Geschenkgutscheine: Umsatzsteuerliche Behandlung und bilanzielle Abbildung

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veröffentlicht am 18. Oktober 2017

 

Geschenkgutscheine kommen immer gut an. In einer Vielzahl von Unternehmen können Kunden Gutscheine erwerben. Der Gutschein selbst kann einen Geldbetrag umfassen oder bestimmte Sach- oder Dienstleistungen beinhalten. Außerdem geben Unternehmen vermehrt unterschiedliche Gutscheinarten zur Kundenbindung und Verkaufsförderung aus. Doch wie erfasst das ausstellende Unternehmen Gutscheine richtig?
 

 

 

 

Der Begriff Gutschein ist bislang weder rechtlich noch umsatzsteuerlich definiert. Jedoch wird umsatz­steuerlich unterschieden, ob ein Gutschein ausschließlich einen bestimmten Wert (sog. Wertgutschein), konkrete Leistungen (sog. Warengutschein) oder nur einen Anspruch auf einen Rabatt (sog. Rabatt­gutschein) enthält. Wir beleuchten nachfolgend den Wert- und den Warengutschein.

 

Wertgutscheine: Umsatzsteuerliche Behandlung und bilanzielle Abbildung

Ein Wertgutschein wird gegen einen bestimmten Geldbetrag ausgegeben. Es handelt sich hierbei lediglich um den Umtausch eines Zahlungsmittels in ein anderes Zahlungsmittel. Der Inhaber des Wertgutscheins kann bei dem ausstellenden Unternehmen jede Ware oder Leistung erwerben.
 

Die Ausgabe des Wertgutscheins stellt weder eine Lieferung noch eine sonstige Leistung dar. Da die Leistung nicht hinreichend konkretisiert ist, liegt auch keine Anzahlung gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a Satz 4 UStG vor. Erst bei Einlösung des Wertgutscheins unterliegt die Leistung der Umsatzsteuer. Der Umsatzsteuersatz richtet sich nach der erworbenen Ware oder Leistung.
 

Mit dem Verkauf des Wertgutscheins ist noch keine Lieferung oder Leistung erfolgt und somit noch kein Ertrag zu buchen. Zu dem Zeitpunkt schuldet das ausgebende Unternehmen eine Leistung, die bilanziell als Sonstige Verbindlichkeit in Höhe des Wertgutscheins auszuweisen ist.
 

Mit der Einlösung des Wertgutscheins wird der Umsatz realisiert. Zu dem Zeitpunkt entsteht auch die Umsatzsteuer.

 

Warengutscheine: Umsatzsteuerliche Behandlung und bilanzielle Abbildung

Ist die Ware oder die Leistung auf dem Gutschein bereits genau bezeichnet, handelt es sich um einen Warengutschein. Bei Einlösung des Gutscheins kann lediglich diese Ware oder Leistung bezogen werden.
 

Durch die Konkretisierung ist der gezahlte Bruttobetrag als Anzahlung gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a Satz 4 UStG der Umsatzsteuer zu unterwerfen. In dem Fall ist folglich die Umsatzsteuer auf der Rechnung für den Warengutschein auszuweisen.
 

Mit dem Verkauf des Warengutscheins ist noch keine Lieferung oder Leistung erfolgt und somit noch kein Ertrag zu buchen. Da die Ware oder die Leistung ausreichend konkretisiert ist, ist die Umsatzsteuer entsprechend der Ware oder Leistung bereits zu dem Zeitpunkt zu buchen. Das Vorausentgelt ist als Erhaltene Anzahlung auszuweisen. Mit der Einlösung des Warengutscheins ist der Umsatz zu buchen.
 

Künftige Änderung durch EU-Richtlinie

Mit der Richtlinie (EU) 2016/1065 des Rates vom 27. Juni 2016 zur Änderung der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie (MwStSystRL) wird die umsatzsteuerliche Behandlung von Gutscheinen in der EU künftig einheitlich geregelt. Die Regelungen gelten erst für nach dem 31. Dezember 2018 ausgestellte Gutscheine. Somit haben die EU-Mitgliedsstaaten noch genügend Zeit zur Umsetzung.
 

Im Umsatzsteuergesetz soll der Begriff „Gutschein” künftig definiert sein. Des Weiteren sind folgende Arten zu unterscheiden:
  • Einzweck-Gutschein ist ein Gutschein, bei dem der Ort der Lieferung der Gegenstände oder der Erbringung der Dienst­leistungen, auf die sich der Gutschein bezieht, und die für diese Gegenstände oder Dienstleistungen geschuldete Mehrwertsteuer zum Zeitpunkt der Ausstellung des Gutscheins feststehen.
  • Mehrzweck-Gutschein ist ein Gutschein, bei dem es sich nicht um einen Einzweck-Gutschein handelt.

 

Die Ausgabe eines Einzweck-Gutscheins (Warengutschein) wird künftig nicht mehr als Anzahlung besteuert. Vielmehr wird bei Verkauf des Gutscheins bereits (fiktiv) die Lieferung bzw. die Leistung ausgeführt. Bei der späteren Einlösung des Gutscheins sind dann keine umsatzsteuerrechtlichen Konsequenzen mehr zu ziehen. Zum Zeitpunkt der Einlösung des Gutscheins darf nicht erneut eine Rechnung mit gesondertem Steuerausweis erteilt werden, da ansonsten die Rechtsfolgen des § 14c UStG eintreten.
 

Die Ausgabe eines Mehrzweck-Gutscheins ist – wie bisher – umsatzsteuerlich nicht relevant. Erst bei Einlösung des Gutscheins und Leistungserbringung kommt es zur Besteuerung.

 

Fazit

Bei der Entstehung der Umsatzsteuer ist nach 3 umsatzsteuerlichen Gutscheinarten zu differenzieren:
  • dem Wertgutschein,
  • dem Warengutschein und
  • dem Rabattgutschein.

   

Im Zeitpunkt der Ausgabe eines Wertgutscheins ist die Umsatzsteuer noch nicht zu erfassen. Im Zeitpunkt der Ausgabe eines Warengutscheins unterliegt der gezahlte Bruttobetrag als Anzahlung der Umsatzbesteuerung.

 
Mit der Richtlinie (EU) 2016/1065 des Rates vom 27. Juni 2016 zur Änderung der MwStSystRL wird die umsatzsteuerliche Behandlung von Gutscheinen in der EU künftig einheitlich geregelt.

Kontakt

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Silvia Schmidt-Leupold

Steuerberaterin

Associate Partner

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