Markt mit Potenzial

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 zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2019 | Lesedauer ca. 3 Minuten


Indonesien gilt als einer der herausforderndsten Märkte im ASEAN-Staatenbund. Trotz vieler Widrigkeiten kann das Land punkten – mit einem großen Binnenmarkt, einer jungen und digitalaffinen Bevölkerung, wachsender Kaufkraft und einer hohen Nachfrage nach Technologiegütern. Und nicht zuletzt mit einem Präsidenten, der sich in seiner letzten Legislaturperiode den erleichterten Marktzugang für ausländische Akteure auf die Fahne geschrieben hat.



ASEAN ist als Investitionsstandort in aller Munde - Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Indonesien ein?

Die indonesische Wirtschaft hat sich in den letzten zehn Jahren mit jährlichen Wachstumsraten von ca. 6 Prozent dynamisch entwickelt. Für 2019 wird jedoch ein Wachstumsrückgang auf ca. 5 Prozent prognostiziert. Leider bestehen weiterhin einige Probleme für die Wirtschaft, insbesondere in Form einer schwerfälligen und intransparenten Bürokratie und wenig entwickelten Infrastruktur in weiten Teilen des Landes. Dazu hat sich in einigen Branchen ein ernst zu nehmender Fachkräftemangel entwickelt. Das wurde von der Regierung mittler­weile als erheblicher Standortnachteil für ausländische Direktinvestitionen identifiziert. Um den Problemen entgegenzutreten, wurden für 2020 umfangreiche Novellierungen und Vereinfachungen der investitionsrecht­lichen Vorgaben und Verwaltungsvorschriften angekündigt.


Werfen wir einen Blick auf die Chancen – Welche Branchen profitieren aktuell und welche Trends zeichnen sich bereits für die kommenden Jahre ab?

Angesichts der grundsätzlich positiven wirtschaftlichen Entwicklung rückt Indonesien zunehmend in den Blickpunkt ausländischer Investoren. Das rohstoffreiche Land verfügt über einen großen Binnenmarkt und wachsenden Technologiebedarf. Wichtige Zielsektoren für mittelständische ausländische Direktinvestitionen in Indonesien finden sich neben dem Bereich Infrastruktur in der Maschinenbau-, Metall- und Elektro-Branche – aber auch die Lebensmittelbranche boomt.

Zudem sucht die indonesische Regierung eine neue Hauptstadt für den Regierungssitz. Schon heute liegt ein Teil der aktuellen Hauptstadt Jakarta unterhalb des Meeresspiegels, die klimatischen Veränderungen und der weitere (private) Abbau des Grundwassers werden den Umstand weiter beschleunigen. Auch hier bieten sich Chancen für ausländische Unternehmen im Bereich der Wasserversorgung, im Speziellen bei der Lieferung von (Spezial-)Anlagen oder als Subunternehmer bei Bauvorhaben zur Wasseraufbereitung oder Versorgungsprojekten.

Die ersten Planungen für die Verlegung des Regierungssitzes sind bereits gestartet und Ausschreibungen auf lokaler Ebene laufen bereits. Für das 2. und 3. Quartal 2020 ist geplant, ausländische Experten und Investoren bei der Stadtplanung einzubeziehen und die bis dato durch lokale Experten ausgearbeiteten Vorschläge durch ausländisches Know-how zu ergänzen. Neben dem Know-how-Transfer wird für das Megaprojekt in den kommenden Jahren auch finanzielle Unterstützung benötigt – eine Chance für institutionelle ausländische Investoren. Die Finanzierung wird u.a. mittels Private-Public-Partnership-Ausschreibungen (PPP) vorange­trieben – laut den lokalen Behörden gibt es grundsätzlich keine Beschränkungen für ausländische Unternehmen am Ausschreibeverfahren teilzunehmen.


Jedoch werden für PPP-Ausschreibungen nur bestimmte Bauvorhaben wie Infrastrukturprojekte, Gebäude der öffentlichen Verwaltung, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen sowie kulturelle Gebäude (z.B. Museen) berücksichtigt.

