Digitalisierung: Chancen und Herausforderungen für Unternehmer

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zuletzt aktualisiert am 22. März 2017

Deutschland ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt und die Wirtschaft nähert sich der Vollbeschäftigung: Der Staatshaushalt ist seit langem wieder überschüssig und kann Schulden tilgen. Insbesondere der international tätige Mittelstand mit seinen Hidden Champions lässt unsere Wirtschaft weiter wachsen.

Chancen und Herausforderungen durch Digitalisierung
 
Gleichzeitig beschäftigt die Digitalisierung intensiv Unternehmer, Sozialpartner und Politiker. Wir erwarten von der Digitalisierung eine grundlegende und nachhaltige Wirkung auf die Gesellschaft, vergleichbar mit der Nutzung der Dampfmaschine, der Einführung der Fließbandproduktion oder der Globalisierung der Wirtschaft. In den Medien wird die Digitalisierung häufig auf IT- oder High-Tech-Themen reduziert. Dabei handelt es sich nicht um einen aktuellen IT-Trend oder einen Hype, sondern um eine Entwicklung, die für Unternehmer gewaltige Chancen, aber auch Herausforderungen birgt.

Die vier industriellen Revolutionen.

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In Anlehnung an: Gartner: Digital Leadership  CIO & IT Executive Summit, Seite 4.

 

Die Digitalisierung erfasst alle Branchen und Unternehmensgrößen

Die digitale Transformation erfasste zunächst die „TIME-Branchen” (Telekommunikation, Informationstechnologie, Medien, Entertainment). Insbesondere die Verlage haben dramatisch Marktanteile verloren und nur wenige haben – wie der Axel-Springer-Verlag – eine echte Perspektive mit einer Digitalstrategie für ihr Unternehmen entwickeln können.
 
Der digitale Wandel erfasst inzwischen alle Branchen. Ein aktuelles Beispiel aus der Systemgastronomie zeigt, dass keine Branche sicher ist: Das Unternehmen Eatsa verbindet Fast Food, Nachhaltigkeit und Digitalisierung und macht damit etablierten Größen wie McDonald's oder Subway Marktanteile streitig.
 

Die Chancen der Digitalisierung nutzen, die Risiken minimieren

Wenn sich Unternehmer mit der Digitalisierung befassen, verfolgen sie 2 strategische Ziele:
1.
Sie wollen unternehmerische Chancen nutzen, um neue Märkte zu erschließen, neue Kunden zu gewinnen sowie neue Produkte und Services zu entwickeln.
2.Sie minimieren Risiken, die aus disruptiven Innovationen, neuen Geschäftsmodellen und durch neue Wettbewerber in der digitalen Welt entstehen können.
 
Deutsche Unternehmen erschließen sehr erfolgreich neue unternehmerische Chancen durch eine Innovationskultur der kleinen Schritte – Evolution statt Revolution. Der erfolgreiche ​evolutionäre Ansatz funktioniert auch bei der Digitalisierung: So werden in der für uns wichtigen Kfz-Branche die Fahrzeuge über Telematikdienste bereits erfolgreich vernetzt. Daimler kann damit die Laufzeit seiner LKW um 6 Prozent steigern und die Reparaturkosten für seine Kunden um 20 Prozent senken. Im hart umkämpften LKW-Markt ein deutlicher Wettbewerbsvorteil.
 
Weitaus schwieriger ist es dagegen einzuschätzen, wie sich die Digitalisierung entwickeln wird und wie man den Risiken erfolgreich begegnen kann.
 

Die Digitalisierung erzeugt disruptiven Wettbewerb

In der digitalen Welt treten Wettbewerber auf,
  • die oft neu in der Branche sind: entweder neu gegründete Start-ups, die rasant wachsen, oder etablierte Unternehmen, die bisher in völlig anderen Märkten tätig waren,
  • die über eine gewaltige Kapitalausstattung verfügen – entweder Eigenkapital wie Apple, Google und Microsoft oder Risikokapital wie Uber oder Zalando,
  • die sich konsequent auf digitale Geschäftsmodelle ausrichten und dabei keinen Ballast aus traditionellen Geschäftsmodellen wie eine bestehende Vertriebsstruktur tragen müssen.
 
So erwirtschaftet z.B. das relativ junge Unternehmen booking.com mit 2 Mrd. Euro so viel EBIT wie traditionelle Reiseveranstalter an Umsatz realisieren. Daher wird booking.com (58,2 Mrd. Euro) an der Börse höher bewertet als TUI, Thomas Cook, Lufthansa, Expedia und die Accor-Hotelgruppe zusammen mit insgesamt 42,7 Mrd. Euro.
(Quelle: Manager Magazin)
 

In den USA werden disruptive Innovationen systematisch erzeugt

Im Silicon Valley entstehen kontinuierlich Unternehmen, die etablierte Geschäftsmodelle mit innovativen Konzepten angreifen. Dabei wird Hochtechnologie mit nahezu unbegrenztem Risikokapital und einer fehlerfreudigen ambitionierten Unternehmerkultur kombiniert.
 
