Die Pandemie als Digitalisierungs-Enabler

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veröffentlicht am 8. Dezember 2021 | Lesedauer ca. 3 Minuten


Die Pandemie hat unser Land und die Welt weiter fest im Griff. Deutlich stärker und länger als die meisten von uns glaubten. In dem Zusammenhang wurden alle Unter­nehmen, die nicht bereits vorher verteiltes Arbeiten praktiziert haben, gezwungen kurzfristig Lösungen zu finden, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Wir haben gelernt damit umzugehen. Doch die Herausforderungen für 2022 sind groß.


Es ist Ende 2021 und Deutschland erlebt ein Déjà-vu: Das öffentliche Leben wird erneut heruntergefahren. Lockerungen, die schon getroffen wurden und fast als selbstverständlich wirkten, werden zurückgenommen und Veranstaltungen sowohl im privaten, als auch im geschäftlichen Bereich erneut eingeschränkt, verschoben oder ganz abgesagt. Das hat mittlerweile Auswirkungen auf die Psyche der Menschen. Die Einflüsse wirken sich natürlich auch auf die Arbeitskraft und somit direkt auf den Erfolg der Arbeitgeber aus. In einer unsicherer werdenden Welt stehen Unternehmen in den kommenden Jahren somit vor einer zusätzlichen Aufgabe: Angebote zu unterbreiten, welche Mitarbeiter unterstützen, ihre eigene psychische Belastung zu steuern und so gesund zu bleiben.

Parallel dazu erleben wir aktuell, wie anfällig unsere Weltwirtschaft tatsächlich ist: Produktionsstaus bei Herstellern und Zulieferern aufgrund der Pandemie, Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen wie Holz, Kupfer, etc. und Grundbauteilen wie Computerchips treffen Unternehmen weltweit. Obwohl die Auftragsbücher voll sind, kann die Nachfrage kaum bedient werden. Das führt zu höheren Preisen und treibt die Inflation.


Das ERP-System im Zentrum

Um in einem so dynamischen Umfeld konkurrenz- und lieferfähig zu sein, müssen Unternehmen jederzeit schnell und treffsicher auf sich ändernde Umstände reagieren können. Dafür sollten Indikatoren frühzeitig erkannt und die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden. Dabei helfen Business-Intelligence-Werkzeuge (BI-Werkzeuge). Die Indikation, was im eigenen Unternehmen und in der Lieferkette vor sich geht, kann aber nur interpretiert werden, wenn die dazugehörigen Daten validiert zur Verfügung stehen. Die Nutzung von Daten zur Entscheidungsgewinnung bekommt deshalb einen immer höheren Stellenwert entlang der gesamten Wert­schöpfungs- und Lieferkette. Das unternehmenseigene ERP-System ist immer noch eines der Kernsysteme der IT-Architektur, das die Daten liefern kann.

Genau in dem Bereich stehen 2022 und den darauffolgenden Jahren große Veränderungen für Unternehmen an. Bereits 2015 stellte der deutsche Softwareanbieter SAP seine neueste ERP-Version SAP S/4HANA vor. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen das Wartungsende für seine ERP-Systeme SAP ECC und andere Altprodukte bis 2027 bzw. in der extended Version bis 2030 an. Für die SAP-Anwenderunternehmen bedeutet das: Eine Migration auf das neue ERP SAP S/4HANA, sollten sie in der SAP-Welt bleiben wollen. Im Zusammen­hang damit überprüfen viele Unternehmen, ob mit der Umstellung nicht essenzielle Verbesserungen vorgenommen werden können.

Seit der Vorstellung ist jedoch weniger passiert, als man annehmen möchte: Laut aktueller Studie von Lünen­donk & Hossenfelder zum Thema S/4HANA-Umstellung rechnen erst 26 Prozent der Anwenderunternehmen mit der erfolgreichen Migration bis Ende 2021. Somit haben noch knapp drei Viertel der Anwenderunternehmen die finale Migration vor sich.

Immerhin sehen sich nur 24 Prozent der Anwenderunternehmen aufgrund des Zeitplans von SAP zur Um­stellung veranlasst. Die Pandemie hingegen hat vielen Unternehmen die eigenen Schwächen hinsichtlich der Digitalisierung ihrer Prozesse aufgezeigt. Es verwundert daher nicht, dass 38 Prozent die veränderten Business-Anforderungen als primären Treiber für den ERP-Wechsel sehen. Die verbleibenden 38 Prozent der Studien­teilnehmer sehen die Modernisierung ihrer IT-Landschaft als Haupttreiber für die S/4HANA-Einführung.

Während in der Industrie – wie die Studie zeigt – in den letzten Jahren die Migrationen auf neue ERP-Systeme schon teilweise stattfanden, hinkt die öffentliche Hand aus unserer Erfahrung noch stark hinterher.


Erfolgreiche Migrationen

Die vergangenen Jahre zeigten, dass erfolgreiche ERP-Umstellungen immer den Fokus auf die Abbildung von Soll-Geschäftsprozessen hatten. Der Fokus ging auch im gesamten Projektverlauf nicht verloren. Zusätzlich wurde ein gelebtes Change- und Prozessmanagement etabliert und der Faktor Mensch stand im Mittelpunkt: Veränderung braucht Mut; v.a. aber auch den Rückhalt der Mitarbeiter, die täglich mit dem System arbeiten. Ihr früher Einbezug ist ein maßgeblicher Faktor für die erfolgreiche Projektrealisierung. Das werden auch die Schlüssel für erfolgreiche Umstellungsprojekte im nächsten und den darauffolgenden Jahren sein. Als Grad­messer des Erfolgs und Element der Qualitätssicherung hat sich der Einsatz von IT-Prüfern, in Zusammenarbeit mit den SAP-Experten, bewährt und ist auch für beginnende und laufende Projekte sehr zu empfehlen.

Die erfolgreiche Migration eines ERP-Systems ist aber auch abhängig von Ressourcen im Unternehmen und auf der Beratungsseite. Der Trend der letzten Jahre wird sich auch 2022 weiter fortsetzen und noch verstärken: Fachkräfte sind Mangelware.


Fazit: Aufholbedarf in Deutschland

Im Vergleich zu SAP-Anwenderunternehmen in anderen Ländern ist Deutschland in der Digitalisierungs­umsetzung bisher bestenfalls knapp unterhalb des Durchschnitts. Der End-of-Lifecycle für den Support für SAP ECC ist auf 2027 datiert; die Ressourcen und Kapazitäten deutscher SAP-Partner für die Umstellung begrenzt. Zwei wichtige Faktoren, die Unternehmen 2022 für Ihre IT-Strategie der nächsten fünf Jahre berücksichtigen sollten.

Fakt ist: Die Pandemie hat als Digitalisierungs-Enabler dafür gesorgt, dass Unternehmen sich intensiv mit ihren digitalen Schwächen auseinandersetzen (müssen), um auch in Ausnahmesituationen wettbewerbsfähig zu sein.

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