Um das Megaprojekt auf- und umzusetzen bieten sich zudem Chancen für deutsche Ingenieursdienstleis­tungen, Architekten und Spezialisten im Baugewerbe.


Wie entwickeln sich die Aussichten für deutsche Unternehmen vor dem Hintergrund der bereits abgeschlossenen bzw. zur Zeit in Verhandlung stehenden bi- und multilateralen Freihandelsabkommen?

Indonesien arbeitet weiterhin an seiner Marktöffnung für eine zunehmende Anzahl von Geschäftssektoren, um sich den Zielen im Kontext des „Asean Economic Community” (AEC) Blueprint 2025 zu nähern. Dabei sollte beachtet werden, dass Indonesien trotz geplanter Entwicklung der AEC zu einem Binnenmarkt diverse Branchen vor ausländischem Wettbewerb schützt. Das wirkt sich auf zahlreiche Aspekte des Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehrs mit anderen ASEAN-Staaten aus. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Regierung den eingeschlagenen Liberalisierungskurs umsetzt oder von protektionistischen Überlegungen beeinflusst wird. Das wird auch das für 2020 geplante Reformpaket maßgeblich beeinflussen.

Am 18. Juli 2016 verkündeten die EU-Handelskommissarin und der indonesische Handelsminister die offizielle Aufnahme der Verhandlungen zu einem umfassenden Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indonesien, dem „Comprehensive Economic Partnership Agreement” (CEPA). Die Verhandlungen finden unter Berück­sichtigung des Partnerschafts- und Kooperationsabkommens („Partnership and Cooperation Agreement”, PCA) zwischen der EU und Indonesien statt, das am 1. Mai 2014 in Kraft trat. Laut Artikel 2 des Abkommens verpflichten sich die Parteien zu einem umfassenden Dialog, um die Zusammenarbeit auf allen Sektoren gemeinsamen Interesses weiter auszubauen. Im Zentrum steht die weitere Stärkung der bilateralen Beziehungen. So ist auch der Ausbau des Handels- und Investitionsvolumens zwischen den Partnern zu ihrem gegenseitigen Vorteil eine Leitlinie des PCA – insbesondere durch den Abbau von Beschränkungen sowie der Kooperation zwischen sonstigen handels- und investitionsbezogenen Bereichen. Die achte Verhandlungsrunde fand im Juni 2019 in Jakarta statt.


Das Thema Datenschutz ist in Europa sehr hoch aufgehängt – Wo steht Indonesien im Hinblick auf die Implementierung und Umsetzung der GDPR?

Ein Datenschutzgesetz befindet sich aktuell im parlamentarischen Verfahren – ein Inkrafttreten ist noch nicht absehbar. Das Gesetz orientiert sich an der GDPR. Wie in vielen Staaten in ASEAN ist ein Bewusstsein in Bezug auf den Schutz von (persönlichen) Daten bislang wenig ausgeprägt.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Indonesien weiterentwickeln? Können Sie uns einen kurzen Ausblick auf das Jahr 2020 geben?

Während der ersten Amtszeit des 2014 gewählten Staatspräsidenten Joko Widodo erschien Indonesien sowohl demokratisch als auch wirtschaftlich relativ stabil und konnte sich als Investitionsstandort positiv entwickeln. Es zeichnen sich Tendenzen ab, dass diese Stabilität erhalten bleibt und die wirtschaftlichen Rahmenbe­din­gungen mittelfristig liberalisiert werden. Allerdings ließ die Politik des Präsidenten aufgrund innerparteilichen Drucks in den letzten Jahren auch protektionistische Elemente erkennen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern das angekündigte Reformpaket, insbesondere in Form eines überarbeiteten Arbeitsrechts, novellierter Negativlisten und vereinfachter sowie konsolidierter Verwaltungsvorschriften 2020 tatsächlich umgesetzt wird.


Fazit

Indonesien ist und bleibt ein interessanter, wenn auch herausfordernder Markt. Angekündigte Reformen müssen in den kommenden Jahren zeigen, inwieweit das Land sich im starken ASEAN-Umfeld positiv weiterentwickeln kann.

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