   Digitalisierung und disruptive Innovationen.
In allen 3 dieser Disziplinen ist die US-amerikanische Wirtschaft dem Rest der Welt überlegen. Die erfolgreichen Geschäftsmodelle aus der digitalen Welt fordern die deutsche Wirtschaft ernsthaft heraus. Wir müssen unsere eigenen Antworten und Lösungen finden, damit wir auch künftig starke Wettbewerbspositionen in der globalen Wirtschaft einnehmen können.
 
Dabei gilt es die Stärken der deutschen Wirtschaft, z.B. im Maschinenbau und der Elektronik, mit der Digitalisierung zu verbinden und so herausragende Produkte und Services zu kreieren.
 

Die digitale Transformation ist eine unternehmerische Herausforderung

Zunächst verinnerlichen Unternehmer die grundlegenden Mechanismen der Digitalisierung und entwickeln ihre eigene Strategie. Dazu sind grundlegende unternehmerische Fragen zu beantworten:
1.
Wie beeinflusst die Umstellung die Struktur und die Grenzen unserer Branche?
2.
Wie werden der Aufbau der Wertschöpfungskette und die wettbewerbsnotwendigen Aktivitäten beeinflusst?
3.
Welche neuen strategischen Entscheidungen müssen Unternehmen treffen, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern?
4.
Welche organisatorischen Auswirkungen hat der neue Produkttyp und welche Herausforderungen sind mit ihm verbunden?
 
Insbesondere die Frage, wie sich Branchen und Wertschöpfungsketten verändern, erfordert ein Verständnis der digitalen Geschäftsmodelle.
 
Während bisher Produkte und Dienstleistungen v.a. bei der Erzeugung mit Software und Daten überwacht, analysiert und gesteuert werden, erfordern digitale Geschäftsmodelle mehr: die vollständige Generierung und Verwendung der Daten über die Nutzung bis hin zum Ende des Produktlebenszyklus. Dazu werden alle Ressourcen einer Wertschöpfungskette mit Sensoren ausgestattet, die Daten gesammelt und analysiert.
 
Die so gewonnenen und vernetzten Daten generieren Wissen und erlauben vollautomatisierte neue Geschäftsmodelle, z.B. „use and pay” statt „pay and use”.
 
Insbesondere erfolgreiche Unternehmen stehen vor folgender Herausforderung: Sie müssen das gut laufende und weiter wachsende Tagesgeschäft bewältigen und gleichzeitig Fantasie und Energie aufbringen, um digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und die dazu erforderlichen Veränderungen zu meistern. Zumal sich die Eigenschaften und Erfolgsfaktoren etablierter Geschäftsmodelle von denen der digitalen grundlegend unterscheiden:
 
​Traditionelle Organisationen
​Digitale Organisationen
​Stabilität
​Eigenschaft
​Flexibilität
​Ressourcen und Prozesse
Zielgröße​
Kundenerlebnisse​
​Kosten/Stück
​Steuergröße
​Kundenbasis und Kundenbegeisterung
​Wasserfall, V-Modell
​Vorgehensmodelle
​agil, kreativ
​Top-down auf Basis von Planung und Genehmigung
​Verantwortung
​Buttom-up durch kontinuierliches Lernen und Verbessern
​Viel selbst, wenige Hauptlieferanten, langfristige Partnerschaften
​Sourcing
​Netzwerke, Partnerschaften, spontane kurzfristige Zusammenarbeit
​langfristig (Monate und Jahre)
Zeithorizont​
​kurzfristig (Tage und Wochen), "24h/48h/72h"
   
Neben der Weiterentwicklung oder der Neuausrichtung der grundlegenden unternehmerischen Geschäftsmodelle erfordert die Digitalisierung Folgendes: den Aufbau einer bi-modalen Organisationsstruktur und einer IT-Landschaft, bei der bspw. das bestehende ERP-System zum Kern einer digitalen Plattform weiterentwickelt wird. Die Herausforderung besteht darin, Impulse und Maßnahmen richtig zu gewichten und immer wieder neu zu justieren.
 

Rödl & Partner begleitet Unternehmer ganzheitlich auf dem Weg in die Digitalisierung

Bei Rödl & Partner befassen sich ausgewählte Experten kontinuierlich mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Dabei stellen wir unseren Mandanten in den Mittelpunkt und bilden für seine individuelle Aufgabenstellung interdisziplinäre Teams.

Kontakt

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Jens Hinkelmann

Leiter Geschäftsfeld Unternehmens- und IT-Beratung

+49 911 180787 10

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