Finanzierung der Energiewende – Ohne Moos nix los

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Energieversorgungsunternehmen müssen im Zuge der Energiewende in den nächsten Jahren eine Vielzahl von Investitionsmaßnahmen umsetzen und finanzieren. Die Unternehmen sollten bei der Finanzierung auf einen ausgewogenen Mix von Eigen- und Fremdkapital achten. Grundvoraussetzung für eine solide Finanzierung ist eine angemessene Eigenkapitalbasis. Nur mit einer adäquaten Eigenkapitalquote können Fremdmittel akquiriert und zukünftig Gewinne an die Gesellschafter ausgeschüttet werden.

Die tiefgreifende strukturelle Transformation der Energieversorgung in den nächsten Jahren erfordert signifikante Investitionen von den Energieversorgungsunternehmen. Allein auf Ebene der Stromversorgungsnetze belaufen sich die auf die Energiewende zurückzuführenden Investitionskosten bis zum Jahr 2030 auf etwa 30 bis 40 Mrd. Euro.
 
Gleichzeitig hat sich die wirtschaftliche Situation vieler Energieversorgungsunternehmen in Folge des zunehmenden Wettbewerbs im Energievertrieb, des steigenden Regulierungsdrucks bei den Versorgungsnetzen und des schwierigen Marktumfelds im konventionellen Erzeugungsbereich in den letzten Jahren eingetrübt. Sinkende Kapitalrenditen und steigende Verschuldung sind Zeugnis dieser wirtschaftlichen Negativentwicklung.
 
 

Entwicklung ROCE (Return on Capital Employed) und Verschuldungsgrad im Zeitraum 2010 bis 2013 bei Energieversorgungsunternehmen (Quelle: eigene Analyse)
 
Auf den Punkt gebracht bedeutet diese Gemengelage: Hoher Kapitalbedarf für notwendige Investitionsmaßnahmen einerseits bei gleichzeitig geringeren Gewinnen bzw. Cash Flows andererseits.
 

Fremdfinanzierung kein Selbstläufer

Der Anstieg der Verschuldung bei Energieversorgungsunternehmen zeigt, dass viele Investitionsmaßnahmen überwiegend fremdfinanziert werden. Gleichzeitig ist aber zu beobachten, dass die Aufnahme von Darlehen – auch bei kommunalen Versorgungsunternehmen – zunehmend schwieriger wird. Während in der Vergangenheit Versorgungsunternehmen mit kommunaler Eigentümerstruktur in der Regel keine Probleme bei der Akquisition von Fremdkapital hatten, ist mittlerweile zu beobachten, dass die Banken bei der Kreditvergabe deutlich restriktiver agieren.
 
Ein Grund für diese Entwicklung sind die im Jahr 2013 in Kraft getretenen und als Basel III bekannten Vorschriften zur Regelung der Eigenkapitalbasis und der Liquiditätssituation für Banken. Ein weiterer Grund für die restriktivere Kreditvergabepolitik der Banken im kommunalen Versorgungsumfeld ist die Bewertung des Kreditausfallrisikos. Galten kommunale Versorger bisher als nahezu risikolose Kreditnehmer, so hat sich diese Einschätzung durch mehrere Insolvenzen in der Stadtwerkelandschaft im Jahr 2014 negativ entwickelt.
 
Die Verknappung der Kreditmittel bedeutet für die Stadtwerke, dass der Finanzierung von Investitionen sowie des laufenden operativen Betriebs zukünftig deutlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Dies beginnt mit der Anzahl der für die Finanzierung angefragten Kreditinstitute und mündet in der Vorlage von bankenfähigen Businessplänen. Eine transparente und fundierte Aufbereitung der zukünftigen Entwicklung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ist essentiell für eine gute Bonitätsbeurteilung und leistet somit einen wesentlichen Beitrag für eine erfolgreiche Darlehensaufnahme und „günstige” Zinskonditionen.
 

Eigenkapitalbasis stärken

Um aber in Zukunft erfolgreich Fremdkapital zu akquirieren, muss in erster Linie eine Voraussetzung erfüllt sein – eine solide und angemessene Eigenkapitalbasis. Der Finanzierungsbeitrag der Gesellschafter, d.h. der Anteil des Eigenkapitals an der Finanzierung der zukünftigen Investitionen, wird entscheidend sein für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg der Energieversorgungsunternehmen. In diesem Kontext muss die bisher geübte Ausschüttungspraxis auf den Prüfstand gestellt werden. Energieversorgungsunternehmen führen regelmäßig einen hohen Anteil ihres Gewinns – im Mittel ca. 85 Prozent (Quelle: Analyse der Jahresabschlüsse von ca. 150 kleinen und mittleren Energieversorgungsunternehmen im Zeitraum 2010 bis 2013) – an ihre Gesellschafter ab. Im Vergleich dazu schütten börsennotierte Aktiengesellschaften in Deutschland nur ca. 45 Prozent ihres Gewinns als Dividende an die Aktionäre aus. Hohe Ausschüttungen sind generell ein Merkmal reifer Unternehmen in einem eingeschwungenen Zustand. Dieser Zustand war auch für die Energiebranche in der Vergangenheit kennzeichnend. Aber seit dem Jahr 2011 ist die Branche von dynamischen und strukturellen Veränderungen geprägt, Geschäftsmodelle müssen angepasst oder neu erfunden und notwendige Investitionsmaßnahmen finanziert werden.
 

Heute säen, morgen ernten

Um diesen Strukturwandel in den kommenden Jahren erfolgreich zu gestalten, wichtige Ergebnissäulen zu stabilisieren und neue Ergebnisquellen zu erschließen, benötigen die Unternehmen einen ausreichenden finanziellen Handlungsspielraum. Ein rein fremdfinanzierter Umbau der Energiewende wird nicht gelingen. Nur wenn die Gesellschafter in den nächsten Jahren einen angemessenen Finanzierungsbeitrag leisten, werden sie nachhaltig an Gewinnen ihrer (kommunalen) Energieversorgungsunternehmen partizipieren – getreu dem Motto „heute säen, morgen ernten”.
 
zuletzt aktualisiert am 19.11.2015

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Christoph Beer

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