Südafrika: Net-Metering und aktueller Stand der REIPPPP-Ausschreibung

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Die Diskussionen über die Einführung von Net-Metering in Südafrika sind momentan in vollem Gange. Während die Befürworter die zahlreichen Vorteile wie die niedrigen Betriebs- und Wartungskosten oder die Effizienz von Net-Metering betonen, argumentieren die Gegner mit hohen Investitionskosten für die Installation und dem Unvermögen von Photovoltaik- (PV-)Anlagen, nachts Strom zu produzieren. Aktuell wird die Implementierung von Net-Metering eher auf kommunaler Ebene vorangetrieben, weil die nationale Energie-Regierungsbehörde (NERSA) aufgrund von Kapazitätsproblemen vorerst nicht in der Lage ist, Net-Metering auf nationaler Ebene einzuführen. In dem Renewable Energy Independent Power Producer Procurement Programm (REIPPPP) wurden zudem die Ergebnisse der dritten Ausschreibungsrunde veröffentlicht. Das südafrikanische „Department of Energy” (DoE) plant weitere Reformen des Ausschreibungsprozesses, um Fehler der Vorrunden zu korrigieren, den Prozess insgesamt zu vereinfachen und entsprechend effizienter zu gestalten. Insgesamt wird die 2011 gestartete Ausschreibung als Erfolg gewertet, umso mehr, als kürzlich auch das erste Projekt der ersten Runde, eine Photovoltaik-Anlage von 75 MW, in Kalkbult (Northern Cape) ans Netz gegangen ist.

 

Bestandsaufnahme Net-Metering in Südafrika

Die rechtliche Grundlage für die Genehmigung von Net-Metering innerhalb der Kommunen sollen die „Standard Conditions for small scale (< 100 kW) embedded generation within municipal boundaries” bilden, die unter den im September 2011 von der NERSA veröffentlichten Energy Regulator Act 204 fallen. In dem Regelwerk ist explizit festgelegt, dass die Generierung von Strom im Bereich unter 100 kW („small scale generation”), der in das kommunale Netz eingespeist wird, künftig erlaubt sein soll. Die Stromkosten setzen sich dann lediglich aus dem Nettoverbrauch der konsumierten (in das Netz exportierten) Energie abzüglich der aus dem Netz importierten Energie für den Stromeigenverbrauch zusammen. Das Regelwerk fordert die Kommunen auf, eine Datenbank zu führen, in der man neben den Nutzern und deren Technologie auch die Erzeugungskapazitäten sammelt, die durch die Einführung von Net-Metering entstehen. Es soll weiter im Ermessen der Kommunen liegen, eine passende Messlösung für das Net-Metering zu ermitteln.
 
Bei den benannten „Standard Conditions” handelt es sich jedoch lediglich um Richtlinien und (noch) nicht um konkrete gesetzliche Regelungen. Weiterhin ist vorerst der Anschluss an das nationale Netz von Eskom nicht erlaubt. Damit wird deutlich, dass die konkreten Rahmenbedingungen für die Einführung von Net-Metering noch festgelegt werden müssen, bevor das Procedere auf nationaler Ebene umgesetzt werden kann. Zudem gilt es, die technischen Voraussetzungen im Hinblick auf die einzusetzenden „Meter” zu klären und den technischen Standard der Netze zu verbessern. Nicht zuletzt sind auf kommunaler Ebene leistungsfähige Abrechnungssysteme zu entwickeln. Um Net-Metering in der Praxis zu erproben, wurden in Port Elizabeth und Kapstadt bereits Pilotprojekte erfolgreich gestartet. Prominentestes Beispiel ist das von Solarworld errichtete „Vodacom”-Dach in Kapstadt, die momentan größte Dachanlage des Kontinents.
 

Ergebnisse der dritten Runde der Ausschreibungen des DoE

Das DoE erhielt bei der dritten Bieterrunde 93 Angebote und hat daraus 17 bevorzugte Bieter gewählt. Die Anzahl der erfolgreichen Bieter je Technologie und die MW, die das DoE jeweils vergeben hat, sind folgender Tabelle zu entnehmen:

Tabelle 1: Ergebnisse der dritten Runde der Ausschreibungen des DoE
​Technologie ​Bieter ​Vergebene MW
Onshore Wind​ ​7 ​787 MW
​Solar (PV) ​6 ​450 MW
​Biomasse ​1 ​16,5 MW
​Landfil Gas ​1 ​18 MW
​Concentrated Solar ​2 ​200 MW
 
Quelle: Department of Energy, Renewable Energy IPP Procurement Programme, Bid Window 3 Preferred Bidders´ announcement, 4. November 2013.
 
Aufgrund der sehr hohen Zahl an Bewerbungen, die inhaltlich ein hohes Niveau aufweisen und auch preislich überaus attraktiv sind, erwägt das DoE, vor allem in den „Onshore Wind“- und „Solar PV”-Technologien noch weitere Produzenten in die Runde der bevorzugten Bieter aufzunehmen. Des Weiteren wird diskutiert, noch etwa 3.000 MW zusätzlich auszuschreiben, was sich positiv auf die Runden 4 und 5 auswirken sollte. Diese Aussagen sind jedoch nicht verbindlich; eine Stellungnahme des DoE wird in Kürze erwartet.
 
Die erste Runde der „Small scale”-Ausschreibung des DoE für Projekte bis zu 5 MW ist abgeschlossen. Die nächste Bewerbungsrunde startet am 10. Februar 2014.
 

Ausblick

Eine Einführung von Net-Metering in einzelnen Regionen oder gar landesweit würde ein großes Potenzial für Investoren in Kleinanlagen bieten, insbesondere auch, weil in Südafrika mehr als 60 Prozent der Bevölkerung ein Eigenheim besitzen. Hinzu kommen die unbestritten guten klimatischen Bedingungen für Solarenergie in Südafrika sowie eine immer größer werdende Energieknappheit, die nicht nur bei Regierung und Industrie, sondern auch bei den privaten Haushalten einen Handlungsdruck auslöst.
 
Trotz der positiven Signale ist die Zukunft von Net-Metering, insbesondere die Frage, wann eine Umsetzung erfolgen kann, noch schwer einzuschätzen. Bevor Net-Metering auf regionaler oder gar nationaler Ebene eingeführt werden kann, sind noch viele Herausforderungen zu bewältigen, unter anderem im Hinblick auf die noch ungeklärten regulatorischen Rahmenbedingungen und die technischen Voraussetzungen. In Fortführung des Integrated Ressource Plan von 2010 hat Net-Metering jedenfalls seinen Platz auf der Agenda der Entwickler des neuen IRP. Dies bestätigt den Willen Südafrikas, weiterhin die Energieversorgung des Landes auf einen erneuerbaren Energiemix umzustellen und die Energieknappheit in den Griff zu bekommen.

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Anna-Lena Becker, LL.M.

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